Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Ralf Himmelreicher

Abschläge beim Zugang in eine Altersrente

Die Veränderungen der Ansprüche der Versicherten an die gesetzliche Rentenversicherung ergeben sich aus den in der Rentenformel genannten Parametern. Dies sind bei Altersrenten und bei gegebenem aktuellem Rentenwert die Summe der Entgeltpunkte und der überwiegend um Abschläge reduzierte Zugangsfaktor. Veränderungen in den Ansprüchen resultieren also teilweise aus veränderten Erwerbsverläufen – seien sie unterbrochen, diskontinuierlich oder perforiert (sogenannte Patchwork-Biografien) – und aufgrund von Zu- und Abschlägen. Für die Zu- und Abschläge sind Veränderungen in den institutionellen Rahmenbedingungen der gesetzlichen Rentenversicherung bedeutsam: Nach dem Rentenreformgesetz 1992 können Altersrenten vorgezogen in Anspruch genommen werden; allerdings werden pro Monat eines vorgezogenen Rentenzugangs Abschläge in Höhe von 0,3 % fällig. Wird die Rente nach der Regelaltersgrenze beantragt, werden Zuschläge in Höhe von 0,5 % pro Monat ausgezahlt. Bei einem vorgezogenen Rentenbeginn fallen zudem die Anwartschaften zugleich niedriger aus, weil die Versicherten nicht bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze weitergearbeitet und so über einen kürzeren Zeitraum EP angespart haben. Beide Effekte zusammengenommen können die Rente um mehr als 20 % reduzieren.

Der Anteil der von Abschlägen betroffenen Neurentnerinnen und Neurentner stieg bis 2010 an und ging in den letzten Jahren wieder etwas zurück. Dies lässt sich einerseits auf eine bessere Arbeitsmarktlage vor allem für ältere Beschäftigte zurückführen. Andererseits wurde im Jahr 2012 die "Altersrente für besonders langjährig Versicherte" eingeführt, die es Menschen mit besonders langer Erwerbsbiografie (45 Versicherungsjahre) ermöglicht, ohne Abschläge früher in Rente zu gehen. Dennoch waren im Jahr 2016 in Ostdeutschland rund 54 % der Neurentner und 42 % der Neurentnerinnen von rentenmindernden Abschlägen betroffen; in Westdeutschland waren es rund 22 % der Neurentner und 23 % der Neurentnerinnen. Diese erheblichen Unterschiede zwischen den Abschlägen spiegeln regionale Besonderheiten auf den Arbeitsmärkten für über 60-jährige Versicherte wider. Da die Abschläge die Rentenhöhe lebenslang reduzieren, verstärken sie somit das Rentengefälle zwischen Ost- und Westdeutschland. Vor allem männliche Neurentner in Ostdeutschland sind wegen höheren Abschlägen von sinkenden Anwartschaften betroffen. Dadurch, dass die Höherwertung der Ostrenten bis Ende 2024 wegfallen soll, stehen diese Renten längerfristig unter zusätzlichem Abwertungsdruck.

Sinkende Altersrenten sind für Rentnerinnen und Rentner in Ostdeutschland besonders problematisch, weil ihre Alterseinkünfte nach Ergebnissen der Studie ASID 2015 zu besonders hohen Anteilen aus der gesetzlichen Rentenversicherung stammen. Der Anteil der gesetzlichen Renten am gesamten Haushaltseinkommen betrug im Osten bei älteren Ehepaaren 81 % (West: 56 %), bei alleinstehenden Männern über 65 Jahre 89 % (West: 60 %) und bei alleinstehenden Frauen über 65 Jahre 94 % (West: 71 %). Neurentnerinnen und -rentnern im Osten standen kaum mehr als 25 Jahre zur Verfügung, um private und/oder betriebliche Altersvorsorge zu betreiben oder Vermögen anzusparen. Dies zeigt sich auch an den Wohneigentumsquoten in Ost- verglichen mit Westdeutschland: Während in Westdeutschland der Anteil der Ehepaare mit Haus- oder Wohnungseigentum bei 74 % lag, waren es im Osten 52 %. Alleinstehende Seniorinnen und Senioren lebten in Westdeutschland zur Hälfte, in Ostdeutschland nur zu einem Drittel im Wohneigentum. Wohneigentum kann sich vor allem dann positiv auf die Einkommenssituation im Alter auswirken, wenn der Wert der Immobilie hoch ist. Dies ist vor allem in Ostdeutschland, aber auch in einigen Regionen Westdeutschlands oftmals nicht der Fall.


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