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Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Angelika Scheuer

Bewertung der Lebensbedingungen

Nach der Jahrtausendwende war durch die Osterweiterung der EU vor allem die Frage der Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost- und Westeuropa von Interesse. Angeführt wurde die Rangfolge der Wohlfahrt von den nordeuropäischen Ländern, gefolgt von den Ländern Westeuropas. Südeuropa hatte sich, auch durch den Euro, weit an westeuropäische Standards angenähert, als die mittel- und osteuropäischen Mitgliedsländer beitraten. Die Lebensverhältnisse in den neuen Mitgliedstaaten lagen zunächst auf einem niedrigeren Niveau als in den übrigen EU-Ländern, sodass die EU sich mit der Herausforderung ungleicher Lebensbedingungen konfrontiert sah. Einige neue Mitgliedstaaten erzielten bei Modernisierung und Wirtschaftswachstum schnell beträchtliche Fortschritte. Die ab 2007 einsetzende Finanzmarkt-, Wirtschafts- und Staatsschuldenkrise hatte jedoch in manchen postkommunistischen Ländern und vor allem auch in Südeuropa erhebliche negative Auswirkungen auf Wachstum und Wohlstand. In den letzten Jahren sind teilweise wieder starke Wachstumsraten und ein Rückgang der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. Entsprechende Veränderungen lassen sich auch in der Zufriedenheit der Bürger mit ihren Lebensbedingungen beobachten.

Tabelle 1 stellt dar, wie zufrieden die Bürgerinnen und Bürger mit ihrem Leben sind, wie sie die aktuellen Bedingungen bewerten und welche Erwartungen sie für die nächsten zwölf Monate haben. Bei der Betrachtung der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben lassen sich deutliche Unterschiede zwischen Nord- und Westeuropa einerseits und Süd- und Osteuropa andererseits beobachten. In Nord-, Nordwest- und Westeuropa waren 2017 in fast allen Ländern über 90 % der Menschen mit ihrem Leben zufrieden. Nur in Frankreich und Österreich lagen die Werte etwas niedriger (85 % beziehungsweise
86 %). In Südeuropa zeigt sich ein weniger einheitliches Bild: Hier lässt sich die ganze Spanne von sehr geringen Anteilen Zufriedener in Griechenland bis zu sehr großen Anteilen in Malta beobachten; auch Spanien und Zypern weisen durchaus hohe Werte auf. In Nordost- und Osteuropa lag der Anteil derjenigen, die mit ihrem Leben zufrieden waren, auf einem mittleren Niveau, während dieser in Südosteuropa gleichauf mit den schlechtesten Werten in Südeuropa lag. Die Veränderungen in den Anteilen Zufriedener gegenüber dem Jahr 2015 zeigen die deutlichsten Verbesserungen in Portugal und Italien. Aber auch in Spanien, Irland und den meisten osteuropäischen Ländern ist von 2015 bis 2017 ein Anstieg in der Lebenszufriedenheit zu beobachten. Einzig in Griechenland und Rumänien bleibt die Lebenszufriedenheit auf einem niedrigen Niveau.
Tab 1 Bewertung der aktuellen Situation und Erwartung für die nächsten 12 Monate 
nach Mitgliedstaaten 2017 — in ProzentBewertung der aktuellen Situation und Erwartung für die nächsten 12 Monate nach Mitgliedstaaten 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Das beobachtete Gefälle von Nordwest nach Südost zieht sich auch durch die Bewertungen der Lage auf dem Arbeitsmarkt allgemein, der persönlichen beruflichen Situation sowie der finanziellen Situation des eigenen Haushalts. Von einer dramatisch schlechten Arbeitsmarktlage berichteten die Bürgerinnen und Bürger in Süd- und Südosteuropa, insbesondere in Griechenland, Spanien und Italien, aber auch in Kroatien. Im Westen gingen die Französinnen und Franzosen von einer sehr schlechten Arbeitsmarktlage aus. Besonders gut bewertet wurde die Lage in Dänemark, Malta, den Niederlanden und Deutschland. Im Vergleich zu 2015 zeigt sich hinsichtlich der Bewertung der Arbeitsmarktlage mit Ausnahme Griechenlands eine durchgängige Verbesserung. Am deutlichsten verbesserte sich die subjektive Einschätzung der Lage auf dem Arbeitsmarkt zum einen in den Niederlanden, Belgien, Irland, Schweden und Finnland und zum anderen in allen osteuropäischen Ländern, allen voran Polen und Tschechien. In Südeuropa fielen die Verbesserungen in Portugal und Zypern überdurchschnittlich aus.

Die persönliche berufliche Situation wurde zumeist deutlich besser bewertet als die Arbeitsmarktlage. Im Norden und Nordwesten beurteilten zwischen 69 % und 79 % ihre persönliche berufliche Situation als "ziemlich gut" oder "sehr gut". In Westeuropa schwankten die Anteile sehr stark zwischen 78 % der Befragten in Luxemburg und Österreich und 51 % in Frankreich. In den Ländern Süd-, Nordost- und Osteuropas beurteilte jeweils rund die Hälfte bis zwei Drittel der Befragten ihre eigene berufliche Situation positiv, eine deutliche Ausnahme ist Griechenland (24 %). Insgesamt wurde die persönliche berufliche Situation am besten in Dänemark, Luxemburg und Österreich, am schlechtesten in Griechenland und Rumänien eingeschätzt. Die finanzielle Situation des Haushalts stellte sich im Ländervergleich ähnlich dar wie die Lebenszufriedenheit: sehr hoch im Norden und Westen, wobei auch hier in Frankreich die Bewertung schlechter ausfiel, auf mittlerem Niveau im Osten und den meisten Ländern im Süden und am niedrigsten in Südosteuropa und Griechenland.

Die Erwartungen für die kommenden zwölf Monate fielen vorsichtig optimistisch aus. Die Menschen in den Niederlanden, Irland und Finnland erwarteten am häufigsten eine Verbesserung auf dem Arbeitsmarkt, ansonsten waren die höchsten Erwartungen in Südeuropa zu verzeichnen. Am wenigsten Verbesserungen erwarteten die Menschen in Ländern, in denen die Arbeitsmarktlage entweder sehr gut (Deutschland, Tschechien) oder sehr schlecht (Griechenland, Kroatien) bewertet wurde. Die Erwartung einer Verbesserung der persönlichen beruflichen Situation ebenso wie einer Verbesserung der finanziellen Situation des Haushalts war insgesamt eher verhalten. Hierbei traten kaum regionale Unterschiede hervor.

Betrachtet man das Gesamtbild, so zeigt sich ein Gefälle von Nordwest nach Südost, wobei in Südeuropa viele Indikatoren auf gleichem Niveau liegen wie in Ost- und Südosteuropa. Sehr gute Bedingungen herrschen in Nord- und Westeuropa vor, wobei allerdings Frankreich und Österreich durch eine skeptischere Bewertung der Situation hervortreten. In Südeuropa zeigt sich eine Verbesserung der Lebensbedingungen und die Erwartung, dass diese sich fortsetzen wird. Griechenland stellt hierbei jedoch eine Ausnahme dar: Hier wurde sowohl die aktuelle Lage als auch die Aussicht auf Verbesserung sehr schlecht bewertet. Unter den postkommunistischen Ländern stellen sich in Slowenien, Tschechien, Polen und Estland die Bedingungen bereits vergleichsweise gut dar, wobei die Erwartungen auf die unmittelbare Zukunft auch teilweise sehr verhalten sind. In Deutschland ist die Erwartung auf Verbesserung vor dem Hintergrund der außergewöhnlich guten Gesamtsituation gering.


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