Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Michael Blohm, Jessica Walter

Einstellungen zur Arbeitsteilung in der Familie

Das männliche Alleinverdiener-Modell, in dem der Mann die finanzielle Versorgung der Familie übernimmt und die Frau für Haushalt und Kinder verantwortlich ist, verliert in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Dadurch rücken andere Arbeitsteilungsmodelle in der Familie in den Fokus. Im ALLBUS 2012 und 2016 wurden unter anderem Einstellungen dazu erfasst, wie die Befragten ein Rollentausch-Modell bewerten, bei dem der Mann zu Hause bleibt und sich um den Haushalt und die Kinder kümmert, während die Frau Vollzeit erwerbstätig ist. Zudem bewerteten die Befragten ein eher traditionelles Arbeitsteilungsmodell, bei dem zwar beide erwerbstätig sind, aber die Frau für den Haushalt und die Familie hauptverantwortlich ist.
Tab 4 Einstellungen zur Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau 
2012 und 2016 — in ProzentEinstellungen zur Arbeitsteilung zwischen Mann und Frau 2012 und 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Das Rollentausch-Modell wurde im Osten und Westen Deutschlands ähnlich positiv bewertet. Jeweils etwa 94 % der Befragten konnten sich gut vorstellen, dass Frauen die Alleinverdienerinnen und Männer für Haushalt und Kinder verantwortlich sind. Geringe Unterschiede zeigen sich 2012 bei verheirateten Frauen im Osten: Hier äußerten berufstätige Frauen eine höhere Zustimmung als nicht berufstätige. Dieser Unterschied ist für 2016 allerdings nicht mehr zu beobachten. Im Westen lassen sich für 2012 keine solchen Unterschiede feststellen. Im Jahr 2016 äußerten sich berufstätige Frauen leicht egalitärer als nicht berufstätige. Verheiratete Männer im Osten und Westen stimmten bei eigener Berufstätigkeit dem Modell stärker zu als Männer, die nicht berufstätig waren, wobei der Unterschied 2012 im Westen deutlicher ausfiel als im Osten, wo sich für 2016 geringe Unterschiede in die andere Richtung beobachten lassen.

Im Westen stimmten ältere Befragte dem Rollentausch-Modell am seltensten zu. Im Osten waren die Unterschiede nach Alter geringer. In Bezug auf den allgemeinbildenden Schulabschluss zeigt sich, dass mit zunehmendem Bildungsniveau die Befragten im Westen dem Rollentausch-Modell eher zustimmten. Allerdings sind die Unterschiede nach Bildungsniveau im Osten wie im Westen gering.

Die allgemein hohe Zustimmung zum Rollentausch-Modell lässt sich möglicherweise dadurch erklären, dass dieses Arbeitsteilungsmodell kaum praktiziert wird und dadurch einen hypothetischen Charakter aufweist, die Einstellungen hierzu somit selten auf eigenen Erfahrungen beruhen.

Das Modell, bei dem die Verantwortung für Haushalt und Kinderbetreuung auch dann bei der Frau liegt, wenn beide (Ehe-)Partner erwerbstätig sind, wurde im Westen stärker befürwortet als im Osten. Insgesamt lag die Zustimmung zu diesem Modell 2016 mit einem Viertel (West) beziehungsweise knapp einem Fünftel (Ost) in beiden Landesteilen auf einem relativ niedrigen Niveau. Männer standen diesem Modell, insbesondere im Westen, positiver gegenüber als Frauen. Erwerbstätige verheiratete Frauen stimmten dieser Arbeitsteilung seltener zu als nicht berufstätige verheiratete Frauen. Bei verheirateten Männern war der Unterschied zwischen Berufstätigen und Nichtberufstätigen im Westen noch deutlicher. Während die berufstätigen Männer in Ost und West mit 20 % beziehungsweise 23 % nahezu in gleicher Weise dem Arbeitsteilungsmodell zustimmten, befürworteten es im Westen 45 % und im Osten
24 % der nicht berufstätigen Ehemänner. Hier zeigt sich im Westen eine stärkere Verankerung dieses Arbeitsteilungsmodells als im Osten. Tabelle 4 zeigt zudem, dass mit zunehmendem Alter der Befragten die Zustimmung zu diesem Arbeitsteilungsmodell ansteigt, wobei diese Unterschiede im Westen deutlicher ausgeprägt sind als im Osten. Im Westen unterschied sich die Gruppe der über 65-Jährigen erneut stark von der Gruppe der Jüngeren. Mit steigendem Bildungsniveau nahm die Zustimmung zu einem traditionellen Modell ab.

Generell stimmten in Ost- und Westdeutschland 2016 weniger Menschen diesem traditionellen Arbeitsteilungsmodell zu als noch 2012. Besonders ausgeprägt ist diese Abnahme bei Personen mit niedrigerer Bildung im Westen und Personen in der jüngsten Altersgruppe im Osten.


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