Datenreport 2021.

10.3.2021 | Von:
Markus M. Grabka, Christoph Halbmeier

Unterschiede nach Alter und Region

Zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen markante Unterschiede in der Höhe des Nettovermögens. Während in Westdeutschland im Jahr 2017 Personen ab 17 Jahren im Durchschnitt über ein Vermögen von knapp 125.000 Euro pro Kopf verfügten, betrug der Wert in Ostdeutschland mit nur etwa 55.000 Euro pro Kopf weniger als die Hälfte. Gemessen am Median – also dem Wert, der die obere von der unteren Hälfte der Bevölkerung trennt – war das Gefälle noch größer: Im Westen lag er bei knapp 35.000 Euro, im Osten bei nur rund 13.000 Euro.

Ein Vergleich des Nettovermögens nach Altersklassen zeigt für Westdeutschland ein deutliches Lebenszyklusmuster: Bis zu einem Alter von 25 Jahren verfügten junge Erwachsene im Jahr 2017 über ein durchschnittliches Nettovermögen von weniger als 10.000 Euro. Mit Abschluss der Ausbildungsphase und dem Eintritt in das Erwerbsleben besteht die Möglichkeit des Sparens und des Aufbaus von Vermögen, gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit von Erbschaften oder Schenkungen. Im Ergebnis steigt das durchschnittliche Nettovermögen ab einem Alter von 26 Jahren deutlich. Das höchste durchschnittliche individuelle Nettovermögen besaß die Gruppe der 71- bis 75-Jährigen mit etwa 205.000 Euro. Hierbei kommt dem Aufbau von Nettovermögen in Form von Immobilien besondere Bedeutung zu, da zum einen bis zum Rentenbeginn Hypotheken auf Immobilien häufig vollständig zurückgezahlt werden, zum anderen Wertsteigerungen dieser Vermögensart stärker ins Gewicht fallen. Im höheren Lebensalter erfolgt typischerweise ein Vermögensverzehr. Ältere Kohorten weisen eher niedrigere Nettovermögen auf, da bereits Teile des Vermögens an nachgelagerte Generationen in Form von Schenkungen übertragen oder aufgrund von gesundheitlichen Bedarfen teilweise aufgebraucht wurden. Die gesetzliche Pflegeversicherung bietet beispielsweise nur einen Teilkaskoschutz bei Pflegebedürftigkeit. Nicht alle Kosten werden übernommen und restliche Ausgaben müssen selbst getragen werden.
Individuelles Nettovermögen nach Altersgruppen und Region 2017 — in Tausend EuroIndividuelles Nettovermögen nach Altersgruppen und Region 2017 — in Tausend Euro Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Das in Westdeutschland klar erkennbare Lebenszyklusmuster war in Ostdeutschland weniger stark ausgeprägt. Bei einem Vergleich zwischen beiden Landesteilen wird erkennbar, dass in allen Altersgruppen das individuelle Nettovermögen in Ostdeutschland geringer ausfiel als in Westdeutschland. Bei Personen im erwerbsfähigen Alter erklärt sich das vor allem durch das weiterhin niedrigere Lohnniveau in Ostdeutschland, das die Möglichkeiten des Sparens negativ beeinflusst, wenngleich die Mietpreise in Ostdeutschland insgesamt geringer ausfallen als in Westdeutschland. Ein weiterer zentraler Faktor besteht in den deutlich niedrigeren Immobilienpreisen in Ostdeutschland, da in vielen Landkreisen in Ostdeutschland die Bevölkerungszahl stagniert oder sogar schrumpft und in der Folge die Nachfrage nach Immobilien und damit ihr Preis gering ausfällt.

Besonders ausgeprägt war der Vermögensunterschied in den beiden Landesteilen in den Altersgruppen ab 55 Jahren. Die höchste Differenz zeigt sich in der Altersgruppe der 76- bis 80-Jährigen mit einem Unterschied von rund 135.000 Euro. In dieser Altersgruppe hielten Menschen aus den neuen Bundesländern mit 46.000 Euro erheblich geringere Nettovermögen als solche in Westdeutschland mit 182.000 Euro. Ältere Erwachsene in Ostdeutschland sind mehrheitlich in der DDR aufgewachsen. Der große Vermögensunterschied bei dieser Gruppe erklärt sich damit, dass in der DDR systembedingt kaum die Möglichkeit bestand, Vermögen aufzubauen. Aber auch in der Zeit nach der deutschen Vereinigung war der Vermögensaufbau vor allem aufgrund der weitaus höheren Arbeitslosigkeit als in Westdeutschland nur eingeschränkt möglich. Auch mittelfristig werden Vermögensunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bestehen bleiben, da sich diese in Form von Erbschaften und Schenkungen auf die folgenden Generationen fortschreiben.

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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 4.0 - Namensnennung - Nicht kommerziell - Keine Bearbeitungen 4.0 International" veröffentlicht. Autor/-in: Christoph Halbmeier Markus M. Grabka für bpb.de

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