Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Rembrandt Scholz

Entwicklung der Lebenserwartung

In Abbildung 1 sind die Trends der durchschnittlichen Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland nach Geschlecht und Region dargestellt. Bis Mitte der 1960er-Jahre bestanden kaum Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Bei Frauen weitete sich zwischen Mitte der 1970er-Jahre und 1990 eine Schere zugunsten der Westdeutschen. Nach der Vereinigung glich sich die Sterblichkeit bis 2003 wieder an und liegt seitdem in beiden Landesteilen auf ähnlichem Niveau. Bei Männern waren die Lebenserwartungswerte im Zeitraum zwischen 1961 und 1976 im Osten Deutschlands günstiger, seit 1977 kehrte sich dieses Verhältnis um. Nach 1991 glichen sich die Werte wieder zunehmend an, von 2003 bis 2015 verblieb eine konstante Differenz von einem Lebensjahr.
Trend der mittleren Lebenserwartung bei Geburt in Ost- und Westdeutschland nach Geschlecht 1956 – 2015 — in JahrenTrend der mittleren Lebenserwartung bei Geburt in Ost- und Westdeutschland nach Geschlecht 1956 – 2015 — in Jahren Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Berücksichtigt man die Merkmale Beschäftigung, Arbeitslosigkeit, Krankenversicherung und Staatsbürgerschaft, lässt sich eine bis zu 50 % erhöhte Sterblichkeit der ostdeutschen Männer im Altersbereich von 35 bis 54 Jahre erklären. Die höhere Sterblichkeit in den ostdeutschen Ländern ist die Konsequenz einer im Vergleich zu den westdeutschen Ländern ungünstigeren Zusammensetzung der Bevölkerung hinsichtlich der Altersstruktur, des Ausländeranteiles und der sozioökonomischen Faktoren (Beschäftigungsstatus, Arbeitslosigkeit, Art der Tätigkeit). Werden diese Merkmale berücksichtigt, kann nahezu die gesamte Differenz in den Mortalitätsraten der Männer zwischen den beiden Regionen erklärt werden.

In Ost- und Westdeutschland haben offensichtlich verschiedene Arbeitsmarktlagen, selektive Zuwanderung aus dem Ausland sowie die Ost-West-Wanderungen einen Einfluss auf die unterschiedliche Sterblichkeit. Arbeitslose Männer haben ein zweifach höheres Sterberisiko. Wenn sich die Arbeitsmarktsituation in Ost- und Westdeutschland angleicht, wird daher auch eine sukzessive Angleichung der Mortalität bei Männern erwartet.

Die Rahmenbedingungen der medizinischen Versorgung waren in Ost- und Westdeutschland sehr unterschiedlich und haben sich erst nach 1990 angeglichen, was die Ausstattung des ambulanten und stationären Bereiches, die Erbringung ärztlicher Leistungen, die medizintechnologischen Möglichkeiten und das Finanzierungsvolumen betrifft. Vor 1990 hatten die begrenzten ökonomischen Ressourcen im Osten Deutschlands vor allem für Personen im höheren Alter ungünstige Folgen. Inzwischen sind die Unterschiede im Bereich der medizinischen Versorgung vollständig ausgeglichen. Weitere Merkmale, die die Lebenserwartung beeinflussen, sind Bildung, Einkommen und damit zusammenhängend die Rentenhöhe. Bei Männern, die mindestens 32 Entgeltpunkte der gesetzlichen Rentenversicherung erworben haben (siehe Kapitel 8.5), ergibt sich ein linearer Zusammenhang mit der Lebenserwartung: Je mehr Entgeltpunkte erreicht wurden, desto höher ist die Lebenserwartung. Diesbezüglich gibt es keinen Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschen im Alter ab 65 Jahren.


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