Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Anne Berngruber, Nora Gaupp, Alexandra N. Langmeyer

Peerbeziehungen von Kindern und Jugendlichen

Für das Aufwachsen von Kindern und Jugendlichen spielt die Beziehung zu den Gleichaltrigen eine zentrale Rolle. In dieser Lebensphase, in der sich junge Menschen vermehrt ausprobieren, eine eigene Identität entwickeln, ihren Platz in der Gesellschaft finden müssen sowie sich zunehmend von ihren Eltern ablösen, orientieren sich junge Menschen verstärkt an ihren Peers. Im weiteren Sinne werden darunter Freunde, Gleichaltrige und Gleichgesinnte verstanden. Im Folgenden ist hier von "guten Freundinnen und Freunden" die Rede.

Die 9- bis 17-Jährigen wurden in AID:A II gefragt, wie sich ihr Freundeskreis zusammensetzt. Sie wurden gebeten, anzugeben, wie viele ihrer guten Freundinnen und Freunde zur selben Schule gehen, gute Schulnoten haben, ein Musikinstrument spielen sowie einen Migrationshintergrund haben. Dadurch lassen sich beispielsweise Rückschlüsse auf ähnliche Ressourcen im Freundeskreis, aber auch auf die Verteilung interethnischer Freundschaften ziehen. Auch hier wird, wie bereits bei den vorherigen Analysen, nach der momentan besuchten Schulform unterschieden.

Besonders hervorzuheben ist, dass die Mehrheit der guten Freundinnen und Freunde auf dieselbe Schule ging wie die befragten Kinder und Jugendlichen selbst. Die Schule und der Klassenverbund boten damit durch das tägliche Zusammensein Gelegenheiten, enge Freundschaften zu schließen. 83 % der Grundschülerinnen und Grundschüler sagten, dass (fast) alle ihrer guten Freundinnen und Freunde zur selben Schule gingen wie sie selbst. Die Differenzierung von Sekundarschülerinnen und Sekundarschülern zeigt, dass dies wiederum etwas häufiger bei Kindern und Jugendlichen am Gymnasium der Fall war als auf der Haupt- oder Realschule. u Abb 4
Zusammensetzung des Freundeskreises 2014/2015 — in ProzentZusammensetzung des Freundeskreises 2014/2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Während Grundschülerinnen und Grundschüler zu zwei Dritteln angaben, dass (fast) alle ihrer guten Freundinnen und Freunde gute Noten in der Schule hätten, benannten dies nur etwas mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe – mit geringfügig höheren Anteilen bei Schülerinnen und Schülern mit gymnasialer Ausrichtung. Wie bereits bei den Freizeitaktivitäten erkennbar, wird auch bei den Freundinnen und Freunden deutlich, dass Grundschülerinnen und Grundschüler am häufigsten ein Musikinstrument spielen, wohingegen dies im Jugendalter abnimmt. Mehr als die Hälfte der Grundschülerinnen und Grundschüler sagte, dass (fast) alle ihrer guten Freundinnen und Freunde ein Musikinstrument spielten. Dies war auch bei immerhin fast einem Drittel der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten der Fall. Im Vergleich dazu lag der Anteil bei Haupt- und Realschülerinnen und -schülern bei nur 12 %.

Geht es hingegen um den Anteil guter Freundinnen und Freunde mit einem Migrationshintergrund, das heißt, sind diese selbst oder ihre Eltern nicht in Deutschland geboren, so gab etwa ein Viertel der Hauptschülerinnen und Hauptschüler an, dass dies bei (fast) allen ihrer guten Freundinnen und Freunden der Fall sei. Bei allen anderen Schulformen lag der Anteil nur zwischen 5 % und 10 %.

Die Daten machen ebenfalls deutlich, dass die eigenen Peers wichtige Vertrauenspersonen und Ratgeber bei Problemen sind. Welche Rolle die Peers übernehmen, ist teilweise deutlich vom Geschlecht der Kinder und Jugendlichen abhängig. Ein Großteil der Mädchen erzählte ihren guten Freundinnen und Freunden (sehr) oft alles, was sie beschäftigte. Außerdem vertrauten sie ihnen Geheimnisse an, die sonst niemand wissen durfte. Der Anteil der Jungen, die dies jeweils taten, war deutlich geringer.
Qualität der Beziehungen zu guten Freundinnen und Freunden nach Geschlecht 2014/2015 — in ProzentQualität der Beziehungen zu guten Freundinnen und Freunden nach Geschlecht 2014/2015 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Des Weiteren gestalten sich Freundschaften häufig sehr harmonisch. Hier scheint es auch keine nennenswerten Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen zu geben. Zum einen sagten insgesamt etwas weniger als zwei Drittel der Kinder und Jugendlichen, dass sie lieber nachgäben, damit es keinen Streit gebe. Zum anderen gab nur ein sehr geringer Anteil von 5 % an, dass sie (sehr) oft miteinander stritten.

Bezogen auf die Schulform zeigt sich eine leichte Tendenz in der Art, dass positive Qualitäten von Gleichaltrigenbeziehungen (zum Beispiel Gespräche über persönliche Themen oder Austausch von Geheimnissen) mit steigendem Niveau des Schultyps etwas häufiger werden, negative (zum Beispiel Streit) etwas seltener.


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