2Bildstrecke: Antisemitismus

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Auf einem Klebezettel ist ein Oval zu sehen, in dem eine Frau in Badekleidung am Meer steht. Den Rand des Ovals ziert die Aufschrift "Nordseebad Norderney ist judenfrei". DerKlebezettel stammt aus den 1930er Jahren und war am 05.08.2015 in der Sonderausstellung "Angezettelt" im Dokumentationszentrum Prora auf der Insel Rügen (Mecklenburg-Vorpommern) zu sehen.
Bereits vor der Machtübernahme der Nationalsozialisten waren Juden im Kaiserreich und in der Weimarer Republik antisemitischer Stimmungsmache ausgesetzt. Doch wie sehr sich der judenfeindliche Grundton und die antisemitische Propaganda nach 1933 im Alltagsleben niederschlugen, zeigen Anschläge und Zettel wie dieser. Der Hinweis "Nordseebad Norderney ist judenfrei" ist, wenn man dem Historiker am Hamburger Institut für Zeitgeschichte, Frank Bajohr, folgt, insofern bemerkenswert, als dass Norderney bis zu jenem Zeitpunkt eine der wenigen Ausnahmen unter den besonders antisemitisch eingestellten Nord- und Ostseebädern bildete. Das Schlagwort vom "Bäderantisemitismus" wurde schon um die Jahrhundertwende geprägt; ein Inselführer für Borkum pries bereits 1897 in einer Broschüre mit dem "besonderen Vorzug", dass Borkum judenfrei sei[1]. (© dpa)