Menschen drängen sich zur Weihnachtszeit in der Fußgängerzone von Essen.

31.5.2012 | Von:
Jürgen Wilke

Funktionen und Probleme der Medien

Die Konkurrenz im dualen Rundfunksystem

Konsequenzen hatte die private Konkurrenz auch für die öffentlich-rechtlichen Programme. Zwar ist bei ihnen der Informationsanteil immer noch größer als bei den Privatsendern, doch wurde manches davon gekürzt oder auf späte Sendezeiten verschoben. Schon die Etablierung des Sprachraumprogramms 3sat und des deutsch-französischen Kulturkanals "arte" war dazu genutzt worden, primär dort Sendungen für Minderheiten zu platzieren. ARD und ZDF übernahmen auch kommerzielle Sendeformate, sowohl in ihren Radio- als auch in den TV-Programmen (Jugendwellen, Doku-Soaps). Auch gibt es bei ihnen Anzeichen der Boulevardisierung selbst in Nachrichten- und Magazinsendungen. Deshalb hat man von einer Anpassung (Konvergenz) öffentlich-rechtlicher an private Programme gesprochen, aber auch eine mitunter gegenläufige der privaten an die öffentlich-rechtlichen konstatiert. Die Werbung in den privaten Programmen unterliegt gewissen Einschränkungen zeitlicher Art. Doch wurden die einschlägigen Vorschriften hierzu in den letzten Jahren gelockert (z. B. Erlaubnis von Split-Screen-Werbung). Auch die privaten Rundfunkanbieter haben z. T. umfangreiche Online-Portale aufgebaut (rtl.de, sat1.de; prosieben.de). Sie kritisieren wie die Zeitungsverleger die Online-Präsenz der gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten.

Die wirtschaftliche Bedeutung des Internets

Das Internet ist wirtschaftlich in mehrfachem Sinne von Bedeutung. Zum einen dient es als ein neuer Verkaufs- und Vertriebskanal. Viele Produkte können heute über das Internet bestellt, zahlreiche Dienstleistungen darüber abgewickelt werden (Telebanking, Buchung von Reisen etc.). Nicht alle Unternehmen haben das rechtzeitig erkannt. Außerdem ist das Internet ein expandierender Werbemarkt mit eigenen Werbeformen (z. B. Button, Banner, Wallpaper, Videos etc.). In zehn Jahren ist der Anteil der Online-Werbung am gesamten Werbebudget erheblich angestiegen. Der Löwenanteil davon entfällt auf Google. Woran es jedoch im Internet immer noch fehlt, sind ertragreiche Geschäftsmodelle. Infolgedessen haben sich viele Investitionen von Unternehmen bislang nicht rentiert.

Das Internet hat zudem bisherige Geschäftsmodelle der Medien zum Einsturz gebracht oder zumindest einen rapiden Preisverfall bewirkt. Dies gilt vor allem für Tonträger, nachdem es möglich geworden war, Musiktitel von Servern "herunterzuladen" und in Tauschbörsen (z. B. Napster) einzustellen. Dies geschah großenteils, ohne dass dafür ein Entgelt bezahlt wurde. Dies hatte dramatische Folgen für die großen Plattenfirmen wie Universal, Sony-BMG, EMI etc., denen die Einnahmen wegbrachen. Der Absatz von Musikalben halbierte sich seit der Jahrtausendwende. Bertelsmann, das größte deutsche Medienunternehmen, musste seine Musiksparte abstoßen. Den wirtschaftlichen Zusammenbruch der Tonträgerindustrie hat man international und national in Deutschland durch Gesetze einzudämmen gesucht, die das Urheberrecht an die veränderten technischen Gegebenheiten anpassen. Das 2008 erlassene »Gesetz zur Verbesserung der Durchsetzung von Rechten des geistigen Eigentums« will die Produktpiraterie (mittels illegalem "Downloadens") bekämpfen. Allerdings wird auch der Verbraucher vor horrenden Abmahnungssummen wegen kleinerer Urheberechtsverletzungen geschützt.

Die Rolle der Medien im Alltag

Medien dienen dem einzelnen Menschen zur Unterrichtung und zur Orientierung in seiner Umwelt. Von ihnen erfährt er wichtige Informationen und Argumente (zumindest sollte er sie erfahren). Diese Funktion erfüllen herkömmlich vor allem die Printmedien und neuerdings auch bestimmte Angebote im Internet. Außer zur Information werden Medien aber auch zur Unterhaltung, zum Zeitvertreib, zur Stimmungsregulierung und zur Aufrechterhaltung von sozialen Kontakten genutzt. Diesen Bedürfnissen dienen insbesondere das Radio, der Film und das Fernsehen. Musik wird zudem über Speichermedien genutzt, ist aber auch über das Internet empfangbar oder kann auf Träger wie den MP3-Player überspielt werden. Damit ist auch die mobile Mediennutzung möglich geworden. MP3-Player werden vorzugsweise dazu genutzt, sich auch in der Öffentlichkeit vor der Umwelt zurückzuziehen.

Der Aufschwung der Computerspiele und virtuellen Realität

Wichtige Funktionen des Zeitvertreibs und der Ablenkung erfüllen vor allem für Jugendliche die Computer- und Videospiele. Über Spielkonsolen verfügen zwei Drittel der Haushalte mit Jugendlichen. Gespielt werden kann ferner über den PC (online), mobil mittels Handheld oder Handy. 2008 wurden weltweit mehr als 1,5 Milliarden Euro mit Videospielen umgesetzt. Probleme betreffen einerseits die z. T. illegale Beschaffung, zum anderen aber die Art der Spiele (Fun-, Sport-, Geschicklichkeitsspiele, Rollenspiele, Shooter). Manche von ihnen (z. B. CounterStrike) werden wegen ihres Gewaltpotentials für sozial schädliche Folgen (bis hin zu Amokläufen) verantwortlich gemacht. Als eine der erfolgreichsten Spielserien entpuppte sich World of Warcraft.

Noch einen Schritt weiter geht das »Eintauchen« in die virtuelle Realität selbst. Furore machte in dieser Hinsicht in den letzten Jahren Second Life. Jeder einzelne User kann darin als virtuelle Persönlichkeit auftreten (Avatar) und als solche handeln. Dies geschieht nach bestimmten sozialen, wirtschaftlichen und organisatorischen Regeln. Echte Unternehmen wurden in Second Life aktiv, entdeckten die virtuelle Welt und betreiben dort Werbung und Marketing. Nach Eigenangaben der Software-Firma Linden Lab hatte Second Life 2010 rund 650.000 Besucher pro Woche. Die Gesamtzahl der Benutzerkonten wurde mit 15 Mio. angegeben. Allerdings gibt es Anzeichen, dass derartige Phänomene wie z. B. das "Second Life"-Fieber nach gewisser Zeit wieder abflauen, also teilweise nur vorübergehende Modeerscheinungen, "Hypes", sind.