Datenreport 2018

Jugendkriminalität

Im Vordergrund der öffentlichen Diskussion über Jugendkriminalität stehen oft junge Intensiv- und Gewalttäter, insbesondere wegen ihrer großen Bedeutung für das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung. Über entsprechende Fälle berichten Medien in der Regel ausführlich. Darüber hinaus gibt es auch andere Fälle der Überschreitung gesellschaftlicher Normen. Von der Vielzahl der Ereignisse, die Opfer oder Tatzeugen wahrnehmen und als "kriminell" bewerten, melden diese nur einen Teil den Behörden. In der kriminologischen Forschung wird dies als "Hellfeld" bezeichnet. Die Anzeigewahrscheinlichkeit ist nicht für alle Delikt- beziehungsweise Tätergruppen gleich hoch und variiert auch nach Deliktart und -schwere. Ohne eigene Kontrollaktivitäten der Strafverfolgungsbehörden bleiben die nicht angezeigten Ereignisse aus Sicht der Behörden im "Dunkelfeld". Wenn den zuständigen Strafverfolgungsbehörden in Deutschland Ereignisse bekannt werden, gibt ihnen insbesondere die Strafprozessordnung (StPO) vor, wie sie zu verfahren haben. Daher bedeutet die Einleitung eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens gegen eine Person nicht automatisch, dass die Person tatsächlich "kriminell" im Sinne des Gesetzes war, sondern nur, dass die Strafverfolgungsbehörden – insbesondere Polizei und Staatsanwaltschaft – aufgrund einer Anzeige oder eigener Beobachtung entsprechend der Gesetze ermitteln. Dabei steht am Anfang des Verfahrens immer ein hinreichender Verdacht, dass eine Straftat im Sinne des deutschen Strafrechts vorliegen könnte. Die Staatsanwaltschaft als leitende Ermittlungsbehörde muss dann belastende und entlastende Aspekte prüfen. Im Ergebnis kann die Staatsanwaltschaft in ihrer Abschlussverfügung Anklage gegen Tatverdächtige erheben, sie kann aber auch je nach Einzelfall zu einer anderen Bewertung des Ermittlungsstandes gelangen. Im Fall einer Anklage entscheiden Gerichte über den Fortgang des Strafverfahrens.

Über die Tätigkeit der Polizei berichtet jährlich die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamtes, über die Tätigkeit der Justiz berichten jährlich die Rechtspflegestatistiken der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Die nachfolgenden Ausführungen zeigen Ergebnisse dieser Hellfeld-Statistiken mit dem Fokus auf Jugendliche.

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Info 1

Datenquellen

Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für die Bundesrepublik Deutschland wird vom Bundeskriminalamt auf der Grundlage der von den 16 Landeskriminalämtern gelieferten Landesdaten erstellt. Gegenstand der PKS sind die der Polizei bekannt gewordenen Verdachtsfälle auf das Vorliegen von Straftaten und die polizeilichen Ermittlungsergebnisse. Als Straftat zählen in dieser Statistik Verbrechen und Vergehen einschließlich der mit Strafe bedrohten Versuche entsprechend des deutschen Strafrechts. Nicht in der PKS erfasst werden: Staatsschutzdelikte, die meisten Verkehrsdelikte, Ordnungswidrigkeiten, Delikte, die nicht zum Aufgabenbereich der Polizei gehören (wie Finanz- und Steuerdelikte), sowie Straftaten, die unmittelbar bei der Staatsanwaltschaft angezeigt werden.

Die PKS beruht auf dem Erkenntnisstand bei Abschluss der polizeilichen Ermittlungen und bei Übergabe der Akten an die Staatsanwaltschaften. Ein von der Polizei eingeleitetes Strafverfahren kann nur von der Staatsanwaltschaft abgeschlossen werden. Dabei werden Straftaten zum Teil von der Polizei anders bewertet als von der Staatsanwaltschaft oder den Gerichten, unter anderem wegen des unterschiedlichen Ermittlungsstandes.

Die gerichtliche Strafverfolgungsstatistik für die Bundesrepublik Deutschland wird vom Statistischen Bundesamt auf der Basis von Landesergebnissen der 14 statistischen Ämter der 16 Bundesländer aufbereitet. Gegenstand dieser Statistik sind rechtskräftige Aburteilungen. Daher beziehen sich die jährlichen Ergebnisse auf das jeweilige Jahr der Rechtskraft einer gerichtlichen Entscheidung, nicht auf das Jahr der Tatbegehung oder der Erstverurteilung.

Die Strafverfolgungsstatistik erfasst keine Ordnungswidrigkeiten, sondern nur Verbrechen und Vergehen nach dem Strafgesetzbuch (StGB) oder anderen Bundesgesetzen beziehungsweise Vergehen nach Landesgesetzen. Anders als die PKS erfasst die gerichtliche Strafverfolgungsstatistik alle Staatsschutzdelikte und alle Verkehrsdelikte. Ebenfalls erfasst werden auch alle unmittelbar bei der Staatsanwaltschaft angezeigten Sachverhalte, sofern diese von der Staatsanwaltschaft nach Abschluss des staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahrens vor Gericht gebracht werden.

Die Gesamtzahl der rechtskräftigen gerichtlichen Entscheidungen (Aburteilungen) bezieht sich auf Angeklagte, gegen die Strafbefehle erlassen wurden beziehungsweise Strafverfahren nach Eröffnung des Hauptverfahrens durch Urteil oder Einstellungsbeschluss rechtskräftig abgeschlossen worden sind. Ihre Zahl setzt sich zusammen aus den Verurteilten und aus Personen, gegen die andere Entscheidungen (unter anderem Einstellung, Freispruch) getroffen wurden. Bei der Aburteilung von Angeklagten, die in Tateinheit (§ 52 StGB) oder Tatmehrheit (§ 53 StGB) mehrere Strafvorschriften verletzt haben, ist nur der Straftatbestand statistisch erfasst, der nach dem Gesetz mit der schwersten Strafe bedroht ist.

Autor: Thomas Baumann
Herausgeber: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Datenreport: Kapitel 7.5.1

Tatverdächtige

Im Jahr 2016 konnten Polizeidienststellen in Deutschland von den insgesamt rund 6.372.500 registrierten Verdachtsfällen auf das Vorliegen einer Straftat 3.584.200 Fälle aufklären und für diese insgesamt 2.360.800 Tatverdächtige ermitteln.

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Datenreport: Kapitel 7.5.2

Verurteilte

Bei einem großen Teil der polizeilich ermittelten strafmündigen Tatverdächtigen kommt es im weiteren Gang des Strafverfahrens nicht zu einer rechtskräftigen Verurteilung. Die Diskrepanz hat verschiedene Gründe.

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Datenreport: Kapitel 7.5.3

Sanktionsarten

Wenn Staatsanwaltschaften Strafverfahren nicht einstellen, sondern vor Gericht bringen, spielt das Alter der Angeklagten zum Zeitpunkt der Tat eine wichtige Rolle. Für Jugendliche, das heißt Menschen im Alter von 14 bis 17 Jahren, muss das Gericht das Jugendstrafrecht anwenden.

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