Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Stefan Weick

Familie, Partnerschaft und subjektives Wohlbefinden

Im Folgenden wird untersucht, inwieweit kognitiv bewertende, aber auch affektive Aspekte des subjektiven Wohlbefindens mit privaten Lebensformen einhergehen. Zunächst werden die Lebens- und Familienzufriedenheit untersucht. Zufriedenheit wird in der Lebensqualitätsforschung als Ergebnis einer Bewertung der eigenen Lebensumstände erachtet. Während die allgemeine Lebenszufriedenheit als ein übergreifendes kognitives Maß des subjektiven Wohlbefindens gilt, in das summarisch Einzelbewertungen verschiedener Lebensbereiche eingehen, stellt die Familienzufriedenheit die spezifische Bewertung des privaten Bereichs der Familie dar. Das subjektive Wohlbefinden hängt mit der Lebensform der Menschen zusammen. Die allgemeine Lebenszufriedenheit als eher kognitiver Indikator des Wohlbefindens, gemessen auf einer Skala von 0 "äußerst unzufrieden" bis 10 "äußerst zufrieden", war bei Paaren ohne Kinder im Haushalt (7,4) und überraschender Weise auch bei verwitweten Alleinlebenden vergleichsweise hoch (7,6). Die durchschnittliche Lebenszufriedenheit bei Geschiedenen und Getrenntlebenden lag bei 7,0 und entspricht damit dem Mittelwert in der Gesamtbevölkerung. Eine besonders niedrige Lebenszufriedenheit äußerten dagegen ledig Alleinlebende (6,4). Auch bei Paaren mit Kindern im Haushalt fiel die kognitive Bilanzierung des eigenen Lebens nicht allzu günstig aus (6,8).
Tab 4 Zufriedenheit mit Leben und Familie 2017 — MittelwerteZufriedenheit mit Leben und Familie 2017 — Mittelwerte Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Familie hat in der Bevölkerung nicht nur einen hohen Stellenwert, sie wird auch überwiegend mit einer hohen spezifischen Familienzufriedenheit bewertet. Zu beachten ist, dass die hier verwendete Skala von der 11er-Skala (0 bis 10) für die Erhebung der Lebenszufriedenheit abweicht und von 1 "sehr unzufrieden" bis 7 "sehr zufrieden" verläuft. Die Zufriedenheit mit der eigenen Familie war bei Paaren ohne Kinder (6,0) und Paaren mit Kindern im Haushalt (6,1) am höchsten. Dies sind Werte nahe am Skalenmaximum. Insbesondere Getrenntlebende sowie Ledige, die allein im Haushalt leben, äußerten eine geringere Familienzufriedenheit. Die entsprechenden Werte lagen einen ganzen Skalenpunkt niedriger als bei Paaren. Ebenso lassen sich Geschlechtsunterschiede identifizieren, wenn diese auch nicht besonders deutlich ausfallen: Frauen waren mit der eigenen Familie etwas zufriedener als Männer. Obwohl die Familienzufriedenheit als besonders wichtig für die übergreifende Lebenszufriedenheit erachtet wird, zeigt sich hier nur eine moderate Korrelation (0,31) zwischen den beiden Zufriedenheitsangaben. Die Familienzufriedenheit kann also durchaus von der übergreifenden Lebenszufriedenheit abweichen, da bei Letzterer auch andere Aspekte wie zum Beispiel Gesundheit oder der materielle Lebensstandard mit eingehen.

Während Zufriedenheit stärker die kognitiv bewertende Komponente des subjektiven Wohlbefindens erfasst, zielen Fragen nach Glück, Niedergeschlagenheit und Einsamkeit mehr auf die emotionale Komponente des subjektiven Wohlbefindens. Betrachtet man, wie glücklich Personen in den verschiedenen Lebensformen mit ihrem Leben sind, so fallen vor allem ledig Alleinlebende sowie Getrenntlebende mit einem besonders geringen Anteil von Glücklichen auf. Während Verwitwete zwar eine hohe Lebenszufriedenheit äußerten, lag der Anteil der Verwitweten, die zumindest meistens glücklich waren, unter dem Gesamtdurchschnitt. Die Betroffenen konnten sich bei der kognitiven Bewertung ihrer Lebensumstände mit der Zeit offenbar an den Tod des Ehepartners anpassen und sind mit ihrem Leben durchaus zufrieden; der Anpassung im emotionalen Bereich sind bei einem derartigen Verlust aber offenbar engere Grenzen gesetzt. Gerade bei Verwitweten beeinträchtigt Einsamkeit das emotionale Wohlbefinden. So waren verwitwete Personen besonders häufig einsam: Etwa ein Viertel gab an, zumindest meistens einsam zu sein.
Tab 5 Emotionales Wohlbefinden 2017 — in ProzentEmotionales Wohlbefinden 2017 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Insgesamt waren Menschen, die allein lebten, deutlich häufiger einsam als Personen in anderen Lebensformen. Personen, die mit einem Partner zusammenlebten, waren dagegen nicht nur glücklicher und seltener einsam, auch eine schwerwiegende Beeinträchtigung des subjektiven Wohlbefindens wie Niedergeschlagenheit trat deutlich seltener auf als in anderen Lebensarrangements. Dabei gab es nur geringe Unterschiede zwischen Paaren mit und ohne Kinder.

Die präsentierten Ergebnisse stützen die überwiegende Einschätzung der Bevölkerung, dass der Familie eine besonders hohe Bedeutung im Vergleich zu anderen Lebensbereichen zukommt. Der Wandel der familialen Lebensformen, mit einer Zunahme von Singlehaushalten und einer Abnahme der Ehestabilität, drückt zwar eine gestiegene Wahlfreiheit aus, im Hinblick auf das subjektive Wohlbefinden lassen sich allerdings auch negative Entwicklungen identifizieren, die mit der weiteren Verbreitung dieser spezifischen Lebensformen an Gewicht gewonnen haben. So haben ledige und geschiedene Alleinlebende spezifische Wohlbefindensdefizite: Ihre Familienzufriedenheit ist niedrig und sie fühlen sich häufig einsam.


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