30 Jahre Deutsche Einheit Mehr erfahren


Krankenversicherung

die kollektive Abdeckung von Risiken, die im Zusammenhang mit Erkrankung, Krankheitsvorsorge und Schwangerschaft auftreten, organisiert in Gestalt der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV, soziale Krankenversicherung ) und der privaten Krankenversicherung (PKV).

A. Gesetzliche Krankenversicherung
1. Versicherungspflicht
2. Freiwillige Mitgliedschaft und Wahlrecht
3. Mitversicherung
4. Beiträge
5. Leistungen
6. Erlöschen der Leistungspflicht
B. Private Krankenversicherung
1. Vertragsverhältnis
2. Tarife
3. Leistungsumfang
4. Wartezeiten
C. Pflegeversicherung
D. Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung
E. Gesundheitsreform 2006


Krankenversicherung: privat oder gesetzlich?
In der privaten Krankenversicherung ist jedes Familienmitglied beitragspflichtig. Für kinderreiche Familien addieren sich die Beiträge rasch zu beträchtlichen Summen. Je nach den Leistungen bieten die Privaten auf lange Sicht aber auch ein erhebliches Einsparpotenzial, z. B. weil sie mehr zahnärztliche Leistungen erstatten, einen geringeren Eigenanteil bei Kontaktlinsen berechnen und die Kosten alternativer Behandlungsmethoden – etwa beim Heilpraktiker oder Homöopathen – zumindest teilweise übernehmen.
Als Faustregel gilt, dass sich bei Ehepaaren mit zwei Kindern ein Vergleich mit der gesetzlichen Krankenversicherung zumindest lohnt, wenn beide Ehepartner erwerbstätig sind und somit automatisch der Versicherungspflicht unterliegen.

A. Gesetzliche Krankenversicherung

Seit dem 1. 1. 2009 gilt eine Versicherungspflicht für alle Bürger, d. h., sollte eine Versicherungspflicht in der GKV nicht bestehen, haben sich diese Personen entsprechend freiwillig in der GKV oder in der PKV zu versichern.

1. Versicherungspflicht: Wer nach der GKV versicherungspflichtig ist, regelt § 5 SGB V umfassend. Dies sind vorrangig: Arbeiter und Angestellte sowie zu ihrer Berufsausbildung Beschäftigte, die gegen Arbeitsentgelt beschäftigt sind und deren regelmäßiges Jahresarbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze nicht übersteigt (2014: 53 550 € jährlich, 4 462 € monatlich), sind versicherungspflichtig. Neben anderen besonderen Gruppen sind auch Personen in Zeiten, in denen sie Arbeitslosengeld oder Unterhaltsgeld beziehen, versicherungspflichtig. Weitere Gruppen, die von der Versicherungspflicht unter bestimmten Bedingungen erfasst werden, sind Landwirte, Künstler und Publizisten, Teilnehmer von berufsfördernden Maßnahmen, Behinderte in anerkannten Werkstätten, Studenten nach Abschluss des 14. Fachsemesters, Praktikanten, die eine vorgeschriebene berufspraktische Tätigkeit ohne Arbeitsentgelt verrichten, und Personen, die die Voraussetzungen für den Anspruch auf eine Rente aus der gesetzlichen Rentenversicherung erfüllen, wenn sie seit der erstmaligen Aufnahme einer Erwerbstätigkeit bis zur Stellung des Rentenantrags mindestens neun Zehntel der zweiten Hälfte dieser Zeitspanne aufgrund einer Pflichtversicherung Mitglied oder familienversichert waren.

2. Freiwillige Mitgliedschaft und Wahlrecht: In der GKV besteht auch die Möglichkeit der freiwilligen Versicherung (§ 9 SGB V). Diese ist aber im Wesentlichen begrenzt auf:
  • Personen, die aus der Versicherungspflicht ausscheiden, wenn bestimmte Vorversicherungszeiten erfüllt sind;
  • familienversicherte Angehörige, wenn die Voraussetzungen für die Mitversicherung entfallen (auch hier sind bestimmte Vorversicherungszeiten zu erfüllen);
  • Personen, die erstmals eine Beschäftigung aufnehmen und wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze versicherungsfrei sind. Dabei bleiben Beschäftigungen vor oder während der beruflichen Ausbildung unberücksichtigt;
  • Schwerbehinderte, wenn bestimmte Vorversicherungszeiten erfüllt sind;
  • Arbeitnehmer, deren Mitgliedschaft durch Beschäftigung im Ausland endete, wenn sie innerhalb von zwei Monaten nach Rückkehr in das Inland wieder eine Beschäftigung aufnehmen.
Der freiwillige Beitritt zur Krankenkasse ist innerhalb von drei Monaten anzuzeigen.

3. Mitversicherung: In der GKV gibt es auch die Möglichkeit der Mitversicherung, also ein Anspruchsverhältnis, ohne selbst Mitglied zu sein. So können gem. § 10 SGB V aufgrund der Mitgliedschaft eines Ehegatten kostenlos in der GKV familienversichert sein: der Ehegatte, der Lebenspartner, die Kinder sowie die Kinder von familienversicherten Kindern unter den Voraussetzungen des § 10 Abs. 1 u. 2 SGB V.

Kinder sind grundsätzlich bis zur Vollendung des 18. Lebensjahres versichert, darüber hinaus bis zur Vollendung des 23. Lebensjahres, wenn sie nicht erwerbstätig sind. Die Familienversicherung besteht für Kinder bis zur Vollendung des 25. Lebensjahres, wenn sich diese in einer Schul- oder Berufsausbildung befinden oder ein freiwilliges Jahr ableisten.

Seit dem 1. 1. 2002 gilt ein einheitliches Kassenwahlrecht, das die Kündigung der Mitgliedschaft erleichtert: Diese ist bis zum Ablauf des übernächsten Kalendermonats zulässig (Beispiel: Kündigung am 10. 3. Kündigung zum 31. 5., Kassenwechsel zum 1. 6.). Über eine Kündigung hat die Krankenkasse spätestens innerhalb von zwei Wochen eine Bestätigung auszustellen. Die Ausübung des Wahlrechts geschieht durch Erklärung gegenüber der aufnehmenden Krankenkasse, die aufgrund des gesetzlichen Kontrahierungszwangs die Mitgliedschaft nicht zurückweisen kann. Das Wahlrecht kann, ohne dass es einer Zustimmung des Erziehungsberechtigten bedarf, bereits mit Vollendung des 15. Lebensjahres ausgeübt werden. Die gewählte Krankenkasse hat dem neuen Mitglied unverzüglich eine Bescheinigung über die Mitgliedschaft auszustellen, die wiederum innerhalb von zwei Wochen an die zur Meldung verpflichtete Stelle (meist der Arbeitgeber) weiterzuleiten ist. Unterbleibt Letzeres, so hat die Stelle den Versicherungspflichtigen bei der zuständigen Krankenkasse anzumelden; dies ist i. d. R. die Kasse, mit der zuletzt eine Versicherung bestand, andernfalls jede wählbare Kasse. Bestand innerhalb der zurückliegenden 18 Monate eine Pflicht- oder freiwillige Mitgliedschaft in einer anderen Kasse, kann die neue Krankenkasse eine Mitgliedsbescheinigung nur ausstellen, wenn das neue Mitglied die Kündigungsbestätigung der bisherigen Krankenkasse vorlegt. Wird zwar die bisherige Mitgliedschaft in einer Kasse gekündigt, aber keine neue begründet, so bleibt die bisherige Mitgliedschaft bestehen. In diesem Fall gilt das Wahlrecht als nicht ausgeübt.

Im Falle einer Beitragserhöhung gilt die Bindungsfrist von 18 Monaten nicht; d. h., Beitragserhöhungen berechtigen zu Kündigung und Wahlrecht innerhalb der Bindungsfrist. Dieses Sonderkündigungsrecht gilt auch für freiwillig Versicherte.

4. Beiträge: Die Beiträge in der GKV berechnen sich nach dem Einkommen des Versicherten. Für Pflichtversicherte ist dies i. d. R. das Arbeitseinkommen, für bestimmte Sondergruppen gelten besondere Regelungen, und es sind auch Mindesteinnahmen vorgesehen. In der freiwilligen K. werden die Einnahmen zum Lebensunterhalt für die Beitragsbemessung zugrunde gelegt.

Durch das Gesundheitsreformgesetz vom Februar 2007 wurde die Gestaltungsfreiheit der Krankenkassen in Bezug auf den Beitragssatz beseitigt und ein einheitlicher Beitragssatz von 15,5 % als allgemeiner Beitragssatz für Versicherte, die einen Entgeltfortzahlungsanspruch von mindestens sechs Wochen haben, festgelegt. Daneben gibt es einen verminderten Beitragssatz für Versicherte ohne gesetzl. Anspruch auf Krankengeld in Höhe von 14,9 %. Erweitert wurde die Möglichkeit, den allgemeinen Tarif durch Wahltarife für Leistungen über den Katalog der Pflichtleistungen hinaus zu ergänzen.

Die Beiträge werden i. d. R. je zur Hälfte vom Versicherten und Arbeitgeber getragen. Dies gilt allerdings nicht für geringfügig Beschäftigte bzw. Inhaber von Minijobs. Hier werden die Beiträge pauschal in Höhe von 13 % zur Krankenversicherung und 15 % zur Rentenversicherung vom Arbeitgeber übernommen.

Aufgrund der zum 1. 1. 2004 in Kraft getretenen Gesundheitsreform wird seit dem 1. 7. 2005 ein zusätzlicher Beitragssatz von 0,9 % erhoben, den die Versicherten alleine zu tragen haben. Mehrbelastungen der Versicherten haben sich auch durch die Neuregelung der Kostenbeteiligungen ergeben. So muss der Patient bei Krankenhausaufenthalten und stationären Anschlussheilbehandlungen 10 € pro Tag, begrenzt auf 28 Tage pro Jahr, zuzahlen.

Bei verschreibungspflichtigen Arznei- und Verbandmitteln ebenso wie bei Hilfsmitteln (z. B. Hörgerät) muss der Patient 10 % des Preises, jedoch mindestens 5 € und maximal 10 € pro Mittel zuzahlen, bei Heilmitteln und häuslicher Krankenpflege (begrenzt auf 28 Tage pro Jahr) 10 % der Kosten des Mittels bzw. der Leistung sowie 10 € je Verordnung. Schließlich werden auch bei einer Soziotherapie und der Inanspruchnahme einer Haushaltshilfe Zuzahlungen von 10 % pro Tag innerhalb einer Bandbreite von 5 € bis 10 € fällig. Die Höhe der Eigenbeteiligung der Versicherten darf 2 %, im Fall chronisch Kranker 1 % der Bruttoeinnahmen nicht überschreiten. Darüber hinaus ist die Übernahme der Fahrtkosten zu einer ambulanten Behandlung, der Kosten von Sehhilfen (ausgenommen für Minderjährige und schwer Sehbehinderte) sowie der Kosten für medizinisch nicht notwendige Maßnahmen oder Präparate entfallen, ebenso wie die Zahlung von Sterbegeld und Entbindungsgeld.

Auch die Beteiligung der Krankenversicherung an den Kosten des Zahnersatzes wurde zum 1. 1. 2005 geändert, indem die prozentualen Anteile der Kassen an den Kosten durch befundbezogene Festbetragszuschüsse ersetzt wurden. Diese belaufen sich auf 50 % der für die Regelversorgung notwendigen Leistungen.

Freiwillig in der GKV versicherte Beschäftige, die wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze Wahlfreiheit haben, erhalten von ihrem Arbeitgeber als Beitragszuschuss die Hälfte des Betrags, der für einen versicherungspflichtig Beschäftigten bei der Krankenkasse zu zahlen wäre, höchstens jedoch die Hälfte des tatsächlich zu zahlenden Beitrags.

Versicherte zahlen keine Krankenversicherungsbeiträge, solange sie Krankengeld oder Mutterschaftsgeld beziehen. Gleiches gilt während der Zeit des Erziehungsurlaubs. Vom Krankengeld wird die Hälfte der Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge einbehalten; die andere Hälfte wird von der K. übernommen. Die Beiträge werden von jeder gesetzlichen Krankenkasse eingezogen und dann an den neu geschaffenen Gesundheitsfonds weitergeleitet. Aus diesem wiederum erhalten die Kassen ihre Zuweisungen. Der Gesundheitsfonds wird vom Bundesversicherungsamt verwaltet, er geht auf einen Vorschlag des Wissenschaftlichen Beirats beim Bundesfinanzministerium zurück.

Krankenkassen, die mit den Mitteln aus dem Fonds nicht auskommen, können einen zusätzlichen, von den Mitgliedern allein zu zahlenden Beitrag von bis zu acht Euro pro Monat verlangen, ggf. bis zu 1 % der beitragspflichtigen Einnahmen der Mitglieder. In diesem Falle haben die Mitglieder ein Sonderkündigungsrecht. Sozial Schwache sind von der Erhöhung ausgenommen.

5. Leistungen: Die Leistungen in der GKV sind gesetzlich geregelt und festgeschrieben. Auf diese Leistungen haben ohne Rücksicht auf die Höhe der Beiträge oder den Beginn der Versicherung alle Versicherten Anspruch. In bestimmten Fällen lässt das Gesetz über die jeweilige Satzung der einzelnen Krankenkassen hinaus noch sogenannte Mehrleistungen (z. B. Kuren) zu.

In der GKV gilt das Sachleistungsprinzip. Dies bedeutet, dass Leistungen i. d. R. mit der Krankenversichertenkarte oder mit entsprechenden ärztlichen Verordnungen oder Bestätigungen direkt in Anspruch genommen werden können. Aufgrund vertraglicher Vereinbarungen rechnen der Arzt, das Krankenhaus, die Apotheke oder sonstige Leistungserbringer direkt mit der Krankenkasse ab.

Die GKV kennt auch die private Inanspruchnahme und anschließende Kostenerstattung. Diese Wahlmöglichkeit ist jedoch eingeschränkt. Sie beschränkt sich im Wesentlichen auf freiwillige Mitglieder und auf Fälle, in denen die jeweilige Krankenkasse notwendige Leistungen nicht oder nicht rechtzeitig erbringt.

Die GKV kennt keine Wartezeiten für Leistungen. Mit Eintritt der Mitgliedschaft oder Mitversicherung besteht auch Anspruch auf Leistungen.

6. Erlöschen der Leistungspflicht: Wenn in der GKV die Mitgliedschaft endet, wirkt diese noch für einen Monat nach, wenn die vom Gesetz geforderte Zugehörigkeit zu einem bestimmten Personenkreis (z. B. Familienangehöriger) vorliegt, keine anderweitige gesetzliche Versicherung begründet wird und keine Erwerbstätigkeit ausgeübt wird. Ähnliche Regelungen gelten beim Tod des Mitglieds für weitere Ansprüche der mitversicherten Familienangehörigen.

B. Private Krankenversicherung

1. Vertragsverhältnis: Die Mitglieder der PKV setzen sich vornehmlich aus einem Personenkreis zusammen, der nicht gesetzlich versichert zu sein braucht. In der PKV beruht der Beitritt zur Krankenkasse auf der freien Entscheidung des Beitrittswilligen. Die Prämie wird individuell festgesetzt, diese richtet sich nach dem zu versichernden individuellen Risiko. Kriterien für dieses Risiko sind u. a.:
  • das Eintrittsalter zu Beginn des Vertragsabschlusses,
  • das Geschlecht,
  • der Gesundheitszustand,
  • der gewählte Tarif des Versicherungsnehmers (vereinbarter Leistungsumfang).
Der Wechsel von der GKV in die PKV ist möglich, wenn das Arbeitseinkommen über drei Jahre hinweg die Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigt.

2. Tarife: Für bereits bestehende Krankheiten können Leistungsausschlüsse oder bei erhöhten Risikofaktoren (z. B. Vorerkrankung) Prämienzuschläge festgelegt werden (vgl. jedoch Abschnitt E).

Eine Familienversicherung kennt die PKV nicht. Hier ist für jeden einzelnen Familienangehörigen ein gesonderter Vertrag mit einer eigenen vollen Prämie entsprechend desm individuellen Risiko abzuschließen.

Auch in der PKV erhalten die Arbeitnehmer, die nur wegen Überschreitens der Jahresarbeitsentgeltgrenze versicherungsfrei sind, vom Arbeitgeber einen Beitragszuschuss in Höhe von 50 % des Betrages, der sich nach dem durchschnittlichen allgemeinen Beitragssatz aller Krankenkassen des Vorjahres errechnet, höchstens jedoch die Hälfte des Betrags, den der Arbeitnehmer für seine K. tatsächlich zu zahlen hat. Wird von den Versicherten eine Krankheitskostenvollversicherung abgeschlossen, so können sie wählen zwischen:
  • der vollen Kostenübernahme in Teilbereichen,
  • der Selbstbeteiligung (bei jeder Rechnung wird ein bestimmter Prozentsatz als Eigenanteil nicht erstattet),
  • einer absoluten Selbstbeteiligung (es wird ein jährlicher Eigenanteil im Voraus fest vereinbart, den der Versicherungsnehmer selbst tragen muss).
Was sich zunächst bei der Wahl von höheren Selbstbehalten durch erhebliche Beitragsersparnis positiv darstellen kann, kann sich nachträglich möglicherweise als nachteilig erweisen.

Bei einem reinen Beitragsvergleich zwischen PKV und GKV sind die gewählten Selbstbeteiligungen oder Selbstbehalte, der zusätzliche Aufwand für Familienangehörige und die Steigerung der Beiträge im Alter durch ein erhöhtes Risiko zu berücksichtigen und bei der Beitragsgesamtbetrachtung mit einzubeziehen.

Beitragsfreie Zeiten kennt die PKV i. d. R. nicht. Hier müssen während des Bezugs von Krankengeld die Versicherungsprämien vom Versicherungsnehmer allein weitergezahlt werden. Versicherte der PKV können während einer Krankheit den damit verbundenen möglichen Rentennachteilen vorbeugen. Der Privatversicherte kann selbst Beiträge zur Rentenversicherung entrichten (pro Kalendermonat mindestens 70 % des zuletzt für einen vollen Kalendermonat entrichteten Beitrags).

Der Gesetzgeber hat den Personen, die in der PKV verbleiben müssen, eine Erleichterung beschert: Der bisher frühestens mit 65 Jahren mögliche Standardtarif mit verminderten Leistungen steht seit dem 1. 7. 2000 bereits 55-jährigen PKV-Mitgliedern zu. Voraussetzung ist hier allerdings, dass sie mit ihrem Gesamteinkommen unter der Versicherungspflichtgrenze bleiben. Obergrenze dieses Beitrags ist der durchschnittliche Höchstbetrag in der GKV.

Standardtarif bedeutet v. a., dass die Honorare der Ärzte auf das 1,7-Fache der amtlichen Gebührenordnung begrenzt sind. Ehegatten mit einem Gesamteinkommen unter der Versicherungspflichtgrenze müssen in diesem Rahmen nur noch einen Beitrag von bis zu 150 % des durchschnittlichen Höchstbeitrages der GKV bezahlen.

3. Leistungsumfang: In der PKV gilt das Vertragsprinzip. Der Versicherungsnehmer wählt danach aus der gesamten Palette des Angebots die von ihm individuell vertraglich gewünschten Leistungen.

Das Angebot ist breit gefächert; es umfasst:
  • Krankheitskostenvollversicherung,
  • Wahlleistung Ein- oder Zweibettzimmer im Krankenhaus,
  • Chefarztbehandlung im Krankenhaus,
  • Krankheitskostenzusatzversicherung,
  • Krankenhaustagegeldversicherung,
  • Krankentagegeldversicherung,
  • Zahnersatzrestkosten,
  • Krankenversicherung für Auslandsreisen (Urlaubsreisen) usw.
Die gewünschten Leistungspakete sind in der PKV für jede zu versichernde Person, also auch für Familienangehörige, separat abzuschließen.

4. Wartezeiten: Es sind Wartezeiten möglich; darunter ist eine leistungsausschließende Karenzzeit zu verstehen. I. d. R. beträgt die allgemeine Wartezeit drei Monate ab Versicherungsbeginn, für Leistungen bei Mutterschaft und Entbindung, Psychotherapie, Zahnbehandlung, Zahnersatz und Kieferorthopädie acht Monate. Die Wartezeiten ergeben sich jeweils aus den Versicherungsbedingungen. Sie sind aber oftmals nur von theoretischer Bedeutung. So lassen vielfach die Versicherungsbedingungen zu, dass bei Personen, die unmittelbar vorher gesetzlich krankenversichert waren, die dort zurückgelegten Versicherungszeiten auf die Wartezeit angerechnet werden.

C. Pflegeversicherung

Für die Pflegeversicherung gilt grundsätzlich: Die Pflegeversicherung folgt der K. Damit sind zunächst kraft Gesetzes die Personen in den Schutz der sozialen Pflegeversicherung einbezogen, die in der GKV versichert sind. Besteht keine Versicherung in der GKV, sondern in der PKV, so ist bei dem betreffenden Versicherungsunternehmen eine private Pflegeversicherung zwingend abzuschließen. Damit gilt:
  • Pflichtversicherung in der GKV bedeutet Pflichtmitgliedschaft in der sozialen Pflegeversicherung bei der GKV;
  • freiwillige Versicherung bei der GKV bedeutet Pflichtmitgliedschaft in der sozialen Pflegeversicherung;
  • PKV bedeutet Verpflichtung zum Abschluss einer privaten Pflegeversicherung im Rahmen des Vertrages.
Wer bei einem privaten Versicherungsunternehmen eine private Pflegeversicherung abgeschlossen hat und danach wieder versicherungspflichtig in der GKV wird, kann sich auf Antrag von der Versicherungspflicht in der sozialen Pflegeversicherung befreien lassen und damit weiterhin bei der privaten Pflegeversicherung bleiben.

D. Wahl zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung

Erhebliche Unterschiede im Prämien- bzw. im Beitragssystem und bei den Leistungen im Krankheitsfall machen es schwierig, eindeutige Kriterien aufzuzeigen, welche Versicherungsart vorzuziehen ist.

Bis zum Inkrafttreten der sogenannten Gesundheitsreform (2007; Abschnitt E) galt bei der Entscheidung, welche K. künftig gewählt wird, mit wenigen Ausnahmen der Grundsatz: Einmal privat, immer privat. Das heißt, dass Personen, die sich für die Versicherung in der PKV entschieden hatten und eine Befreiung von der GKV erwirkt hatten, können i. d. R. nicht mehr Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse werden können. Bisherige Rückkehrmöglichkeiten in die GKV sind fast nicht mehr vorhanden. Insbesondere die Rückkehr in die GKV beim Eintritt in den Ruhestand oder durch eine Reduzierung der Arbeitsstunden und damit des Verdienstes unter die Versicherungspflichtgrenze in der K. ist seit dem 1. 7. 2000 nicht mehr möglich. Durch gesetzliche Neuregelungen (§ 6 Abs. 3 a SGB V) sind Personen, die nach Vollendung des 55. Lebensjahres versicherungspflichtig werden (z. B. durch Absenkung des Arbeitsentgelts unter die Versicherungspflichtgrenze der K.), immer automatisch versicherungsfrei, wenn sie in den letzten fünf Jahren vor Eintritt der Versicherungspflicht nicht gesetzlich versichert waren. Voraussetzung ist ferner, dass diese Personen mindestens die Hälfte dieser Zeit versicherungsfrei, von der Versicherungspflicht befreit oder wegen selbstständiger Erwerbstätigkeit nicht versicherungspflichtig waren. Diesen Voraussetzungen steht die Ehe mit einer bisher privat versicherten oder versicherungsfreien Person gleich.

Nicht unter diese Regelung fallen a) Personen, die nach dem 55. Lebensjahr nach Sozialhilfebezug oder nach einem längeren Auslandsaufenthalt versicherungspflichtig werden, und Ausländer, die erstmals eine versicherungspflichtige Beschäftigung aufnehmen; b) Personen, die vor dem 1. 7. 2000 bereits das 55. Lebensjahr vollendet haben und versicherungspflichtig geworden sind.

Ansonsten gilt, dass Arbeitnehmer nur so lange krankenversicherungsfrei sind, als die Arbeitsentgelte die jeweils geltende Jahresarbeitsentgeltgrenze übersteigen. Unterschreitet das Arbeitsentgelt die Jahresarbeitsentgeltgrenze, endet die Versicherungsfreiheit, und die Versicherungspflicht setzt mit Beginn des Monats ein, von dem an vermindertes Arbeitsentgelt gezahlt wird. Hier ist allerdings die Altersgrenze von 55 Jahren zu beachten.


Quelle: Duden Recht A-Z. Fachlexikon für Studium, Ausbildung und Beruf. 3. Aufl. Berlin: Bibliographisches Institut 2015. Lizenzausgabe Bonn: Bundeszentrale für politische Bildung.



Lexika-Suche

Dossier

Urheberrecht

Früher interessierte es nur Autoren, Künstler und Verlage. Heute betrifft das Urheberrecht uns alle: meist als Treibstoff der Informationsgesellschaft - manchmal aber auch als Sand in ihrem Getriebe.

Mehr lesen

Dossier

Menschenrechte

Auf der Flucht vor Zwangsheirat, hinter Gittern wegen der "falschen" Meinung, in der Textilfabrik von Kindesbeinen an: Auch 70 Jahre nach Erklärung der Allgemeinen Menschenrechte ist die Frage nach Freiheit und Würde des Menschen aktuell. Sind Menschenrechte universell? Wer verfolgt Verstöße gegen Menschenrechte? Und wie sieht die Situation in verschiedenen Regionen aus?

Mehr lesen

Dossier

Datenschutz

Was bedeutet Datenschutz? Wie ist er gesetzlich geregelt? Was steckt hinter den Begriffen informationelle Selbstbestimmung und Privatsphäre? Wie können persönliche Daten im Internet geschützt werden? Das Online-Dossier Datenschutz klärt über Hintergründe auf und gibt praktische Handlungsanleitungen zum Thema.

Mehr lesen