Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Florian Göttsche

Ausblick

Mehr als jeder fünfte Mensch in Deutschland hat seine Wurzeln im Ausland. Diese Bevölkerungsgruppe ist überdurchschnittlich jung. Sie wird in Zukunft noch weiter wachsen, zumindest wenn Deutschland weiterhin für so viele Menschen in der Welt ein attraktives Zuwanderungsland bleibt. Mittlerweile haben 36 % aller Kinder in Deutschland Wurzeln im Ausland, in manchen Regionen sind es bereits mehr als die Hälfte.

Die Integration der derzeit in Deutschland lebenden Menschen mit Migrationshintergrund lässt aber durchaus Wünsche offen. Das Bildungsniveau und die Erwerbsbeteiligung liegen unter dem Durchschnitt und ihre Armutsgefährdung ist hoch. Auch wenn sich seit 2005 die Lage absolut gesehen in mancher Hinsicht – wie auf dem Arbeitsmarkt – verbessert hat, so existieren weiterhin deutliche Nachteile gegenüber der einheimischen Bevölkerung.

Diese Nachteile haben direkten Einfluss auf die Entwicklungschancen der Kinder. Kinder mit Migrationshintergrund leben überwiegend in größeren Haushalten mit mehr Kindern, weniger Wohnfläche und geringerem Einkommen pro Kopf als Kinder mit Wurzeln in Deutschland. Sie leben häufiger in Haushalten ohne einen einzigen Erwerbstätigen und häufiger in Elternhäusern ohne einen Bildungsabschluss. Sie besuchen auch häufiger die Hauptschule und seltener das Gymnasium. In der Regel sind innerhalb der Gruppe der Kinder mit Migrationshintergrund die Nachteile von ausländischen Kindern ohne deutsche Staatsangehörigkeit noch größer als die der Kinder mit Migrationshintergrund und deutscher Staatsangehörigkeit. Besonders schwierig ist es zudem für Kinder aus Afrika – insbesondere Nordafrika – und dem Nahen und Mittleren Osten, während vor allem Kinder aus EU-Staaten vergleichsweise geringere Benachteiligungen haben.

Durch die noch immer hohe Nettozuwanderung wird sich in den kommenden Jahren die Zahl der Menschen mit Migrationshintergrund wahrscheinlich weiter erhöhen. Insbesondere der Zuzug der Schutzsuchenden wird innerhalb der Bevölkerung mit Migrationshintergrund zu demografischen und sozioökonomischen Verschiebungen führen. Diese Veränderungen sind im Mikrozensus 2017 noch nicht vollständig sichtbar. Das liegt vor allem daran, dass Schutzsuchende im Mikrozensus weiterhin unterrepräsentiert sind, da ab dem Mikrozensus 2017 nur für die Bevölkerung in Privathaushalten alle Merkmale erhoben werden. Für Schutzsuchende, die in Gemeinschaftsunterkünften leben, sind daher beispielsweise keine Informationen zur Bildung oder zur Erwerbstätigkeit verfügbar. Allerdings zeichnen sich schon jetzt in den Integrationsindikatoren Effekte ab, die auf die Zuwanderung der Schutzsuchenden zurückzuführen sind. Beispielsweise steigt seit 2014 der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund ohne Schulabschluss wieder an. Das zeigt einmal mehr, dass die Bevölkerung mit Migrationshintergrund keine homogene Gruppe darstellt. Ohne dieses Wissen wäre ein flüchtiger Blick auf die Statistik verzerrt. Auch deshalb ist eine differenzierte Betrachtung dieser Thematik so wichtig.


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