Deutschland in Daten - Zeitreihen zur Historischen Statistik.

28.1.2016 | Von:
Thomas Großbölting
Markus Goldbeck

Schluss

Wiedererstarken und endgültige Säkularisierung? Dieses Kapitel zieht ein Resümee aus den Langzeitbeobachtungen zum religiösen Feld in Deutschland.

Die Zahlenreihen zeigen insgesamt eine deutliche Zäsur: Im 19. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts prägte das Christentum in seiner großkirchlich-konfessionellen Variante das religiöse Feld in Deutschland maßgeblich. In relativ geschlossenen konfessionellen Lebensräumen waren die Partizipationsformen und insbesondere die Passageriten wichtige Elemente, die das individuelle Leben stark beeinflussen konnten. Das Aufbrechen dieses Feldes hatte vielfältige, in der Gewichtung im deutsch-deutschen Vergleich unterschiedliche Gründe: In der DDR war es die Auseinandersetzung um die Jugendweihe in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre, in der Bundesrepublik vor allem die Lebensstilrevolution zum Ende der 1960er Jahre, die eine starke Auflösung der volkskirchlichen Strukturen von Katholizismus und Protestantismus mit sich brachte. Die Wiedervereinigung des weitgehend konfessionsfreien Ostens mit dem relativ volkskirchlich geprägten Westen brachte zu Beginn der 1990er Jahre eine weitere Dynamisierung der Entwicklung im Sinne einer fortgesetzten Erosion des institutionell-christlichen Feldes. Inwieweit der Auflösung der volkskirchlichen Strukturen die Entstehung eines neureligiösen Feldes entsprach, ist statistisch schwer festzustellen. Die verfügbaren Daten deuten darauf hin, dass die Abnahme der Integration in die christlichen Kirchen einhergeht mit einer Abnahme religiösen Interesses überhaupt. Außerhalb der religiösen Großorganisationen ist eine alternative Beschäftigung mit Fragen der Transzendenz schwer nachweisbar und in seriellen Daten kaum aufzufinden. Die Entwicklungen auf dem Markt für religiöse Literatur lassen ein gewisses allgemeines Interesse vermuten, welches aber quantitativ schwer greifbar ist. Es steht aber außer Frage, dass neue Kommunikationsformen und insbesondere das Internet das religiöse Feld und die darin geübte religiöse Kommunikation weiterhin tiefgreifend verändern werden.

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