Herausforderung Salafismus


Newsletter Mai 2016

Was gibt es Neues im Arbeitsfeld Radikalisierungsprävention, Deradikalisierung und Demokratieförderung im Bereich Salafismus? Die Redaktion hat einen aktuellen Überblick zusammengestellt. Haben Sie einen Hinweis, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns eine E-Mail! (id-praevention@sebastiankauer.de)

Neu im Infodienst: Die Rolle der Angehörigen in der Radikalisierungsprävention

"Die Familie ist der Schlüssel für die Arbeit mit jungen Menschen, die sich radikalisieren" – so Claudia Dantschke von der Beratungsstelle HAYAT. Einerseits ist eine gestörte Beziehung zur Familie oft der Ausgangspunkt für den Weg in die Radikalisierung. Andererseits ist die Familie gerade daher der wichtigste Partner, um Jugendliche davon abzubringen. Im Interview berichtet die Extremismusexpertin Dantschke darüber, welche Rolle die Angehörigen im Beratungsprozess spielen.

Der Beitrag ist im Infodienst Radikalisierungsprävention erschienen:
http://www.bpb.de/227668/

Infodienst: Datenbank Angebote der Radikalisierungsprävention und Demokratieförderung

Wo finde ich fachkundige Beratung? Welche Weiterbildungsangebote gibt es? Wer bietet Materialien für die praktische Präventionsarbeit? Die Datenbank listet zurzeit 18 Initiativen aus dem gesamten Bundesgebiet und wird laufend ergänzt. Weitere Einträge sind in Vorbereitung.

Die Datenbank ist verfügbar auf den Internetseiten des Infodienstes Radikalisierungsprävention:
http://www.bpb.de/208847/

Neu auf bpb.de: Die Dschihad-Subkultur im Westen

Die Flut an aus Europa stammenden IS-Kämpfern verlangt nach neuen Erklärungsansätzen für Radikalisierungsprozesse, so Dr. Daniela Pisoiu. Sie argumentiert, dass Subkultur und Subkulturtheorie geeignet seien, um die neuen Entwicklungen hinsichtlich der Propaganda, aber auch der individuelle Motivationen der IS-Anhänger zu erfassen.

Demnach relativiert Subkultur das "rationale" an Radikalisierung. Zum einen ist die Entscheidung, einer entsprechenden Gruppe beizutreten, ein Foto zu posten oder bestimmte Kleidung zu tragen, von spezifischen, subkulturellen Merkmalen gekennzeichnet, die nicht immer im engen Sinne bewusst ausgewählt werden. Zum anderen bedarf es geringerer Kenntnisse. Früher ergab sich die Autorität des Predigers oder des Anwerbers zum Beispiel aus besonderen religiösen oder politischen Kenntnissen oder der Kampferfahrung. Heute genügt eine imposante beziehungsweise provokante Erscheinung: je krasser, desto besser.

Der Beitrag ist im Dossier Islamismus auf bpb.de erschienen:
http://www.bpb.de/221565/

Neuerscheinung: Report- und Videoreihe "Salafismus in Deutschland" der Hessischen Stiftung Friedens- und Konfliktfoschung

Die Hessische Stiftung Friedens- und Konfliktforschung hat im Rahmen des Forschungsprojekts "Salafismus in Deutschland" eine Reihe von Reports und Video-Beiträgen online veröffentlicht.

Die sechs Reports sollen einen differenzierten Blick auf Salafismus und Dschihadismus in Deutschland bieten. Sie wurden von interdisziplinären Teams erstellt und bündeln wissenschaftliche und praxisbezogene Expertise.

Die sechs Filmbeiträge bereiten zentrale Erkenntnisse auf. In maximal zehn Minuten vermitteln Fachleute die wichtigsten Grundlagen uns stellen aktuelle Trends sowie Handlungsempfehlungen vor.

Die Themen sind unter anderem die Organisation und Anwerbungspraxis der salafistischen Bewegung, die Motivationen und Karrieren von Dschihadisten, mögliche Gegennarrative und Ansätze für Präventions- und Deradikalisierungsarbeit.

Alle Materialien sind kostenlos im Internet abrufbar unter:
http://www.hsfk.de/beratung-service/newsroom/news/forschungsprojekt-salafismus-in-deutschland/?tx_news_pi1%5Bcontroller%5D=News&tx_news_pi1%5Baction%5D=detail&cHash=03d2e9dbf909fe1fb181d77633653049

Die Reports sind auch als Printausgabe verfügbar (Kosten: 6 Euro).

Islam, Islamismus und Salafismus in Schulen: Schleswig-Holstein veröffentlicht Handlungsleitlinien zu häufigen Fragen

Wie in der Schule auf tatsächliche oder vermeintliche islamistische Verhaltensweisen reagiert werden kann, ist eine der großen unbeantworteten Fragen für viele Lehrer/-innen. Das Ministerium für Schule und Berufsbildung in Schleswig-Holstein hat nun versucht, Antworten und Handlungsleitlinien zum Thema Islam, Islamismus und Salafismus in Schulen zu erstellen. In der Vorbemerkung wird betont, dass die große Mehrheit der Schüler/-innen sehr gut integriert im Land lebe. Dennoch gebe es immer wiederkehrende Fragen in Schulen.

Die Themen der Handlungsleitlinien umfassen Fragen wie:
  • Ist das Tragen von Niqab und Burka (vollständige Gesichtsverschleierung) erlaubt?
  • Eine Gemeinde mit islamistischen Tendenzen möchte Einfluss auf die Unterrichtsgestaltung nehmen: Wie kann Schule darauf angemessen reagieren?
  • "Ihre Gesetze interessieren mich nicht": Wie geht Schule mit solchen Äußerungen um?
  • Schüler/-innen verbreiten islamistisches Propagandamaterial, z. B. via Facebook, WhatsApp o. Ä. Was sollte Schule tun?
Die Handlungsleitlinien sind im Internet zugänglich unter:
http://www.schleswig-holstein.de/DE/Fachinhalte/S/schulrecht/Downloads/Rechtsquellen/Islam_Salafismus_FAQs.html

Prävention in Niedersachsen: Präventionsstelle zieht Bilanz / Ausbau angekündigt

Gut ein Jahr nach ihrer Einrichtung hat die Beratungsstelle beRATen e. V. in Niedersachsen am 19. April 2016 Zahlen zu ihrer Arbeit veröffentlicht. Insgesamt seien 74 Fälle bearbeitet worden, 43 davon seien noch aktuell. In den ersten Monaten des Jahres 2016 habe es einen Zuwachs von rund 30 Prozent gegeben. Sozialministerin Cornelia Rundt kündigte an, dass die Präventionsstelle ausgebaut werden soll. Geplant seien eine zusätzliche Stelle sowie mehr Präventionsarbeit an Schulen.

Presseinformation des Sozialministeriums:
http://www.ms.niedersachsen.de/aktuelles/presseinformationen/praeventionsstelle-gegen-neo-salafistische-radikalisierung-zieht-bilanz-142852.html

DPA-Meldung zum Ausbau der Präventionsstelle:
http://www.welt.de/regionales/niedersachsen/article154502844/Praeventionsstelle-gegen-Salafismus-wird-ausgebaut.html

jugendschutz.net beobachtet IS-Propaganda beim Messenger-Dienst Telegram

Die terroristische Organisation "Islamischer Staat" (IS) nutzt den Messenger Telegram zu Propagandazwecken und wirbt darüber auch deutsche User an: Das haben Beobachtungen von jugendschutz.net ergeben. Die Jugendschutz-Initiative hatte bereits im November 2015 Medien darüber informiert. Die Zusammenfassung der Beobachtungen ist nun im Infodienst Radikalisierungsprävention als PDF zum Herunterladen verfügbar.

Jugendschutz.net hat dokumentiert, dass bei Telegram auch menschenverachtende Inhalte wie Exekutionsvideos leicht per Smartphone abrufbar sind. Der Anbieter ergreife bislang keine ausreichenden Maßnahmen, um junge User zu schützen. Das Thema ist bis heute aktuell, so jugendschutz.net.

Kurzbericht von jugendschutz.net:
http://www.bpb.de/node/227796

Förderung: Bosch-Stiftung fördert Engagement von Jugendlichen gegen Extremismus

Beim zivilgesellschaftlichen Engagement gegen Extremismus spielt das Engagement von Jugendlichen eine besonders wichtige Rolle, so die Robert Bosch Stiftung. Sie fördert das Engagement von Jugendlichen, die sich gegen die Entwicklung extremistischer Strömungen in der Gesellschaft engagieren und ein sichtbares Zeichen gegen Extremismus setzen wollen - offline wie online.

Um eine Förderung bewerben können sich gemeinnützig organisierte Jugendgruppen, wie zum Beispiel Jugendhäuser, Schulklassen, religiöse Organisationen oder andere Initiativen. Die Jugendlichen sollen zwischen 16 und 23 Jahren alt sein. Das Projekt muss von und mit den Jugendlichen gemeinsam entwickelt und umgesetzt werden.

Bewerbungen sind bis 15.1.2017 möglich.

Weitere Förderbedingungen und Kontaktdaten auf der Internetseite der Robert Bosch Stiftung:
http://www.bosch-stiftung.de/content/language1/html/67272.asp

Kongress: 21. Deutscher Präventionstag – Prävention und Freiheit

Das Thema des 21. Deutschen Präventionstags lautet "Prävention und Freiheit- Zur Notwenigkeit eines Ethik-Diskurses". Mehrere Veranstaltungen im Rahmen des Präventionstages sind dem Thema Radikalisierung gewidmet. Unter anderem berichtet Dr. Arne Wieben von der Justizvollzugsanstalt Bremervörde über die Arbeitsgruppe islamistische Radikalisierung beim niedersächsischen Justizministerium. Dr. Menno Preuschaft stellt das Konzept des Demokratiezentrums am Landespräventionsrat Niedersachsen vor. Prof. Dr. Andreas Zick, Carin Trautmann und Nils Böckler von der Universität Bielefeld berichten über ihre Erkenntnisse zum Bezug zwischen Forschung und Praxis in der Prävention beziehungsweise Intervention.

Temin und Veranstaltungsort:
6. und 7. Juni, Magdeburg

Programm und Anmeldung unter:
http://www.praeventionstag.de/nano.cms/jahreskongress

Fachtagung: Religionen in der säkularen Demokratie. Ein Thema der politischen Bildung

Thema sind die Einflüsse der Religionen auf das Zusammenleben im säkularen demokratischen Rechtsstaat. Unter anderem soll nach dem Zusammenhang von sozialer Lage und dem Entstehen von radikalen Subkulturen gefragt werden, insbesondere von solchen, die sich auf Religion berufen. Dabei soll die Rolle der politischen Bildung diskutiert werden. In welcher Weise kann sie Probleme aufgreifen und Lösungsansätze herausarbeiten, damit die Integration von Menschen mit Zuwanderungsgeschichte gelingt? Wie lassen sich Fragen der Glaubensfreiheit und der Menschenrechte verbinden?

Die Fachtagung ist für alle Interessierten offen.

Termin und Veranstaltungsort:
14. Juni 2016, Düsseldorf

Die Tagung wird ausgerichtet von der Fachzeitschrift "Außerschulische Bildung" in Kooperation mit der Landesarbeitsgemeinschaft für eine andere Weiterbildung NRW e. V., der Landeszentrale für politische Bildung NRW und der Arbeitsgruppe Politische Bildung des Gesprächskreises der Landesorganisationen für Weiterbildung in NRW.

Tagungsprogramm und Anmeldung unter:
http://www.adb.de/termin/ab-fachtagung-2016

Fachseminar: Salafismus - Einblick in eine dynamische Subkultur

Im Rahmen des Seminars werden den Teilnehmenden Grundlagen über den Salafismus, die Ideologie und Wege der Missionierung und Radikalisierung vermittelt. Ziel ist die Stärkung der persönlichen Kompetenz im täglichen Umgang mit Salafisten: Erkennen - Bewerten – Handeln. Zielgruppen sind Mitarbeiter/-innen von Ausländer-, Jugend-, Sozial- oder Bürgerämtern sowie Jobcentern, Beratungseinrichtungen und freien Trägern der Jugendhilfe.

Schwerpunkte:
  • Allgemeine Grundlagen von Extremismus und Islamismus in Abgrenzung zum Salafismus
  • Ideologie und Phänomenologie des Salafismus
  • Szene und Erscheinungsformen in Deutschland
  • Rolle des Internets und der neuen Medien
  • Missionierung und Radikalisierung
  • Richtiger Umgang mit Salafisten (Prävention, Ansprechpartner, Vorgehen)
Termine: 28.07.2016 und 10.10.2016

Ort: Berlin

Anbieter: Kommunales Bildungswerk e.V.

Informationen und Anmeldung auf den Internetseiten des Kommunalen Bildungswerks:
https://www.kbw.de/Seminare/index.php?seite=seminar&seminarcode=0728F%DCA332

Summer School am CNRS/Paris: Radicalization Processes and Trajectories

Das Centre national de la recherche scientifique (CNRS) in Paris bietet vom 12. bis 15. September einen Kurs zu Radikalisierungsverläufen an. Themen sind unter anderem die Wege zu politischer Gewalt und Terrorismus, die Rolle des Internets für terroritische Netzwerke sowie Ansätze der Intervention und Deradikalisierung. Ein Workshop ist den verschiedenen Ansätzen in Europa gewidmet; es sind unter anderem Referierende aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien und von europäischen Institutionen angekündigt.

Eine Simultanübersetzung ins Englische wird angeboten.

Ort: CNRS, Paris

Termin: 12. bis 15. September 2016

Programm und Anmeldung unter: https://radical.hypotheses.org


Veranstaltungsdokumentation (Februar 2018)

Mit Gewalt ins Paradies (Schwerin, Februar 2018)

Mit immer neuen Handelnden im Feld steigt auch der Bedarf nach der Vermittlung von Ansatzpunkten für Prävention. Der Fachtag in Schwerin war ein Ausgangspunkt für diesen Wissenstransfer. Den ganzen Tag über standen Chancen und Grenzen der Radikalisierungsprävention im Fokus der Diskussion.

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Thumbnail des Videos "Umma" zum YouTube-Projekt "Bildwelten Islam"
Webvideoformate

Begriffswelten Islam

Im Rahmen von Webvideo-Formaten kooperiert die Bundeszentrale für politische Bildung/bpb mit YouTuberinnen und YouTubern, die sich aus einem persönlichen Interesse heraus mit den in Deutschland geführten Islamdiskursen auseinandersetzen wollen.

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Der Islamist Metin Kaplan in Bonn, 7. Februar 1999. Kaplan wurde nach seiner Inhaftierung in Deutschland in die Türkei abgeschoben. Dort wurde er am 20. Juni 2005 zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt.
Dossier

Islamismus

Seit 9/11 hat ein Wort Hochkonjunktur: Islamismus. Wer sind seine Wortführer? Welche Ziele verfolgen sie? Das Dossier führt ein in Vergangenheit und Gegenwart der extremistischen Herrschaftstheorie, die die Welt des 21. Jahrhunderts vor große Herausforderungen stellt.

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Material für die Verlinkung des Infodienstes Radikalisierungsprävention

Sie möchten den Infodienst Radikalisierungsprävention verlinken? Diese Textbausteine und Grafiken können Sie dafür verwenden.

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