Datenreport 2021.

Kinderreichtum

Lange Zeit wurde Kinderreichtum – im Gegensatz zur Kinderlosigkeit (siehe ­Kapitel 2.4) – in der Öffentlichkeit und in der Forschung nur wenig ­Beachtung geschenkt. Das hat sich in den vergangenen Jahren allerdings geändert. Ein Grund dafür ist, dass der Rückgang von kinderreichen Frauen in erheblichem Maße zum langfristigen Geburtentief in Deutschland beigetragen hat und damit die demografische Entwicklung ­entscheidend prägt. Doch wie und warum hat sich Kinderreichtum im Zeitverlauf verändert? In welchen Bevölkerungs­gruppen und ­Regionen gibt es besonders viele kinderreiche Familien? Wie ist ihre Lebenssituation und ihr gesellschaft­liches Ansehen?

Als kinderreich werden Frauen und Männer bezeichnet, die drei oder mehr eigene Kinder haben. Rund 17 % der Anfang und Mitte der 1970er-Jahre geborenen Frauen sind kinderreich. Bei den Frauen dieser Generation kann davon ausgegangen werden, dass ihre Kinderplanung weitgehend abgeschlossen ist. Aktuell gibt es in Deutschland über 1,4 Millionen Familien mit drei oder mehr Kindern im Haushalt. Das entspricht rund 7,4 Millionen Personen, die in Deutschland in einer Familie mit drei und mehr Kindern leben. Anhand dieser Zahlen wird deutlich, dass kinderreiche Familien einen bedeutenden Anteil an der Bevölkerung in Deutschland ausmachen.

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Definition und Daten zu Kinderreichtum

Kinderreichtum kann unterschiedlich definiert werden. Die Schwelle zum Kinderreichtum liegt heut­­zutage bei drei Kindern und lag früher auch schon mal bei vier. Gezählt werden alle Kinder, die eine Frau ­geboren beziehungsweise ein Mann gezeugt hat. Das Alter der Kinder und ob die Mutter oder der Vater mit den Kindern zusammenleben, spielt bei dieser Definition keine Rolle. Darüber hinaus gibt es Argumente ­dafür, adoptierte und im Haushalt lebende Kinder, unabhängig vom Verwandtschaftsverhältnis, mitzuzählen. In diesem Kapitel gilt als kinderreich, wer drei oder mehr leibliche Kinder hat.

In Deutschland ist die Datenlage zur Berechnung der Kinderzahl von Männern deutlich schlechter als die für Frauen. Seit dem Jahr 2008 werden im jährlichen Mikrozensus alle Frauen im Alter zwischen 15 und 75 Jahren nach der Zahl der von ihnen geborenen Kinder gefragt. Für Männer fehlt eine entsprechende Frage. Das führt dazu, dass sich viele Auswertungen zu Kinderreichtum in Deutschland auf die Kinderzahl von Frauen beziehen. In diesem Kapitel werden daher als Datenbasis neben dem Mikrozensus Daten aus dem Zensus, dem Familienleitbildsurvey, dem deutschen Familienpanel (pairfam) und dem Sozio-oekonomischen Panel (SOEP) verwendet. Perspektivisch wird sich für diese Forschungsfragen auch das neu entstehende familiendemografische Panel FReDA eignen.

Autor(en): Martin Bujard, Harun Sulak
Herausgeber: Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung (BiB)

Datenreport: Kapitel 2.7.1

Entwicklung des Anteils kinderreicher Frauen

Frauen mit drei und mehr Kindern waren bis vor etwa 50 Jahren die größte Gruppe unter den Müttern in Deutschland. Etwas mehr als jede dritte Frau des Geburtsjahrgangs 1933 hat drei und mehr Kinder geboren. Seitdem ist der Anteil kinderreicher Frauen jedoch deutlich rückläufig.

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Datenreport: Kapitel 2.7.2

Einfluss von Kinderreichtum auf die Entwicklung der Geburtenrate

Wie hat sich die Kinderzahl je Frau im Vergleich zum Rückgang der kinderreichen Frauen entwickelt? Wie stark war der Effekt des Rückgangs kinderreicher Frauen auf den Rückgang der Geburtenrate? Und welche Rolle spielte die im Zusammenhang mit der rückläu­figen Kinderzahl häufig thematisierte zunehmende Kinderlosigkeit?

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Datenreport: Kapitel 2.7.3

Migrationshintergrund und Kinderreichtum

Rund ein Viertel der heute in Deutschland lebenden Personen haben einen Migrationshintergrund. Daher sind Unterschiede in der Fertilität zwischen Frauen mit und ohne Migrationshintergrund ein wichtiges ­Element, um das Geburtenverhalten in Deutschland als Ganzes nachzuvollziehen.

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Datenreport: Kapitel 2.7.4

Bildungsniveau und Kinderreichtum

Bildung und Kinderreichtum sind eng miteinander verknüpft. In Deutschland unterscheidet sich Kinderreichtum entsprechend nach Bildungsniveau relativ deutlich. So sind Anfang der 1970er-Jahre geborenen Frauen mit niedriger Bildung z. B. mehr als doppelt so häufig kinderreich wie jeweils die Frauen mit hoher und mittlerer Bildung.

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Datenreport: Kapitel 2.7.5

Gesellschaftliche Stigmati­sierung kinderreicher Personen und Familien

Der Zusammenhang zwischen Bildung und Kinderreichtum ist bereits seit Beginn des 20. Jahrhunderts bekannt. Lange existierten Vorbehalte gegenüber kinderreichen Familien. Im Familienleitbildsurvey des Bundesinstituts für Bevölkerungs­forschung wurden diese Vorbehalte bei Erwachsenen im Alter von 24 bis 43 Jahren untersucht.

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Datenreport: Kapitel 2.7.6

Einkommenssituation kinderreicher Frauen und Männer

Die finanzielle Situation kinderreicher Familien ist insbesondere vor dem Hintergrund der Rollenverteilung von Müttern und Vätern relevant. Häufig ist mit Familiengründung ein Übergang in traditionellere Rollenverteilung verbunden, wobei viele Frauen die Erwerbstätigkeit zugunsten der Übernahme von Betreuungsaufgaben reduzieren.

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Datenreport: Kapitel 2.7.7

Regionale Unterschiede beim Kinderreichtum

Regionale Fertilitätsunterschiede können auf regionalen Faktoren beruhen, aber auch in historisch-kulturellen Entwicklungen begründet sein. Als regionale Fak­toren sind zum Beispiel der Urbanisierungsgrad, die Wirtschaftsstruktur oder der Wohnungsmarkt zu nennen. Ein wichtiger kultureller Faktor ist a. a. die religiöse Prägung einer Region.

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