Herausforderung Salafismus


RAN-Handbuch gibt Empfehlungen für den Umgang mit Rückkehrerinnen und Rückkehrern

Das europäische Radicalisation Awareness Network (RAN) hat ein umfangreiches Handbuch zum Umgang mit zurückkehrenden ausländischen Kämpfern und ihren Familien veröffentlicht. Es handelt sich um eine Bestandsaufnahme von Erkenntnissen der im Netzwerk vertretenen Fachleute aus der Präventionspraxis. Diese Empfehlungen sollen andere Fachleute und Behörden dabei unterstützen, ihre eigenen Ansätze beim Umgang mit Rückkehrerinnen und Rückkehrern zu überprüfen. Das Handbuch richtet sich zum Beispiel an Fachkräfte in der Sozialarbeit, im Gesundheitswesen, an Lehrkräfte oder Polizei- und Justizbeamte.
RAN Returning FTFsRAN Returning FTFs - PDF-Icon Hier finden Sie die Infografik als hochauflösende PDF-Datei (© RAN Radicalisation Awareness Network)

Empfehlungen für das Vorgehen und Fallbeispiele

Die Themen umfassen unter anderem Risikobewertung, Zusammenarbeit der Akteure bei Interventionen, Wiedereingliederung von zurückgekehrten Personen sowie den Umgang mit den Kindern von Rückkehrerinnen und Rückkehrern. Das Handbuch beschreibt jeweils Leitlinien für das Handeln, gibt Empfehlungen für das Vorgehen und verweist auf konkrete Methoden, die in der Praxis bereits erfolgreich eingesetzt wurden. Ergänzt werden die Empfehlungen durch Fallbeispiele aus der Praxis in verschiedenen EU-Ländern.

Neben den Empfehlungen stellt das Handbuch jeweils Konzepte und Handlungsansätze aus den EU-Ländern vor und nennt die Träger. Zudem werden RAN-Veröffentlichungen mit vertiefenden Informationen als weiterführende Lektüre sowie zusätzliche Materialien für die Praxis aufgeführt.

Europaweite Herausforderung

In einem gesonderten Abschnitt beschreibt das Handbuch das Phänomen der zurückgekehrten Personen aus europäischer Perspektive und nennt Zahlen und wichtige Fakten wie ihre Motivationen, ihre Erfahrungen vor Ort und die verschiedenen Wege der Rückkehr.

Demnach sind zwischen 2011 und 2016 mehr als 5.000 Europäerinnen und Europäer ausgereist, um sich dem sogenannten Islamischen Staat (IS) anzuschließen. Schätzungen gehen davon aus, dass 1.200 bis 3.000 von ihnen zurückkehren werden. Aus Deutschland reisten laut Bundesamt für Verfassungsschutz etwa 950 Personen ins „IS“-Gebiet. Etwa ein Drittel davon ist mittlerweile wieder in Deutschland, 150 der Ausgereisten sind vermutlich in Syrien oder im Irak ums Leben gekommen, die restlichen Personen könnten nun zurückkehren.

Einige von ihnen werden strafrechtlich verfolgt und inhaftiert, andere nicht. Die meisten von ihnen haben Traumata, weil sie Gewalt erlebt und ausgeübt haben. Während einige Rückkehrerinnen und Rückkehrer desillusioniert sind oder Reue fühlen, vertreten andere weiterhin gewaltbereite extremistische Ansichten und entwickeln sich zu einflussreichen Wortführern oder sogar zu terroristischen Schläfern. Einige kehren mit der ausdrücklichen Absicht zurück, einen Terroranschlag zu planen und zu verüben.

Download: „RAN-Handbuch Reaktionen auf zurückkehrende ausländische Kämpfer und ihre Familien

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