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Studie über Prevent duty: Anzahl gemeldeter Fälle an englischen Schulen deutlich gestiegen – Bedenken wegen möglicher Stigmatisierung von Muslimen

Eine Forschungsgruppe der Universitäten in Huddersfield, Coventry und Durham hat die Auswirkungen der sogenannten Prevent duty in Bildungseinrichtungen in England untersucht. Diese sind seit Juli 2015 gesetzlich dazu verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, welche Schülerinnen und Schüler davon abhalten sollen, sich dem Extremismus zuzuwenden. Ein zentrales Element der Prevent duty ist das Melden von Schülerinnen und Schülern, bei denen eine Radikalisierung vermutet wird.

In der Öffentlichkeit wurde und wird die gesetzliche Pflicht daher kontrovers diskutiert – auch weil die Stigmatisierung von muslimischen Schülerinnen und Schülern befürchtet wird. Vor diesem Hintergrund wurden die Erfahrungen und Einschätzungen von Mitarbeitenden in Schulen und Colleges mittels qualitativen Interviews und Online-Befragungen untersucht. Die Ergebnisse wurden im Juli 2017 veröffentlicht.

Prevent-Programm ist eine Säule der britischen Strategie gegen Terrorismus

Die Prevent duty ist Teil des Prevent-Programms, das eine Säule der britischen Anti-Terrorismus-Strategie "CONTEST" darstellt. An britischen Schulen gibt es sogenannte Designated Safeguarding Leads (DSL), die für den Kinderschutz verantwortlich sind. Diese melden bei einer vermuteten Radikalisierung die Fälle an Behörden vor Ort und von dort aus werden sie gegebenenfalls an ein Gremium namens Prevent Channel Panel weitergegeben. Dieses entscheidet, ob eine De-Radikalisierungsberatung notwendig ist. Seit der Einführung der Prevent duty ist die Anzahl der Fälle, die an das Channel Panel gemeldet wurden, deutlich gestiegen.

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Schulen nehmen Prevent duty grundsätzlich gut an, äußern aber Bedenken zur Vermittlung "britischer" Werte

Die Wissenschaftler kommen zu dem Ergebnis, dass der Großteil der Bildungseinrichtungen die Mitwirkung bei der Radikalisierungsprävention im Rahmen der Prevent duty als Erweiterung ihres Auftrags zum Schutz der Jugendlichen akzeptiert und angenommen hat. Die befragten Fachkräfte zeigten jedoch Unsicherheit und teilweise Widerstand gegen die Idee, als Mittel der Prävention "grundsätzliche britische Werte" zu vermitteln. Sie stellten infrage, wie dies mit einer Lehre vereinbar sei, die kulturelle Unterschiede berücksichtigt.

Viele Befragte äußerten zudem die Befürchtung, dass muslimische Schülerinnen und Schüler durch die Prevent duty stigmatisiert würden – gerade weil anti-muslimische Stimmungen in der britischen Gesellschaft aktuell weit verbreitet seien. Sie drückten ihre Sorge aus, dass sich Fachkräfte vor allem auf das Verhalten von muslimischen Schülerinnen und Schülern konzentrieren würden, auch wenn es bei der Prevent duty eigentlich darum geht, jegliche Form von Extremismus zu verhindern.

Prevent duty hat kaum Auswirkungen auf die freie Meinungsäußerung

Wenig Unterstützung fanden die Wissenschaftler für die These, dass sich die Lernenden in Diskussionen weniger offen äußern würden. Unter anderem war befürchtet worden, die Prevent duty könne die Möglichkeiten zur freien Meinungsäußerung einschränken – weil Jugendliche sich mit bestimmten Äußerungen zurückhalten könnten, aus Angst davor, als radikalisierungsgefährdet gemeldet zu werden. Um dies zu verhindern, hätten viele Einrichtungen Maßnahmen ergriffen, wie beispielweise die Gründung von Debattierclubs oder die Anregung von entsprechenden Diskussionen in den Klassenzimmern, so die Wissenschaftler.

Zum Download des Berichts "What the Prevent duty means for schools and colleges in England: An analysis of educationalists’ experiences"

Zum Beitrag im Guardian

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