Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Karin Böhm

Stationäre Versorgung

Drei große Akteure prägen die medizinische Versorgung in Deutschland: die Erbringer ambulanter Leistungen (beispielsweise in Praxen niedergelassener Ärztinnen und Ärzte sowie in Apotheken), die Erbringer stationärer Leistungen (in Krankenhäusern, Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen und Pflegeheimen) sowie die Leistungserbringer vorgelagerter Marktstufen (Hersteller von medizinisch-technischen Geräten und von Arzneimitteln). Letztere kommen dabei in der Regel nicht direkt mit den Nachfragern gesundheitlicher Güter und Leistungen in Kontakt.

Der folgende Abschnitt beschreibt das Leistungsangebot der Krankenhäuser und Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen im Bereich der stationären Gesundheitsversorgung (Betten und personelle Ausstattung) sowie deren Inanspruchnahme.

Krankenhäuser und Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen sind Gegenstand der jährlichen Krankenhausstatistik. Sie erfasst in erster Linie Angaben über die sachliche und personelle Ausstattung der Häuser (Anzahl der Häuser, aufgestellte Betten sowie ärztliches und nichtärztliches Personal). Darüber hinaus ermöglichen patientenbezogene Daten (Fallzahl und Berechnungs-/ Belegungstage beziehungsweise Pflegetage) Aussagen über leistungsbezogene Kennziffern der Einrichtungen (Nutzungsgrad der Betten und durchschnittliche Verweildauer).

Ausstattung der Krankenhäuser

Im Jahr 2016 standen in insgesamt 1.951 Krankenhäusern rund 498.700 Betten für die stationäre Versorgung der Bevölkerung zur Verfügung. Gegenüber 2006 war die Zahl der Krankenhäuser infolge von Schließungen und Fusionen um 7,3 % niedriger, die Anzahl der Krankenhausbetten war um 2,4 % geringer.
Krankenhäuser, Betten und PatientenbewegungenKrankenhäuser, Betten und Patientenbewegungen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Je 100.000 Einwohner standen 606 Krankenhausbetten zur Verfügung. Das waren 14 Betten je 100.000 Einwohner weniger als im Jahr 2006. Ein Krankenhaus in Deutschland verfügte im Jahr 2016 über durchschnittlich 256 Betten (2006: 243 Betten).

Informationen zum Personal in Krankenhäusern werden zum einen als Beschäftigtenzahl (sogenannte Kopfzahl) zum 31. Dezember eines Jahres, zum anderen in Form von Vollzeitäquivalenten erhoben. Die Beschäftigtenzahl berücksichtigt im Unterschied zum Vollzeitäquivalent keine unterschiedlichen Beschäftigungsmodelle wie Teilzeit- oder geringfügige Beschäftigung. Um dem Rechnung zu tragen, werden die Beschäftigten auf die volle tarifliche Arbeitszeit, das heißt in Vollkräfte, umgerechnet.

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Info 2

Personalbelastungszahl – Vollkräfte

Ein Vergleich der Personalausstattung von Krankenhäusern und Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen in Deutschland basiert auf der Personalbelastungszahl bezogen auf belegte Betten. Diese Kennziffer gibt an, wie viele belegte Betten eine Vollkraft durchschnittlich je Arbeitstag zu versorgen hat. Durch Einbeziehung der Jahresarbeitszeit einer Vollkraft wird dem Umstand Rechnung getragen, dass ein belegtes Bett 24 Stunden Betreuung je Tag erfordert, eine Vollkraft jedoch an durchschnittlich 220 Arbeitstagen im Jahr (nur) acht Stunden täglich zur Verfügung steht. Die Personalbelastungszahl ergibt sich entsprechend als Quotient aus der Anzahl der Stunden, in denen die Betten in einem Jahr belegt waren (= Belegungsstunden der Betten im Jahr) und der Anzahl der Stunden, in denen Vollkräfte für die Betreuung der Betten in einem Jahr zur Verfügung standen (= Jahresarbeitsstunden der Vollkräfte).

Die Personalbelastungszahl wird jeweils für das ärztliche und das nichtärztliche Personal der Krankenhäuser ermittelt sowie innerhalb des nichtärztlichen Personals gesondert für den Pflegedienst. Dem Pflegedienst kommt im Bereich der Krankenhäuser eine besondere Bedeutung zu, da hier 45 % der Vollkräfte im nichtärztlichen Dienst arbeiten.

In allen genannten Beschäftigtengruppen ist die Personalbelastung nach Anzahl der je Arbeitstag zu versorgenden belegten Betten zurückgegangen. Dies folgt teilweise aus der rückläufigen Verweildauer (– 14 %) gegenüber 2006. Zugleich nahm die Zahl der Vollkräfte zu: im Pflegedienst um 8,6 % und im nichtärztlichen Dienst insgesamt um 8,1 %. Folglich sank die Personalbelastung der Pflegevollkräfte 2016 gegenüber 2006 um 0,5 Betten (– 8,0 %), die Belastung der Vollkräfte im nichtärztlichen Dienst insgesamt um 0,2 Betten (– 7,6 %).
Personal in KrankenhäusernPersonal in Krankenhäusern Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

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Geburtshilfe in Krankenhäusern

Im Jahr 2016 leisteten insgesamt 11.077 Hebammen und Entbindungspfleger Geburtshilfe in deutschen Krankenhäusern. Davon waren 9.301 festangestellte Kräfte (9.297 Hebammen und 4 Entbindungspfleger) sowie 1.776 Belegkräfte.

Der Anteil der Belegkräfte lag bundesweit bei 16 %. Am geringsten war der Belegkräfteanteil in Hamburger Krankenhäusern mit 2,6 %. Die Geburtshilfe in bayerischen Krankenhäusern arbeitete dagegen mit einem Belegkräfteanteil von 51 %.

Im ärztlichen Dienst ist die Personalbelastung sogar um 3,4 belegte Betten (– 22 %) zurückgegangen. Dies ist auf die parallel zur sinkenden Verweildauer verlaufende Zunahme der Vollkräfte im ärztlichen Dienst um 28 % zurückzuführen.

Im Durchschnitt hatte eine Vollkraft im ärztlichen Dienst 2016 täglich 12,3 belegte Betten zu betreuen. Im Jahr 2006 waren es noch 15,7 Betten gewesen. Eine Vollkraft im nichtärztlichen Dienst hatte 2016 im Bundesdurchschnitt täglich 2,7 Betten (2006: 2,9 Betten) zu versorgen. Im Pflegedienst war eine Vollkraft im Jahr 2016 im Durchschnitt je Arbeitstag für 6,0 belegte Betten zuständig (2006: 6,5 Betten).

Leistungen und Auslastung der Krankenhäuser

Rund 19,5 Millionen Patientinnen und Patienten wurden 2016 vollstationär im Krankenhaus behandelt. Die Zahl der Berechnungs-/Belegungstage lag bei 142,2 Millionen. Gegenüber 2006 ist die Fallzahl um 16 % gestiegen – zugleich ist die Zahl der Berechnungs-/Belegungstage um 0,1 % zurückgegangen.

Aus der Division von Berechnungs- und Belegungstagen durch die Zahl der Patientinnen und Patienten (Fälle) wird die durchschnittliche Verweildauer berechnet, die im Jahr 2016 bei 7,3 Tagen lag. Die Liegezeiten im Krankenhaus haben sich weiter verkürzt: Ein Aufenthalt dauerte im Jahr 2006 noch durchschnittlich 8,5 Tage. Die Verweildauer im Krankenhaus wird wesentlich von der Diagnose der Patientinnen und Patienten und damit der Fachabteilung, in der sich diese aufhalten, beeinflusst. Während ein Aufenthalt in der Fachabteilung "Augenheilkunde" im Durchschnitt 2,9 Tage dauerte, mussten Patientinnen und Patienten in der Fachabteilung "Herzchirurgie" mit 11,1 Tagen annähernd viermal so lange im Krankenhaus bleiben. Die längste durchschnittliche Verweildauer in einer allgemeinen Fachabteilung betrug 15,4 Tage in der "Geriatrie". Der Aufenthalt in einer psychiatrischen Fachabteilung dauerte zwischen 23,4 Tagen in der "Psychiatrie und Psychotherapie" und 42,7 Tagen in der "Psychotherapeutischen Medizin/Psychosomatik".

Die steigende Zahl der Patientinnen und Patienten ist ein Indiz für den zunehmenden Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung mit entsprechend erhöhter Krankheitsanfälligkeit. Die kürzere durchschnittliche Verweildauer beruht einerseits auf dem medizinischen Fortschritt und andererseits auf den Maßnahmen zur Kostendämpfung im Gesundheitsbereich.

Im Jahr 2016 waren die Krankenhausbetten zu 77,9 % ausgelastet. Dieser Wert verdeutlicht das Verhältnis aus tatsächlicher Bettenbelegung und maximaler Bettenbelegung. In allen psychiatrischen Fachabteilungen lag die Bettenauslastung über 90 % (maximal 94 % in der "Psychiatrie und Psychotherapie"). Im Bereich der allgemeinen Fachabteilungen hatte die "Geriatrie" mit rund 90 % die höchste, die "Nuklearmedizin" mit 48 % die geringste Bettenauslastung.

Ausstattung von Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen

Im Jahr 2016 gab es in Deutschland 1.149 Einrichtungen für Vorsorge- oder Rehabilitationsmaßnahmen mit 165.200 Betten. Im Vergleich zu 2006 ist die Anzahl der Einrichtungen um 8,4 % und die Anzahl der Betten um 4,3 % niedriger.
Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen, Betten und PatientenbewegungenVorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen, Betten und Patientenbewegungen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Je 100.000 Einwohner standen hier 201 Betten zur Verfügung. Im Jahr 2006 waren es noch 210 Betten je 100.000 Einwohner. Im Durchschnitt verfügte eine solche Einrichtung 2016 über 144 Betten (2006: 138 Betten).

Die Belastung sowohl des ärztlichen als auch des nichtärztlichen Personals bezogen auf die Anzahl der täglich zu versorgenden belegten Betten ist in Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen deutlich höher als im Krankenhausbereich. Das heißt, in gleicher Zeit versorgt die in einer Rehabilitationseinrichtung tätige Vollkraft mehr Patienten als die vergleichbare, in einem Krankenhaus tätige Vollkraft, weil der Pflege- und Betreuungsaufwand bei Rehabilitationspatienten geringer ist.

Im Vergleich zu 2006 ist die Zahl der Pflegetage (entspricht der Anzahl der belegten Betten) 2016 um 6,8 % gestiegen (siehe Tab 4). Demgegenüber ist die Anzahl der Vollkräfte im nichtärztlichen Dienst nur um 0,6 %, die der Pflegekräfte nur um 2,9 % gestiegen. Deshalb entfielen auf eine einzelne Vollkraft im nichtärztlichen Dienst durchschnittlich 8,3 täglich zu versorgende belegte Betten; im Jahr 2006 waren es 7,8 Betten. Eine Pflegevollkraft kümmerte sich täglich im Durchschnitt um 32,1 Betten (2006: 30,9 Betten). Die Zahl der Vollkräfte im ärztlichen Dienst ist wie die Zahl der Pflegetage um 6,8 % gestiegen; deshalb hatte eine ärztliche Vollkraft 2016 wie im Vergleichsjahr 2006 im Durchschnitt täglich 79,0 belegte Betten zu betreuen.
Personal in Vorsorge- oder RehabilitationseinrichtungenPersonal in Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Leistungen und Auslastung von Vorsorge- oder Rehabilitations- einrichtungen

Die Zahl der Patientinnen und Patienten in Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtungen lag 2016 bei knapp 2 Millionen und damit um 8,0 % höher als 2006. Insgesamt verbrachten die Patientinnen und Patienten über 50 Millionen Pflegetage in den Einrichtungen, gut 3 Millionen Pflegetage mehr als 2006.

Daraus ergibt sich eine rechnerische Verweildauer von durchschnittlich 25,3 Tagen. Im Jahr 2006 lag diese noch bei 25,6 Tagen. In der Fachabteilung "Allgemeinmedizin" dauerte der Aufenthalt in einer Vorsorge- oder Rehabilitationseinrichtung 19,8 Tage. Mehr als dreieinhalb Mal so lange (durchschnittlich 70,5 Tage) hielten sich Patientinnen und Patienten in der Fachabteilung "Psychiatrie und Psychotherapie" auf.

Die Betten waren 2016 zu 83 % ausgelastet (2006: knapp 75 %). Die höchste Bettenauslastung verzeichneten die Fachabteilungen "Psychiatrie und Psychotherapie" sowie "Neurologie" mit jeweils 88 %; am geringsten waren die Betten in der Fachabteilung "Kinderheilkunde" mit 62 % ausgelastet.

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Rauchen

Im Jahr 2017 bekannten sich 22 % der Bevölkerung im Alter von 15 und mehr Jahren, die im Mikrozensus Auskunft zu dieser Frage gaben, zum Rauchen. Das waren weniger als bei der letzten Befragung 2013. Über das Rauchverhalten in Europa informiert Kapitel 11.1.

Die Frage nach den Rauchgewohnheiten ist eine der gesundheitsbezogenen Fragen im Mikrozensus, die den Haushalten im vierjährlichen Abstand gestellt werden, zuletzt 2017. Sie beziehen sich auf Krankheit und Unfallverletzung am Befragungstag oder in den vier Wochen davor, das Rauchverhalten sowie Körpergröße und -gewicht. Ausführliche Ergebnisse lagen bei Redaktionsschluss noch nicht vor und sind unter www.destatis.de zu finden. Die Daten von 2013 enthält das Kapitel 10.1 des Datenreports 2016.

Daten zur Krankenversicherung werden auch alle vier Jahre erfragt, zuletzt im Jahr 2015. Diese Ergebnisse sind ebenfalls unter www.destatis.de zu finden beziehungsweise die Angaben von 2011 im Datenreport 2016.



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