Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Florian Göttsche

Historische Entwicklung der Zuwanderung

Im Jahr 2017 lebten in Deutschland 19,3 Millionen Menschen mit einem Migrationshintergrund, davon waren 6,1 Millionen Menschen, die in Deutschland geboren sind und 13,2 Millionen Zuwanderinnen und Zuwanderer. Diese Personen sind im Ausland geboren und im Lauf ihres Lebens nach Deutschland zugewandert; daher besitzen sie eigene Migrationserfahrung. Die Zuwanderung nach Deutschland begann bereits Anfang der 1950er-Jahre mit dem Zuzug von Aussiedlerinnen und Aussiedlern. Diese Menschen sind Angehörige deutscher Minderheiten aus mehreren Ländern Mittel- und Osteuropas und teilweise Zentralasiens, darunter vor allem aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion sowie aus Polen und Rumänien. Sie sind Nachkommen von Deutschen, die vor mehreren Jahrhunderten in diese Länder ausgewandert waren und dort über Generationen hinweg ihre Sprache und Kultur beibehalten hatten. Die Bundesrepublik Deutschland hatte 1953 mit dem Bundesvertriebenengesetz eine rechtliche Grundlage für die Rückkehr dieser Menschen geschaffen. Von 1950 bis 2017 kamen mehr als 4,5 Millionen (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler, der Großteil von 1985 bis 2004.

Die Ankunft der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter in den 1950er- und 1960er-Jahren unter anderem aus Italien, Spanien, Griechenland, der Türkei, Portugal und dem ehemaligen Jugoslawien war das zweite bedeutsame Ereignis in der Zuwanderungsgeschichte Deutschlands. Durch die lange Aufenthaltsdauer dieser Menschen sind aus dieser Zuwanderung in der Zwischenzeit neue Generationen entstanden. Ehemalige Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter haben in Deutschland Kinder und teilweise sogar bereits Enkel bekommen. Daher bilden auch heute noch Menschen mit Wurzeln in diesen sogenannten Gastarbeiter-Anwerbeländern eine sehr bedeutende Gruppe der Bevölkerung mit Migrationshintergrund in Deutschland (6,6 Millionen Menschen).

Die Europäische Union (EU) war für die Bundesrepublik Deutschland schon immer eine der wichtigsten Herkunftsregionen der Zuwanderinnen und Zuwanderer. Beispielsweise konnte auch in jüngerer Vergangenheit auf dem Höhepunkt der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 ein verstärkter Zuzug überdurchschnittlich gut gebildeter Personen aus den betroffenen Krisenländern wie Spanien registriert werden. Zusammen 5,1 Millionen der insgesamt 13,2 Millionen in Deutschland lebenden Zuwanderinnen und Zuwanderer kamen aus einem Mitgliedstaat der EU. Es ist sinnvoll, die Zuwanderung aus EU-Mitgliedstaaten danach zu unterscheiden, in welchem Jahr der EU-Beitritt erfolgte (siehe hierzu Kapitel 11.1, Abb 1). Grund dafür ist, dass die 3,4 Millionen Zuwanderer aus den seit 2004 beigetretenen EU-Mitgliedstaaten für die Einwanderung in Deutschland bedeutsamer sind und einer größeren Dynamik unterliegen als die 1,7 Millionen Zuwanderer aus den alten Mitgliedstaaten. Europa als Kontinent – das heißt die EU-Staaten und die sonstigen europäischen Staaten – ist weiterhin die wichtigste Herkunftsregion der Zuwanderinnen und Zuwanderer in Deutschland. Rund 67 % der insgesamt 13,2 Millionen Menschen dieser Personengruppe stammten aus einem europäischen Staat.

Seit dem Jahr 2014 rückte der Zuzug von Schutzsuchenden stark in den Fokus des öffentlichen Interesses. Diese Personengruppe kommt insbesondere aus den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens (zum Beispiel Syrien, Iran, Irak) und Nordafrikas (Marokko, Algerien, Tunesien, Ägypten) sowie Afghanistan und Pakistan. Allerdings gab es bereits in den 1990er-Jahren bedingt durch die kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Balkan einen starken Zuzug von Schutzsuchenden. Mit rund 438.200 Personen erreichte die Zahl der Asylbewerberinnen und Asylbewerber in Deutschland 1992 einen ersten Höchststand. Danach ging sie kontinuierlich bis auf 19.200 Personen im Jahr 2007 zurück. Dies vor allem, weil seit 1997 innerhalb der Europäischen Union im Rahmen der sogenannten Dublin-Verordnung grundsätzlich derjenige Mitgliedstaat den Asylantrag zu prüfen hat, in den die Asylbewerberin oder der Asylbewerber zuerst eingereist ist. Seit 2008 kamen wieder mehr Asylbewerberinnen und Asylbewerber nach Deutschland. Im Jahr 2014 wurden von 173.100 Personen neue Asylanträge gestellt. Das Jahr 2015 stellte mit 441.900 Anträgen sogar einen neuen Rekord dar, der 2016 mit 722.400 Anträgen nochmals übertroffen wurde. Die Zahlen für 2017 waren mit 198.300 Personen wieder rückläufig, aber historisch gesehen noch immer auf einem hohen Niveau.

Eine ausführlichere Beschreibung der historischen Entwicklung der Zuwanderung befindet sich in Kapitel 1.1.3.


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