Datenreport 2021.

Einkommensgerechtigkeit in Deutschland und Europa

Die Entwicklung der Einkommensunterschiede in Deutschland ist regelmäßig Gegenstand öffentlicher Debatten: Die einen brandmarken jegliche noch so kleine Zunahme an Einkommensungleichheit und sehen darin einen weiteren Beweis für die Ungerechtigkeit der Gesellschaft. Andere verweisen darauf, dass das Ungleichheitsniveau in Deutschland gegenüber anderen Ländern eher moderat sei und angesichts dessen kein Grund zur Besorgnis bestehe. Es finden sich aber auch Stimmen, die Einkommensungleichheiten als notwendigen Bestandteil einer (sozialen) Marktwirtschaft sehen, weil Unterschiede in den individuellen Talenten, den getätigten Investitionen in die eigene Ausbildung oder auch der Leistungsbereitschaft honoriert werden müssten. Antworten auf die Frage, ob Einkommensungleichheiten groß oder klein, gut oder schlecht, gerecht oder ungerecht sind, hängen dabei immer auch von der normativen Perspektive ab, aus der diese beleuchtet werden. Die empirische Gerechtigkeitsforschung zeigt: Menschen unterscheiden sich in ihrer Präferenz für bestimmte Verteilungen und Verteilungsregeln und damit letztendlich auch in ihrer Bewertung der Einkommensverteilung. Diese subjektiven normativen Präferenzen und Gerechtigkeitsbewertungen stehen im Fokus dieses Beitrags.

Autor(en): Jule Adriaans, Stefan Liebig – Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin)
Herausgeber: WZB / SOEP

Datenreport: Kapitel 8.2.1

Unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe für eine gerechte Einkommensverteilung

Ob Ungleichheiten als gerecht oder ungerecht bewertet werden, hängt davon ab, ob die Verteilungsergebnisse den normativen Vorstellungen, nach welchen Prinzipien Güter und Lasten in einer Gesellschaft verteilt werden sollten, zuwiderlaufen oder damit übereinstimmen. Gleichheit, Bedarf, Leistung und Anrecht sind vier grundlegende Verteilungsprinzipien.

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Datenreport: Kapitel 8.2.2

Wahrnehmung des eigenen Einkommens als gerecht

Bei den Gerechtigkeitsprinzipien Gleichheit, Bedarf, Leistung und Anrecht handelt es sich um abstrakte normative Verteilungsprinzipien, also um Vorstellungen darüber, wie eine gerechte Gesellschaft ihre Güter und Lasten idealerweise verteilen sollte. Wie jedoch steht es um die Gerechtigkeitswahrnehmung in Deutschland, wenn es ganz konkret um das eigene Einkommen geht? Wird dieses als gerecht empfunden?

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Datenreport: Kapitel 8.2.3

Gerechtigkeitsbewertung der Einkommensverteilung

Wie würde die Einkommensverteilung in Deutschland aussehen, wenn alle das Bruttoeinkommen erhalten würden, das sie als gerecht erachten? In der Befragung des Sozio-oekonomischen Panels wurde nicht nur gefragt, ob das eigene Einkommen als gerecht wahrgenommen wird, sondern auch welche Höhe das eigene Einkommen haben müsste, um gerecht zu sein.

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Datenreport: Kapitel 8.2.4

Zusammenfassung und Fazit

Eine Grundannahme der empirischen Gerechtigkeitsforschung lautet, dass Ungleichheit vor allem dann mit negativen gesellschaftlichen Konsequenzen verbunden ist, wenn die Ungleichheit als ungerecht bewertet wird. Ein Blick auf die normativen Vorstellungen in Bezug auf eine gerechte Verteilung in Europa zeigt: Die individuelle Leistung und der individuelle Bedarf sind anerkannte Prinzipien für eine gerechte Einkommensverteilung.

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