Datenreport 2018

14.11.2018

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Datengrundlagen der wissenschaftsbasierten Sozialberichterstattung in Deutschland

Mareike Bünning

Für eine wissenschaftsbasierte Sozialberichterstattung stehen in Deutschland eine Reihe von Daten aus langfristigen Erhebungsprogrammen der empirischen Sozialforschung zur Verfügung, die für die regelmäßige Beobachtung der Gesellschaft konzipiert worden sind, darunter insbesondere das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) sowie die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (ALLBUS). Darüber hinaus können für die Sozialberichterstattung in Deutschland zunehmend auch supranationale Surveys genutzt werden, die die Möglichkeit bieten, die Lebensverhältnisse in Deutschland in einem internationalen – insbesondere europäischen – Kontext zu betrachten und zu bewerten. Von Fall zu Fall werden zu einzelnen Themen auch weitere spezielle Datensätze herangezogen, auf die an dieser Stelle nicht umfassend eingegangen wird.

Ein Großteil der sozialwissenschaftlichen Beiträge dieses Datenreports beruht auf den Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP, www.diw.de/soep, 8.8.2018). Das SOEP ist eine repräsentative Längsschnitterhebung zur empirischen Beobachtung des sozialen Wandels, in der seit 1984 zwei Ausgangsstichproben (deutsche und ausländische Bevölkerung in der damaligen Bundesrepublik) jährlich befragt werden. Das SOEP zeichnet sich durch eine hohe Stichprobenstabilität aus. 1984 beteiligten sich in Westdeutschland 5.863 Haushalte mit 16.099 erfolgreich befragten Personen an der Erhebung; in Ostdeutschland wurden 1990 erstmals 2.158 Haushalte mit 6.014 Personen befragt. Eine Zuwandererstichprobe mit 1.559 Personen in 524 Haushalten wurde 1995 ergänzt. Weitere Migrantenstichproben folgten 2013, 2015 und 2016. Bei den beiden Stichproben, die 2016 gezogen wurden, handelt es sich um Personen, die zwischen 2013 und 2016 als Geflüchtete nach Deutschland gelangt waren – insgesamt 9.907 Personen in 3.320 Haushalten (Privathaushalte und Gemeinschaftsunterkünfte). Weiterhin konnte im Jahr 2002 eine Überrepräsentation von Haushalten von Hocheinkommensbeziehern realisiert werden. In den Jahren 2010 und 2011 wurden drei Stichproben ergänzt, die bestimmte Familientypen umfassen. In den Jahren 1998, 2000, 2006, 2009, 2011 und 2012 wurden zudem Ergänzungsstichproben gezogen, um auf Basis einer großen Fallzahl bessere Analysen kleiner Teilgruppen der Bevölkerung zu ermöglichen. Im Jahr 2016 zählten alle Stichproben zusammengenommen 44.101 Personen in 17.698 Haushalten.

Das Sozio-oekonomische Panel wurde ursprünglich im Rahmen des durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Sonderforschungsbereichs "Mikroanalytische Grundlagen der Gesellschaftspolitik" der Goethe-Universität Frankfurt am Main und der Universität Mannheim konzipiert und wird nunmehr in Form einer "forschungsbasierten Infrastruktureinrichtung" im Rahmen der Leibniz-Gemeinschaft (WGL) am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) durchgeführt. Die SOEP-Gruppe gibt die Daten an die interessierte Fachöffentlichkeit weiter und erstellt eigene Analysen. Die Feldarbeit führt Kantar Public (ehemals TNS Infratest Sozialforschung) durch. Als eine Längsschnitterhebung zielt das SOEP insbesondere darauf ab, Informationen über Veränderungen im Zeitverlauf auf der Mikroebene von Individuen und Haushalten bereitzustellen. Die thematischen Schwerpunkte des SOEP liegen in den Bereichen des Einkommens und der Erwerbstätigkeit, aber es werden – im Rahmen variierender thematischer Vertiefungen – auch Längsschnittinformationen zu weiteren Aspekten der sozioökonomischen Lebensverhältnisse, zum Beispiel zu sozialer Sicherung, Familie und sozialen Netzwerken und in begrenztem Umfang auch zu subjektiven Wahrnehmungen, Bewertungen und Einstellungen erhoben.

Die Allgemeine Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften – ALLBUS (www.gesis.org/allbus, 8.8.2018) ist eine Repräsentativbefragung, die in der Bundesrepublik seit 1980 in zweijährigem Turnus durchgeführt wird. Verantwortlich für das Forschungsprogramm und das Gesamtdesign der ALLBUS-Erhebungen ist eine Gruppe der Abteilung "Dauerbeobachtung der Gesellschaft" bei GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften in Mannheim. Die Datenaufbereitung, Archivierung und Weitergabe der Daten erfolgt über das Forschungsdatenzentrum (FDZ) ALLBUS bei GESIS in Köln. Mit wechselnden inhaltlichen Themenschwerpunkten und der teilweisen Replikation von Fragen stellt der ALLBUS eine der meistgenutzten Datenquellen für die sozialwissenschaftliche Forschung und Lehre in Deutschland dar. Orientiert an den Zielsetzungen der deskriptiven Sozialberichterstattung, der Untersuchung des sozialen Wandels und der international vergleichenden Analyse werden regelmäßig Informationen zu den Bereichen Sozialstruktur und Sozialbeziehungen, Wertorientierungen und Grundeinstellungen sowie der Legitimität der sozialen und politischen Ordnung erhoben. Zu den thematischen Schwerpunkten des ALLBUS 2016 gehören Familie und Geschlechterrollen, Akzeptanz von Immigration sowie Einstellungen zu ethnischen und religiösen Minderheiten. Seit der Erhebung von 2000 wird der ALLBUS in der Form von computergestützten persönlichen Interviews (CAPI) durchgeführt. Die Grundgesamtheit der ALLBUS-Umfragen bestand bis einschließlich 1990 aus den wahlberechtigten Personen in der früheren Bundesrepublik und West-Berlin, die in Privathaushalten lebten. Seit 1991 besteht die Grundgesamtheit aus der erwachsenen – deutschen und ausländischen – Wohnbevölkerung in Deutschland. Die Stichprobengröße betrug bis 1991 rund 3.000 Befragte. Seit 1992 beträgt die angestrebte Nettofallzahl 2.400 Befragte in den alten und 1.100 Befragte in den neuen Bundesländern.

Weitere Umfragen fokussieren auf bestimmte Bevölkerungsgruppen. Die Studie "Aufwachsen in Deutschland: Alltagswelten" – AID:A II (surveys.dji.de, 21.8.2018), die zwischen 2013 und 2015 vom Deutschen Jugendinstitut durchgeführt wurde, basiert auf einer repräsentativen Stichprobe von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Unter anderem wurden 4.777 Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 17 Jahren zu ihrer Lebenssituation befragt. Der Deutsche Alterssurvey – DEAS (www.dza.de/forschung/deas.html, 21.8.2018), der seit 1996 vom Deutschen Zentrum für Altersfragen durchgeführt wird, erfasst die Lebensbedingungen von Menschen in der zweiten Lebenshälfte, das heißt im Alter ab 40 Jahren. Im Jahr 2014 wurden 10.324 Personen befragt.

Zu den supranationalen Surveys, die für einzelne Kapitel des Datenreports 2018 Verwendung finden, gehören insbesondere die Eurobarometer-Umfragen – EB (ec.europa.eu/COMMFrontOffice/ PublicOpinion, 8.8.2018), der European Social Survey – ESS (www.europeansocialsurvey.org, 8.8.2018) und das International Social Survey Programme – ISSP (www.issp.org, 8.8.2018). Die Eurobarometer-Umfragen werden von der Europäischen Kommission mindestens zweimal jährlich in allen Mitgliedsländern sowie darüber hinaus auch den Beitrittsländern der Europäischen Union durchgeführt. Sie umfassen ein breites Spektrum von gleichbleibenden und wechselnden Fragen zu verschiedenen gesellschafts- und europapolitisch relevanten Themen. Der European Social Survey (ESS) ist eine wissenschaftsbasierte Umfrage, die von der Europäischen Kommission, der European Science Foundation und den nationalen Forschungsförderungseinrichtungen finanziert wird. Der ESS wird seit 2002 in zweijährigem Turnus erhoben. Die Befragung 2016 wurde in 23 Ländern durchgeführt. Der ESS umfasst sowohl ein gleichbleibendes Kernmodul von Fragen als auch wechselnde Themenschwerpunkte. Das International Social Survey Programme (ISSP) entstand aus einer Kooperation zwischen dem ALLBUS, dem amerikanischen General Social Surveys (GSS), dem British Social Attitudes Survey (BSA) und der Australian National University mit dem Ziel, vergleichbare Daten für mehrere Länder zu erheben. Der ISSP wird seit 1985 jährlich mit wechselnden Schwerpunktthemen in immer mehr Ländern durchgeführt. Insgesamt haben sich weltweit bisher 57 Länder an der Erhebung beteiligt.

Für den Datenreport 2018 wurden auch Daten an der Schnittstelle zwischen amtlicher Statistik und wissenschaftlicher Sozialberichterstattung genutzt. Zum einen handelt es sich um sogenannte Scientific Use Files (SUF) der umfangreichen Daten der Deutschen Rentenversicherung, zum anderen um die einschlägigen Umfragen der Gesundheitsberichterstattung des Robert Koch-Institutes. Für den ersten Fall stellt das Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung (FDZ-RV), das beim Grundsatz- und Querschnittsbereich der Deutschen Rentenversicherung Bund angesiedelt ist, der Wissenschaft und Forschung Mikrodatensätze aus dem Bestand ihrer prozessproduzierten Daten zur Verfügung. Im zweiten Fall handelt es sich um Studien des bundesweiten Gesundheitsmonitorings, die vom Robert Koch-Institut durchgeführt werden. Dazu zählen "Daten zur Gesundheit in Deutschland Aktuell" (GEDA), eine regelmäßige telefonische Befragung von über 20.000 Personen, die Studie "Gesundheit Erwachsener in Deutschland" (DEGS), die seit 2008 wiederholt bundesweit mithilfe von Befragungen und mittels medizinischer Untersuchungen Gesundheitsdaten von rund 8.000 Personen erhebt, sowie die Studie "Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland" (KiGGS), die Paneldaten über die Gesundheit von 12.368 Kindern und Jugendlichen im Alter von 0 bis 17 Jahren (Welle 1) liefert.


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