Akquisos

1.6.2021

Im Fokus: Virtuelles Ehrenamt wird auch nach Corona bleiben

Interview mit Jürgen Grenz, Stiftung Gute-Tat

Soziales Teamevent ("Vor-Corona" Zeit)Soziales Teamevent ("Vor-Corona" Zeit) (© Gute-Tat)

Weitere Informationen: www.gute-tat.de

Jürgen Grenz berichtete dem Akquisos bereits vor 10 Jahren, wie seine Stiftung bürgerschaftliches Engagement voranbringt. Wir wollten wissen, was sich in den letzten 10 Jahren getan hat und wie es heute um das Ehrenamt steht. Das Interview von 2011 können Sie hier nachlesen (ab S. 6).

Akquisos: Die Stiftung Gute-Tat existiert nun seit 20 Jahren. Was konnte sie speziell im zweiten Jahrzehnt für das bürgerschaftliche Engagement bewirken?

Jürgen Grenz: Wir konnten in mehreren Bereichen Schwerpunkte setzen: In der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements allgemein, besonders durch die Bereitstellung unseres Internet-Portals sowie verschiedener weiterer Informationsplattformen zu diesem Thema. Unser wichtigstes Ziel ist die direkte Vermittlung von Ehrenamtlichen in gemeinnützige Organisationen. Dies haben wir vor allem im Rahmen der Initiative für Kurzzeitehrenamt "Heute ein Engel" getan, wobei der Fokus auf den Regionen Berlin und München lag. Außerdem konnten wir das Projekt "Schüler sozial aktiv" ausbauen, bei dem sich ganze Schulklassen engagieren und dieses Engagement im Lehrplan verankert ist. Verstärkt wurde in den letzten 10 Jahren die Förderung des gesellschaftlichen Engagements von Unternehmen durch die Organisation von sozialen Teamevents.

Jürgen GrenzJürgen Grenz (© Die Hoffotografen)
Ausgebaut wurden auch Angebote zur Schulung, Qualifizierung und Beratung von Ehrenamtlichen, sozialen Organisationen und Unternehmen im Rahmen von Veranstaltungen, Workshops und Seminaren, die im letzten Jahr Corona bedingt virtuell stattfanden. Außerdem unterstützen wir nun gemeinnützige Organisationen auch durch die Bereitstellung des Ehrenamtsmanagers, eines internetbasierten Verwaltungstools, das die Verantwortlichen bei der Arbeit mit Ehrenamtlichen durch zentrale Funktionen eines professionellen Freiwilligenmanagements unterstützt.

Akquisos: Vor zehn Jahren haben Sie uns die Kampagne "Heute ein Engel" vorgestellt. Welche Kampagne war in den letzten 10 Jahren besonders erfolgreich?

Neben dieser weiterhin sehr erfolgreichen Kampagne, über die wir bundesweit inzwischen 28.000 Ehrenamtliche gewinnen konnten, war insbesondere der Ausbau der Plattform "Teamevent plus" erfolgreich. Darüber vermitteln wir Unternehmen, die sich im Kollegenkreis ehrenamtlich engagieren wollen, in ein soziales Projekt der Stadt. So wird ein Teamevent neben der Stärkung des Teamgeistes auch zu einer guten Tat. In den letzten 10 Jahren konnten wir somit an die 200 Ein-sätze von Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen organisieren, von denen sich viele hinterher auch privat engagierten.

Akquisos: Hat sich die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements für das Fundraising in sozialen Organisationen aus Ihrer Sicht in den letzten zehn Jahren verändert?

Umfragen bestätigen nach wie vor, dass die Bereitschaft, für ein Projekt Geld zu spenden, in dem Maße steigt, in dem man sich in dem Projekt auch engagiert. Mit anderen Worten: Wer sich ehrenamtlich in einer sozialen Organisation einbringt, wird sich verstärkt dafür einsetzen, dass diese Organisation wächst und sich auch mit finanzieller Unterstützung dafür stark machen. Das gilt übrigens nicht nur im privaten Bereich. Auch Unternehmen spenden eher, wenn ein persönlicher Bezug zu dem jeweiligen Projekt besteht.

Akquisos: In wie weit hat Corona die Arbeit Ihrer Stiftung verändert? Wie sehr wird Corona das ehrenamtliche Engagement auch mit Blick auf die Zukunft verändern?

Sich zu engagieren ist in der Corona-Pandemie wichtiger und gleichzeitig schwieriger denn je.
Die Stiftung Gute-Tat hat bereits zu Beginn der Pandemie auf die Herausforderungen der Pandemie reagiert und die Informationsveranstaltungen, die Voraussetzung dafür sind, in ein ehrenamtliches Engagement vermittelt zu werden, von Präsenzveranstaltungen zu virtuellen Treffen umgestellt. Somit konnten alle Interessierten weiterhin informiert und in das jeweilige Wunschengagement vermittelt werden.

Außerdem stellten wir eine sogenannte "Blitzlichtliste" online, die Einsatzmöglichkeiten aufzeigte, die dringend Hilfe benötigten und die unter Einhaltung der Hygienevorschriften wahrgenommen werden konnten. Diese Liste, die Hilfegesuche für Projekte wie beispielsweise Hilfe beim Homeschooling oder telefonische Betreuung älterer Menschen enthält, wurde ständig aktualisiert. Soziale Organisationen konnten somit weiterhin über unsere Plattform nach ehrenamtlicher Hilfe suchen. Auch Unternehmen konnten wir weiterhin Einsatzmöglichkeiten aufzeigen, die unter Einhaltung aller pandemiebedingten Vorschriften durchführbar waren.
Virtuelle Veranstaltungen und ehrenamtliche Hilfestellungen, die online möglich sind, werden sicherlich die Zukunft prägen.

Akquisos: Wo sehen Sie die Stiftung Gute-Tat in zehn Jahren? Was wünschen Sie sich am meisten?

Wir werden unsere Ziele weiterhin auf den Ausbau der Initiativen "Heute ein Engel" und "Vermittlung sozialer Teamevents" setzen. Hierbei ist es unser Anliegen, den Zugang zu den unterschiedlichen Engagement-Formaten immer niedrigschwelliger und unbürokratischer zu gestalten. Allen Bürgerinnen und Bürgern soll ein Einstieg leichtgemacht werden. Neben Engagement-Angeboten, die sich flexibel in den Alltag der Menschen integrieren lassen, wollen wir auch immer mehr junge Menschen erreichen, indem wir die Engagement-Möglichkeiten verstärkt über Social Media Plattformen kommunizieren.

Akquisos: Vielen Dank, dass Sie uns wieder von Ihrer Arbeit berichtet haben und weiterhin viel Erfolg für Ihr Engagement mit Gute-Tat.