Teilnehmer einer Demonstration verbrennen am 10.12.2017 eine selbst gemalte Fahne mit einem Davidstern in Berlin im Stadtteil Neukölln. Die geplante Verlegung der US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem sorgte auch in Berlin für Proteste. Bei den pro-palästinensischen Demonstrationen wurden Fahnen mit dem Davidstern angezündet.

Argumente gegen rechtsextreme Vorurteile

Informationen zur politischen Bildung - aktuell

Führerprinzip

Das "Führerprinzip" galt als Grundgesetz nationalsozialistischer Weltanschauung. Es verpflichtete nach dem Motto "Führer befiehl, wir folgen" zu blindem Gehorsam und bedingungsloser Treue gegenüber Hitler als dem obersten "Führer" und die jeweilige Gefolgschaft zu Gehorsam gegenüber den Befehlen der Führer auf mittlerer und unterer Ebene. Das Führerprinzip war unter Berufung auf Hitlers Buch "Mein Kampf" als Gegensatz zu jeder Art von demokratischer Entscheidung und Mitbestimmung formuliert und fand im Kult um die Person Adolf Hitlers seinen höchsten Ausdruck. Im Willen des Diktators war alle hoheitliche Gewalt des Reiches verkörpert. Nach der damals gültigen Definition des einflussreichen Verfassungsjuristen Ernst Rudolf Huber* war die "Führergewalt" nicht durch Kontrollen gehemmt, sie war ausschließlich und unbeschränkt: "Die Führergewalt ist umfassend und total; sie vereinigt in sich alle Mittel der politischen Gestaltung; sie erstreckt sich auf alle Sachgebiete des völkischen Lebens; sie erfasst alle Volksgenossen, die dem Führer zu Treue und Gehorsam verpflichtet sind."*

Mit der Anerkennung des nationalsozialistischen "Führerprinzips", das bis 1933 nur innerhalb der NSDAP galt und dann auf alle Bereiche von Staat und Gesellschaft ausgedehnt wurde, verzichteten die Deutschen auf alle bürgerlichen Rechte der Gestaltung ihrer Verhältnisse und damit auch auf rationale Strukturen der Politik, die nun ausschließlich vom Willen der Führer gesteuert wurde. Das Führerprinzip galt nicht nur im politischen und sozialen Bereich, auch die Wirtschaft wurde nach dem Prinzip von Befehl und Gehorsam gelenkt. Dem "Betriebsführer an der Spitze der Firma in Industrie, Gewerbe, Handel, Bankwesen" oblagen alle Entscheidungen, er war zugleich Vorsitzender des "Vertrauensrats", der an die Stelle des demokratischen Betriebsrats getreten war und keine Mitwirkungsrechte hatte. Das Führerprinzip war Inbegriff der Selbstaufgabe des Individuums im nationalsozialistischen Staat. Als Anspruch ist das Führerprinzip auch für den modernen Rechtsextremismus typisch und kennzeichnender Ausdruck antidemokratischer Gesinnung.

Literatur
  • Broszat, Martin: Der Staat Hitlers, München 1969.
  • Hirschfeld, Gerhard / Kettenacker, Lothar (Hg.): Der Führerstaat: Mythos und Realität, Stuttgart 1981.
  • Frei, Norbert: Der Führerstaat. Nationalsozialistische Herrschaft 1933–1945, München 2000.
  • Kershaw, Ian: Hitler ( 2 Bde.), Stuttgart 1998 und 2000.
* s.a. Ernst Rudolf Huber, Verfassungsrecht des Großdeutschen Reiches, Zweite, stark erweiterte Auflage der "Verfassung", Hanseatische Verlagsanstalt Hamburg 1939, C. IV, § 20. Die Einheit der Führergewalt, S.230. [d. Red.]



18.08.2006



bpb-Pressemitteilung (25.10.2018)

„Weil ich hier leben will…“

Unter dem Titel "Weil ich hier leben will…" lädt der Jüdische Zukunftskongress vom 5. bis 8. November alle Interessierten ein, über die Zukunft jüdischen Lebens in Deutschland und Europa zu diskutieren.

Mehr lesen

Dossier

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 60 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte?

Mehr lesen

Rassismus, Antisemitismus, Homophobie… Aspekte der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit begegnen uns in vielen Bereichen der Gesellschaft. Die "Begegnen-Reihe" soll in unterschiedlichen Formaten auf Aussagen und Handlungen vorbereiten, in denen Menschen ausgegrenzt und diskriminiert werden.

Mehr lesen

Mediathek

Antisemitismus, was ist das? Kurz erklärt auf bpb.de

Antisemitismus, was ist das? Kurz und leicht verständlich erklärt im Glossar des Dossiers Rechtsextremismus auf www.bpb.de. Getextet von Toralf Staud, Johannes Radke, Heike Kleffner und FLMH. Eingesprochen von Jungschauspielern/-innen.

Jetzt ansehen

Publikationen zum Thema

Globaler Antisemitismus

Globaler Antisemitismus

Antisemitismus findet sich sowohl im rechten und im linken Spektrum als auch im radikalen Islam. Zud...

Neuer Antisemitismus?

Neuer Antisemitismus?

Antisemitismus hat viele Wurzeln und Facetten. Seine Erscheinungsformen wechseln, ebenso die Bezüge...

Coverbild Antisemitismus

Antisemitismus

Antisemitische Ressentiments finden sich im Islamismus, sind verankert im Rechtsextremismus und brec...

Nationalsozialismus

National-
sozialismus

Wie wurden aus "ganz normalen Männern" Massenmörder? Was konnten, was wollten die Deutschen über ...

Coverbild Antisemitismus

Antisemitismus

Die antisemitische Anklageschrift ist lang: "Die" Juden seien schuld an Armut und Krisen; sie kont...

Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus

Gedenkstätten für die Opfer des National-
sozialismus

Die beiden Bände zu den Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus liegen nun auch als P...

Fragiler Konsens

Fragiler Konsens

Antisemitismuskritische Bildung in einer Migrationsgesellschaft steht vor zahlreichen Herausforderun...

Coverbild Nationalsozialismus: Aufstieg und Herrschaft

Nationalsozialismus: Aufstieg und Herrschaft

Die Nationalsozialisten verwandelten Deutschland nach ihrem Machtantritt binnen weniger Monate von e...

Coverbild Nationalsozialismus: Krieg und Holocaust

Nationalsozialismus: Krieg und Holocaust

Der Wille zu Expansion und Krieg bestimmte von Beginn an die NS-Herrschaft, es galt neuen "Lebensrau...

Judenhass im Internet

Judenhass im Internet

Antisemitismus ist keine neue Erscheinung, aber mit den medialen Möglichkeiten des Internets bekomm...

Zum Shop

Jerusalem mit Klagemauer und Tempelberg, vom dem aus die goldene Kuppel der Al-Aqsa-Moschee in den Himmel ragt.
Israel

Israel

Die Entwicklung Israels ist eine Erfolgsgeschichte: Seit seiner Gründung hat es Menschen aus über 120 Ländern in einen jüdisch-demokratischen Staat integriert. Aus einem landwirtschaftlich geprägten Land ist eine Hightech-Nation geworden.

Mehr lesen