Datenreport 2021.

10.3.2021 | Von:
Anja Petschel

Ökonomische Lage und Armutsgefährdung

Die ökonomische Situation von Menschen und ihren Haushalten wird in erster Linie vom Erwerbseinkommen geprägt. Die monatlichen Nettolöhne und -gehälter von in Vollzeit erwerbstätigen Menschen mit Migrationshintergrund im Alter von 25 bis 64 Jahren lagen 2019 um durchschnittlich 278 Euro oder 11 % unter jenen von Menschen ohne Migrationshintergrund. Innerhalb der Bevölkerung mit Migrationshintergrund reichte dabei die Spannweite der durchschnittlichen Einkommen von 2.165 Euro bei Ausländerinnen und Ausländern mit eigener Migrationserfahrung (also Zugewanderten) bis 2.567 Euro bei Deutschen mit Migrationshintergrund ohne eigene Migrationserfahrung. Dies entspricht einer Differenz von 402 Euro oder 16 %.

Unterscheidet man die Menschen mit Migrationshintergrund nach Herkunftsregionen, so zeigen sich noch größere Abstände bei den Löhnen und Gehältern. Menschen mit Wurzeln in Afrika (außer Nordafrika) verdienten mit durchschnittlich 1.949 Euro besonders wenig. Personen mit Wurzeln in Nordamerika verdienten mit 3.084 Euro überdurchschnittlich viel – sowohl verglichen mit allen Menschen mit Migrationshintergrund (2.297 Euro) als auch mit denen ohne Migrationshintergrund (2.575 Euro).
Durchschnittliches monatliches Nettogehalt abhängig ­Vollzeitbeschäftigter nach Migrationsstatus und Herkunftsregion 2019 — in EuroDurchschnittliches monatliches Nettogehalt abhängig ­Vollzeitbeschäftigter nach Migrationsstatus und Herkunftsregion 2019 — in Euro Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

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Armutsgefährdung

Für die Berechnung von Armutsgefährdungsquoten kommen mehrere Datenquellen der amtlichen Statistik in Betracht. Auf europäischer Ebene und auf Bundesebene (insbesondere im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung) wird zur Berechnung von Indikatoren, die die Einkommensarmut und -verteilung betreffen, die Statistik LEBEN IN EUROPA (EU-SILC) als Datengrundlage herangezogen (siehe Kapitel 6.2). Armutsgefährdungsquoten für Personen mit Migrationshintergrund ermittelt ausschließlich der Mikrozensus. Dabei ist zu beachten, dass sich Mikrozensus und EU-SILC sowohl hinsichtlich des zugrunde liegenden Einkommenskonzepts und der Einkommenserfassung als auch hinsichtlich des Stichprobendesigns unterscheiden.


Menschen mit Migrationshintergrund ohne akademischen beruflichen Bildungsabschluss verdienten 2019 monatlich im Durchschnitt 299 Euro mehr als jene, die gar keinen Berufsabschluss hatten, aber 979 Euro weniger als jene mit akademischem Abschluss. Für die Bevölkerung ohne Migrationshintergrund macht sich eine höhere berufliche Qualifikation jedoch stärker bezahlt. Die entsprechenden Werte lagen bei 369 Euro beziehungsweise 1.341 Euro Unterschied. Insgesamt bestätigen die Daten einen Zusammenhang zwischen beruflicher Qualifikation und Höhe des erzielten Erwerbseinkommens. Diese sogenannte Bildungsrendite ist für Menschen ohne Migrationshintergrund allerdings höher als für jene mit Migrationshintergrund. Weitere Faktoren, wie Berufswahl und Berufserfahrung, können sich ebenfalls auf das erzielte Erwerbseinkommen auswirken. Welche Faktoren nun aber zu den Einkommensunterschieden zwischen gleich Qualifizierten mit und ohne Migrationshintergrund führen, lässt sich allein anhand dieser Zahlen nicht beantworten.

Eine Zusammenfassung der sozioökonomischen Situation der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ermöglicht die Armutsgefährdungsquote nach dem Mikrozensus. Die Armutsgefährdungsquote der Menschen mit Migrationshintergrund lag 2019 mit 28 % etwa zweieinhalbmal so hoch wie die der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund (12 %). Für zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer lag der Anteil mit 36 % noch höher. Ein Blick auf die Herkunftsregionen zeigt deutliche Unterschiede: Personen mit Wurzeln in Nordamerika (15 %) und der EU (18 %) hatten ein eher geringeres Armutsrisiko. Personen, die aus Afrika (ohne Nordafrika) stammten (47 %) sowie aus dem Nahen und Mittleren Osten (43 %), waren besonders armutsgefährdet.

Kinder mit Migrationshintergrund waren mit 34 % deutlich häufiger armutsgefährdet als Kinder ohne Migrationshintergrund (12 %). Sie hatten im Vergleich zu den Erwachsenen auch ein deutlich höheres zusätzliches Armutsrisiko. In der Bevölkerung mit Migrationshintergrund lag die Armutsgefährdungsquote der Kinder um 6,0 Prozentpunkte über der der Gesamtbevölkerung, in der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund betrug der Abstand dagegen nur + 0,3 Prozentpunkte. Mehr als jedes zweite Kind mit Wurzeln im Nahen und Mittleren Osten war 2019 armutsgefährdet (53 %).

Auch das Risiko für Altersarmut war 2019 bei der Bevölkerung mit Migrationshintergrund besonders ausgeprägt. Rund 33 % aller über 64-jährigen Personen mit Migrationshintergrund waren armutsgefährdet; das waren zweieinhalbmal so viele wie bei den über 64-Jährigen ohne Migrationshintergrund. Auch hier sind insbesondere Personen aus dem Nahen und Mittleren Osten betroffen – mehr als jede/jeder Zweite ist armutsgefährdet (55 %).

Der Anteil der armutsgefährdeten Erwerbstätigen ("Working Poor") ist seit 2005 nahezu unverändert mit rund 14 % bei Personen mit Migrationshintergrund mehr als doppelt so hoch wie der von Personen ohne Migrationshintergrund (rund 6 %) (siehe Abschnitt 1.2.5, Tabelle 2).
Armutsgefährdungsquote nach Migrationsstatus und Herkunftsregion 2019 — in ProzentArmutsgefährdungsquote nach Migrationsstatus und Herkunftsregion 2019 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)


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