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8.4.2020

Vor 75 Jahren: Befreiung des KZ Buchenwald

Am 11. April 1945 erreichten US-amerikanische Truppen das Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar. Es ist bis heute ein Symbol für die Terrorherrschaft des Nationalsozialismus und bleibt zugleich wegen des Widerstands der Häftlinge besonders in Erinnerung.

Schwarzweiß-Foto: Ehemalige tschechische Häftlinge aus den Konzentrationslagern Mauthausen und Buchenwald werden nach ihrer Befreiung auf Lastwagen in die Heimat transportiert.Ehemalige tschechische Häftlinge aus den Konzentrationslagern Mauthausen und Buchenwald werden nach ihrer Befreiung auf Lastwagen in die Heimat transportiert. (© picture-alliance, akg-images)

Am 11. April 1945 befreiten US-amerikanische Truppen das Konzentrationslager (KZ) Buchenwald. Als zwei Soldaten gegen 17 Uhr das Tor des Lagers erreichten, hatten die Häftlinge kurz zuvor bereits die Kontrolle über das KZ übernommen. Der SS-Lagerkommandant Hermann Pister, weitere SS-Angehörige und Wachmannschaften waren bis zum Mittag geflohen. Die zu einem kleinen Teil bewaffneten Häftlinge nahmen mehrere Dutzend verbliebene KZ-Mitarbeiter gefangen. Beim Eintreffen der US-Armee befanden sich 21.000 Häftlinge im KZ Buchenwald. 28.000 weitere Häftlinge hatte die SS in den Tagen zuvor auf Todesmärsche in Richtung Süden geschickt.

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KZ Buchenwald

  • Buchenwald war eines der größten Konzentrationslager auf deutschem Boden.
  • Zwischen 1937 und 1945 wurden hier insgesamt etwa 266.000 Menschen, darunter rund 27.000 Frauen, interniert.
  • Die Gedenkstätte Buchenwald hat insgesamt 38.049 Tote aus den Lagerunterlagen ermittelt; 748 von ihnen starben noch nach der Befreiung am 11. April an den Folgen der Lagerhaft.
  • Zählt man noch die in Buchenwald ermordeten unbekannten Kriegsgefangenen und die Menschen hinzu, die auf den Todesmärschen ums Leben gekommen sind, sind insgesamt 56.000 Menschen gestorben.


Errichtung des Lagers 1937

Das System der Konzentrationslager war das zentrale Instrument der nationalsozialistischen Terrorherrschaft. Unmittelbar nach der Machtübernahme 1933 begannen die Nazis damit, politische Gegner ohne Gerichtsurteil zu inhaftieren, zu foltern und zu ermorden. Von Sommer 1934 an hatte die SS die alleinige Kontrolle über das Lagerwesen. Neben der Ausschaltung politischer Gegner wurden die Konzentrationslager nun zum Instrument, die NS-Rassenpolitik durchzusetzen. Juden, Sinti und Roma, Menschen ohne Wohnsitz und Arbeit, Menschen mit Behinderung und engagierte Mitglieder der christlichen Kirchen, Zeugen Jehovas und Homosexuelle wurden interniert und ermordet.

Auf dem Ettersberg nahe der Stadt Weimar begannen die Nationalsozialisten im Juli 1937 mit der Errichtung des Konzentrationslagers Buchenwald. Sie überführten am 15. Juli Insassen aus anderen Lagern – Sachsenhausen, Sachsenburg und Lichtenburg – und zwangen sie zum Aufbau der Infrastruktur und von Baracken zur Unterbringung der Gefangenen. Zu Jahresende 1937 waren 2.561 Menschen in Buchenwald interniert.

Folter und Mord

Mit dem weiteren Ausbau des Lagers wuchs auch das Ausmaß des Terrors. Im Oktober 1938 stieg die Zahl der Häftlinge in Buchenwald erstmals auf über 10.000 Menschen. Sie wurden Opfer von Folter und Gewaltexzessen der Aufseher, litten an Unterernährung und Epidemien. Die SS-Aufseher ließen Häftlinge, die zu fliehen versucht hatten, öffentlich hinrichten. Andere Gefangene wurden ab 1940 gezielt durch den Einsatz von Giftspritzen ermordet.

Nach dem Angriff der deutschen Wehrmacht auf Polen im September 1939 wurden weitere politische Gegnerinnen und Gegner verhaftet. Ende des Jahres befanden sich laut der Gedenkstätte Buchenwald 11.807 Häftlinge in Buchenwald. Die SS pferchte mehr als 3.000 polnische und jüdische Gefangene in einem Sonderlager aus Zelten zusammen, von denen viele den Winter nicht überlebten – es war der erste gezielte Massenmord der Nationalsozialisten in einem Konzentrationslager. Nach dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 wurden in Buchenwald sowjetische Kriegsgefangene interniert. Über 8.000 von ihnen wurden ermordet.

Zwangsarbeit

Schon in den Jahren vor Kriegsbeginn hatte das NS-Regime begonnen, die in Konzentrationslagern Internierten in Steinbrüchen oder Fabriken auszubeuten. Diese Zwangsarbeit diente sowohl der Erniedrigung als auch der Rüstungsproduktion. In Weimar mussten Gefangene ab 1942 in den Gustloff-Werken Waffen produzieren; im Herbst 1943 entstand dort das erste Außenlager zur Unterbringung der Zwangsarbeiter aus dem KZ Buchenwald. In den folgenden drei Jahren wurden insgesamt 136 solcher Außenlager in ganz Deutschland errichtet. Das im Harz gelegene Außenlager Mittelbau-Dora wurde 1944 zu einem eigenständigen KZ – rund 20.000 der 60.000 dort zur Zwangsarbeit eingesetzten Menschen starben. Im Juli 1943 brachte die SS weibliche Gefangene aus dem Frauenlager Ravensbrück nach Buchenwald und zwang sie dort Prostitution.

Widerstand im Lager

Im Lager waren Antifaschisten aus zahlreichen europäischen Ländern interniert: Intellektuelle wie Stéphane Hessel aus Frankreich, der Schriftsteller und spätere spanische Kulturminister Jorge Semprún, drei ehemalige französische Ministerpräsidenten und andere sozialdemokratische, kommunistische und konservative Politiker sowie Geistliche. Sie etablierten in Buchenwald konspirative Netzwerke wie beispielsweise das kommunistische "Internationale Lagerkomitee" und versuchten, die Gewaltexzesse der SS im Rahmen des Möglichen einzudämmen.

Da die SS gewisse Organisations- und Verwaltungsaufgaben an Häftlinge delegierte – auch um sie zu spalten und Solidarisierung unter ihnen zu verhindern –, verfügte der Widerstand im KZ über kleine Schalthebel, um etwa bei der Einteilung zur Zwangsarbeit einzelne Genossen oder besonders geschwächte Mitinsassen vor dem sicheren Tod zumindest vorerst zu bewahren. 1938 musste der in Buchenwald inhaftierte Bauhaus-Architekt Franz Ehrlich auf Geheiß der SS den zynischen Ausspruch "Jedem das Seine" als nach innen lesbare Gravur für das Lagertor anfertigen. Er wählte dafür eine der Bauhaus-Tradition verpflichtete Typographie; die Nationalsozialisten, für die der Bauhaus-Stil als "entartete Kunst" galt, bemerkten diesen subtilen Akt des Widerstands nicht.

Schwur von Buchenwald

Um den Opfern zu gedenken, kamen die Überlebenden am 19. April 1945 zusammen, um gemeinsam den Schwur von Buchenwald abzulegen: "Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel."

Im Sommer 1945 übergaben die US-Truppen das Lager an die sowjetische Militäradministration. Diese richtete dort das sogenannte "Speziallager Nr. 2" ein, eines von insgesamt zehn Lagern zur Internierung lokaler NS-Funktionsträger. Inhaftiert wurden aber auch Jugendliche und Denunzierte sowie politische Gegner der sowjetischen Besatzungsmacht. Allein im Winter 1946/47 verhungerten mehr als 7.000 der 28.000 Insassen. 1950 wurde das Lager endgültig aufgelöst.

Aufarbeitung und Erinnerung

In der Erinnerungskultur der DDR nahm Buchenwald eine zentrale Stelle ein, die Befreiung wurde zu einer "Chiffre der nationalen Erinnerungskultur“ [1]. So war etwa der Buchenwald-Roman "Nackt unter Wölfen“ des Schriftstellers Bruno Apitz fester Bestandteil des Lehrplans im Fach Deutsche Literatur. Als Teil des staatlich propagierten Antifaschismus erinnerte das "Nationale Mahnmal und Gedenkstätte Buchenwald“ insbesondere an den kommunistischen Widerstand, während andere Häftlingsgruppen marginalisiert wurden und die Nutzung als sowjetisches Speziallager ausgeklammert wurde.

Bis heute sind die Verbrechen im Konzentrationslager Buchenwald juristisch nicht umfassend aufgearbeitet. Im Buchenwald-Hauptprozess 1947 im bayerischen Dachau wurden 31 Angeklagte für ihre Verbrechen in dem Konzentrationslager verurteilt. 22 erhielten Todesurteile, von denen die Hälfte vollstreckt wurde, während die anderen in Haftstrafen umgewandelt wurden. Bei einem Teil milderte die Justiz die Strafen später ab. Vielen Verantwortlichen der nationalsozialistischen Verbrechen wurde jedoch nie der Prozess gemacht.

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Fußnoten

1.
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