Datenreport 2021.

10.3.2021 | Von:
Andreas Mergenthaler, Frank Micheel

Motive für eine Erwerbstätigkeit

Die Befragten in der Studie TOP, die eine Erwerbsabsicht für das Ruhestandsalter äußerten, wurden gebeten, die Gründe für eine verlängerte Arbeitsmarktbeteiligung zu nennen. Personen, die mehr als einen Grund genannt haben, wurden zudem in Welle zwei (2016) und Welle drei (2019) jeweils nach dem Hauptgrund für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter gefragt. Im Jahr 2016 gaben Frauen, die eine Erwerbsabsicht für das Ruhestandsalter bekundeten, mit 28 % am häufigsten "Kontakt zu anderen Menschen" als Hauptmotiv an. Auch bei den Männern wurde dieses Motiv am häufigsten genannt (19 %). Am zweithäufigsten nannten Frauen (19 %) und Männer (17 %) "weiterhin Geld zu verdienen", als Hauptgrund für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter. Am dritthäufigsten wurde mit jeweils 14 % bei Männern und Frauen der "Spaß an der Arbeit" genannt, gefolgt von weiteren individuellen und sozialen oder generativen Motiven, wie dem "Gefühl, gebraucht zu werden" oder die "Weitergabe von Wissen und Erfahrungen" oder auch "fit zu bleiben". Nur ein recht geringer Anteil gab den Alltag strukturierende Gründe ("Mir fällt zu Hause die Decke auf den Kopf" beziehungsweise "ein geregelter Tagesablauf") an. Lediglich 5 % der Frauen und 8 % der Männer mit Erwerbsabsicht im Ruhestandsalter gaben im Jahr 2016 an, dass sie kein Hauptmotiv nennen konnten, da mehrere Gründe für sie entscheidend waren.
Hauptmotive für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter bei Personen, die die grundsätzliche Absicht äußern, im Ruhestandsalter noch einmal einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, nach Geschlecht 2016 — in ProzentHauptmotive für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter bei Personen, die die grundsätzliche Absicht äußern, im Ruhestandsalter noch einmal einer Erwerbstätigkeit nachzugehen, nach Geschlecht 2016 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Die Rangfolge der Hauptmotive für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter blieb bei den Frauen mit Erwerbsabsicht zwischen den Jahren 2016 und 2019 gleich. So wurden auch im Jahr 2019 von Frauen am häufigsten "Kontakt zu anderen Menschen" und "weiterhin Geld zu verdienen" genannt. Bei den Männern verschoben sich die Anteile jedoch deutlich, sodass im Jahr 2019 "weiterhin Geld zu verdienen" mit 29 % am häufigsten aufgeführt wurde, gefolgt von 23 % der männlichen Befragten, die kein Hauptmotiv bestimmen konnten. Die "Weitergabe von Wissen und Erfahrung" wurde als generatives Motiv im Zeitverlauf etwas häufiger genannt. So stimmten im Jahr 2019 8 % der Frauen und 12 % der Männer diesem Grund als Hauptmotiv für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter zu.
Hauptmotive für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter bei Personen, die die grundsätzliche Absicht äußern, im Ruhestandsalter noch einmal einer ­Erwerbstätigkeit nachzugehen, nach Geschlecht 2019 — in ProzentHauptmotive für eine Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter bei Personen, die die grundsätzliche Absicht äußern, im Ruhestandsalter noch einmal einer ­Erwerbstätigkeit nachzugehen, nach Geschlecht 2019 — in Prozent Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)

Insgesamt wurden von Befragten mit einer Erwerbsabsicht für das Ruhestandsalter eine Vielzahl von sozialen, individuellen und finanziellen Motiven für die Aufnahme einer bezahlten Tätigkeit genannt. Unter den genannten Motiven spielten soziale Beziehungen im Zeitverlauf vor allem bei den Frauen die wichtigste Rolle, während es bei den Männern gerade im Jahr 2019 am häufigsten finanzielle Motive waren, die im Hinblick auf eine Verlängerung der Arbeitsmarktbeteiligung angegeben wurden. Dahinter müssen sich nicht notwendigerweise materielle Notlagen verbergen. Vielmehr können auch bestimmte Konsumziele im Ruhestandsalter oder die finanzielle Unterstützung von Enkeln eine Rolle spielen. Interessanterweise wurden Motive, bei denen es um die soziale und zeitliche Struktur des Alltags geht, von ausgesprochen wenigen Befragten als Hauptmotive genannt. Es kann daher vermutet werden, dass die Befragten von einer Erwerbstätigkeit im Ruhestandsalter nicht mehr die gleiche strukturierende Funktion für den Alltag erwarten, wie diese mutmaßlich noch im mittleren Erwachsenenalter gegeben war.

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