Zahlen und Fakten: Europa

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23.7.2011

Entwicklung der Altersstruktur

In der EU wird sich die Zahl der Personen, die 65 Jahre oder älter sind, zwischen 2010 und 2060 von 87 auf 152 Millionen erhöhen. Der Altenquotient wird 2060 mehr als doppelt so hoch ausfallen wie im Jahr 2010.

Entwicklung der Altersstruktur, 2008 bis 2060.Klicken Sie auf die Grafik, um die PDF zu öffnen. (bpb) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/

Fakten

Die sozialen Sicherungssysteme in den Staaten der Europäischen Union (EU) werden zu großen Teilen über die Sozialversicherungsabgaben und Steuerleistungen der Erwerbstätigen finanziert. Die meisten Erwerbstätigen sind in der mittleren Generation zu finden – also in der Gruppe der 15- bis unter 65-Jährigen. Um Auskunft über die Versorgungsaufgaben der mittleren Generation zu erhalten, wird diese Gruppe ins Verhältnis zu den unter 15-Jährigen bzw. den Personen, die 65 Jahre und älter sind, gesetzt. Der sogenannte Jugendquotient gibt Auskunft darüber, wie viele unter 15-Jährige auf je einhundert 15- bis unter 65-Jährige entfallen. Beim sogenannten Altenquotienten wird die Anzahl der Personen, die 65 Jahre und älter sind, ins Verhältnis zu der Gruppe der 15- bis unter 65-Jährigen gesetzt. Beispielsweise lebten in der EU im Jahr 2010 86,8 Millionen Personen, die 65 Jahre und älter waren. Zu der Altersgruppe der 15- bis unter 65-Jährigen gehörten im selben Jahr 335,0 Millionen Personen. Demnach kamen auf 100 Personen der mittleren Generation rund 26 Personen der alten Generation. Für den Gesamtquotienten werden die Werte des Jugend- und des Altenquotienten einfach addiert.

In der EU entfielen im Jahr 2010 auf einhundert 15- bis unter 65-Jährige 23,2 Personen, die jünger als 15 waren und 25,9 Personen, die 65 Jahre und älter waren. Die Summe aus dem Jugend- (23,2) und dem Altenquotienten (25,9) ergibt einen Gesamtquotienten von 49,1. Nach den Prognosen von Eurostat wird sich der Jugendquotient in den nächsten Jahrzehnten nicht gravierend verändern und 2060 bei 25,1 liegen. Der Altenquotient hingegen wird schon in den nächsten Jahren deutlich ansteigen und nach 2020 mit dem Eintritt der geburtenstarken Jahrgänge in das Rentenalter noch stärker nach oben schnellen. 2030 wird er bereits bei 38 und 2060 bei 53,5 liegen. Damit wird der Altenquotient 2060 mehr als doppelt so hoch ausfallen wie im Jahr 2010. Entsprechend der Veränderungen des Jugend- und Altenquotienten steigt der Gesamtquotient zwischen 2010 und 2060 von 49,1 auf 78,5.

In absoluten Zahlen wird die Zahl der unter 15-Jährigen in der EU zwischen 2010 und 2060 von 77,6 auf 71,0 Millionen sinken (minus 8,6 Prozent). Der Jugendquotient erhöht sich trotzdem, da sich die Bevölkerung im Alter von 15 bis unter 65 Jahre im selben Zeitraum noch stärker reduziert – von 335,0 auf 283,3 Millionen (minus 15,4 Prozent). Der Zahl der Personen, die 65 Jahre oder älter sind, erhöht sich hingegen von 86,8 auf 151,5 Millionen (plus 74,6 Prozent).

Bezogen auf den Gesamtquotienten und die einzelnen EU-Mitgliedstaaten werden Polen und die Slowakei in den nächsten 50 Jahren extreme demografische Veränderungen durchlaufen. 2010 hatten die Slowakei und Polen noch die beiden niedrigsten Gesamtquotienten innerhalb der EU (37,9 bzw. 39,9). 2060 werden die beiden Staaten laut Eurostat mit 90,6 (Polen) und 89,6 (Slowakei) die höchsten Gesamtquotienten von allen EU-Mitgliedstaaten haben.

Auch für andere östliche Mitgliedstaaten werden gravierende Veränderungen des jeweiligen Gesamtquotienten prognostiziert: Während Litauen, Rumänien, Slowenien, Bulgarien und die Tschechische Republik 2010 im unteren Drittel lagen, werden sie 2060 mit Polen, der Slowakei und Lettland die obersten Ränge belegen, also die höchsten Gesamtquotienten haben.

Für Deutschland wird eine Erhöhung des Gesamtquotienten von 51,6 im Jahr 2010 auf 81,9 im Jahr 2060 angenommen. Durch die Veränderungen der Gesamtquotienten der anderen 27 EU-Mitgliedstaaten rutscht Deutschland trotz dieser Erhöhung vom fünften auf den elften Rang. Während sich der Jugendquotient in Deutschland in diesem Zeitraum nur unwesentlich ändert – er steigt von 20,4 auf 22,9 –, kommt es beim Altenquotienten fast zu einer Verdoppelung von 31,2 im Jahr 2010 auf 59,1 im Jahr 2060. Während Deutschland 2010 noch den höchsten Altenquotienten von allen EU-Mitgliedstaaten hatte, werden 2060 neun Staaten einen höheren Altenquotienten haben als Deutschland.

Datenquelle

Eurostat: EUROPOP2008 convergence scenario (Stand: Januar 2011), Statistics in focus 72/2008, Online-Datenbank: Bevölkerungsprognosen, Schlüsseldaten über Europa 2010

Tabelle: Entwicklung der Altersstruktur

Jugend-, Alten- und Gesamtquotient, Europäische Union, 2008 bis 2060*

  Jugend-
quotient
Alten-
quotient
Gesamt-
quotient
2008 23,3 25,4 48,7
2010 23,2 25,9 49,1
2020 23,8 31,1 54,8
2030 23,5 38,0 61,5
2040 23,6 45,4 69,0
2050 24,6 50,4 75,0
2060 25,1 53,5 78,5

* Stand 2008, EU-27

Quelle: Eurostat: EUROPOP2008 convergence scenario (Stand: Januar 2011)

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