HERAUSFORDERUNG ISLAMISMUS Infodienst Radikalisierungsprävention

Newsletter Juni 2021

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

kann Theater ein Ort der Radikalisierungsprävention sein? Dramaturgin Kirstin Hess beschreibt die Entstehung des Stücks "Paradies", das von 2017 bis 2019 in Düsseldorf aufgeführt wurde und von einer islamistischen Radikalisierung erzählte. Sie schildert, welche Erfahrungen sie im Austausch mit dem Publikum gesammelt hat und welche Möglichkeiten das Theater als Ort der Bildung bietet.

Im Rahmen unserer Serie zum "legalistischen" Islamismus spricht Adem Bayaral, Mitarbeiter der Beratungsstelle Legato in Hamburg, über Ziele, Strategien, Mittel und Hintergründe der Furkan-Gemeinschaft und die Herausforderungen für die Präventionsarbeit.

Wir möchten Sie außerdem auf zwei Fortbildungsangebote der bpb hinweisen: "CleaRTeaching" befähigt Lehrkräfte neosalafistischen und rechtsextremen Haltungen in der Schule zu begegnen. Und die "MasterClass: Präventionsfeld Islamismus 2021/22" richtet sich an Masterstudierende, Hochschul-Absolventinnen und Berufseinsteiger.

Ihre Infodienst-Redaktion

PS: Haben Sie einen Hinweis, worüber wir berichten sollten? Schreiben Sie uns an radikalisierungspraevention@redaktion-kauer.de!

Neu beim Infodienst

Schauspieler Paul Jumin Hoffmann spielte in "Paradies" Hamid.

Kirstin Hess

Theater als Ort der Radikalisierungsprävention?

Hamid, der Protagonist des Theaterstücks „Paradies“, steht kurz davor, einen islamistisch motivierten Anschlag zu verüben. Doch ihm kommen Zweifel und es tobt ein Kampf in seinem Kopf. Daran konnte das Publikum im Jungen Schauspiel in Düsseldorf (2017-2019) teilhaben – und sich nach der Aufführung untereinander und mit dem Team über Gedanken und Gefühle austauschen. Die Vorstellungen waren fast immer ausverkauft, das Stück wurde Teil des Präventionsangebots des Verfassungsschutzes NRW. Dramaturgin Kirstin Hess beschreibt die Entstehung des Stücks, die Reaktionen des Publikums und setzt sich mit der Frage auseinander, inwiefern Theater ein Ort der Radikalisierungsprävention sein kann.

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Serie: "Legalistischer" Islamismus: Menschen demonstrieren gegen die Unterdrückung der muslimischen Minderheit der Uiguren in China. Der Hamburger Verfassungsschutz hatte erklärt, die Kundgebung werde von Islamisten organisiert. Hinter dem Veranstalter «Generation Islam» verberge sich die verbotene Organisation Hizb ut-Tahrir.

Interview mit Adem Bayaral

Die Furkan-Gemeinschaft: Ansätze für Beratung und Prävention

Die ursprünglich Türkei-basierte, aber auch in Deutschland aktive, Furkan-Gemeinschaft kann dem Spektrum des legalistischen Islamismus zugeordnet werden. Sie wird aufgrund ihrer antidemokratischen ideologischen Ausrichtung vom Verfassungsschutz beobachtet. Hamburg und Dortmund sind Zentren der Gruppierung in Deutschland. Adem Bayaral, Mitarbeiter der Beratungsstelle Legato in Hamburg, spricht im Interview über Ziele, Strategien, Mittel und Hintergründe der Furkan-Gemeinschaft und über die Herausforderungen für die Präventions- und Beratungsarbeit.

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Materialsammlung Sekundarstufe.

Redaktion Infodienst

Übersicht zu Materialien & Methoden für die pädagogische Praxis

In jüngster Zeit sind zahlreiche Publikationen für den Unterricht und die Schulpraxis entstanden, die sich mit islamistischer beziehungsweise salafistischer Radikalisierung und mit Auswirkungen des Extremismus befassen. Hinzu kommen Materialien über Rassismus, Diskriminierung, den Islam, muslimische Jugendkulturen oder demokratisches Schulklima. Sie alle können praktisch umgesetzt einen Beitrag zur Prävention von Extremismus bieten.

Eine Übersicht dieser Materialien, die die Infodienst-Redaktion für die Handreichung "Schule und religiös begründeter Extremismus" zusammengestellt hat, ist jetzt auch online verfügbar.

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Datenbank Angebote der Radikalisierungsprävention

Redaktion Infodienst

Übersicht Anlaufstellen: Fünf neue Angebote

Die folgenden Projekte wurden in die Infodienst-Übersicht mit Anlaufstellen aufgenommen:

ExPO – Extremismus Prävention Online (Bochum)
Hand in Hand (Frankfurt)
Jugendphase und Salafismus (Hamburg)
Nürnberger Präventionsnetzwerk gegen religiös begründete Radikalisierung (Nürnberg)
Stadtjugendamt München, Stelle für Politische Bildung (München)

In der Übersicht finden Sie Beschreibungen und Kontaktdetails zu über 100 Anlaufstellen in ganz Deutschland, die Unterstützung anbieten – von Hotlines und Beratung über pädagogische Maßnahmen und Weiterbildungen bis hin zu Intervention und Deradikalisierung.

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Neu bei der Bundeszentrale für politische Bildung

CleaRTeaching

Bundeszentrale für politische Bildung, Aktion Gemeinwesen und Beratung e. V.

Weiterbildung "CleaRTeaching": Neosalafistischen und rechtsextremen Haltungen in der Schule begegnen

September 2021 bis April 2022

Wie erkenne ich Radikalisierungsprozesse und wie gehe ich pädagogisch angemessen darauf ein? Die Weiterbildungsreihe CleaRTeaching soll Lehrkräfte und Schulsozialarbeitende befähigen, ein strukturiertes Verfahren zum Umgang mit Radikalisierung an ihren Schulen anzuwenden. So kann Radikalisierung früh erkannt und kompetent darauf reagiert werden. Das Angebot richtet sich an allgemeinbildende und berufsbildende Schulen in Berlin, Thüringen, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern.

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Graffiti der Rabia-Hand

Bundeszentrale für politische Bildung

MasterClass: Präventionsfeld Islamismus 2021/22

Oktober 2021 bis Mai 2022

Wie und weshalb radikalisieren sich junge Menschen? An welcher Stelle und mit welchen Mitteln kann Prävention ansetzen? Welche Unterstützungsangebote existieren, wer übernimmt welche Aufgaben in der Präventionslandschaft und wie kann ein beruflicher Einstieg in dieses Feld gelingen? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigt sich dieses außeruniversitäre Bildungsangebot. Fünf Module geben Einblick in Theorien, Methoden und die Praxis der Präventionsarbeit in verschiedenen Handlungsfeldern und Präventionsbereichen. Das Angebot richtet sich an Masterstudierende sowie Absolventinnen und Absolventen mit Interesse an einer beruflichen Tätigkeit in der Islamismusprävention sowie Berufseinsteigerinnen und -einsteiger im Präventionsfeld. Bewerbungsschluss: 11. Juli 2021.

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Randbereiche des Extremismus auf YouTube

Bundeszentrale für politische Bildung & Modus | ZAD

Report: Monitoring von islamistischen YouTube-Kanälen – April 2021

modus | zad betreibt ein Monitoring der populärsten islamistischen YouTube-Kanäle, der sogenannten Peripherie des religiös begründeten Extremismus. Monatlich werden auf bpb.de Analysen veröffentlicht, die Trends identifizieren und die Präventionsarbeit unterstützen. Der Bericht für April 2021 liegt nun vor.

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Was glaubst du denn?!

Bundeszentrale für politische Bildung

Online-Workshop: Was glaubst du denn?! Muslime in Deutschland

Juni bis September | online

Was bewegt muslimische Jugendliche? Wie denken sie über ihre Zukunft nach? Was bedeutet ihnen ihre Herkunft? Was prägt ihre Identität? Dieses Online-Angebot der Bundeszentrale für politische Bildung für Schulklassen beschäftigt sich mit unterschiedlichen Facetten des Alltags von Musliminnen und Muslimen in Deutschland. Zwei junge Trainerinnen und Trainer werden vier Schulstunden lang im Rahmen eines Zoom-Meetings mit abwechslungsreichen Methoden und Gruppenarbeiten gemeinsam mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten. Die Termine können im Zeitraum Juni bis September 2021 stattfinden.

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Das Graffiti eines in ein Megaphon brüllenden Menschen auf einer hellen Backsteinwand.

Bundeszentrale für politische Bildung

Online-Seminar: Digitale Zivilcourage und Empowerment

14.6., 25.8. oder 2.11. | online

Das Internet ist längt ein Ort geworden, in dem Radikale ihre gefährlichen Ideologien verbreiten. Um diesem Phänomen entgegenzutreten ist digitale Zivilcourage und die Schaffung von Diskursräumen nötig. Die ganztägige Veranstaltung vermittelt Hintergrundwissen zu Strukturen und Wirkungsweisen des ideologischen Extremismus und erklärt praktische Tools zum Umgang mit Extremismus im Netz. Sie findet dreimal statt: im Juni, August und November 2021.

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Schuhe liegen am Donnerstag (10.06.2004) zwischen den Scherben an der Explosionsstelle in Köln.

Bundeszentrale für politische Bildung

Fachtagung: Terrorismus

7.-8. Oktober | Köln

Zwei Tage lang geht es um das Thema Terrorismus: Es werden unterschiedliche Aspekte beleuchtet, beispielsweise die Entstehungsgeschichte des Terrorismus und wie terroristische Gruppen unterschieden werden können. Außerdem wird auf den medialen Einfluss sowie staatliche Reaktionen eingegangen, es werden Einblicke in Radikalisierungsprozesse gegeben und es werden zukünftige Bedrohungen betrachtet.

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Wandzeitung: Deutsche Islam Konferenz

Bundeszentrale für politische Bildung

Wandzeitung: Deutsche Islam Konferenz

Was ist die Deutsche Islam Konferenz? Was macht sie, wer wirkt mit, welche Ziele hat sie? Die Wandzeitung im großen DIN-A0-Format präsentiert Geschichte, Leitsätze, Instrumente und Ergebnisse der Deutschen Islam Konferenz in anschaulichen Infografiken.

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Veranstaltungshinweise und Fortbildungen

Termindetails und weitere Termine finden Sie in der Termin-Übersicht des Infodienstes.

Juni

Online-Workshop-Reihe: Islamismus in Social Media – Teil 1: Sozialraum Social Media
9. Juni 2021, online
streetwork@online

Online-Workshop-Reihe: Islamismus in Social Media – Teil 2: Phänomenbereich Islamismus
10. Juni 2021, online
streetwork@online

Online-Fortbildung: Identitätssplitter Religion. Schule in der Migrationsgesellschaft
14.,15. und 28. Juni 2021, online
Bundeszentrale für politische Bildung

Online-Workshop-Reihe: Islamismus in Social Media – Teil 3: Online-Radikalisierungsprozesse im islamistischen Kontext
16. Juni 2021, online
streetwork@online

Online-Diskussion: Gender und der Ausstieg aus islamistischem Extremismus
17. Juni 2021, online
Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik; Bundesamt für Migration und Flüchtlinge

Online-Workshop-Reihe: Islamismus in Social Media – Teil 4: Online-Prävention und Grundlagen der Praxis
17. Juni 2021, online
streetwork@online

Fortbildungsreihe: Kinder in islamistisch geprägten Familien – Grundmodul
Ab 22. Juni 2021, Berlin, Bochum, Hannover & Mainz
Fachstelle Liberi – Aufwachsen in salafistisch geprägten Familien; Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e. V.

(Online-)Fachtag: Dimensionen des antimuslimischen Rassismus: Wirkungsweisen verstehen – Handlungsmöglichkeiten aufzeigen
23. Juni 2021, Bremen
Demokratiezentrum Bremen

Online-Fortbildung: Lebenswelten Jugendlicher zwischen Islam und Islamismus
24./25. Juni 2021, online
Mosaik Deutschland e. V.

Online-Fachtag: Verschwörungsideologien und ihre Folgen für Kindeswohl
30. Juni 2021, online
Bundeszentrale für politische Bildung

Online-Basisschulung: Radikalisierungsprävention für Jugendliche und junge Erwachsene – Kurskonzepte erfolgreich umsetzen
30. Juni/1. Juli 2021, online
Deutscher Volkshochschul-Verband e. V.

Juli

Online-Fachgespräch: Mediale (Selbst-)Inszenierung in extremistischer Propaganda
8. Juli 2021, online
Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V.

Online-Fachtag: Die Rolle der Medien bei Radikalisierung und Prävention
9. Juli 2021, online
Landesarbeitsgemeinschaft Mobile Jugendarbeit/Streetwork Baden-Württemberg e. V.

August

Online Summer Programme: Preventing, Detecting and Responding to Violent Extremism
16.-18. August 2021, online
Centre for Professional Learning of Leiden University; International Centre for Counter-Terrorism – The Hague (ICCT)

September

Online-Weiterbildung: CleaRTeaching - Eine Weiterbildung zum Umgang mit Radikalisierungsprozessen im schulischen Kontext
1. September 2021 bis 29. April 2022, Erfurt oder online
Aktion Gemeinwesen und Beratung e. V., Bundeszentrale für politische Bildung

Fortbildungsreihe: Kinder in islamistisch geprägten Familien – Aufbaumodul
21. September 2021, Berlin
Fachstelle Liberi – Aufwachsen in salafistisch geprägten Familien; Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e. V.

Fortbildungsreihe: Kinder in islamistisch geprägten Familien – Aufbaumodul
28. September 2021, Mainz
Fachstelle Liberi – Aufwachsen in salafistisch geprägten Familien; Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e. V.

Online-Basisschulung: Radikalisierungsprävention für Jugendliche und junge Erwachsene – Kurskonzepte erfolgreich umsetzen
28.-29. September 2021, online
Deutscher Volkshochschul-Verband e. V.

Stellenangebote

Details finden Sie in der Übersicht mit Stellenangeboten im Infodienst.

Berlin

Fachreferent:in für das Themenfeld religiös begründeter Extremismus (75 %)
Berlin
Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus (BAG RelEx)

Junior Expert for Consultancy and Training in P/CVE
Berlin
Violence Prevention Network

Hamburg

Mitarbeiter/-in im Bereich Schnittstelle und KJH/Beratung bei Legato
Hamburg
Vereinigung Pestalozzi gGmbH

Nordrhein-Westfalen

Ehrenamtliche Mitarbeit
NRW-weit
180 Grad Wende, Jugendbildungs- und Sozialwerk Goethe e. V.

Berater/-in Präventionsprogramm "Wegweiser"
Recklinghausen/Bottrop
Präventionsprogramm "Wegweiser", RE/init e. V.

Schleswig-Holstein

Zwei Projektmitarbeiter/-innen für die Fach- und Informationsstelle gegen religiös begründeten Extremismus von PROvention
Kiel
Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e. V.

Projektmitarbeiter/-in für die Fach- und Informationsstelle gegen religiös begründeten Extremismus von PROvention
Kiel
Türkische Gemeinde in Schleswig-Holstein e. V.

Schweiz

Verantwortliche/-r für Fach- und Beratungsstelle Radikalisierung und Extremismus
Schaffhausen, Schweiz
Schaffhauser Polizei

Studien & Handreichungen

Sammelband SCHNITT:STELLEN bündelt Erkenntnisse aus Forschung und Praxis

– Bundesamt für Migration und Flüchtlinge –

Wie können Wissenschaft und Praxis im Phänomenbereich islamistischer Extremismus verknüpft werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich der vom BAMF-Forschungszentrum herausgegebene Sammelband "SCHNITT:STELLEN", der in Kooperation mit dem Verbund FoPraTEx entstanden ist. Unter anderem werden Erkenntnisse zu verschiedenen Strömungen des "legalistischen Islamismus" präsentiert sowie Auswirkungen und Herausforderungen für die Beratungspraxis aufgezeigt.

Zum Sammelband auf bamf.de

Forschungsgutachten mit Modell zur Vorhersage von Radikalisierung

– Niedersächsisches Justizministerium –

Ein neues Modell soll mit bestimmten Wahrscheinlichkeiten Radikalisierungsprozesse und extremistische Entwicklungen vorhersagen können. Das zugrundeliegende Gutachten wurde im Rahmen des niedersächsischen Landesprogramms für Demokratie und Menschenrechte in Auftrag gegeben und von der Friedrich-Schiller-Universität Jena vorgelegt. Für das Modell hat Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Andreas Beelmann mit seinem Team hunderte Forschungsarbeiten zu Radikalisierungsprozessen ausgewertet.

In einem Radikalisierungsmodell zeigt Beelmann, dass Extremismus sich im Wesentlichen auf problematische Entwicklungen in vier Kernbereichen zurückführen lässt: frühe Ausprägung von stabilen Vorurteilen, Störungen bei der Entwicklung der Identität im Jugendalter, Hinwendung zu extremistischen Ideologien und erhöhte Gewaltbereitschaft.

Als präventive Handlungsmaßnahmen nennen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Stärkung von Medienkompetenz und politischer Bildung sowie Toleranz- und Resilienztraining.

Zum Gutachten auf mj.niedersachsen.de

Qualifizierung von Teamerinnen und Teamern in der universellen Prävention

– ufuq.de –

Die Handreichung dokumentiert einen Fachtag zum Thema "Peer Education". Neben Informationen über Standards und Herausforderungen bei der Arbeit mit Freiwilligen kommen auch Teamerinnen und Teamer aus unterschiedlichen Projekten zu Wort. Außerdem wird der Qualifizierungsprozess von Teamerinnen und Teamern betrachtet, einzelne Peer Education-Projekte werden vorgestellt und Impulse zur Weiterentwicklung werden gesetzt.

Zur Handreichung auf ufuq.de

Gewaltlegitimierende Verse in religiösen Schriften steigern Unterstützung für tödliche Gewalt

– Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung –

Ist tödliche Gewalt gegen Glaubensfeinde gerechtfertigt oder nicht? Ein Umfrageexperiment mit christlichen, muslimischen und jüdischen Teilnehmenden in sieben Ländern ist dieser Frage nachgegangen. Das Ergebnis: Der Verweis auf gewaltlegitimierende Schriftstellen steigert die Unterstützung tödlicher Gewalt signifikant. Der Direktor des WZB, Ruud Koopmanns, spricht sich deshalb dafür aus, religiöse Ursachen und Motivationen als Einflussfaktoren auf Gewalttaten ernst zu nehmen. Er sieht es auch als Aufgabe religiöser Führer und Verbände, fundamentalistischen Glaubensauslegungen aktiv entgegenzutreten.

Zum Beitrag auf wzb.eu

Salafismus in Deutschland und Bayern

– Hanns Seidel Stiftung –

Das Heft liefert Hintergrundinformationen zu Tendenzen und aktuellen Entwicklungen im Dschihadismus, vergleicht Extremismusphänomene und beschreibt den Salafismus als islamistische Strömung. Mit Fokus auf Bayern wird aufgeschlüsselt, wieso der Salafismus gefährlich ist, welche Rolle soziale Medien spielen und wie man junge Menschen stärken kann. Bayerische Präventions- und Deradikalisierungsmaßnahmen werden vorgestellt.

Zum Beitrag auf hss.de

Muslimisches Leben in Deutschland 2020

– Bundesamt für Migration und Flüchtlinge –

Rund 5.200 Muslime und Musliminnen wurden befragt, um aktuelle Erkenntnisse über das muslimische Leben in Deutschland zu gewinnen. Analysiert wurden dabei die Sozialstruktur, religiöse Alltagspraxis sowie Integration. In Deutschland leben zwischen 5,3 und 5,6 Millionen muslimische Religionsangehörige mit Migrationshintergrund aus einem muslimisch geprägten Herkunftsland. Personen aus der Türkei bilden die größte Herkunftsgruppe unter muslimischen Personen. 82 Prozent der befragten muslimischen Religionsangehörigen geben an, stark oder eher gläubig zu sein.

Zum Bericht auf bamf.de

Überblick zu Beratungsangeboten für Betroffene von antimuslimischem Rassismus

– Kompetenznetzwerk Islam- und Muslimfeindlichkeit –

In welchem Umfang kommt es zu antimuslimisch motivierter Diskriminierung oder Übergriffen? An wen können sich Betroffene wenden? Die Analyse skizziert die deutsche Beratungslandschaft und leitet konkrete Handlungsempfehlungen ab. Sie zeigt, dass nur vier von bundesweit befragten 79 Beratungsstellen für Betroffene von Rassismus eine spezifische Ausrichtung auf Betroffene von antimuslimischem Rassismus aufweisen.

Zum Bericht auf claim-allianz.de

Handreichung: Jugendhilfe im Umfeld von radikalisierten Familien

– cultures interactive –

Die Handreichung soll Fachkräfte in Jugendämtern bei der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen unterstützen, die in Familien mit radikalisierten Eltern, Geschwistern oder anderen Familienmitgliedern aufwachsen. Unter anderem werden in der Handreichung Begriffe erklärt, entwicklungspsychologische und rechtliche Grundlegungen dargelegt, Konzepte für Interventionen skizziert und Kriterien zur Gefährdungseinschätzung genannt. Außerdem werden Anlaufstellen für Betroffene gelistet.

Zur Handreichung auf cultures-interactive.de

Fachbeiträge

Umgang mit Kindern aus religiös-extremistischen Familien

– ufuq.de; Interview mit Michael Gerland –

Welchen Einfluss hat die Ideologie in religiös-extremistischen Familien auf das Aufwachsen von Kindern? Welche Konflikte ergeben sich in der Schule? Was können Pädagoginnen und Pädagogen tun, um Kinder und Eltern dabei zu unterstützen, mit diesen Konflikten umzugehen? Zu diesen Fragen haben die Fach- und Beratungsstellen des "Nordverbundes" eine Handreichung herausgebracht. Michael Gerland informiert im Interview über Ansätze, die sich im Umgang mit religiös-extremistischen Familien bewährt haben.

Zum Interview und zur Handreichung auf ufuq.de

Wie die salafistische Szene in Bayern gesellschaftliche Krisen nutzt, um Mitglieder zu gewinnen

– ufuq.de; Interview mit Mahmoud Jaraba –

Mahmoud Jaraba hat die Entwicklung des Salafismus in Bayern seit den 1990er Jahren untersucht. Dabei hat er Akteure und Rekrutierungsmechanismen identifiziert, die hauptsächlich auf junge Menschen abzielen. Aus seiner Sicht haben unter anderem folgende Faktoren zu einem Zuwachs der Szene nach 9/11 geführt: die restriktive Sicherheitspolitik, Internetplattformen wie YouTube und Facebook sowie das damals neue Phänomen missionarischer Prediger wie Hassan Dabbagh und Pierre Vogel. Als Erklärung für die dennoch insgesamt eher geringe Aktivität der salafistischen Szene in Bayern führt er die "rigide Null-Toleranz-Politik" der Sicherheitsbehörden an sowie die im bundesweiten Vergleich niedrige Arbeitslosenquote.

Zum Beitrag auf ufuq.de

Islamismus und Drogen: Das ambivalente Verhältnis zwischen Verbot und Nutzbarmachung

– Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg –

Islamische Rechtsgelehrte lehnen Drogenkonsum und -handel ab. Allerdings ist im dschihadistischen Islamismus bei genauerer Betrachtung ein ambivalentes Verhältnis zu Betäubungsmitteln zu beobachten: Wenn sich mit Drogen Geld verdienen oder Vorteile im Kampf verschaffen lassen, interpretieren Dschihadisten die islamischen Quellentexte im Sinne ihres Interesses. Der Beitrag beleuchtet dieses ambivalente Verhältnis und zitiert auch entsprechende zugrundeliegende Suren und Hadithe.

Zum Beitrag auf verfassungsschutz-bw.de

Ansätze in der Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit

– Bundesarbeitsgemeinschaft religiös begründeter Extremismus –

Der Ausstiegs- und Distanzierungsarbeit können verschiedene Beratungsansätze zugrunde liegen. Inwiefern die jeweiligen Ansätze speziell in der tertiären Prävention gegen religiös begründeten Extremismus von Vorteil sind, wird immer wieder diskutiert. Der Beitrag fasst drei Vorträge einer Tagung zusammen und beleuchtet die systemische Beratung, theologische Ansätze sowie den psychotherapeutische Ansatz.

Zum Beitrag auf bag-relex.de

Neuerscheinungen

Über die Erfindung des muslimischen Anderen

– Özcan Karadeniz, Anna Sabel –

"Köftespieße, rückständige Religion und archaische Kultur": Die Essays des Bandes setzen sich mit dem – aus Sicht der Autorinnen und Autoren – oft rassistischen Islambild in Deutschland auseinander. Mal ernst, mal augenzwinkernd oder selbstironisch sollen antimuslimischer Rassismus und die Konstruktion der "bedrohlichen Anderen" entlarvt werden. Das Buch ist kein Lehrwerk, das erklärt wie muslimische Menschen "wirklich sind", sondern untersucht, wie bestimmte Ansichten produziert und weitergetragen werden.

Zum Essayband (12,80 €) auf unrast-verlag.de

Warum ein Muslim für Vielfalt, Toleranz und Freiheit kämpft

– Hassan Geuad –

Hassan Geuad floh aus dem Irak und ist Mitbegründer der Initiative "12thMemoRise", die mit aufsehenerregenden Aktionen gegen den "Islamischen Staat" protestiert. Er setzt sich für einen moderaten Islam ein und erhielt dafür Morddrohungen. In seinem Buch widmet er sich der Fragestellung, wieso die Kritik von Muslimen an Muslimen in der islamischen Community ein Tabu zu sein scheint.

Zum Buch (24,00 €) auf westendverlag.de

Aktuelle Meldungen

Tödliches Messerattentat in Dresden: Lebenslange Haft

Der Attentäter, der im Oktober 2020 ein schwules Paar in Dresden angegriffen hat, muss lebenslang ins Gefängnis, berichtet der MDR. Einer der Männer war an den Verletzungen gestorben, der zweite lebensgefährlich verletzt worden. Das Gericht stellte eine besondere Schwere der Schuld fest. Da es sich bei dem syrischen Täter um einen polizeibekannten islamistischen Gefährder handelt, wurde eine Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt angeordnet, das heißt, dass diese zu gegebener Zeit geprüft werden.

Zum Beitrag auf mdr.de

Antisemitismus unter Muslimen in Social Media begegnen

Die größte Mobilisierung und Verbreitung antisemitischer Inhalte findet nicht in Moscheen statt, sondern in den sozialen Medien, schreibt Saba-Nur Cheema in einem Beitrag für die Wochenzeitung Der Freitag. Anlass ihres Beitrags ist die aktuelle Eskalation des Nahostkonflikts und die Diskussion über Antisemitismus unter Musliminnen und Muslimen. Um der Mobilisierung in Social Media etwas entgegenzusetzen, könnten aus der Sicht von Cheema "muslimische und migrantische Fußballer, Entertainerinnen oder Rapper, die die Grenze zwischen Solidarität mit den Palästinensern und Antisemitismus an ihre Follower vermitteln".

Zum Beitrag auf freitag.de

Debatte über den Begriff "Antimuslimischer Rassismus"

Natürlich gibt es antimuslimischen Rassismus und dieser muss auch als solcher benannt werden, schreibt Ronya Othmann in der FAZ. Sie kritisiert jedoch, dass "berechtigte Kritik" am Islamismus schnell mit dem Stempel "antimuslimischer Rassismus" versehen wird. So hätte die SETA-Stiftung, ein der Regierungspartei AKP nahestehender Thinktank, 2014 den Europäischen Islamophobie-Report veröffentlicht, der Kritiker pauschal als Rassisten bezeichne – darunter Mouhanad Khorchide, Saida Keller-Messahli und Ahmed Mansour. Auch der türkische Präsident Erdogan würde "mit Islamfeindlichkeitsvorwürfen um sich [werfen]" und somit diese Begriffe zu eigenen Zwecken instrumentalisieren.

Zur Kolumne auf faz.net

Umgang mit "IS"-Anhängerinnen in den Medien

In der taz plädiert Laila Oudray dafür, "IS"-Rückkehrerinnen weder einseitig zu verharmlosen noch sie zu verteufeln. "Täterinnenschaft und Opfersein schließen sich dabei nicht aus. Mit dieser Ambivalenz müssen nicht nur die Gerichte, sondern auch Journalist*innen umgehen, die oft versuchen, Erklärungen für das Handeln der Frauen zu finden.", so Oudray.

Zum Beitrag auf taz.de

Politisch motivierte Kriminalität erreicht Höchststand in 2020

Im Mai haben Bundesinnenminister Horst Seehofer und BKA-Präsident Holger Münch die aktuellen Fallzahlen sogenannter politisch motivierter Kriminalität (PMK) vorgestellt. Im Jahr 2020 wurden rund 45.000 entsprechende Straftaten registriert. Dies entspricht einer Zunahme von 8,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das BKA sieht dies als Folge von zunehmenden gesellschaftlichen Spannungen sowie in einem Teil der Bevölkerung bestehenden Radikalisierungstendenzen. Im Bereich "PMK – religiöse Ideologie" stieg die Fallzahl um zwölf Prozent auf 477 (2019: 425).

Zur Meldung auf bka.de
Zum Bericht (PDF) auf bmi.bund.de

Innenministerium verbietet Ansaar International und Hisbollah-Unterstützervereine

Anfang Mai hat Innenminister Horst Seehofer den Verein "Ansaar International e. V." und seine Teilorganisationen verboten, berichtet der Tagesspiegel. Begründung: Getarnt als humanitärer Hilfsverein für bedürftige Musliminnen und Muslime in Gaza, Syrien, Afghanistan und weiteren Regionen, finanziere Ansaar islamistische Terrororganisationen wie die palästinensische Hamas. 2018 soll der Verein Spendengelder in Höhe von bis zu zehn Millionen Euro eingesammelt haben. Das Netzwerk gelte als "Bindeglied zwischen der Salafistenszene und der Muslimbruderschaft", so der Tagesspiegel.

Zum Bericht auf tagesspiegel.de

Mitte Mai hat Innenminister Horst Seehofer drei Vereine verboten, die die islamistische Hisbollah mit Spenden unterstützt haben sollen, meldet die Tagesschau. Es handelt sich um die Vereine "Deutsche Libanesische Familie", "Menschen für Menschen" und "Gib Frieden". Die Spendengelder seien Hinterbliebenen von "Märtyrern" zugeflossen, die im Kampf gestorben sind. Vorgängervereine waren schon 2014 verboten worden.

Zum Beitrag auf tagesschau.de

Österreichisches Anti-Terror-Paket kommt wie geplant

Die österreichische Regierung hat im Mai ein Anti-Terror-Paket präsentiert, berichtet der ORF. Es wird einen eigenen Straftatbestand für religiös motivierten Extremismus geben. Für Präventionsmaßnahmen sind acht Millionen Euro geplant. Zum Thema der sogenannten bedingten Entlassung schreibt der ORF: "Künftig solle es Fallkonferenzen geben, um auszuschließen, dass Informationen übersehen wurden, und um zu beurteilen, ob Personen bedingt entlassen werden und in die Deradikalisierungsprogramme kommen können. So hat das Gericht bei der Entscheidung über die bedingte Entlassung die Sicherheitsbehörden und die Koordinationsstelle Extremismusprävention einzubinden. Diese können auch nach der Entlassung zu Fallkonferenzen zusammentreten."

Zum Bericht auf orf.at

Bundesregierung setzt auf mehr Präventionsarbeit

Das Bundeskabinett hat ein breites Maßnahmenpaket zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus verabschiedet, meldet die Bundesregierung. Im dazugehörigen Abschlussbericht heißt es: "In der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus kommt der politischen Bildung eine besondere Bedeutung zu." Dabei stelle die Prävention von Muslimfeindlichkeit einen Schwerpunkt dar. "Neben der Unterstützung der von Muslimfeindlichkeit Betroffenen durch Förderung von Empowerment- und Teilhabestrategien, werden verstärkt digitale und analoge Wissensangebote über Muslimfeindlichkeit erstellt und vermittelt."

Zur Meldung auf bundesregierung.de
Zum Abschlussbericht auf bmi.bund.de

Neue Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz

Die bisherige Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien wird zur Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz (BzKJ). Stellvertretender Direktor Thomas Salzmann: "Das neue Jugendschutzgesetz ist die Antwort auf eine in weiten Teilen digitalisierte Lebenswelt von Kindern- und Jugendlichen […]. Moderner Kinder- und Jugendmedienschutz umfasst […] gleichermaßen Schutz, Befähigung und Teilhabe, um Kindern und Jugendlichen ein gutes Aufwachsen mit Medien zu ermöglichen."

Zur Meldung auf bzkj.de