Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Reinhard Pollak

Teilnahme an Weiterbildung

Wie viele Personen nehmen an Weiterbildung in Deutschland teil? Die Auswertungen des Adult Education Survey zeigen, dass jährlich etwas über die Hälfte der 25- bis 64-Jährigen in Deutschland an formalem und / oder nonformalem Lernen teilnimmt (52 % im Jahr 2016). Sehr auffällig ist, dass in der hier dargestellten Altersspanne das nonformale Lernen bei Weitem das formale Lernen übersteigt, das heißt, die Weiterbildung in allererster Linie über Kurse und Lehrgänge und nicht über zusätzliche Bildungszertifikate geschieht. Bei den 25- bis 64-Jährigen strebten 2016 nur 3 % einen weiteren Bildungs- oder Berufsabschluss an. Dieser Anteil ist nahezu unverändert über die Zeit, ein Trend zu mehr formalem Lernen ist nicht zu erkennen. Beim nonformalen Lernen ist ebenfalls kein Trend erkennbar, jeweils rund 50 % der Befragten berichteten, in den letzten zwölf Monaten Kurse, Lehrgänge oder Seminare besucht zu haben. Für informelles Lernen sind die Zahlen des Adult Education Survey über die Zeit nicht vergleichbar. Im Jahr 2016 gaben von den 25- bis 64-jährigen Befragten 43 % an, dass sie sich an informellen Lernaktivitäten beteiligt hätten. Häufig waren dies Menschen, die auch über formale oder nonformale Lernaktivitäten berichteten.
Beteiligung von 25- bis 64-Jährigen an formalem und nonformalem Lernen in Deutschland 2012 – 2016 — in ProzentBeteiligung von 25- bis 64-Jährigen an formalem und nonformalem Lernen in Deutschland 2012 – 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Wie ungleich ist die Weiterbildungsteilnahme in der Bevölkerung verteilt? Gibt es Unterschiede nach Geschlecht, Alter, Bildung und Erwerbsstatus sowie zwischen Ost- und Westdeutschland? Wegen der zahlenmäßig besonderen Bedeutung von nonformalem Lernen werden im Folgenden vor allem Ergebnisse für diese Form der Weiterbildung dargestellt. Hierfür werden Ergebnisse für alle Erwachsenen im Alter von 18 bis 64 Jahren gezeigt.

In der erwachsenen Bevölkerung bis 64 Jahre berichtete 2016 jeder Zweite über eine nonformale Lernaktivität in den vergangenen zwölf Monaten. Deutliche Unterschiede gab es im Ausmaß der Beteiligung zwischen verschiedenen Erwerbsgruppen: 56 % der Erwerbstätigen nahmen mindestens einmal im Jahr an einem Kurs oder Lehrgang teil. Hingegen nahmen Arbeitslose oder Nichterwerbspersonen (das heißt nicht arbeitend und nicht aktiv arbeitsuchend) mit 27 % beziehungsweise 29 % nur halb so oft an nonformaler Weitbildung teil wie Erwerbstätige. Ein Grund hierfür ist, dass Kurse und Lehrgänge häufig über den Arbeitgeber angeboten werden. Das bedeutet aber auch, dass Arbeitslose und Nichterwerbspersonen, denen Weiterbildung vermutlich viel für den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt bringen würde, nur bedingt Zugang zu denjenigen Kursen und Lehrgängen haben, die für Arbeitgeber relevant sind.
Beteiligung an nonformalem Lernen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen 2012 – 2016 — in ProzentBeteiligung an nonformalem Lernen für unterschiedliche Bevölkerungsgruppen 2012 – 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Ähnlich deutlich sind die Unterschiede nach dem höchsten beruflichen Abschluss. Während ungefähr zwei Drittel (68 %) der Menschen mit Hochschulabschluss in den vergangenen zwölf Monaten an Kursen oder Lehrgängen teilgenommen hatten, tat dies nur ein Drittel der Menschen ohne Berufsabschluss (34 %). Bei Personen mit abgeschlossener Lehre war es knapp die Hälfte (46 %). Weitergehende Analysen mit den Daten des Nationalen Bildungspanels zeigen, dass dieser Vorsprung von Menschen mit hohen Bildungsabschlüssen in erster Linie mittelbar über den ausgeübten Beruf zustande kommt. Personen mit hohen Abschlüssen üben Berufe aus, die viel Weiterbildung erfordern (zum Beispiel Ärztinnen und Ärzte, Juristinnen und Juristen, Steuerberaterinnen und -berater oder Lehrerinnen und Lehrer). Dagegen haben Menschen ohne oder mit einem niedrigen Abschluss eher Berufe, in denen sehr wenig Weiterbildung angeboten wird, unter anderem in der Gastronomie oder im Reinigungsgewerbe.

Für Menschen mit und ohne Migrationshintergrund findet man ebenfalls merkliche Unterschiede. Menschen mit Migrationshintergrund nahmen in Deutschland seltener an nonformaler Weiterbildung teil. Da diese Menschen häufig einen geringeren formalen Bildungsabschluss haben als Menschen ohne Migrationshintergrund, wirken zum Teil die gleichen Mechanismen über den Beruf. Der Unterschied nimmt jedoch über die Zeit hinweg leicht ab.

Die früher häufig gefundenen und diskutierten Unterschiede im Weiterbildungsverhalten zwischen Männern und Frauen einerseits und zwischen Ost und West andererseits haben sich bereits vor einiger Zeit eingeebnet. Im Jahr 2016 waren die Unterschiede praktisch nicht mehr existent. Dagegen findet man weiterhin deutliche Unterschiede in der Weiterbildungsbeteiligung nach Alter. Am häufigsten nahmen Menschen zwischen 30 und 49 Jahren an Weiterbildung teil (54 % bis 56 % im Jahr 2016). Für jüngere Menschen sind die Raten etwas niedriger, da viele noch in Ausbildung oder Studium sind (46 % bis 48 %). Im gehobenen Alter (60 bis 64 Jahre) lag die Weiterbildungsbeteiligung deutlich niedriger (38 %). Ein Grund hierfür ist der vorzeitige Ausstieg aus dem Erwerbsleben; es gibt für diese Personen seltener die Chancen und Notwendigkeiten für Weiterbildung. Jedoch erhöhte sich der Anteil für diese Altersgruppe kontinuierlich über die Zeit, was auch mit der gestiegenen Erwerbsbeteiligung im Alter zusammenhängt.

Im Rahmen des Adult Education Survey werden Personen immer nur einmal befragt. Im Rahmen des Nationalen Bildungspanels hingegen gibt es Informationen über die gleichen Personen über viele Jahre hinweg. Dadurch kann untersucht werden, ob es Personengruppen gibt, die dauerhaft nicht an Weiterbildung teilnehmen. In der Tat hatten zwischen 2010 und 2016 etwa 18 % der Befragten an keinem Kurs oder Lehrgang teilgenommen. Das heißt, ein Sechstel der erwachsenen Bevölkerung bildet sich dauerhaft nicht (nonformal) weiter. Dies betrifft auch hier vor allem Geringqualifizierte und tendenziell eher Männer als Frauen. Zudem gibt es deutliche Hinweise, dass diese Personen über die Zeit hinweg auch das Lernen selbst verlernen, also zum Teil gar nicht mehr in der Lage sind, sich Wissen über Weiterbildung anzueignen. Es wird eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sein, im aktuell stattfindenden Wandel der Arbeitswelt diese Personengruppe nicht gänzlich abzuhängen.

Bei der Teilnahme an formalen und informellen Lernaktivitäten gibt es ebenfalls Unterschiede je nach Personengruppe. Während die Teilnahme an formalen Lernaktivitäten insbesondere von der Bildungsprägung des Elternhauses abhängt, findet man bei informellen Lernaktivitäten ähnliche Unterschiede wie bei der Teilnahme an nonformaler Weiterbildung.


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