Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Claire Grobecker, Elle Krack-Roberg, Olga Pötzsch, Bettina Sommer

Altersaufbau, Geburtenentwicklung und Lebenserwartung

Altersaufbau

Die Zahl der Geburten beeinflusst unmittelbar den Altersaufbau der Bevölkerung. Außerdem besteht eine Wechselwirkung zwischen der Stärke eines Altersjahrgangs und den Geburten sowie Sterbezahlen: Zum einen beeinflusst die Stärke der einzelnen Altersjahrgänge die Zahl der Geburten und Sterbefälle in bestimmten Zeiträumen, gleichzeitig wirken sich aber wiederum die Veränderungen von Geburtenhäufigkeit oder Sterblichkeit auch auf die Stärke der jeweiligen Jahrgänge aus. Langfristig führen solche Veränderungen zu einer Verschiebung der Anteile der einzelnen Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung. Ein zusätzlicher Faktor ist die Zu- und Abwanderung, da meist junge Erwachsene zu- oder abwandern. In Deutschland führen diese verschiedenen Faktoren dazu, dass die Gruppe der Kinder und Jugendlichen kleiner wird und die Gruppe der Menschen im Rentenalter wächst, während sich der Anteil der Personen im erwerbsfähigen Alter – derzeit – wenig verändert. Entgegen diesem Trend erhöhte sich 2015 und 2016 infolge der massiven Zuwanderung von jungen Menschen der Anteil der Kinder und Jugendlichen leicht.

Den Altersaufbau der Bevölkerung und dessen Veränderungen veranschaulichen Abbildung 1 sowie Tabelle 4. Dabei zeigt sich deutlich, wie die Basis der Pyramide – also die neuen Generationen – schmaler wird, während die stärksten Jahrgänge zwischen 50 und 60 Jahre alt sind.
Bevölkerung nach Altersjahren und Geschlecht 2016 — in Tausend je AltersjahrBevölkerung nach Altersjahren und Geschlecht 2016 — in Tausend je Altersjahr Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

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Info 2

Bevölkerungspyramide

Um den Altersaufbau der Bevölkerung zu veranschaulichen, verwendet die Statistik eine grafische Darstellungsform, die als Alterspyramide bezeichnet wird, auch wenn sie – für Deutschland betrachtet – längst keine Pyramidenform mehr hat. So gleicht sie heute optisch eher einer "zerzausten Wettertanne", wie sie einmal bildhaft beschrieben wurde.

Eine interaktive Bevölkerungspyramide auf www.destatis.de ermöglicht es, die Veränderung der Altersstruktur im Zeitraum zwischen 1950 und 2060 zu verfolgen und dabei einen bestimmten Geburtsjahrgang zu beobachten. Die Anwendung basiert auf den Ergebnissen der 13. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung für Deutschland.


Im Jahr 2016 betrug in Deutschland der Anteil der Heranwachsenden (unter 20-Jährige) 18 %. Auf die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter (20 bis 64 Jahre) entfielen 60 % und der Seniorenanteil (65-Jährige und Ältere) lag bei 21 %. Rund 6 % der Bevölkerung waren hochbetagt, das heißt 80 Jahre oder älter. Der Jugendquotient (Zahl der unter 20-Jährigen je 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren) lag bei 31 und somit unter dem Altenquotienten (Zahl der 65-Jährigen und Älteren je 100 Personen zwischen 20 und 64 Jahren) mit 35. Im Jahr 1950 lag der Jugendquotient noch bei 51 und der Altenquotient bei 16. Seit 2006 übersteigt der Altenquotient jedoch den Jugendquotienten (siehe auch Abschnitt 1.1.4).
Entwicklung der AltersstrukturEntwicklung der Altersstruktur Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

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Info 3

Jugendquotient, Altenquotient und Gesamtquotient

Neben der absoluten Zahl der Bevölkerung in einem bestimmten Alter ist die Beziehung zwischen den verschiedenen Altersgruppen ein Charakteristikum des Alterungsprozesses. Wird der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter die jüngere Bevölkerung – für deren Aufwachsen, Erziehung und Ausbildung gesorgt werden muss – gegenübergestellt, so ergibt sich der Jugendquotient. Wird die Zahl der Personen im Rentenalter, also der potenziellen Empfänger von Leistungen der Rentenversicherung oder anderer Alterssicherungssysteme, auf die Zahl der Personen im Erwerbsalter bezogen, ergibt sich der Altenquotient. Beide Quotienten zusammen addieren sich zum Gesamtquotienten, der aufzeigt, in welchem Ausmaß die mittlere Altersgruppe sowohl für die jüngere als auch für die ältere Bevölkerung, die beide nicht im Erwerbsleben stehen, im weitesten Sinne zu sorgen hat. Für die Abgrenzung des erwerbsfähigen Alters wird hier die Altersspanne von 20 bis 64 Jahren gewählt, da in dieser Lebensphase die meisten Menschen erwerbstätig sind.


Beim Altersaufbau gibt es ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern. So lag 2016 der Anteil der Seniorinnen und Senioren in den neuen Bundesländern (ohne Berlin) bereits bei 25 % (21 % in den alten Bundesländern), der Anteil der Kinder und Jugendlichen unter 20 Jahren fiel mit 17 % dagegen niedriger aus (19 % in den alten Bundesländern). In Berlin lebten Ende 2016 verhältnismäßig weniger Seniorinnen und Senioren (19 %), dagegen war der Anteil der unter 20-Jährigen mit 18 % durchschnittlich.

Die Zahl der jungen Menschen unter 20 Jahren war bundesweit ab Mitte der 1990er-Jahre (1996: 17,7 Millionen) bis 2013 (14,7 Millionen) rückläufig. Seit 2014 wird infolge der verstärkten Zuwanderung und von mehr Geburten wieder ein Zuwachs verzeichnet (2016: 15,2 Millionen). Am stärksten ist dabei die Gruppe der 15- bis 19-Jährigen, da die Zuwanderung ab einem Alter von 17 bis 18 Jahren deutlich höher ausfällt als bei jüngeren Kindern und Jugendlichen.
Entwicklung der Altersstruktur bei Kindern und JugendlichenEntwicklung der Altersstruktur bei Kindern und Jugendlichen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

In Deutschland werden etwa 5 % mehr Jungen als Mädchen geboren. Im Jahr 2016 kamen im Durchschnitt auf 100 neugeborene Mädchen 105 Jungen. Da Männer statistisch gesehen nicht so alt werden wie Frauen, verändern sich die Anteile von Frauen und Männern mit den Altersgruppen. Einen weiteren Faktor stellt die Zuwanderung dar, weil junge Männer im Vergleich zur in Deutschland lebenden Bevölkerung unter den Zuwanderern überrepräsentiert sind. Dies führt dazu, dass bis zu einem Alter von etwa 55 Jahren der Männeranteil überwiegt und der Männerüberhang am stärksten in der Gruppe der 16- bis 30-Jährigen ist. In der Altersgruppe der 55- bis 59-Jährigen befinden sich ungefähr gleich viele Männer wie Frauen. In den höheren Altersgruppen überwiegen dann zunehmend Frauen: In der Gruppe der 60- bis 69-Jährigen sind es 52 %, bei den 70- bis 79-Jährigen 55 % und bei den 80-jährigen oder älteren Personen sogar 64 %. Gründe für den geringeren Männeranteil in den höchsten Altersgruppen sind neben der höheren Lebenserwartung von Frauen auch heute noch die starken Männerverluste durch den Zweiten Weltkrieg. Mit den nachlassenden demografischen Auswirkungen des Krieges steigt mittlerweile aber auch der Anteil der Männer an den Hochbetagten (27 % im Jahr 2000; 36 % im Jahr 2016).

Geburtenentwicklung

Die Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg waren in Deutschland durch hohe Geburtenzahlen geprägt. Ab 1947 wurden deutlich mehr Geburten als Sterbefälle registriert. Der darauffolgende Babyboom wandelte sich Ende der 1960er-Jahre zu einem starken Rückgang der Geburten. Die Zahl der lebend geborenen Kinder ging vom Höchststand im Jahr 1964 (1,36 Millionen) bis auf 782.000 im Jahr 1975 zurück. Danach gab es von 1976 bis 1990 einen Anstieg der jährlichen Geburtenzahlen von 798.000 auf 906.000. Seit 1997 (812.000 Geburten) war wieder ein kontinuierlicher Geburtenrückgang zu beobachten. Im Jahr 2005 wurden erstmals unter 700.000 Kinder geboren und im Jahr 2011 wurde mit 663.000 Neugeborenen die niedrigste Geburtenzahl seit 1946 registriert. Im Jahr 2016 lag die Zahl der Geburten mit 792.000 wieder deutlich höher.
Lebendgeborene und Gestorbene in Deutschland 1946–2016 — in TausendLebendgeborene und Gestorbene in Deutschland 1946–2016 — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Der Geburtenrückgang bewirkte, dass seit 1972 jedes Jahr weniger Kinder geboren wurden als Menschen starben. Besonders groß war die Differenz zwischen den Geburten- und Sterbefällen mit 212.000 Personen im Jahr 2013. In den letzten Jahren hat sich diese allmählich reduziert, da die Zahl der Geburten angestiegen ist und die Sterbefälle relativ stabil waren. Im Jahr 2016 war die Anzahl der Geborenen "nur" um 118.000 kleiner als die Zahl der Sterbefälle.

Geburtenhäufigkeit im Zeitverlauf

Die Zahl der geborenen Kinder hängt einerseits von der Anzahl potenzieller Eltern – welche sich aus der Bevölkerungsentwicklung ergibt – und andererseits von der relativen Geburtenhäufigkeit (Fertilität) der Frauen ab. Die Veränderung der Geburtenhäufigkeit von Jahr zu Jahr wird mit der zusammengefassten Geburtenziffer (total fertility rate, TFR) gemessen. In Westdeutschland verringerte sich diese ab Mitte der 1960er-Jahre stark und stabilisierte sich ab Ende der 1970er-Jahre, jedoch auf niedrigem Niveau. Die zusammengefasste Geburtenziffer betrug hier fast 40 Jahre lang rechnerisch 1,3 bis 1,4 Kinder je Frau; im Jahr 2014 erreichte sie erstmals wieder knapp 1,5 Kinder je Frau. In der ehemaligen DDR war es in den 1970er-Jahren auch zu einem starken Rückgang der Geburtenhäufigkeit gekommen, dem aber bald ein Anstieg folgte. Bis Mitte der 1980er-Jahre nahm die Geburtenhäufigkeit hier wieder ab. Anfang der 1990er-Jahre kam es nach der deutschen Vereinigung zu einem vorübergehend starken Einbruch der Geburtenzahlen in den neuen Ländern, der mit den Unsicherheiten des Transformationsprozesses zusammenhing. Seit 1995 nimmt die zusammengefasste Geburtenziffer in den ostdeutschen Flächenländern fast kontinuierlich zu und ist seit 2008 höher als im früheren Bundesgebiet.
Zusammengefasste Geburtenziffer 1950–2016 — Kinder je FrauZusammengefasste Geburtenziffer 1950–2016 — Kinder je Frau Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Seit 2012 steigt die Fertilität in Deutschland. Im Jahr 2016 betrug die zusammengefasste Geburtenziffer 1,59 Kinder je Frau, das war das höchste Fertilitätsniveau seit 42 Jahren. In Westdeutschland war die Geburtenhäufigkeit mit 1,60 Kindern je Frau geringer als in den ostdeutschen Flächenländern (1,64 Kinder je Frau).

Entwicklung der Kohortenfertilität

Welche Prozesse sich hinter diesen Veränderungen vollziehen, zeigen die Indikatoren des Geburtenverhaltens der Frauen in der Lebensperspektive, die sogenannte Kohortenfertilität. Die wesentlichen Charakteristika sind dabei die Kinderzahl je Frau eines Jahrgangs, das Alter der Frauen bei Geburt, die Kinderlosenquote sowie die Zahl der Kinder einer Mutter und die Abstände zwischen deren Geburten.

Die in den 1930er-Jahren geborenen Frauen – im Wesentlichen die Mütter der Babyboom-Generation – haben durchschnittlich mehr als zwei Kinder geboren. Ihre Familiengründungsphase fiel in die Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs der 1950er- und 1960er-Jahre. Bereits innerhalb der 1930er-Jahrgänge deutete sich jedoch an, dass die endgültige Kinderzahl kontinuierlich abnimmt. Besonders schnell sank sie zwischen den Kohorten 1934 und 1944 aufgrund des Rückgangs des Anteils der Mütter mit vier oder mehr Kindern. Anschließend stabilisierte sich die Verteilung der Mütter nach der Zahl der geborenen Kinder weitgehend, wobei die Kinderlosigkeit kontinuierlich zunahm. Dies führte zu einem weniger rasanten, jedoch beständigen Rückgang der Kohortenfertilität bis zu den späten 1960er-Jahrgängen. Der jüngste Jahrgang, der das fünfzigste Lebensjahr erreichte und dessen kumulierte Geburtenziffer daher statistisch als endgültig gilt, ist der Jahrgang 1967 mit insgesamt 1,50 Kindern je Frau.
Kohortenfertilität insgesamt sowie im Alter unter beziehungsweise ab 30 Jahren 2016 — Kinder je FrauKohortenfertilität insgesamt sowie im Alter unter beziehungsweise ab 30 Jahren 2016 — Kinder je Frau Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die endgültige Kinderzahl wird offenbar bei den Jahrgängen 1967 und 1968 ihren tiefsten Stand erreichen. Danach ist eine leichte Erholung der Kohortenfertilität zu erwarten. Zu dieser Erholung trägt einerseits bei, dass sich die kumulierte Kohortenfertilität bis zum Alter von 29 Jahren bei den Jahrgängen 1969 bis 1973 stabilisierte. Außerdem nahm bei Frauen dieser Jahrgänge die Fertilität im Alter ab 30 Jahren kontinuierlich zu. Zusammen haben diese beiden Effekte für eine günstige Konstellation gesorgt, die sich jedoch ab dem Jahrgang 1974 nicht mehr fortsetzt. Zwischen den Jahrgängen 1974 und 1984 nahm die kumulierte Fertilität bis zum Alter von 29 Jahren wieder kontinuierlich ab. Ob der gegenwärtige Fertilitätsanstieg im Alter ab 30 Jahren dafür ausreicht, die sinkende Geburtenhäufigkeit im jüngeren gebärfähigen Alter zu kompensieren oder sogar die endgültige Kinderzahl zu erhöhen, ist noch offen.

Zeitpunkt der Familiengründung

Der Trend zur späteren Familiengründung kennzeichnet wesentlich das Geburtenverhalten der letzten vier Jahrzehnte. Der Anteil der Frauen, die noch vor ihrem 30. Geburtstag das erste Kind bekommen, nimmt dadurch weiter ab. Anfang der 1970er-Jahre waren Frauen im früheren Bundesgebiet bei der ersten Geburt durchschnittlich gut 24 Jahre alt. Im Jahr 2016 waren sie mit fast 30 sechs Jahre älter. Die ostdeutschen Frauen waren bei der ersten Geburt bis zum Ende der 1980er-Jahre im Durchschnitt mit 23 Jahren sehr jung. Nach der deutschen Vereinigung stieg das Alter bei der Familiengründung in den neuen Ländern umso schneller. Im Jahr 2016 bekamen die Frauen in Ostdeutschland ihr erstes Kind durchschnittlich im Alter von rund 29 Jahren, also sechs Jahre später als noch im Jahr 1989 (23 Jahre). Im bundesdeutschen Durchschnitt waren 2016 die Mütter beim ersten Kind fast 30 Jahre alt. Damit verengt sich zunehmend die Lebensphase, in der Frauen Familien gründen und weitere Kinder zur Welt bringen können. Eine der Folgen dieser Entwicklung ist die Zunahme der Geburten bei Frauen im Alter ab 40 Jahren. Zwischen 2000 und 2016 stieg der Anteil der Babys mit Müttern im Alter ab 40 Jahren von 2,1 % auf 4,0 %. Erste Geburten sind aber im Alter ab 40 Jahren immer noch relativ selten. Lediglich 2,4 % der ersten Kinder wurden 2016 von Frauen im Alter ab 40 Jahren geboren. Ab dem Alter von 42 Jahren waren es lediglich 0,9 %. Im Hinblick auf Kinderlosigkeit bedeutet dies, dass die Kinderlosenquote ab dem Alter von 42 Jahren statistisch als quasi endgültig betrachtet werden kann (zur Entwicklung der Kinderlosigkeit siehe Kapitel 2.4).

Durchschnittlich zwei Kinder bekommen Mütter in Deutschland im Lauf ihres Lebens. Zwischen den 1930er- und 1940er-Kohorten sank die durchschnittliche Kinderzahl je Mutter von 2,3 auf 2,0. Dazu trug insbesondere der Rückgang der kinderreichen Mütter bei. Der Anteil der Mütter mit vier oder mehr Kindern hatte sich in diesen Jahrgängen von 12 % auf 6 % halbiert. Anschließend stabilisierte sich die Verteilung nach der Zahl der geborenen Kinder. Die zwischen Mitte der 1940er- und Anfang der 1970er-Jahre geborenen Mütter hatten etwa zu 31 % "nur" ein Kind, zu 48 % zwei Kinder, zu 15 % drei Kinder und zu 6 % vier oder mehr Kinder zur Welt gebracht.

Weiterer Familienzuwachs folgt meistens erst nach einigen Jahren. Der mittlere Abstand zwischen der ersten und der dritten Geburt beträgt gut sieben Jahre. Da immer mehr Frauen erst in ihren Dreißigern das erste Kind bekommen, wäre es für einen stabilen Anteil der Mütter mit mehr als zwei Kindern erforderlich, dass sich die mittleren Abstände zwischen den Geburten verringern. Bisher ist jedoch eine solche Veränderung nicht sichtbar. Die seit 2009 verfügbaren Angaben über die vollständige Geburtenfolge der Mütter zeigen, dass die Intervalle zwischen den Geburten von 2009 bis 2016 unverändert geblieben sind. In 50 % der Fälle kommt ein zweites Kind innerhalb von 3,1 Jahren nach dem Erstgeborenen zur Welt. Die anderen 50 % der zweitgeborenen Kinder haben einen größeren Abstand zum älteren Geschwisterkind. Die dritten Kinder folgen in der Regel mit einem noch größeren zeitlichen Intervall nach der Geburt des zweiten Kindes: Die Hälfte aller dritten Geburten ereignet sich innerhalb von 3,8 Jahren, die andere Hälfte erfolgt noch später.

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Mütter im Teenageralter und ab 40 Jahren

Junge Frauen, die vor ihrem 20. Geburtstag ihr erstes Kind zur Welt bringen, werden in Deutschland und der Europäischen Union (EU) immer seltener. Die Zahl der Erstgeborenen mit einer Mutter unter 20 Jahren sank in Deutschland von 2010 bis 2016 von rund 16.600 auf rund 15.800. Der Anteil an allen Erstgeborenen ging von 5,0 % auf 4,1 % zurück.

Im EU-Durchschnitt hatten 2016 laut dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) 4,9 % aller Erstgeborenen eine Mutter unter 20 Jahren. Den EU-weit höchsten Anteil von Teenagermüttern gab es 2016 in Rumänien mit 14,2 % und Bulgarien mit 13,6 %. Unter 2 % lag der Anteil in Slowenien, Italien, den Niederlanden, Dänemark und Schweden.

Die Zahl der erstgeborenen Kinder mit einer Mutter ab 40 Jahren erhöhte sich in Deutschland zwischen 2010 und 2016 von rund 8.500 auf rund 9.200. Das waren im Jahr 2016 rund 2,4 % der Erstgeborenen. Der Anteil blieb gegenüber 2010 (2,5 %) relativ stabil.

In elf EU-Staaten war der Anteil der Erstgeborenen von Müttern im höheren gebärfähigen Alter größer als in Deutschland. In Italien hatten 2016 bereits 7,2 % der Erstgeborenen eine Mutter ab 40 Jahren. In Spanien waren es 6,6 % und in Griechenland 5,3 %. Am geringsten war der Anteil in Litauen mit 1,0 %. Der EU-Durchschnitt lag bei 3,2 %.

Das durchschnittliche Alter der Mütter 2016 bei der Geburt des ersten Kindes in der Europäischen Union zeigt Kapitel 11.1, Abb 3.

Zunahme der Geburten durch ausländische Mütter

Neben den Veränderungen im Geburtenverhalten allgemein beeinflusst zunehmend auch die Fertilität der Zuwanderinnen das Geburtengeschehen in Deutschland (hier: Frauen mit ausländischer Staatsangehörigkeit). Der Anteil der ausländischen Frauen an den Frauenjahrgängen war bei den frühen 1960er-Jahrgängen mit etwa 9 % halb so hoch wie bei den 1970er-Jahrgängen mit 18 %. Seit 2014 stieg außerdem die Anzahl der potenziellen Mütter aus den Ländern mit traditionell relativ hoher Kinderzahl je Frau. Im Jahr 2016 betrug die zusammengefasste Geburtenziffer der ausländischen Frauen 2,28 Kinder je Frau und war damit deutlich höher als im Jahr 2011 (1,82 Kinder je Frau, Stand nach der durch den Zensus 2011 bedingten Korrektur der Bevölkerungszahlen). Ausgehend von den Erfahrungen der früheren Wanderungsbewegungen ist damit zu rechnen, dass die Fertilität in den ersten Jahren nach der Flucht aus Kriegs- und Krisengebieten besonders stark ansteigen und nach einigen Jahren sinken wird.

Lebenserwartung

Die Lebenserwartung ist in den letzten hundert Jahren beträchtlich gestiegen. Hierbei spielte die Verringerung der Säuglings- und Kindersterblichkeit lange eine entscheidende Rolle. Im Deutschen Reich betrug die durchschnittliche Lebenserwartung im Zeitraum 1871/1881 für neugeborene Jungen 35,6 Jahre und für neugeborene Mädchen 38,5 Jahre. Aber schon Zehnjährige, die das Säuglings- und Kleinkindalter mit besonders hohen Sterberisiken hinter sich ließen, hatten eine weitere Lebenserwartung von 46,5 Jahren (Jungen) beziehungsweise 48,2 Jahren (Mädchen). Nach den Ergebnissen der auf die aktuellen Überlebensverhältnisse bezogenen Sterbetafel 2014/2016 betrug die Lebenserwartung neugeborener Jungen 78,3 und die der Mädchen 83,2 Jahre. Auch die fernere Lebenserwartung in höheren Altersjahren ist stark gestiegen. So hatten beispielsweise 65-jährige Männer 1871/1881 im Durchschnitt noch 9,6 Jahre zu leben. In den Jahren 2014/2016 waren es bereits 17,8 Jahre. Bei den Frauen ist diese Entwicklung noch stärker ausgeprägt: Lag der Wert für den Zeitraum 1871/1881 bei 10,0 Jahren, so konnten 65-jährige Frauen 2014/2016 durchschnittlich 21,0 weiteren Lebensjahren entgegensehen. Von den Frauen, die 2016 starben, war über ein Viertel 90 Jahre oder älter. Mindestens 100 Jahre alt waren rund 5.700 der gestorbenen Frauen und etwa 900 verstorbene Männer.
Durchschnittliche Lebenserwartung — in JahrenDurchschnittliche Lebenserwartung — in Jahren Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



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