BUNDESTAGSWAHL 2021 Mehr erfahren
Datenreport 2021.

Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Wie viele Menschen mit ausländischen Wurzeln leben in Deutschland? Welche Auswirkungen hat die Einwanderung auf die Bevölkerungsstruktur? Wo gelingt Integration und wo gibt es Nachholbedarf? Um den Blick auf diese Fragen zu richten, verwendet die amtliche Statistik seit 2005 das Konzept der "Bevölkerung mit Migrationshintergrund". Es umfasst Menschen, die entweder selbst nicht mit deutscher Staatsbürgerschaft geboren wurden oder aber mindestens einen Elternteil haben, der nicht mit deutscher Staatsbürgerschaft geboren wurde. Das betrifft alle Ausländerinnen und Ausländer, alle Eingebürgerten, alle (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler, alle Personen, die die deutsche Staatsbürgerschaft durch Adoption erhalten haben, sowie die mit deutscher Staatsangehörigkeit geborenen Kinder dieser vier Gruppen. Damit wird die zuvor verwendete Unterscheidung nach deutscher und ausländischer Bevölkerung stärker differenziert. Diese Feinabstufung wurde notwendig, weil es mehrere Gruppen gibt, die zwar die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen, jedoch Wurzeln im Ausland haben:

  • Seit 1950 hat Deutschland insgesamt knapp 4,6 Millionen Aussiedlerinnen und Aussiedler sowie Spätaussiedlerinnen und Spätaussiedler aufgenommen.
  • Seit 1990 wurden in Deutschland rund 4,8 Millionen Menschen eingebürgert. Im Zeitraum von 1990 bis 2007 erfolgten insgesamt knapp 3,5 Millionen Einbürgerungen; das sind durchschnittlich über 192.000 Personen im Jahr. Danach schwankte die jährliche Zahl der Einbürgerungen zwischen 94.000 Personen und zuletzt 129.000 Personen im Jahr 2019.
  • Seit 2000 wurden 695.000 sogenannte Optionskinder geboren, die über die deutsche Staatsangehörigkeit verfügen, obwohl dies bei beiden Elternteilen nicht der Fall ist.
  • Laut Mikrozensus hatte im Jahr 2019 mehr als jedes dritte der 723.000 Neugeborenen Eltern(-teile) mit ausländischen Wurzeln. Das waren 289.000 Babys, von denen 201.000 mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurden.
Eine reine Auswertung der Staatsangehörigkeit würde diese Bevölkerungsgruppen unsichtbar bleiben lassen. Durch das Konzept des Migrationshintergrunds können für diese Menschen zum Beispiel die demografischen Merkmale beschrieben und ihre Integration sowie potenzielle bestehende Ungleichheiten analysiert werden.Im Jahr 2019 lebten in Deutschland 21,2 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. Davon sind 7,6 Millionen Menschen in Deutschland geboren, 13,7 Millionen waren Zuwanderinnen und Zuwanderer. Diese Personen sind im Ausland geboren und im Lauf ihres Lebens nach Deutschland zugewandert; daher besitzen sie eigene Migrationserfahrung. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund unterscheidet sich in vielen Merkmalen von der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund. Aber auch die Bevölkerung mit Migrationshintergrund selbst ist keine homogene Gruppe. Dies zeigt sich bei den Kennziffern und Anteilen in Tabelle 1 in der Untergliederung nach der Zuwanderungsgeneration und der Nationalität deutsch / nicht deutsch. Diese Unterschiede beruhen auf demografischen und auch auf sozioökonomischen Sachverhalten, auf die in diesem Kapitel näher eingegangen wird.

i

Info 1

Definition des Migrationshintergrunds

Ob eine Person einen Migrationshintergrund hat oder nicht, wird aus ihren persönlichen Merkmalen (Zuzug, Einbürgerung und Staatsangehörigkeit) bestimmt sowie aus den entsprechenden Merkmalen ihrer Eltern. Für statistische Zwecke wird zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund unterschieden.

Angaben zur Bevölkerung mit Migrationshintergrund ermöglicht seit 2005 der Mikrozensus durch einen erweiterten Fragenkatalog. Es handelt sich um Personen, die entweder selbst nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind oder mindestens einen Elternteil haben, der nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren ist. Dargestellt werden ausschließlich in Privathaushalten lebende Personen. Folgende Personengruppen haben nach dieser Definition einen Migrationshintergrund:
  • Ausländerinnen und Ausländer
  • Eingebürgerte
  • (Spät-)Aussiedlerinnen und (Spät-)Aussiedler
  • Personen, die die deutsche Staatsangehörigkeit durch Adoption erhalten haben
  • Kinder dieser vier Gruppen
Dies bedeutet, dass in Deutschland geborene Deutsche einen Migrationshintergrund haben können, wenn mindestens ein Elternteil ausländisch, eingebürgert, deutsch durch Adoption oder (Spät-)Aussiedlerin beziehungsweise (Spät-)Aussiedler ist. Dieser Migrationshintergrund leitet sich dann ausschließlich aus den Eigenschaften der Eltern ab. Diese Personen "vererben" ihren Migrationshintergrund aber nicht an ihre Nachkommen, da sie selbst mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren sind. Im Kapitel wird unterschieden zwischen Personen, die selbst zugewandert sind und somit eigene Migrationserfahrung haben, und den nachfolgenden, zweiten und höheren Generationen, die bereits in Deutschland geboren wurden und über keine eigene Migrationserfahrung verfügen. Des Weiteren wird zwischen ausländischen Personen (einschließlich Staatenlosen) und Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft unterschieden. Letztere können die deutsche Staatsbürgerschaft durch Einbürgerung, als (Spät-)Aussiedlerin oder (Spät-)Aussiedler, durch Adoption oder durch Geburt erlangt haben. Die deutsche Staatsangehörigkeit wird im Regelfall kraft Gesetzes, ohne Antrag oder behördliches Zutun mit der Geburt erworben. Dies gilt für Kinder eines deutschen Elternteils (sogenanntes Abstammungs- oder ius-sanguinis-Prinzip) und seit dem Jahr 2000 auch für in Deutschland geborene Kinder ausländischer Eltern, wenn mindestens ein Elternteil zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes sich seit acht oder mehr Jahren rechtmäßig im Inland aufhält und ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzt (sogenanntes Territorial- oder ius-soli-Prinzip). Daneben haben die sogenannten Optionskinder auch die ausländische Staatsbürgerschaft ihrer Eltern, also eine doppelte Staatsbürgerschaft.
Bevölkerung nach Migrationsstatus 2019Bevölkerung nach Migrationsstatus 2019 Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Autor(en): Anja Petschel
Herausgeber: Statistisches Bundesamt (Destatis)

Datenreport: Kapitel 1.2.1

Historische Entwicklung der Bevölkerung mit Migrationshintergrund

Die Zuwanderung nach Deutschland wird hier seit Anfang der 1950er-Jahre betrachtet, mit dem beginnenden Zuzug von Aussiedlerinnen und Aussiedlern. Diese Menschen sind Angehörige deutscher Minderheiten aus Mittel- und Osteuropa und teilweise Zentralasien, darunter vor allem aus den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion sowie aus Polen und Rumänien.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.2

Regionale Verteilung und Herkunftsländer

Aus geografischer Perspektive betrifft Migration vor allem das frühere Bundesgebiet. Westdeutsche Großstädte und alte industrielle Zentren weisen historisch bedingt hohe Anteile an Menschen mit Migrationshintergrund auf. In den genannten Regionen im Westen war der Bedarf an Gastarbeiterinnen und Gastarbeitern infolge des Wirtschaftsaufschwungs ab den 1950er-Jahren besonders groß.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.3

Alters- und Geschlechtsstruktur

Menschen mit Migrationshintergrund waren 2019 im Durchschnitt 35,6 Jahre alt und damit wesentlich jünger als Menschen ohne Migrationshintergrund. Die Alterspyramide zeigt, dass bei Zuwanderinnen und Zuwanderern – also bei Menschen mit eigener Migrationserfahrung – die Gruppe der 25- bis 49-Jährigen besonders stark vertreten ist.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.4

Schulische und berufliche Qualifikation

Menschen mit beziehungsweise ohne Migrationshintergrund unterscheiden sich deutlich hinsichtlich ihrer schulischen und beruflichen Qualifikation. Dies beeinflusst ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt und damit ihre Fähigkeit, Erwerbseinkommen zu erzielen. Ebenso wirken sich die Unterschiede auf die Höhe des Erwerbseinkommens und eine mögliche Armutsgefährdung aus.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.5

Arbeitsmarktbeteiligung und Lebensunterhalt

Die Erwerbsquoten unterschieden sich im Jahr 2019 deutlich im Hinblick auf den Migrationshintergrund. Dies liegt vor allem an der jeweiligen Anzahl der Nichterwerbspersonen, die keine Arbeit suchen, weil sie sich in Ausbildung befinden oder ihre Rolle im Haushalt und in der Familie sehen.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.6

Ökonomische Lage und Armutsgefährdung

Die ökonomische Situation von Menschen und ihren Haushalten wird in erster Linie vom Erwerbseinkommen geprägt. Die monatlichen Nettolöhne und -gehälter von in Vollzeit erwerbstätigen Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 64 Jahren lagen 2019 um durchschnittlich 278 Euro oder 11 % unter jenen von Menschen ohne Migrationshintergrund.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.7

Wohnen

Beim Wohnen zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund. Die Bevölkerung mit Migrationshintergrund lebte 2018 nur zu 30 % in Wohneigentum. Personen ohne Migrationshintergrund lebten dagegen zu 54 % in "den eigenen vier Wänden". Bei der Gesamtgröße der Wohnungen gibt es keine bedeutenden Unterschiede.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.8

Kinder mit Migrationshintergrund

In Deutschland lebten 2019 laut Mikrozensus rund 13,5 Millionen Kinder unter 18 Jahren, davon hatten 5,3 Millionen einen Migrationshintergrund. Die überwiegende Mehrheit der Kinder mit Migrationshintergrund hatte einen deutschen Pass. Nur jedes fünfte Kind mit Migrationshintergrund hatte eigene Migrationserfahrung.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.9

Schutzsuchende in Deutschland

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht seit dem Jahr 2017 Zahlen zu den in Deutschland lebenden Schutzsuchenden. Die Daten stammen aus dem Ausländerzentralregister (AZR), das alle notwendigen Informationen über den aufenthaltsrechtlichen Status der in Deutschland registrierten Ausländerinnen und Ausländer enthält.

Mehr lesen

Datenreport: Kapitel 1.2.10

Fazit und Ausblick

Jeder vierte Mensch in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Diese Bevölkerungsgruppe ist überdurchschnittlich jung. Sie wird in Zukunft durch Zuwanderung und Geburten voraussichtlich tendenziell weiterwachsen.

Mehr lesen