30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren
Datenreport 2018

14.11.2018 | Von:
Michael Blohm, Martina Wasmer

Kontakte zu Ausländern

Begegnungen zwischen Deutschen und Ausländern können in verschiedenen Lebensbereichen stattfinden: bei der Arbeit, in der Nachbarschaft, in der Familie oder im Freundes- und Bekanntenkreis. Menschen in Ostdeutschland berichteten in allen Lebensbereichen seltener über Kontakt mit Ausländern. Der Anteil der Westdeutschen mit Kontakten zu Ausländern war jeweils ungefähr doppelt so hoch wie der der Ostdeutschen. Bei Kontakten in der Nachbarschaft waren die Unterschiede sogar noch größer, was angesichts des immer noch deutlich geringeren Ausländeranteils in den neuen Bundesländern – etwa 4 % gegenüber etwa 13 % im Westen – nicht verwundert. Während im Westen 86 % der Befragten mindestens in einem der Lebensbereiche Kontakt mit Ausländern hatten, war dies nur bei 59 % der Ostdeutschen der Fall. Häufig – mit 65 % im Westen und 34 % im Osten – handelte es sich dabei um Kontakte im Freundes- und Bekanntenkreis. Diese Kontakte sind als Indikator für eine gelungene Integration insofern von besonderer Bedeutung, als es sich hier um freiwillige, selbst gewählte Beziehungen handelt.
Tab 4 Kontakte zu in Deutschland lebenden Ausländern 2016 — in ProzentKontakte zu in Deutschland lebenden Ausländern 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Vor allem unter jüngeren Menschen und Personen mit höherer Bildung sind in beiden Landesteilen Kontakte zu Ausländern in den verschiedenen Bereichen stärker verbreitet. Die Unterschiede zwischen den Bildungsgruppen waren in beiden Landesteilen bei den Kontakten am Arbeitsplatz und im Freundes- und Bekanntenkreis besonders hoch. Betrachtet man die verschiedenen Altersgruppen, so ist festzustellen, dass 82 % der 18- bis 39-jährigen Westdeutschen angaben, Kontakte zu Ausländern im Freundeskreis zu haben, während weniger als die Hälfte der über 59-Jährigen solche Kontakte hatte. In Ostdeutschland lagen die entsprechenden Werte bei 58 % beziehungsweise 17 %.
Tab 5 Kontakte zu in Deutschland lebenden Ausländern in verschiedenen Bevölkerungsgruppen 2016 — in ProzentKontakte zu in Deutschland lebenden Ausländern in verschiedenen Bevölkerungsgruppen 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Eine interessante Frage ist, ob sich Personen mit Kontakten zu Ausländern in mindestens einem Lebensbereich und solche ohne Kontakte in ihren Einstellungen gegenüber Ausländern unterscheiden. Dabei besteht mit den Daten des ALLBUS 2016 zum ersten Mal die Möglichkeit, auch die Qualität der Kontakte zu berücksichtigen. 2016 wurde nämlich erstmals danach gefragt, wie oft man positive beziehungsweise negative Erfahrungen bei Kontakten mit Ausländern gemacht habe. Jeweils eine große Mehrheit der Befragten hatte bei Kontakten mit in Deutschland lebenden Ausländern oft oder sehr oft positive Erfahrungen gemacht (78 % im Westen, 61 % im Osten) und nur selten oder nie negative Erfahrungen (66 % im Westen, 73 % im Osten).
Abb 6 Qualität der Erfahrungen mit Ausländern 2016Qualität der Erfahrungen mit Ausländern 2016 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Auch bei einer bilanzierenden Betrachtungsweise, die sowohl die Angaben zu positiven Erfahrungen als auch die zu negativen Erfahrungen berücksichtigt, gaben diejenigen, die in mindestens einem der Lebensbereiche Kontakte zu Ausländern hatten, im Westen mit 81 % und im Osten mit 79 % überwiegend positive Kontakterfahrungen an (mehr positive als negative Erfahrungen). Nur etwa jeder Fünfte berichtete von ambivalenten oder überwiegend negativen Kontakten (gleiche Antwortkategorie bei den beiden Kontaktqualitätsfragen oder mehr negative als positive Erfahrungen). Es zeigt sich, dass diejenigen, die überwiegend positive Kontakte zu Ausländern hatten, den vier ausländerdiskriminierenden Aussagen weitaus seltener zustimmten als diejenigen ohne Kontakt zu Ausländern. Interessant ist die kleine Gruppe derjenigen, die angaben, mindestens genauso oft negative wie positive Erfahrungen gemacht zu haben. Bei den drei eindeutig ausländerdiskriminierenden Forderungen wiesen auch sie etwas positivere Einstellungen auf als diejenigen ganz ohne Kontakte zu Ausländern. Dass Ausländer unter sich heiraten sollten, befürworteten im Osten diejenigen ohne Kontakte sogar deutlich häufiger als diejenigen mit gemischten oder negativen Erfahrungen. Anders sieht es bei der Forderung aus, dass die Ausländer ihren Lebensstil besser anpassen sollten. Diese Forderung wurde von denen mit ambivalenten oder überwiegend negativen Erfahrungen im Osten etwa genauso häufig, im Westen sogar noch häufiger befürwortet als von denen ganz ohne Kontakte zu Ausländern.
Tab 6 Zustimmung zu ausländerdiskriminierenden Forderungen nach Kontakterfahrungen 2016 — in ProzentZustimmung zu ausländerdiskriminierenden Forderungen nach Kontakterfahrungen 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)



Lexika-Suche

Zahlen und Fakten

Top 15

Wer zahlt am meisten an die EU? In welches Land wandern die meisten Personen ein? Wie entwickelt sich der Welthandel? Wo sind die meisten Menschen arm? Hier finden Sie 15 Zahlen und Fakten-Grafiken, die regelmäßig auf den neuesten Stand gebracht werden...

Mehr lesen

Zahlen und Fakten

Globalisierung

Kaum ein Thema wird so intensiv und kontrovers diskutiert wie die Globalisierung. "Zahlen und Fakten" liefert Grafiken, Texte und Tabellen zu einem der wichtigsten und vielschichtigsten Prozesse der Gegenwart.

Mehr lesen

Zahlen und Fakten

Die soziale Situation in Deutschland

Wie sind die sozialen Aufgaben in Deutschland verteilt? Und für welche Herausforderungen der Gegenwart und Zukunft müssen Lösungen gefunden werden? Das Online-Angebot hilft dabei, die soziale Situation in Deutschland besser einschätzen und beurteilen zu können.

Mehr lesen