Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Hans-Werner Freitag, Andreas Schulz

Bildungsniveau der Bevölkerung

Die Qualifikation der Bevölkerung ist von großer gesamtwirtschaftlicher Bedeutung, da vor allem die Qualität der menschlichen Arbeitskraft (sogenanntes Humankapital) das Leistungsvermögen einer Volkswirtschaft bestimmt. Für den Einzelnen verbessert ein hoher Bildungsstand die Erwerbschancen sowie die Chancen auf eine individuelle Lebensführung und die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Aktuelle Angaben über den Bildungsstand der Gesamtbevölkerung werden jährlich aus dem Mikrozensus gewonnen, der größten jährlich durchgeführten Haushaltsbefragung Europas (siehe Kapitel 2.1, Info 1).

Dem Mikrozensus 2016 zufolge hatten 53 % der Befragten ab 25 Jahren einen sogenannten höherwertigen Schulabschluss: Einen mittleren Abschluss besaßen 23 %, und 31 % Abitur oder Fachhochschulreife. In der Gruppe der 25- bis 29-Jährigen konnten gut 79 % einen solchen Abschluss vorweisen (28 % mittleren Abschluss, 50 % Fachhochschul- oder Hochschulreife). Von den Altersjahrgängen ab 60 Jahren hatten dagegen lediglich 15 % einen mittleren Abschluss und 19 % die Fachhochschul- oder Hochschulreife.
Allgemeinbildender Schulabschluss der Bevölkerung 2016Allgemeinbildender Schulabschluss der Bevölkerung 2016 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Als höchsten beruflichen Bildungsabschluss besaßen im Jahr 2016 rund 51 % der Bevölkerung ab 25 Jahren eine Lehre. Über einen akademischen Abschluss (einschließlich Promotion) verfügten 19 %, und 10 % über einen Fachschulabschluss beziehungsweise einen Fachschulabschluss der ehemaligen DDR. Weitere 18 % hatten (noch) keinen beruflichen Abschluss und waren auch nicht in Ausbildung.
Beruflicher Bildungsabschluss der Bevölkerung 2016Beruflicher Bildungsabschluss der Bevölkerung 2016 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Heute werden die Angebote des allgemeinen Bildungssystems von Frauen und Männern gleichberechtigt wahrgenommen, sodass bei der jüngeren Generation mittlerweile mehr Frauen als Männer einen höheren Bildungsabschluss nachweisen. In der Altersgruppe der 25- bis 29-Jährigen hatten im Jahr 2016 knapp 48 % der Männer und 53 % der Frauen Abitur oder Fachhochschulreife. Betrachtet man den Migrationshintergrund der Bevölkerung, so verläuft die Entwicklung des Bildungsstandes unterschiedlich: Bei Personen ohne Migrationshintergrund steigt der Anteil der Personen mit Hochschulreife bei den jüngeren Jahrgängen an. Bei der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen lag der Anteil bei 54 % und bei den 25- bis 29-Jährigen betrug er 51 %. Bei den Personen mit Migrationshintergrund lag der Anteil bei den 20- bis 24-Jährigen bei 45 %, während der Anteil bei den 25- bis 29-Jährigen bei 48 % lag. Bei den Hochschulabschlüssen ist dieser Unterschied nicht zu beobachten: Hier steigt der Anteil bei beiden Personengruppen – mit und ohne Migrationshintergrund – zu den jüngeren Jahrgängen hin an. Im Jahr 2016 verfügten 29 % der 30- bis 34-Jährigen ohne Migrationshintergrund und 26 % der 30- bis 34-Jährigen mit Migrationshintergrund über einen Hochschulabschluss. Bei der Altersgruppe der 35- bis 39-Jährigen betrug der Anteil 27 % beziehungsweise 23 %.

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Bildungsstand von Personen mit Migrationshintergrund nach Zeitpunkt des Zuzugs

Der Bildungsstand der Bevölkerung ab 25 Jahren unterscheidet sich zwischen Personen mit und ohne Migrationshintergrund. Im Jahr 2016 besaßen 33 % der Personen mit Migrationshintergrund dieser Altersgruppe die Hochschulreife, während es bei den Personen ohne Migrationshintergrund 30 % waren. Beim Hochschulabschluss lag der Anteil für beide Bevölkerungsgruppen bei jeweils 19 %.

Bei Personen mit Migrationshintergrund unterscheidet sich der Bildungsstand zudem stark nach Herkunftsland und Zuzugsjahr. Unter den zwischen 2000 und 2009 Zugezogenen ab 25 Jahren (vor allem Zuwanderung aus Osteuropa infolge des EU-Beitritts 2004) finden sich mehr Hochschulabsolventinnen und Hochschulabsolventen (26 %) als im Bevölkerungsdurchschnitt (19 %). Bei den Neuzuwanderungen ab 2014 (vor allem Zuwanderung von Schutzsuchenden aus den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens, Afghanistan und Pakistan) lag dieser Anteil mit 29 % wieder unter dem Anteil der Personen mit Hochschulabschluss, die im Zeitraum von 2010 bis 2013 nach Deutschland zugewandert sind (33 %). Dabei handelte es sich überwiegend um gut ausgebildete Menschen, die nach der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise aus den südeuropäischen EU-Ländern Spanien, Portugal, Italien und Griechenland nach Deutschland zugewandert sind.

Ein anderes Bild zeigt sich bei den Personen ohne Berufsabschluss. Hier lag 2016 der Anteil bei den Zugewanderten ab 25 Jahren in allen Zuzugsjahren über 37 % und damit deutlich über dem Bevölkerungsdurchschnitt von 19 %. In den Zuzugsjahren von 2014 bis 2016 lag der Anteil mit 43 % noch einmal deutlich höher als in den Vorjahren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass der Anteil der Personen ohne Berufsausbildung in der Mehrzahl der wichtigsten Herkunftsländer in diesen Jahren höher lag als üblich. Während sich die Zahl der Zuwanderer ohne Berufsabschluss für die meisten Herkunftsländer ab 2014 nur geringfügig verändert hat, stieg die Zahl der Zuwanderer mit einen hohem Anteil an Personen ohne Berufsabschluss aus den Ländern Syrien, Irak und Afghanistan im Vergleich zu den Vorjahren sehr stark an.


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