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Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.

28.1.2016

Ausgewählte Beispiele im Überblick

Auch wenn es nicht die Absicht des folgenden Bandes ist neue Forschungsergebnisse zu präsentieren, gilt es auf einige Zeitreihen besonders hinzuweisen. Der Grund dafür ist, dass es manche Statistiken wie in dem hier dargestellten Umfang zuvor nicht gab.

Obwohl es nicht die Absicht der Zusammenstellung war, neue Forschungsergebnisse zu produzieren, ist auf einige Daten beispielhaft besonders hinzuweisen. Im Kapitel zur Bevölkerung werden erstmals Zeitreihen über einen Zeitraum von 180 Jahren in Folge, beginnend mit dem Deutschen Zollverein, präsentiert. Die Zeitreihen decken nicht nur die Zeit des Deutschen Reiches ab, sondern auch die Bundesrepublik Deutschland, die DDR und das wiedervereinigte Deutschland. Einwohnerzahlen sowie Geburten- und Sterberaten für die Zeit vor 1871 wurden neu berechnet. Neu in dieser Zusammenstellung sind darüber hinaus Daten über das Heiratsalter oder die Berechnung der Wiederverheiratungsraten von verwitweten und geschiedenen Personen. Der Abschnitt über Haushalte und Familien, die normalerweise beim Thema Bevölkerung nicht behandelt werden, erweitert die bislang vorhandenen Zeitreihen weiter zurück in die Geschichte.

Die Analyse von Zeitreihendaten für politische Partizipation und die Stimmenanteile der politischen Lager zeigt, dass nicht nur der Anteil der Wahlberechtigten im Laufe der Zeit signifikant gestiegen ist, sondern dass es auch erhebliche Unterschiede in der Wahlbeteiligung zwischen 1871 und 2013 sowie beim Stimmenanteil für die Parteien der sozialistischen, christlich-demokratischen, liberalen und konservativen Parteifamilien im Laufe der Zeit gab.

Im Kapitel über Kriminalität findet man, erstmals systematisch zusammengestellt, bisher verstreut vorliegende Zeitreihen ab 1836, die verschiedene Rechtssysteme umfassen. Die Reihen zeigen nicht nur den Wandel der Kriminalität, sondern auch die wechselnden Rechtsgrundlagen und Strafverfolgungspraktiken. Erstmals werden hier harmonisierte Reihen veröffentlicht, die auf konstante Bevölkerungsgrößen umgerechnet wurden (pro 10 000).

Das Kapitel zu Kultur, Tourismus und Sport betritt in vielerlei Hinsicht Neuland. Bei den Themen der Kultur-, Freizeit- und Tourismusgeschichte handelt es sich um Bereiche, die lange Zeit nur sporadisch von der Statistik erfasst wurden. Zum ersten Mal wird hier der Versuch unternommen, trotz unterbrochener Datenreihen und wechselnder Bezugsgrößen lange Reihen darzustellen, die Einblicke in die kulturelle Entwicklung zwischen der Mitte des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart liefern. Nicht nur die Einzelreihen zu Zeitungen, Zeitschriften, Theatern, Kinos, Büchern und Bibliotheken sowie dem Bereich des Tourismus liefern neue Einsichten, sondern vor allem der Vergleich verschiedener Möglichkeiten der Freizeitgestaltung, die gegenseitige Abhängigkeiten aufwiesen und -weisen. Auch für die Entwicklung des Bereiches Turnen und Sport werden hier erstmals von den 1860er Jahren bis zur Gegenwart Datenreihen präsentiert.

Der Abschnitt über die Landwirtschaft präsentiert zum ersten Mal lange Zeitreihen für alle landwirtschaftlichen Hauptindikatoren von ca. 1870 bis heute. Für den Zeitraum von 1950 bis 1990 kann die landwirtschaftliche Entwicklung der beiden deutschen Staaten verglichen werden.

Das Kapitel zu Unternehmen, Industrie, Handwerk liefert unter anderem zum ersten Mal eine umfassende Übersicht über die Statistik der Aktiengesellschaften von 1886 bis 2011. Im Vergleich zu früheren Publikationen wurden diverse Reihen deutlich überarbeitet. Das Kapitel enthält neue bzw. aktualisierte Zeitreihen für industrielle Produkte wie Bier und Personenwagen, die zusammen mit längeren Zeitreihen zu traditionellen Gütern wie Kohle, Stahl oder Strom die Produktionszyklen und strukturellen Veränderungen von 1871 bis zur Gegenwart zeigen. Das Handwerk ist hierfür erstmals seit Beginn seiner statistischen Erfassung Mitte der 1920er Jahre berücksichtigt.

Der Abschnitt über Handel und Außenhandel zeigt zum ersten Mal den Grad der Öffnung des Handels der deutschen Wirtschaft von 1850 bis 2010. Er liefert auch langfristige Daten über die Ein- und Ausfuhr einzelner Branchen wie den Textilhandel oder den Kraftfahrzeugbau.

Schließlich werden zum ersten Mal Daten für die deutsche Zahlungsbilanz präsentiert, die die Zeit von den 1880er Jahren bis in die Gegenwart abdecken.

Eine Historische Statistik Deutschlands wäre nicht vollständig, würde sie die nationale Entwicklung nicht auch in einen größeren Kontext einordnen. Das letzte Kapitel ist daher einem Vergleich von Deutschland unter ausgewählten Aspekten mit Frankreich, Italien, Japan, Großbritannien und den USA gewidmet. Der Beitrag profitiert von aktuellen Forschungsergebnissen des Groningen Growth and Development Centre (GGDC)[1] sowie des Projektes "Clio Infra", dessen Daten auch jüngst von der OECD unter dem Titel "How Was Life? Global Well-Being Since 1820" publiziert wurden.[2]

Fußnoten

1.
Das GGDC setzt die Arbeiten von Angus Maddison: The World Economy. Historical Statistics, Paris 2003, fort.
2.
Jan Luiten van Zanden u.a. (Hrsg.): How Was Life? Global Well-being since 1820, Paris 2014.
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