Datenreport 2021.

10.3.2021 | Von:
Annelies G. Blom, Katja Möhring

Unterschiede zwischen Bildungs- und Einkommensgruppen

Bildung und Einkommen gehören zu den wichtigsten Dimensionen der sozialen Ungleichheit. Es stellt sich somit die Frage, ob die Coronakrise die bestehende soziale Ungleichheit am Arbeitsmarkt verstärkt und untere Bildungs- und Einkommensgruppen von den negativen wirtschaftlichen Folgen besonders betroffen sind (siehe auch Kapitel 14.4). Abbildung 4 zeigt die Beschäftigungssituation unterteilt nach dem höchsten Schulabschluss. Dabei wird zwischen niedriger (ohne Schulabschluss oder mit Hauptschulabschluss), mittlerer (Mittlere Reife) und hoher (Fach- / Hochschulreife) Schulbildung unterschieden. Abbildung 5 zeigt das persönliche Nettoeinkommen vor Beginn der Coronapandemie. Auch hier werden drei Gruppen differenziert: Personen mit niedrigem Einkommen von weniger als 1.000 Euro, Personen mit mittlerem Einkommen zwischen 1.000 und 2.500 Euro sowie Personen mit einem hohen Einkommen von mehr als 2.500 Euro.
Entwicklung der Beschäftigungssituation nach Schulabschluss (20. März bis 9. Juli 2020)Entwicklung der Beschäftigungssituation nach Schulabschluss (20. März bis 9. Juli 2020) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Entwicklung der Beschäftigungssituation nach persönlichem Nettoeinkommen (20. März bis 9. Juli 2020)Entwicklung der Beschäftigungssituation nach persönlichem Nettoeinkommen (20. März bis 9. Juli 2020) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Gruppe der freigestellten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist äußerst heterogen. Zum einen wurden in der Zeit des Corona-Lockdowns insbesondere Personen im Bildungsbereich, wie verbeamtete Lehrerinnen und Lehrer, mit fortlaufenden Bezügen freigestellt. Zum anderen betrafen die Freistellungen auch Personen, die als Minijobber beispielsweise im Gast- und Reinigungsgewerbe beschäftigt sind. Für diese Personengruppe bestand während der Freistellung oftmals keine Lohnfortzahlung und aufgrund der fehlenden Sozialversicherung keine Möglichkeit, Kurzarbeitergeld zu empfangen. Zu Beginn der Erhebungszeit Ende März 2020 waren in allen Bildungsgruppen deutlich mehr Beschäftigte von der Arbeit freigestellt als in Kurzarbeit (siehe Abbildung 4). Für Letztere liegen die Anteile in allen Bildungsgruppen bei unter 5 % der Beschäftigten. Im Zeitverlauf fand dann eine Verschiebung hin zur Kurzarbeit statt. In der unteren Bildungsgruppe stieg der Anteil von Beschäftigten in Kurzarbeit im Zeitverlauf stetig an, wohingegen in der mittleren Bildungsgruppe der höchste Wert Mitte Mai erreicht wurde und Anfang Juli schon wieder gesunken war. Dieses Muster zeigt sich in der Tendenz ebenso für die Differenzierung nach Einkommensgruppen (siehe Abbildung 5). Hier fällt besonders auf, dass die Prävalenz von Kurzarbeit in der unteren Einkommensgruppe geringer war als in der mittleren Einkommensgruppe. In der ersten Phase der Kontaktbeschränkungen war in der unteren Einkommensgruppe fast ein Viertel freigestellt, darunter befanden sich gut 7 % Freistellungen ohne Lohnfortzahlung.

Die Betroffenheit von Arbeitslosigkeit variiert ebenfalls stark nach Bildungs- und Einkommensgruppen. In der unteren Einkommensgruppe lag der Anteil von Personen, die im Erhebungszeitraum arbeitslos wurden, weitaus höher als in den anderen Gruppen. Während in der oberen Einkommensgruppe Übergänge in die Arbeitslosigkeit praktisch keine Rolle spielten und in der mittleren Einkommensgruppe nur gut 1 % im Verlauf arbeitslos wurde, betraf Arbeitslosigkeit gut 3 % der Personen in der unteren Einkommensgruppe.

Ebenso wie die Betroffenheit von Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit wies auch der Arbeitsort klare Unterschiede nach Bildungsstatus und Verdienst auf (siehe auch Kapitel 14.3.1 und Kapitel 14.4.2). In der unteren und mittleren Einkommensgruppe arbeiteten Ende März 2020 nur 13 beziehungsweise 18 % von zu Hause, in der oberen Einkommensgruppe waren es über 40 %. Diese Unterschiede blieben im Verlauf bis Anfang Juli stabil. In der oberen Bildungsgruppe arbeiteten auch zuletzt noch 10 % ausschließlich oder überwiegend von zu Hause; mehr als ein Drittel wechselte zwischen Homeoffice und der Arbeit vor Ort. Unter Personen mit niedrigem Schulabschluss traf das auf nur etwa 1 beziehungsweise 11 % zu. Unter Personen mit mittlerem Schulabschluss waren die jeweiligen Anteile nur etwa halb so hoch wie in der oberen Bildungsgruppe.

Insgesamt zeigt sich, dass Bildungsunterschiede vor allem im Hinblick auf unterschiedliche Arbeitsorte – vor Ort, zu Hause oder im Wechsel – zutage treten, wohingegen bei der Betroffenheit von Freistellungen und Arbeitslosigkeit stärkere Unterschiede nach Verdienstgruppen zu erkennen sind. Arbeit von zu Hause stellt sich dabei als Privileg der oberen Bildungsgruppen dar. Freistellungen und Arbeitslosigkeit treffen insbesondere Personen, die bereits vor Einsetzen der Pandemie einen niedrigen Verdienst hatten. Von Kurzarbeit ist die untere Bildungsgruppe am stärksten betroffen. In der unteren Einkommensgruppe ist Kurzarbeit hingegen weniger verbreitet als in der mittleren. Hier zeigt sich, dass der Zugang zum Kurzarbeitergeld nur für Personen in sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnissen und nicht für Minijobber mit geringem Verdienst möglich ist.

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