Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Michael Blohm, Jessica Walter

Konsequenzen der Erwerbstätigkeit des Mannes für seine Kinder

Im Folgenden werden vier ausgewählte Fragen zur Rolle des Mannes in Familie und Beruf genauer betrachtet. Diese beziehen sich auf die Konsequenzen der Erwerbstätigkeit des Mannes für seine Kinder und auf die Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau in der Familie.

Die Aussagen in Tabelle 3 beziehen sich auf die Konsequenzen der Erwerbstätigkeit des Vaters für seine Kinder. Bis 2008 wurde nur die Einstellung zu Konsequenzen der weiblichen Erwerbstätigkeit erfasst. Seit 2012 kann man diesbezüglich die Einstellungen zu Vater und Mutter vergleichen. Die meisten Befragten vor allem in Ostdeutschland waren 2016 der Meinung, dass sich weibliche Erwerbstätigkeit nicht negativ auf die Kindesentwicklung auswirke (siehe Kapitel 10.3.1, Tab 2). Die Erwerbstätigkeit des Vaters wurde allerdings ambivalenter beurteilt. Die meisten Befragten (73 % der Westdeutschen und 87 % der Ostdeutschen) stimmten zwar zu, dass "ein Vollzeit erwerbstätiger Vater […] zu seinem Kleinkind normalerweise ein genauso inniges Verhältnis haben [kann] wie ein Vater, der nicht berufstätig ist". Allerdings gab auch ein Drittel der Ostdeutschen und knapp die Hälfte der Westdeutschen an, dass "ein Vollzeit erwerbstätiger Vater […] sich nicht ausreichend um seine Kinder kümmern [kann]". Diese Ergebnisse sprechen dafür, dass die Befragten wahrnehmen, dass Vollzeiterwerbstätigkeit von Vätern zwar zu wenig Zeit für den Vater mit seinen Kindern führt, aber dadurch nicht zwangsläufig das Verhältnis zwischen Vater und Kindern leiden muss. Eventuell wird es von Vätern auch nicht erwartet, sich in hohem Maße um ihre Kinder zu kümmern.
Tab 3 Konsequenzen der Erwerbstätigkeit des Mannes 2012 und 2016 
— in ProzentKonsequenzen der Erwerbstätigkeit des Mannes 2012 und 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Wie bei den Einstellungen zur weiblichen Erwerbstätigkeit standen Befragte im Osten der Vollzeiterwerbstätigkeit des Vaters positiver gegenüber als Befragte im Westen. Dies lässt sich möglicherweise auf die in Ostdeutschland weitverbreitete generationenübergreifende Erfahrung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Familienpolitik der DDR zurückführen, bei der der Staat der Familie die Kinderbetreuung nicht hauptverantwortlich überließ, sondern diese stark unterstützte. Anders als bei Einstellungen zur weiblichen Erwerbstätigkeit näherten sich aber die Einstellungen zur Erwerbstätigkeit des Vaters in West- und Ostdeutschland nicht an.

Im Einklang mit den eher traditionelleren Einstellungen der Männer zur Rolle der Frau hatten Männer auch bezüglich der Erwerbstätigkeit von Vätern in West- und Ostdeutschland traditionellere Einstellungen als Frauen. Sie stimmten häufiger als Frauen der Aussage zu, dass sich ein Vollzeit erwerbstätiger Vater nicht ausreichend um die Kinder kümmern könne. Zudem waren weniger Männer als Frauen der Ansicht, dass berufstätige Väter ein genauso inniges Verhältnis zu den Kindern haben könnten wie nicht berufstätige Väter. Dies gilt sowohl für 2012 als auch für 2016, wobei sich die traditionelle Haltung der Männer im Westen zwischen 2012 und 2016 leicht verstärkte.

Die Einstellungen zur Erwerbstätigkeit des Mannes sind in Ost- und Westdeutschland von der eigenen Erwerbstätigkeit abhängig. Berufstätige Frauen und Männer stimmten in beiden Landesteilen seltener als Nichterwerbstätige der Aussage zu, dass sich Vollzeit erwerbstätige Männer nicht ausreichend um die Kinder kümmern könnten. Hier scheint die eigene Erfahrung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine Rolle zu spielen. Wer die Erfahrung nicht macht, ist deutlich skeptischer in Bezug auf die Erwerbstätigkeit des Mannes. Bei der Frage nach dem "innigen Verhältnis eines Vollzeit erwerbstätigen Vaters zu seinem Kind" ist es genau umgekehrt. Hier waren berufstätige Männer in Westdeutschland und berufstätige Frauen in beiden Landesteilen seltener als Nichterwerbstätige der Ansicht, dass ein Vollzeit erwerbstätiger Vater ein genauso inniges Verhältnis zu seinen Kindern aufbauen könne wie ein Vater, der nicht berufstätig ist. Auch hier ist es möglicherweise die berufliche Erfahrung, die Männer und Frauen die Konsequenzen der väterlichen Erwerbstätigkeit auf das Verhältnis zum Kind skeptischer einschätzen lässt.

Die Ambivalenz gegenüber der väterlichen Erwerbstätigkeit ist in der höchsten Altersgruppe am größten. In dieser Gruppe war die Zustimmung zum innigen Verhältnis eines erwerbstätigen Vaters zu seinen Kindern am höchsten, zugleich aber auch die Zustimmung zur Einschätzung, dass sich Vollzeit erwerbstätige Väter nicht ausreichend um die Kinder kümmern könnten. Die Ambivalenz ist in der jüngsten Altersgruppe am niedrigsten und möglicherweise neben der eigenen Erfahrung von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf auch Ausdruck gestiegener Ansprüche der jüngeren Befragten, was ein inniges Verhältnis zu den Kindern betrifft. Dieser Unterschied der Altersgruppen ist sowohl 2012 als auch 2016 festzustellen. Gerade in Westdeutschland unterschied sich die Gruppe der über 65-Jährigen stark von den Jüngeren – eine Folge des in der Nachkriegszeit im Westen verbreiteten "traditionellen" Familienmodells. Allerdings hat sich die Einstellung der jungen Ostdeutschen in Bezug auf die Aussage, dass sich ein erwerbstätiger Vater nicht genug um seine Kinder kümmern könne, stark gewandelt. Sie äußerten sich 2016 deutlich egalitärer.

Interessanterweise findet sich die größte Ambivalenz der Einstellungen zur Erwerbstätigkeit des Vaters in Ost- und Westdeutschland bei Personen mit einem Volks- beziehungsweise Hauptschulabschluss. Mit steigendem Bildungsniveau sinkt diese Ambivalenz. Sowohl die Zustimmung zur Aussage, dass sich Vollzeit erwerbstätige Väter nicht ausreichend kümmern könnten, als auch die Zustimmung zur Aussage, dass diese Väter ein genauso inniges Verhältnis haben könnten wie nicht erwerbstätige Väter, sinkt mit steigendem Bildungsniveau.

Es zeigt sich somit 2012 wie auch 2016, dass in allen betrachteten Gruppen ein hoher Anteil der Personen der Meinung war, dass sich ein Vollzeit erwerbstätiger Vater nicht ausreichend um seine Kinder kümmern könne. Gleichzeitig war in allen Gruppen die Mehrheit der Befragten der Meinung, dass ein Vollzeit erwerbstätiger Vater ein genauso inniges Verhältnis zu seinen Kindern haben könne wie ein Vater, der nicht berufstätig ist.


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