Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Ralf Himmelreicher

Ausblick

Sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland spielen Erwerbsbiografien, Löhne sowie unterschiedliche Chancen auf dem Arbeitsmarkt eine zentrale Rolle für die Anwartschaften bei der gesetzlichen Rentenversicherung. Ungleiche Löhne und Erwerbsbiografien in Ost und West haben sich verfestigt. Vor allem die sinkenden Anwartschaften ostdeutscher Männer verweisen auf sich ausbreitende Niedriglöhne in Kombination mit Beschäftigungsproblemen, vor allem für ältere Erwerbstätige. Grundsätzlich ist nicht zu erwarten, dass in den nächsten Jahren eine weitere Angleichung des Lohnniveaus zwischen Ost- und Westdeutschland erfolgen wird. Die Einführung des gesetzlichen Mindestlohns im Januar 2015 und seine Anpassung im Januar 2017 auf 8,84 Euro pro Stunde scheint die Lohnniveaus zwischen Ost- und Westdeutschland etwas angeglichen zu haben (siehe Kapitel 5.3). Allerdings sind zunehmende regionale Disparitäten auch innerhalb der beiden Landesteile festzustellen (beispielsweise Schleswig-Holstein im Vergleich zu Bayern und Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zu Brandenburg). Es existiert ein Süd-Nord-Gefälle hinsichtlich der Lohnhöhe, das auf die stärkere Wirtschaftskraft in den südlichen Regionen zurückzuführen ist. Zudem ist das Lohnniveau im Allgemeinen in Städten und Ballungsräumen höher als in gering besiedelten Gegenden.

Vor dem Hintergrund der dargestellten Entwicklungen wird eine einheitliche Rentenberechnung die niedrigeren Anwartschaften im Osten längerfristig gesehen zusätzlich verringern, und zwar vor allem dann, wenn sich die Einkommensverhältnisse nicht weiter angleichen werden. Aus individueller Perspektive sind es vor allem die sinkenden Rentenansprüche von Männern im Osten und die niedrigen Anwartschaften vieler Frauen im Westen (aber auch teilweise im Osten), die auf zunehmende Altersarmutsrisiken verweisen. Ein auskömmliches Leben im Alter gestaltet sich vor allem dann als schwierig, wenn diese Männer und wegen des Gender Pension Gap vor allem die Frauen nicht über weitere Personen und andere Alterseinkünfte, zum Beispiel im Rahmen langjähriger Ehen, im Haushaltskontext abgesichert sind. Zudem weisen zahlreiche Studien nach, dass das Vertrauen gegenüber Formen der privaten und betrieblichen Altersvorsorge im Zuge der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise 2008/2009 vor allem bei Geringverdienenden gesunken ist. Insofern ist davon auszugehen, dass Besserverdienende eher private und betriebliche Altersvorsorge betreiben, um das sinkende Rentenniveau kompensieren zu können. Darüber hinaus weisen Höherqualifizierte ein geringeres Risiko auf, wegen chronischer Erkrankungen vorzeitig mit Erwerbsminderungsrente aus dem Erwerbsleben ausscheiden zu müssen. Die genannten Aspekte machen deutlich, dass eine konsequente Reorientierung hin zu den sozialpolitischen Zielen der Lebensstandardsicherung und Armutsvermeidung im Alter notwendig ist. Eine weitere Reduzierung des Rentenniveaus würde die niedrigen und tendenziell sinkenden Anwartschaften vieler älterer Menschen zusätzlich entwerten. Dieser Punkt ist auch Gegenstand des aktuellen Koalitionsvertrags. CDU/CSU und SPD haben sich darauf verständigt, die Renten bis 2025 auf dem heutigen Niveau von 48 % zu sichern und bei Bedarf durch Steuermittel sicherzustellen, dass der Beitragssatz nicht über 20 % steigt.


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