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Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

31.5.2012 | Von:
Wolfgang Seifert

Geschichte der Zuwanderung nach Deutschland nach 1950

Aussiedlerinnen und Aussiedler

Nach dem Abebben der unmittelbar auf den Zweiten Weltkrieg folgenden Flucht- und Vertreibungswellen wurde mit dem Aussiedlerstatus Deutschstämmigen die Möglichkeit offen gehalten, nach Westdeutschland zu kommen und in die Gesellschaft integriert zu werden.
Zuzüge von Aussiedlerinnen und AussiedlernZuzüge von Aussiedlerinnen und Aussiedlern Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Ihnen wurden die gleichen Rechte eingeräumt wie den Vertriebenen im Rahmen des Lastenausgleichs. Die Rechtsgrundlage hierfür wurde mit dem Bundesvertriebenengesetz von 1953 geschaffen. Demnach gilt als Aussiedlerin oder Aussiedler, wer als deutscher Volkszugehöriger "nach Abschluss der allgemeinen Vertreibungsmaßnahmen die zur Zeit unter fremder Verwaltung stehenden deutschen Ostgebiete, Danzig, Estland, Lettland, Litauen, die Sowjetunion, Polen, die Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Bulgarien, Jugoslawien oder Albanien verlassen hat oder verlässt" (Bundesgesetzblatt v. 22.5.1953). Deutscher Volkszugehöriger ist, wer sich in seiner Heimat zum Deutschtum bekannt hat. In der Neufassung des Bundesvertriebenengesetzes von 1993 wird der Begriff des Spätaussiedlers eingeführt. Hier werden Aussiedler und Spätaussiedler aus Gründen der sprachlichen Vereinfachung nur als "Aussiedler" bezeichnet.

Die Zahl der Aussiedlerinnen und Aussiedler blieb aufgrund der Abschottungspolitik der osteuropäischen Länder zunächst gering. Allerdings schlugen sich Phasen der innenpolitischen Liberalisierung innerhalb der osteuropäischen Länder immer auch in steigenden Aussiedlerzahlen nieder. Dies gilt für Polen in der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre, die Tschechoslowakei 1967 – 68 und insbesondere die Sowjetunion nach 1987. In der Zeit von 1950 bis 1987 wurden 1,4 Millionen Aussiedlerinnen und Aussiedler in den Grenzdurchgangslagern Westdeutschlands registriert.

Höhepunkt des Aussiedlerzuzugs im Jahr 1990

Der Höhepunkt des Aussiedlerzuzuges wurde mit 397.000 Personen mit der Öffnung des Eisernen Vorhangs 1990 erreicht. 37,3 % davon stammten aus der ehemaligen Sowjetunion, 33,7 % aus Polen und 28,0 % aus Rumänien. Die Zuwanderung von Aussiedlerinnen und Aussiedlern aus Polen und Rumänien verlor schnell an Bedeutung, während die Wanderungszahlen aus der ehemaligen Sowjetunion noch anstiegen. 1994 hatten die Aussiedlerinnen und Aussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion einen Anteil von 95,6 %. Dies änderte sich auch in den Folgejahren nicht wesentlich. Insgesamt gingen die jährlichen Aussiedlerzahlen seitdem stetig zurück. Im Jahr 2000 waren es bereits weniger als 100.000, 2006 schon unter 10.000 und 2008 wurde erstmals die Marke von 5.000 unterschritten. Dieser Rückgang ist auf eine sinkende Personenzahl derer zurückzuführen, die das gesetzlich bestimmte Aussiedlerkriterium erfüllen. Bei einer Volkszählung in Russland im Jahr 2002 lag die Zahl der Deutschstämmigen noch bei knapp 600.000 Personen. Der Rückgang der Aussiedlerzahlen ist auch auf Maßnahmen zur Regulierung und Begrenzung des Zuzugs von Aussiedlern zurückzuführen. 1990 wurde ein förmliches Aufnahmeverfahren eingeführt. Das Erfüllen der Aufnahmekriterien war nun schon im Herkunftsland nachzuweisen. Seit 1997 müssen sich Aussiedlerinnen und Aussiedler einem Sprachtest unterziehen, in dem mindestens ein einfacher deutscher Wortschatz verlangt wird, der ausreicht, um sich im Alltag zurechtzufinden. Seit 2005 gilt dies auch für Ehegatten und Kinder.

1993 hatten noch 75 % der Personen, die in Aussiedlerfamilien nach Deutschland kamen, selbst einen Aussiedlerstatus, d. h. sie sind deutsche Volksangehörige im Sinne des Bundesvertriebengesetzes, ein Viertel waren Familienangehörige. Im Jahr 2004 hatten nur noch 19 % einen Aussiedlerstatus, der Rest waren Familienangehörige. Aufgrund der Einführung des Sprachtests auch für Angehörige ist der Anteil der Personen mit Aussiedlerstatus wieder auf 40 % gestiegen, allerdings bei jetzt insgesamt niedrigeren Zuwanderungszahlen von Aussiedlerinnen und Aussiedlern.

Flucht und Asyl

Im Grundgesetz wurde das Recht auf Asyl vergleichsweise weit gefasst, denn zum Zeitpunkt des Entstehens war das Schicksal der Verfolgten des Nationalsozialismus noch gegenwärtig und vor allem die Tatsache, dass viele Länder nicht bereit gewesen waren, diese Flüchtlinge aufzunehmen (Münch 1993:22).

Bis in die Mitte der 1970er-Jahre war das Asylverfahren weitgehend auf Osteuropäer abgestimmt. Folglich wurde das Recht auf Asyl kaum in Anspruch genommen. Lediglich 1956 (Volksaufstand in Ungarn) und 1969 (Prager Frühling) gab es über 10.000 Asylgesuche. Bis 1974 erfolgte die Aufnahme aller Asylbewerber in Zirndorf, von wo aus sie dann über die Bundesländer verteilt wurden. Ein erster Höhepunkt wurde 1980 mit über 100.000 Asylanträgen erreicht, der Militärputsch in der Türkei und die Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 ließen zu dieser Zeit die Zahl der Asylbewerber steigen. Die Bundesregierung reagierte darauf mit der Einführung der Visumspflicht für türkische Staatsbürger und andere Herkunftsländer von Asylbewerbern. Außerdem wurden Fluggesellschaften verpflichtet, Passagiere ohne Visum auf ihre Kosten wieder zurückzubefördern. Diese Maßnahmen ließ die Zahl der Anträge wieder unter 50.000 sinken.


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