Datenreport 2021.

10.3.2021 | Von:
Jan Goebel, Peter Krause

Veränderungen und Risiken am Arbeitsmarkt und beim Einkommen nach Bevölkerungsgruppen

Die sozialen und ökonomischen Folgen der Coronapandemie gingen für die unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen und Haushaltskonstellationen über die unmittelbare epidemiologische Betroffenheit hinaus. Hier werden vier weitere der zuvor beschriebenen Indikatoren zu Veränderungen und Risiken auf dem Arbeitsmarkt sowie bei den Einkommen und Rücklagen betrachtet – wiederum jeweils im Haushaltskontext: bereits erfolgter oder sehr wahrscheinlicher Arbeitsplatzverlust oder betriebliche Einschnitte (bei Selbstständigen) [hcov_4], coronabedingte Anpassungen am Arbeitsplatz (Kurzarbeit, Abbau von Überstunden, flexible Arbeitszeiten, Homeoffice) [hcov_5] sowie bereits erfolgte oder sehr wahrscheinliche Rückgriffe auf Spar- und Vermögensrücklagen beziehungsweise ernsthafte Geldprobleme oder Einbrüche im Lebensstandard [hcov_6]. Zudem wurden auch die Bevölkerungsanteile mit gegenüber dem Vorjahr rückläufigen nominalen monatlichen Haushaltsnettoeinkommen erfasst [d1hek] (dieser Indikator schließt auch Einkommensangaben im Jahr 2020 noch vor Ausbruch der Pandemie im März 2020 mit ein).

Frauen waren in dem untersuchten Zeitraum (31. März bis 4. Juli 2020) in etwas geringerem Ausmaß von Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt betroffen und wiesen etwas höhere Werte bei finanziellen Risiken auf (siehe Tabelle 4a). Die Einkommensrückgänge im monatlichen Haushaltseinkommen betrafen indes Männer etwas stärker.

Die Risiken des Jobverlusts und bei Einkommen und Vermögen waren bei den Altersgruppen der (im Jahr 2018) 20- bis 29-Jährigen sowie 50- bis 59-Jährigen am höchsten. Damit waren Personen am Anfang und Ende des Erwerbslebens besonders stark betroffen. Weitere arbeitsmarktbezogene Auswirkungen (Flexibilisierung, Homeoffice) betrafen insbesondere die mittleren Erwerbsjahrgänge. Rückläufige Haushaltseinkommen fanden sich vor allem bei Personen im mittleren und höheren Erwerbsalter.

Personen mit direktem und indirektem Migrationshintergrund wiesen höhere Anteile bei Jobverlust, Arbeitsmarktanpassungen und finanziellen Risiken auf. Rückläufige Haushaltseinkommen zeigten sich vor allem bei Personen mit direktem Migrationshintergrund.

Städtische Regionen waren von Arbeitsmarktrisiken und Veränderungen wie auch von den finanziellen Risiken und Einkommenseinbußen stärker betroffen als ländliche Gebiete.

Entsprechend waren Gemeinden mit unter 2.000 Einwohnerinnen und Einwohnern auch weniger von (drohendem) Arbeitsplatzverlust und finanziellen Risiken betroffen. Diese konzentrierten sich stärker auf größere Städte und Großstädte – wobei die Rückgänge im Haushaltseinkommen in Großstädten ab 500.000 Einwohnerinnen und Einwohner wiederum eher geringer ausgeprägt waren. Mieterinnen und Mieter wiesen höhere Arbeitsmarkt- und Finanzrisiken auf, wogegen Eigentümerinnen und Eigentümer etwas höhere Rückgänge im Haushaltseinkommen verbuchten.

Verheiratet Zusammenlebende waren in geringerem Maße von grundlegenden finanziellen Risiken, Risiken des Arbeitsplatzverlustes oder Arbeitsplatzmaßnahmen im Zuge der Coronapandemie betroffen; allerdings sind hier die Nennungen von Rückgängen im Haushaltseinkommen häufiger. Ledige waren überproportional von Veränderungen am Arbeitsplatz betroffen. Verwitwete wurden (altersbedingt) von Arbeitsmarkt- und Einkommensrisiken in Verbindung mit der Coronapandemie hingegen nur selten erfasst.

Innerhalb der Bildungsgruppen traten mit der Coronapandemie verbundene Risiken des Jobverlustes besonders bei Personen auf, die (2018) den Status als Studierende und Auszubildende oder Realschülerinnen und Realschüler sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ohne Abschluss hatten. Coronabedingte Anpassungsmaßnahmen am Arbeitsplatz betrafen insbesondere höhere Bildungsgruppen wie Fachhochschülerinnen und -schüler, Personen mit Abitur, Fachhochschul- und Universitätsabschluss sowie Personen, die 2018 im Studium oder in der Ausbildung waren. Die höchsten finanziellen Risiken zeigten sich bei Realschülerinnen und Realschülern sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten ohne Abschluss sowie bei Personen mit sonstigen Bildungsabschlüssen. Rückläufige Einkommen erfolgten vor allem bei Realschülerinnen und Realschülern sowie Gymnasiastinnen und Gymnasiasten mit und ohne Abschluss.

Nichterwerbstätige waren von arbeitsmarktbezogenen Folgen der Pandemie kaum betroffen und zeigten auch bei den Finanzrisiken und Einkommensrückgängen geringere Werte. Bei den im Jahr 2018 als arbeitslos erfassten Personen wurden demgegenüber finanzielle Risiken und auch Arbeitslosigkeitsrisiken am häufigsten genannt. Maßnahmen am Arbeitsplatz, um auf die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie zu reagieren, betrafen am häufigsten Erwerbstätige (Vollzeit- wie Teilzeitbeschäftigte) sowie Personen, die 2018 in Ausbildung waren. Rückläufige Haushaltseinkommen waren vor allem bei Vollzeit- und Teilzeiterwerbstätigen zu beobachten.

Das Risiko des Arbeitsplatzverlustes war besonders bei Selbstständigen hoch. Bei den abhängig Beschäftigten waren insbesondere un- und angelernte Arbeiterinnen und Arbeiter betroffen. Maßnahmen am Arbeitsplatz zur Abfederung der wirtschaftlichen Risiken berichteten vor allem Angestellte sowie Beamtinnen und Beamte. Einbußen beim Lebensstandard und Rückgriffe auf Einkommensrücklagen betrafen neben den Selbstständigen auch einfache Angestellte sowie un- und angelernte Arbeiterinnen und Arbeiter. Facharbeiterinnen und Facharbeiter, Meisterinnen und Meister sowie ungelernte Arbeiterinnen und Arbeiter waren am häufigsten von Einbußen beim Haushaltseinkommen betroffen, aber auch leitende Angestellte wiesen erhöhte Rückgänge im Haushaltseinkommen auf.

Das Risiko von Arbeitslosigkeit betraf in höherem Maße große Haushalte ab fünf Personen. Von Maßnahmen am Arbeitsplatz zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie berichteten hingegen vor allem Haushalte mit drei bis vier Personen. Finanzielle Risiken und Einkommensrückgänge waren besonders bei großen Haushalten (fünf oder mehr Personen) sowie Haushalten mit drei Personen verbreitet. Finanzielle Risiken fielen bei Zwei-Personen-Haushalten am niedrigsten aus, Ein-Personen-Haushalte hatten die niedrigsten Quoten bei Einkommensrückgängen.

Jüngere Haushalte (Haushaltsvorstand im Alter bis 34 Jahre) zeigten bei Jobverlust und finanziellen Risiken die höchsten Werte. Arbeitsplatzbezogene Maßnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Auswirkungen traten vor allem bei Haushalten im mittleren Erwerbsalter (Haushaltsvorstand im Alter von 35 bis 54 Jahren) auf, waren aber auch bei den jüngeren Haushalten stark ausgeprägt. Bei Haushalten im mittleren Erwerbsalter fanden sich auch die meisten Einkommensrückgänge.

Differenziert nach Personengruppen im Haushalt hatten Kinder unter 18 Jahren (also die im Jahr 2020 18- bis 20-Jährigen) die höchsten Risiken des Arbeitsplatzverlustes. Bei ihnen traten auch die meisten arbeitsplatzbezogenen Veränderungen auf. Haushaltsvorstände trugen indes die höchsten finanziellen Risiken. Einkommensrückgänge betrafen zudem insbesondere auch Partner sowie erwachsene Kinder.

Ein-Eltern-Haushalte wiesen die höchsten Risiken von Arbeitslosigkeit und finanziellen Schwierigkeiten auf. Von arbeitsplatzbezogenen Maßnahmen zur Abfederung der wirtschaftlichen Folgen berichteten insbesondere Familienhaushalte (siehe auch Kapitel 14.3.1). Einkommensrückgänge fanden sich häufiger bei Familienhaushalten und insbesondere bei Haushalten mit erwachsenen Kindern.

Bei der detaillierten Darstellung der Haushaltstypen im Lebensverlauf konzentrieren sich die Risiken des Arbeitsplatzverlustes vor allem auf Paarhaushalte jüngeren und mittleren Alters ohne Kinder sowie Ein-Eltern-Haushalte mit einem Kind. Arbeitsplatzbezogene Maßnahmen erfuhren am häufigsten Familienhaushalte mit ein bis zwei Kindern. Von finanziellen Einbußen berichteten insbesondere Ein-Eltern-Haushalte mit einem Kind. Auch bei Singlehaushalten unter 55 Jahren, Ein-Eltern-Haushalten mit zwei und mehr Kindern, Familienhaushalten mit einem Kind oder mit drei und mehr Kindern sowie Paarhaushalten mittleren Alters zeigten sich häufiger finanzielle Probleme. Von Einkommensrückgängen waren insbesondere Familienhaushalte mit drei und mehr Kindern, Ein-Eltern-Haushalte mit zwei und mehr Kindern sowie Haushalte mit erwachsenen Kindern betroffen.

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