Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Florian Göttsche

Schutzsuchende in Deutschland

Das Statistische Bundesamt hat im November 2017 erstmals Zahlen zu den in Deutschland lebenden Schutzsuchenden veröffentlicht. Damit wurde von der amtlichen Statistik ein Beitrag geleistet, um die politische und gesellschaftliche Debatte, die seit der vermehrten Zuwanderung Schutzsuchender im Jahr 2015 begonnen hatte, zu versachlichen. Die Daten stammen aus dem Ausländerzentralregister (AZR) im Bundesverwaltungsamt, das alle notwendigen Informationen über den aufenthaltsrechtlichen Status der in Deutschland registrierten Ausländerinnen und Ausländer enthält.

Zum Jahresende 2016 waren 1,6 Millionen Schutzsuchende in Deutschland registriert, das waren 16 % der ausländischen Bevölkerung. Schutzsuchende sind ausländische Personen, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten. Dazu zählen Personen, die sich vor oder im Asylverfahren befinden, Personen mit anerkanntem Schutzstatus wie Flüchtlinge nach der Genfer Konvention oder subsidiär Schutzberechtigte sowie abgelehnte Asylbewerberinnen und Asylbewerber, die sich weiterhin in Deutschland aufhalten.

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Info 4

Schutzsuchende nach dem Ausländerzentralregister

Um die humanitäre Immigration nach Deutschland abzubilden, hat das Statistische Bundesamt mithilfe des im Ausländerzentralregister gespeicherten Aufenthaltsstatus die Schutzsuchenden identifiziert. Schutzsuchende sind Ausländerinnen und Ausländer, die sich unter Berufung auf humanitäre Gründe in Deutschland aufhalten. Der Begriff "Schutzsuchende" wurde bewusst gewählt, um sich von den Alternativen – Flüchtlinge, Asylbewerber oder Asylberechtigte – abzugrenzen. Während diese Begriffe oftmals als Synonyme für geflüchtete Menschen genutzt werden, beschreiben sie im Ausländer- und Asylrecht jeweils nur eine spezifische Teilmenge der Schutzsuchenden.

Der Schutzstatus der Schutzsuchenden kann sehr differenziert nachgewiesen werden:
  • Ein offener Schutzstatus gibt an, dass über den Asylantrag der Person noch nicht abschließend entschieden wurde.
  • Personen mit anerkanntem Schutzstatus besitzen einen befristeten oder unbefristeten Aufenthaltstitel aus dem humanitären Bereich des Aufenthaltsgesetzes. Darunter befinden sich unter anderem die Flüchtlinge nach der Genfer Konvention, Asylberechtigte nach dem Grundgesetz sowie subsidiär Schutzberechtigte.
  • Schutzsuchende mit abgelehntem Schutzstatus halten sich nach Ablehnung im Asylverfahren oder nach Verlust ihres humanitären Aufenthaltstitels als Ausreisepflichtige in Deutschland auf. Bei diesen Schutzsuchenden kann weiter unterschieden werden, ob sie noch Rechtsmittel gegen die Entscheidung einlegen können oder nicht oder ob ihre Abschiebung zum Beispiel aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend ausgesetzt ist (Duldung).
Die veröffentlichten Zahlen liefern eine konservative Schätzung der Zahl der Schutzsuchenden in Deutschland, da Datensätze, bei denen der aufenthaltsrechtliche Status aus dem Ausländerzentralregister nicht eindeutig nachvollzogen werden kann, nicht berücksichtigt werden. Weiterführende Informationen finden sich in der Fachserie 1 "Bevölkerung und Erwerbstätigkeit", Reihe 2.4 "Schutzsuchende" (siehe www.destatis.de).

Schutzsuchende lassen sich nach dem sogenannten Schutzstatus unterscheiden. Personen, über deren Asylantrag noch nicht entschieden wurde, haben einen offenen Schutzstatus. Am Jahresende 2016 war dies bei 572.500 Schutzsuchenden der Fall (36 %). Bei 872.300 Schutzsuchenden (54 %) wurde das Gesuch auf Schutz positiv entschieden – sie verfügten Ende 2016 über einen anerkannten Schutzstatus. Beim überwiegenden Teil von ihnen war diese Anerkennung jedoch nur befristet (599.900 Menschen). Bei 157.700 Schutzsuchenden wurde der Antrag auf Asyl abgelehnt. Diese Personen waren daher ohne Schutzstatus und grundsätzlich ausreisepflichtig. Bei 75 % (118.100 Menschen) war diese Ausreisepflicht aufgrund einer Duldung jedoch vorübergehend ausgesetzt.
Schutzsuchende nach Schutzstatus — in TausendSchutzsuchende nach Schutzstatus — in Tausend Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Unter den 1,6 Millionen Schutzsuchenden befanden sich am Jahresende 2016 rund 400.800 Kinder unter 18 Jahren, 265.100 dieser Kinder waren im schulpflichtigen Alter ab 6 Jahren. Damit war der Kinderanteil in der schutzsuchenden Bevölkerung deutlich größer (25 %) als in der gesamten ausländischen Bevölkerung (14 %). Rund 24 % der schutzsuchenden Kinder hatten einen noch offenen Schutzstatus, weitere 65 % waren anerkannt und 11 % hatten einen abgelehnten Schutzstatus. Fast alle Kinder (95 %) mit einem anerkannten Status besaßen diesen nur zeitlich befristet. Zu den unbegleitet nach Deutschland eingereisten schutzsuchenden Kindern siehe auch Kapitel 2.3.

Etwa die Hälfte aller Schutzsuchenden kam aus drei Herkunftsländern: Syrien (454.800 Personen), Afghanistan (190.900 Menschen) und dem Irak (165.500 Personen). Die meisten Schutzsuchenden mit offenem Schutzstatus kamen aus Afghanistan (129.100 Personen), die meisten mit befristeter Anerkennung aus Syrien (346.900 Menschen). Bei den unbefristeten Anerkennungen lag die Russische Föderation (31.100 Personen) knapp vor dem Irak (30.800 Menschen). Die meisten Schutzsuchenden mit abgelehntem Antrag kamen aus Serbien (17.100 Personen) und Albanien (15.000 Menschen).

Bei den Schutzsuchenden dominieren junge Männer: Der Anteil der Männer unter den Schutzsuchenden lag bei 64 %. Insbesondere in den jüngeren Altersgruppen waren Männer überrepräsentiert.
Altersaufbau der Schutzsuchenden 2016 — in Tausend je AltersjahrAltersaufbau der Schutzsuchenden 2016 — in Tausend je Altersjahr Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Wie eingangs erwähnt, ist die Zuwanderung von Schutzsuchenden kein alleiniges Phänomen der Jahre 2015 und 2016. Bereits vor diesem Zustrom lebten Ausländerinnen und Ausländer aus humanitären Gründen in Deutschland, die zum Beispiel in der Zeit der kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland geflohen sind. Diese Menschen leben teilweise bereits seit gut zwei Jahrzehnten in der Bundesrepublik Deutschland. Rund 336.200 (21 %) der heutigen Schutzsuchenden sind zwischen 2010 und 2014 erstmals nach Deutschland eingereist, zwischen 2000 und 2009 kamen 156.700 Menschen (10 %), zwischen 1990 und 1999 waren es 189.500 Personen (12 %) und immerhin 37.900 (2 %) der heutigen Schutzsuchenden sind vor 1990 eingereist.


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