Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Thomas Baumann, Tim Hochgürtel, Bettina Sommer

Eheschließungen und Scheidungen

Die folgenden Angaben sind der Statistik der Eheschließungen und der Statistik der rechtskräftigen Beschlüsse in Eheauflösungssachen (Scheidungsstatistik) entnommen. Die Standesämter melden die Eheschließungen an die Statistik und die Justizgeschäftsstellen der Familiengerichte die Scheidungsfälle.

In Deutschland heirateten im Jahr 2016 insgesamt 410.000 Paare. Damit stieg die Zahl der Eheschließungen gegenüber dem Vorjahr um 3 %. Mehr Eheschließungen als 2016 hatte es zuletzt im Jahr 2000 gegeben. Anfang der 1960er-Jahre lag die Zahl der jährlichen Eheschließungen noch deutlich höher, beispielsweise 1961 mit fast 700.000.
Eheschließungen und ScheidungenEheschließungen und Scheidungen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Unter den standesamtlich geschlossenen Ehen des Jahres 2016 waren bei 86 % der Ehen beide Ehepartner deutscher Nationalität. Von den Ehen mit ausländischen Partnerinnen und Partnern schlossen bei 45 % der Ehen deutsche Männer mit einer ausländischen Frau den "Bund fürs Leben", und bei 36 % heirateten deutsche Frauen einen Mann mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Bei den verbleibenden 19 % besaßen beide Partner eine ausländische Staatsangehörigkeit, davon hatten Mann und Frau meistens die gleiche Staatsangehörigkeit (69 %).

Mit der Eheschließung warten junge Menschen immer länger: Seit Mitte der 1970er-Jahre ist in Deutschland das durchschnittliche Heiratsalter Lediger kontinuierlich gestiegen. Im Jahr 2016 waren ledige Männer bei der Hochzeit im Durchschnitt genau 34 Jahre und ledige Frauen 31 Jahre und 6 Monate alt. Das sind jeweils 4 Jahre mehr als noch vor 20 Jahren. Bei insgesamt 68 % der Hochzeiten waren beide Personen zuvor ledig. Bei 13 % der Ehen war es für beide bereits der (mindestens) zweite Versuch: Sie wurden zwischen einem geschiedenen Mann und einer geschiedenen Frau geschlossen. Am häufigsten geheiratet wurde 2016 im Juni und Juli, am seltensten im Januar.

Seit dem 1. Oktober 2017 können Ehen zwischen Personen gleichen Geschlechts geschlossen werden. Zuvor hatte es für sie die Möglichkeit gegeben, eine eingetragene Lebenspartnerschaft zu begründen. Davon machten 2016 rund 7.700 Paare Gebrauch.

Das Auflösen einer Ehe erfolgt entweder durch gerichtliche Scheidung, gerichtliche Aufhebung oder den Tod des Ehepartners, wobei der letzte Fall überwiegt (2016: 69 %). Die Zahl der gerichtlichen Scheidungen lag 2016 bei 162.400 oder 31 % aller Ehelösungen. Auf je 1.000 Einwohner kamen 2016 damit 2,0 Ehescheidungen. Nach den derzeitigen Scheidungsverhältnissen werden etwa 35 % aller in einem Jahr geschlossenen Ehen im Lauf der nächsten 25 Jahre wieder geschieden, also mehr als jede dritte Ehe.

Formale Voraussetzung für eine Ehescheidung ist in der Regel, dass die Partner mindestens seit einem Jahr getrennt leben. Dementsprechend trifft dies auf den größten Teil aller Ehescheidungen zu: 83 % der Ehen wurden 2016 nach dieser Trennungszeit geschieden, 16 % aller Scheidungen erfolgten nach dreijähriger Trennung. In 1.500 Fällen oder 1 % aller Scheidungen hatten die Partner vor dem Scheidungsurteil weniger als ein Jahr getrennt gelebt und waren somit nach Ausnahmeregelungen von der üblicherweise vorgesehenen Trennungszeit geschieden worden. Die 2016 geschiedenen Ehen hatten im Durchschnitt 15 Jahre bestanden. Der Scheidungsantrag wurde meist von der Frau gestellt (51 %), der Mann reichte den Antrag nur in 41 % der Fälle ein. In den verbleibenden Fällen beantragten beide Ehegatten gemeinsam die Scheidung (8 %).

Von den gerichtlichen Ehescheidungen 2016 besaßen in 85 % der Fälle beide Ehepartner die deutsche Staatsangehörigkeit, bei 15 % war mindestens ein ausländischer Ehepartner beteiligt. Bei Scheidungen mit ausländischen Partnern ließen sich 9.000 deutsche Frauen von einem ausländischen Mann und 8.000 deutsche Männer von einer ausländischen Frau scheiden. In den restlichen 7.000 Fällen hatten beide Ehepartner eine ausländische Staatsangehörigkeit, darunter 4.000 die gleiche.

Wie das durchschnittliche Alter der Eheschließenden steigt auch das Alter von Menschen, die sich scheiden lassen, kontinuierlich: Im Jahr 2016 waren Männer im Schnitt 46 Jahre und 7 Monate alt, Frauen 43 Jahre und 7 Monate; 1996 hatte das durchschnittliche Alter bei der Scheidung für Männer noch etwa 7 Jahre und für Frauen 6 Jahre weniger betragen.

Von einer Scheidung sind häufig neben den Ehepartnern auch deren gemeinsame Kinder betroffen. Etwa die Hälfte der im Jahr 2016 geschiedenen Ehepaare hatte Kinder unter 18 Jahren. Insgesamt erlebten rund 132.000 minderjährige Kinder die Scheidung ihrer Eltern. Ihren Höchststand hatte die Zahl der betroffenen Kinder im Jahr 2003 mit 170.300 erreicht.

Bei fast allen Scheidungen (97 %) des Jahres 2016, bei denen gemeinsame minderjährige Kinder betroffen waren, blieb das Sorgerecht bei beiden Elternteilen (60.000 Verfahren), da weder Vater noch Mutter einen Antrag auf das alleinige Sorgerecht gestellt hatten. In rund 1.700 Verfahren wurde hingegen das Sorgerecht vom Familiengericht übertragen, darunter bei 70 % der Verfahren (rund 1.200) auf die Mutter.

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Eingetragene Lebenspartnerschaften

Rund 44.000 gleichgeschlechtliche Paare lebten 2016 in Deutschland als eingetragene Lebenspartnerschaften in einem Haushalt zusammen. Das 2001 verabschiedete Lebenspartnerschaftsgesetz ermöglichte es zwei Menschen gleichen Geschlechts, ihrer Beziehung einen rechtlichen Rahmen zu geben. Seit 2006 wird dieser Familienstand im Mikrozensus erhoben. Damals hatte es knapp 12.000 eingetragene Lebenspartnerschaften in Deutschland gegeben.

Im Jahr 2016 wurden 7.733 Lebenspartnerschaften begründet, 4,5 % mehr als 2015. Ähnlich wie eine Scheidung gibt es auch Aufhebungen von eingetragenen Lebenspartnerschaften: 2016 beendeten 1.238 Paare diese Partnerschaft, 9,0 % mehr als im Jahr davor.

Der Bundestag verabschiedete im Juni 2017 den Gesetzentwurf "zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts". Im Bürgerlichen Gesetzbuch heißt es künftig: "Die Ehe wird von zwei Personen verschiedenen oder gleichen Geschlechts auf Lebenszeit geschlossen." Mit der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare seit dem 1. Oktober 2017 ist die Neueintragung der Lebenspartnerschaft nicht mehr möglich. Die schon eingetragenen Lebenspartnerschaften können bestehen bleiben oder in eine Ehe umgewandelt werden.

In der Vergangenheit wurden Ehen und eingetragene Partnerschaften bereits weitgehend rechtlich gleichgestellt. So wurde beispielsweise 2005 das Unterhaltsrecht fast vollständig angeglichen, die Stiefkindadoption zugelassen und die Lebenspartner wurden in die Hinterbliebenenversorgung einbezogen. Durch die Ehe für alle haben gleichgeschlechtliche Ehepaare jetzt auch das gleiche Recht, Kinder zu adoptieren wie andere Ehepaare.

Die Angaben in Abschnitt 2.1.2 beziehen sich noch auf das Berichtsjahr 2016.



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