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31.1.2014 | Von:
Frank Oschmiansky
Jürgen Kühl
Tim Obermeier

Das Normalarbeitsverhältnis

Das Normalarbeitsverhältnis war lange Jahre grundlegender Bestandteil der sozialen Marktwirtschaft. Unbefristete "normale" Vollzeitarbeitsstellen verschwinden zunehmend zugunsten sogenannter atypischer Beschäftigungsformen. Was ist überhaupt ein Normalarbeitsarbeitsverhältnis?
Fertigung von Karmann Ghia-Fahrzeugen in Osnabrück 1960. In den 50er und 60er Jahren war die dauerhafte unbefristete Vollzeitbeschäftigung zumindest für Männer die Norm.Fertigung von Karmann Ghia-Fahrzeugen in Osnabrück 1960. In den 50er und 60er Jahren war die dauerhafte unbefristete Vollzeitbeschäftigung zumindest für Männer die Norm. (© picture-alliance/dpa)

Was ist unter einem Normalarbeitsverhältnis zu verstehen?

Der Begriff des Normalarbeitsverhältnisses, wie auch der atypischen Beschäftigung, wurde in der Bundesrepublik in den 1980er und 1990er Jahren geprägt und geht auf Ulrich Mückenberger zurück. Der Begriff wurde genutzt, um die "Krise des Normalarbeitsverhältnisses" und die sichtbar werdenden Wandlungsprozesse auf dem Arbeitsmarkt konzeptionell erfassen zu können. Der Begriff des Normalarbeitsverhältnisses wurde vielfach diskutiert und beschreibt zunächst eine unbefristete, soziale abgesicherte und tariflich entlohnte Vollzeittätigkeit. In den aktuellen Debatten hat man sich auf Definitionskriterien verständigt. Demnach gilt ein Beschäftigungsverhältnis als Normalarbeitsverhältnis wenn es folgende Kriterien erfüllt:
  • Dauerhafte Vollzeitbeschäftigung,
  • unbefristetes Beschäftigungsverhältnis,
  • regelmäßige monatliche und subsistenzsichernde Vergütung,
  • Möglichkeit zur kollektiven Interessenvertretung durch Betriebsrat und Gewerkschaft,
  • Identität von Arbeits- und Beschäftigungsverhältnis und
  • vollständige Integration in die sozialen Sicherungssysteme (vor allem Arbeitslosen-, Kranken-und Rentenversicherung).
Für die statistische Berichterstattung und zur trennscharfen Abgrenzung definiert auch das Statistische Bundesamt das Normalarbeitsverhältnis. Dabei legt es folgende Definition zugrunde:

Quellentext

Normalarbeitsverhältnis

Unter einem Normalarbeitsverhältnis wird ein abhängiges Beschäftigungsverhältnis verstanden, das in Vollzeit und unbefristet ausgeübt wird. Ein Normalarbeitnehmer arbeitet zudem direkt in dem Unternehmen, mit dem er einen Arbeitsvertrag hat. Bei Zeitarbeitnehmerinnen und -arbeitnehmern, die von ihrem Arbeitgeber – der Zeitarbeitsfirma – an andere Unternehmen verliehen werden, ist das nicht der Fall.

Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Normalarbeitsverhältnis sind weiterhin voll in die sozialen Sicherungssysteme wie Arbeitslosenversicherung, Rentenversicherung und Krankenversicherung integriert. Das heißt, sie erwerben über die von ihrem Erwerbseinkommen abgeführten Beiträge Ansprüche auf Leistungen aus den Versicherungen (oder haben entsprechende Ansprüche als Beamter).

Quelle: Statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/DE/Meta/AbisZ/Normalarbeitsverhaeltnis.html

Das Normalarbeitsverhältnis ist von individueller sowie gesamtgesellschaftlicher Bedeutung. Auf individueller Ebene verknüpft sich mit dem Normalarbeitsverhältnis eine Reihe von gesetzlichen und tariflichen Schutzbestimmungen. Ulrich Mückenberger hat es deswegen auch als dasjenige Arbeitsverhältnis bezeichnet, das optimal die Kriterien erfüllt, an die die geltende Rechtsordnung vorteilhafte Regelungen knüpft. So orientiert sich die Regulierung der Arbeitsbeziehungen am Normalarbeitsverhältnis. Die Sozialversicherungen und das Steuersystem finanzieren sich über Erwerbsbeteiligung und sind auf Beiträge und Steuern der Beschäftigten angewiesen. Beispielweise geht das Rentensystem von einer kontinuierlichen Vollzeiterwerbstätigkeit aus und Ansprüche an die Arbeitslosenversicherung sind an die Dauer der vorherigen Erwerbstätigkeit geknüpft. Normalität kann es auch deshalb erlangen, weil es auf individueller Ebene die vorherrschende Form der Erwerbsarbeit ist und für die Mehrheit der Bevölkerung Gültigkeit besitzt. Auf gesamtgesellschaftlicher Ebene hat das Normalarbeitsverhältnis eine Ordnungs- und Orientierungsfunktion und die dauerhaft und kontinuierliche Erwerbsbiografie wird zur handlungsleitenden Maxime. Hinter dem Begriff des Normalarbeitsverhältnisses verbergen sich deswegen zwei unterschiedliche Bedeutungen.

Quellentext

Normalarbeitsverhältnis

Einerseits kann das Normalarbeitsverhältnis einen rein deskriptiven Bedeutungsgehalt aufweisen, indem es sich empirisch auf das tatsächlich typische (im Sinne des mehrheitlich vorherrschenden) Beschäftigungsmuster bezieht. Andererseits lässt sich das Normalarbeitsverhältnis als normatives Konzept verstehen, das als Orientierungsgrundlage rechtlicher Vorschriften im Bereich des Arbeits- und Sozialrechts fungiert und somit wesentlich zur Verteilung von Lebenschancen beiträgt.

Giesecke, Johannes (2006): Arbeitsmarktflexibilisierung und Soziale Ungleichheit. Wiesbaden: VS-Verlag. S. 56

Ob das Normalarbeitsverhältnis empirisch bestand hatte, also für die Mehrheit der Menschen galt und somit Normalität war bzw. ist, wird weiter unten geprüft. Hinter dem Normalarbeitsverhältnis steht auch die Vorstellung der Vorhersagbarkeit und Planbarkeit von Lebensereignissen, die in Deutschland zu einer starken Vorstellung von Normalarbeit führte und sich als wünschenswerte Ausgestaltung eines regulären Arbeitsverhältnisses manifestierte. Andere Autoren beschreiben das Normalarbeitsverhältnis deswegen auch nur als Denkkonstrukt, das eine spezifische Organisation der Arbeit darstellt oder als herrschende Fiktion, wie es Ulrich Mückenberger ausdrückte.

Quellentext

Beschluss des 68. Deutschen Juristentages 2010

Das unbefristete Vollzeitarbeitsverhältnis bildet das Rückgrat der Rechtsbeziehungen zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Es birgt eine hohe Ertragskraft und bietet eine hohe Gewähr der Einhaltung von Schutzstandards. Aus- und Fortbildung sind hier stark ausgeprägt, die Identifikation mit den Zielen des Unternehmens ist groß. Der Gesetzgeber sollte durch intelligente Lösungen diese Form der Rechtsbeziehungen stützen.

Der Begriff des Normalarbeitsverhältnisses wurde in den 1980er Jahren auch genutzt, um die zunehmende Verbreitung atypischer Erwerbsformen und Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt zu beschreiben. In negativer Abgrenzung zum Normalarbeitsverhältnis sind demnach folgende Beschäftigungsformen als atypisch zu beschreiben, da sie entweder eine oder mehrere Voraussetzung des Normalarbeitsverhältnisses nicht erfüllen:
  • Teilzeitarbeit,
  • geringfügige Beschäftigung,
  • Leiharbeit,
  • befristete Beschäftigung,
  • (Schein-)Selbständigkeit,
  • Beschäftigung in Kleinbetrieben,
  • Niedriglohnbeschäftigung und
  • Schwarzarbeit.
Auch das Statistische Bundesamt definiert, neben dem Normalarbeitsverhältnis, den Begriff der atypischen Beschäftigung.

Quellentext

Atypische Beschäftigung

Zu den atypischen Beschäftigungsformen werden – in Abgrenzung vom Normalarbeitsverhältnis – Teilzeitbeschäftigungen mit 20 oder weniger Arbeitsstunden pro Woche, geringfügige Beschäftigungen, befristete Beschäftigungen sowie Zeitarbeitsverhältnisse gezählt.

Im Gegensatz zum Normalarbeitsverhältnis, das in der Regel darauf ausgerichtet ist, den eigenen Lebensunterhalt und eventuell den von Angehörigen voll zu finanzieren, können atypische Beschäftigungsformen diesen Anspruch häufig nur bedingt erfüllen. Sie sind jedoch nicht mit prekärer Beschäftigung gleichzusetzen. Prekäre Beschäftigung zeichnet sich durch ein erhöhtes Armutsrisiko des/der Beschäftigten aus, welches zusätzlich von der persönlichen Berufsbiografie und dem persönlichen Haushaltskontext abhängig ist. Die hier angesprochenen Formen atypischer Beschäftigung können durchaus absichtlich gewählt sein, weil sich beispielsweise im konkreten Fall dadurch berufliche und andere persönliche Interessen besser kombinieren lassen.

Quelle: Statistisches Bundesamt https://www.destatis.de/DE/Meta/AbisZ/AtypischeBeschaeftigung.html

Atypische Erwerbsformen weichen von vielen Standards des Normalarbeitsverhältnisses ab, müssen jedoch nicht mit einer problematischen Lage auf dem Arbeitsmarkt einhergehen oder mit individuellen Risiken verbunden sein. Trotz des zunächst negativ klingenden Worts "atypisch" können sie bewusst gewählt werden, um beispielweise Familie und Beruf besser miteinander zu vereinbaren und sind damit aus Sicht der Beschäftigten positiv. Zur Beschreibung von Problemlagen am Arbeitsmarkt sind daher in den letzten Jahren die Begriffe Prekariat und prekären Beschäftigungsverhältnisse in die wissenschaftliche und politische Debatte eingeführt worden.

Quellentext

Prekariat

Prekarität beinhaltet die Unterschreitung
  • von materiellen Standards,
  • von durch Arbeits- und Sozialrecht, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung festgelegten rechtlichen Standards sowie
  • von "normalen" betrieblichen Integrationsstandards, die vor allem in der geringen Einbindung in kollegiale Strukturen und der eingeschränkten Repräsentanz durch betriebliche und gewerkschaftliche Interessenvertretungen zum Ausdruck kommt."
Mayer-Ahuja, Nicole (2003). Wieder dienen lernen? Vom westdeutschen "Normalarbeitsverhältnis" zu prekärer Beschäftigung seit 1973; Berlin, S. 15.
Atypische Beschäftigung kann häufig mit prekärer Beschäftigung einhergehen, ist mit dieser aber nicht gleichzusetzen. Atypische Beschäftigungsverhältnisse sind nicht durchweg als prekär anzusehen, da ihre Auswirkungen neben dem Individualeinkommen von Kontextfaktoren sowie von ihrer rechtlich-institutionellen Ausgestaltung abhängen. Bei der Einstufung als prekär sind auch persönliche Lebensumstände des Arbeitnehmers, wie die bisherige Erwerbsbiografie und der Haushaltskontext, zu beachten. Prekäre Beschäftigung beinhaltet im Gegensatz zur atypischen Beschäftigung immer auch eine subjektive Komponente.

Definition

Prekäre Beschäftigung

Als prekär kann ein Arbeitsverhältnis bezeichnet werden, wenn die Beschäftigten aufgrund ihrer Tätigkeit deutlich unter ein Einkommens-, Schutz- und soziales Integrationsniveau sinken, das gesellschaftlich als Standard definiert ist. Prekär ist eine Erwerbsarbeit auch, wenn sie subjektiv mit Sinnverlusten, Anerkennungsdefiziten und Planungsunsicherheit in einem Ausmaß verbunden ist, das gesellschaftliche Standards deutlich zuungunsten der Beschäftigten unterläuft. Atypische Beschäftigungsverhältnisse müssen nicht prekär sein.

Friedrich-Ebert-Stiftung (Hrsg.) (2006): Prekäre Arbeit. Ursachen, Ausmaß, soziale Folgen und subjektive Verarbeitungsformen unsicherer Beschäftigungsverhältnisse. Bonn. S. 17

Diese Definition von prekärer Beschäftigung steht in enger Verbindung mit den Vorstellungen eines Normalarbeitsverhältnisses, dass in der Gegenwartsgesellschaft als Standard definiert und mehrheitlich anerkannt wird, also als Orientierungsgrundlage und Maßstab dient.

Heute wird die Vorstellung einer dauerhaften Vollzeitbeschäftigung allerdings nicht mehr von allen geteilt und zeitweise Unterbrechungen aus familiären oder wirtschaftlichen Gründen sind freiwillig gewählt. Das Normalarbeitsverhältnis behält jedoch weiterhin eine große Prägekraft. Doch wie kam es überhaupt dazu, dass sich das Normalarbeitsverhältnis entwickelte und wie stellte sich die Deregulierung dar, die zur Verbreitung atypischer und prekärer Beschäftigungsverhältnisse führt?

Normalarbeitsverhältnis und Deregulierung in Deutschland

Die Nachkriegszeit war in Deutschland geprägt durch das Wirtschaftswunder. In sehr kurzer Zeit gelang es in Westdeutschland die Arbeitslosigkeit zu senken und es herrschte Vollbeschäftigung. Ein beständiges Wachstum und der Ausbau der Wohlfahrtsstaatlichkeit wirkten sich auch auf die Beschäftigten aus. Neben deutlichen Einkommenssteigerungen erzielten die Gewerkschaften viele weitere soziale Verbesserungen für die Arbeitnehmer und durch die Arbeitsmarktbeteiligung im Normalarbeitsverhältnis wurden starke soziale Schutzmechanismen aufgebaut. Die steigenden Wachstumsraten erzeugten einen hohen Arbeitskräftebedarf, dem die Betriebe mit steigenden Löhnen und dem Versprechen von Arbeitsplatzsicherheit begegneten, um die Beschäftigten an sich zu binden. Zu den sozialen Errungenschaften dieser Zeit gehörten verringerte Regelarbeitszeiten, erweiterte Urlaubsansprüche und Maßnahmen zur Sicherung der Beschäftigung durch einen starken Kündigungsschutz. In dieser Phase der keynesianischen Wirtschaftspolitik, die man auch als Fordismus beschreibt, wurde das bis heute vorherrschende Verständnis eines Normalarbeitsverhältnisses geprägt und fand auch seine größte Verbreitung.

Das Normalarbeitsverhältnis beschrieb aber in seiner Blütezeit nie eine empirische Realität für alle Beschäftigtengruppe, sondern orientierte sich am Ideal des männlichen Ernährermodells, also an einem Familienbild, in dem der Mann als Alleinversorger seiner Familie auftritt. Dadurch festigten sich traditionelle Geschlechterbeziehungen. Vor allem Frauen, aber auch Migranten, profitierten als Beschäftigte während des wirtschaftlichen Aufschwungs nicht von den sozialen Errungenschaften, die sich mit dem Normalarbeitsverhältnis verbanden. Neben dem Normalarbeitsverhältnis gab es immer weitere Formen formeller und informeller Arbeit. Gesellschaftliche Normalität erlangte es nur für die männliche Erwerbsbevölkerung. Was heute unter einem Normalarbeitsverhältnis verstanden wird bezieht sich häufig auf die sozialen Verbesserungen dieser Zeit. Man sprach auch vom "kurzen Traum der immerwährenden Prosperität". Dieser Traum sollte jedoch, wie der Namen schon sagt, nur kurz anhalten, denn schon in den 1970er Jahren ließ die Wachstumsdynamik nach und die Arbeitslosenzahlen stiegen wieder an.

Der Ausbau des Sozialstaats ("Sozialstaatsexpansion") führte, in Verbindung mit der weltweiten Rezession, zu einem starken Anstieg der Sozialausgaben bei sinkenden Einnahmen. Das dichte Netz an Regulierungen, welches man während der 1960er Jahre schuf und sich für die männliche Erwerbsbevölkerung im Normalarbeitsverhältnis ausgedrückte, erwies als Erschwernis bei der Anpassung an die veränderten wirtschaftliche Rahmenbedingungen.

Seit den 1980er Jahre wurde eine erste Phase der Deregulierung eingeleitet, die zu einer Reduktion der sozialen Sicherungsleistungen führte, die mit dem Normalarbeitsverhältnis verknüpft waren. Es kam nicht zu einem umfassenden Abbau der Privilegien des Normalarbeitsverhältnisses, sondern das Ziel war die Erhöhung der externen Flexibilität durch Ausdehnung alternativer Erwerbsformen, um bessere Eintrittschancen für Arbeitslose zu schaffen. Diese Phase der Deregulierung und Flexibilisierung, während derer man auch der Begriff des Normalarbeitsverhältnisses in die Debatten einführte, wird im Folgenden ausführlicher dargestellt.

Als die CDU/CSU/FDP Koalition 1982 an die Regierung kam, waren Deregulierung des Arbeitsmarktes und Verwaltungsmodernisierung zentrale Programmpunkte der neuen Koalition. So setzte sie 1987 eine "unabhängige Expertenkommission zum Abbau marktwidriger Regulierungen" ("Deregulierungskommission") ein. Die erste Etappe der Deregulierung begann allerdings bereits 1985 mit der Einführung des Beschäftigungsförderungsgesetzes.

Unter dem Eindruck des damaligen, angeblichen "amerikanischen Beschäftigungswunders" bei gleichzeitig hoher Arbeitslosigkeit und nur geringem Beschäftigungswachstum in den meisten westeuropäischen Industriestaaten, änderten sich in den achtziger Jahren die Akzente in der beschäftigungspolitischen Diskussion. Neben "rigiden" Lohnstrukturen und starren Arbeitszeitregelungen geriet unter dem Stichwort "Eurosklerose" der in den sechziger und siebziger Jahren in den meisten westeuropäischen Ländern hoch entwickelte Bestandsschutz der Arbeitsverhältnisse ins Zentrum der Kritik. Auch in der Bundesrepublik gewann mit dem Koalitionswechsel 1982 die Auffassung an Boden, dass durch Inflexibilität des Beschäftigungssystems bzw. der Arbeitsmärkte ein Abbau der Arbeitslosigkeit verhindert wird. Mehr und sichere Arbeitsplätze seien nur durch weniger und nicht durch mehr arbeitsrechtliche Schutzvorschriften zu schaffen, lautete eine gängige Problemdiagnose. Die schwarz-gelbe Regierungskoalition versuchte, ähnlich wie die Regierungen in anderen westlichen Industrienationen, durch politisch gesteuerte Deregulierung den unternehmerischen Kurs einer Flexibilisierung von Arbeitsbeziehungen und Arbeitsmärkten zu unterstützen und zu verstärken. Zentraler Teil dieser Bemühungen war das Beschäftigungsförderungsgesetz vom 26. April 1985.

Ziel des zunächst bis zum 1. Januar 1990 befristeten Beschäftigungsförderungsgesetzes war der Abbau von Hemmschwellen gegenüber Neueinstellungen. Kernbestimmung war die erleichterte Zulassung befristeter Arbeitsverträge. Flankierende Instrumente des Gesetzes waren zum einen die erstmalige gesetzliche Regelung von zwei Formen der Teilzeitarbeit, nämlich der "Anpassung der Arbeitszeit an den Arbeitsanfall" ("Arbeit auf Abruf") hinsichtlich Dauer, Lage und Abruffrist sowie der Arbeitsplatzteilung zwischen zwei oder mehreren Arbeitnehmern ("job sharing"). Zum anderen die Verlängerung der zulässigen Überlassungsdauer eines Leiharbeitnehmers an denselben Entleiher; die Empfehlung an Betriebe, Überstunden der bereits Beschäftigten durch befristete Neueinstellungen abzulösen sowie die Erhöhung der Schwellenwerte beim Abschluss von Sozialplanregelungen im Kündigungsschutzgesetz. Neben dem Normalarbeitsverhältnis ließ man nun weitere Beschäftigungsformen zu, um den Arbeitsmarktzugang für Arbeitslose zu erleichtern bzw. die Beschäftigung zu fördern. Das Gesetz wurde 1990 bis 1995 und 1995 bis 2000 in den wesentlichen Zügen verlängert.

Insgesamt fiel die rechtliche Deregulierung in der Bundesrepublik im Vergleich zu anderen Ländern aber eher moderat aus. Obwohl das hohe Niveau und die große Dichte der Regulierung kräftige Deregulierungseinschnitte durch die konservativ-liberale Regierung erwarten ließ, blieben die regulativen Veränderungen im Rahmen der gewachsenen rechtlichen Grundstrukturen. Dies lag nicht zuletzt an durchaus unterschiedlichen Partikularinteressen. Dämpfend in Bezug auf eine striktere Deregulierung wirkten u.a. koalitionsinterne Fraktionierungen, vor allem zwischen FDP und dem Arbeitnehmerflügel der CDU, aber auch Meinungsunterschiede nicht nur zwischen den Dachverbänden der Tarifpartner, sondern auch innerhalb der Verbände, etwa zwischen großen und kleinen Mitgliedsunternehmen bei Wirtschaftsverbänden. Eine Studie kam zu dem Ergebnis, dass der Einfluss des Beschäftigungsförderungsgesetzes auf den Arbeitsmarkt nur geringfügig war.

Weitere zentrale Deregulierungsgesetze waren unter anderem die Ausweitung des Ladenschlusses 1989 und 1996 (sowie 2003 unter Rot-Grün), das Arbeitszeitrechtsgesetz 1994 (u.a. erweiterte Ausnahmen für zulässige Sonn- und Feiertagsarbeit), die Aufhebung des Alleinvermittlungsrechts der Bundesagentur für Arbeit (damals noch Bundesanstalt für Arbeit) und die Zulassung gewerbsmäßiger Arbeitsvermittlung sowie die Verlängerung der Überlassungshöchstdauer in der Leiharbeit von sechs auf neun Monate 1994 und insbesondere das arbeitsrechtliche Beschäftigungsförderungsgesetz von 1996. Hier wurde u.a. der Geltungsbereich des Kündigungsschutzgesetzes auf Betriebe mit mehr als zehn Beschäftigten (vorher mehr als fünf) eingeschränkt. Die soziale Auswahl bei betriebsbedingten Kündigungen wurde auf bestimmte Kriterien beschränkt und die Möglichkeit eröffnet, mit dem Betriebsrat eine verbindliche Namensliste der zu Kündigenden auszuhandeln. Auch wurden Befristungsmöglichkeiten ohne Sachgrund erweitert, die Höchstdauer befristeter Beschäftigung von 18 auf 24 Monate verlängert und die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall von 100 auf 80 Prozent abgesenkt. Das Arbeitsförderungs-Reformgesetz von 1997 schließlich ermöglichte die Verlängerung der Überlassungshöchstdauer bei Leiharbeit von sechs auf zwölf Monate und die Befristung des Vertrages. Mit den neuen Regelungen war es möglich von den historisch gewachsenen Sicherheiten des Normalarbeitsverhältnisses abzuweichen, um den Arbeitsmarkt zu flexibilisieren mit dem Ziel des Aufbaus bzw. der Förderung neuer Beschäftigung.

Allerdings gab es auch eine Vielzahl neuer Regelungen, die nicht in das Etikett der Deregulierung passten, z.B. das Bundeserziehungsgeldgesetz 1985, das Gesetz zum Schutz der Beschäftigten vor sexueller Belästigung 1994, das Gesetz über den Nachweis der für ein Arbeitsverhältnis geltenden wesentlichen Bedingungen 1995, das Arbeitnehmer-Entsendegesetz 1996, das Gesetz über Europäische Betriebsräte 1996 und das Arbeitsschutzgesetz 1996. Wesentlich verändert wurden das Recht der Kündigungsfristen im BGB 1993, das Recht der Entgeltfortzahlung 1994 und die Bestimmungen zur Gleichbehandlung von Männern und Frauen im BGB 1994 und 1998. Allerdings waren diese Regulierungsmaßnahmen auf Grund von EU-Recht oder Anforderungen des Bundesverfassungsgerichtes überwiegend nötig geworden.

Nach dem Wahlerfolg von Rot-Grün 1998 wurden durch das so genannte "Korrekturgesetz" viele der durch das arbeitsrechtliche Beschäftigungsförderungsgesetz von 1996 eingeführten Deregulierungen wieder rückgängig gemacht, so die Regelungen zur sozialen Auswahl im Rahmen der betriebsbedingten Kündigung, die Reduzierung des Geltungsbereichs des Kündigungsschutzgesetzes und die Absenkung der Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Das Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (ab Januar 2001 in Kraft) setzte einige EU-Richtlinien zu Mindeststandards für befristete Arbeitsverträge und Teilzeitarbeit um. Eingeführt hat das Teilzeit- und Befristungsgesetz den Anspruch eines Arbeitnehmers auf Teilzeitarbeit und regelt auch die befristete Beschäftigung neu. Danach kann ein auf bestimmte Zeit geschlossener Arbeitsvertrag entweder kalendermäßig befristet oder zweckbefristet sein.

Mit den "Hartz-Gesetzen" kam es in der zweiten rot-grünen Legislaturperiode unter Bundeskanzler Gerhard Schröder zu einer deutlichen Kehrtwende zurück zur Deregulierungspolitik. Hintergrund waren wieder die hohen Arbeitslosenzahlen und die steigenden Ausgaben der Sozialversicherung. Erklärtes Ziel war der Ausbau des Niedriglohnsektors durch atypische Beschäftigungsverhältnisse, um somit Eintrittshürden auf dem Arbeitsmarkt zu senken. Insbesondere die Deregulierung der Leiharbeit, beispielweise durch die Abschaffung der Begrenzung der Höchstdauer und den Wegfall des Synchronisationsverbots, führte fast zu einer Verdreifachung der atypischen Beschäftigungsform Leiharbeit. Zuletzt ist die Leiharbeit wieder stärker reguliert worden. Im Text Leiharbeit/Zeitarbeit wird die Entwicklung ausführlich dargestellt. Auch die Lockerung des Kündigungsschutzes und die Neuregelung der geringfügigen Beschäftigung waren Bestandteil der Hartz-Reformen, die dem Ausbau der atypischen Beschäftigung den Weg ebneten.

Zudem verstärkte man durch strenge Zumutbarkeitskriterien den Druck auf die Beschäftigten fast jede Arbeit anzunehmen. Die Schutzfunktion der Arbeitslosenversicherung und der Arbeitslosenhilfe wurde durch Absenkung der maximalen Bezugsdauer zugunsten einer weiteren Flexibilisierung aufgebeben. Das Leistungsniveau der neuen Grundsicherung für Arbeitssuchende, lag deutlich unter der Arbeitslosenhilfe und orientierte sich an der Sozialhilfe und sollte nur noch zur Existenzsicherung dienen. Aus dem Normalarbeitsverhältnis abgeleitete soziale Sicherheitsversprechen, wie die dauerhafte Versorgung auch bei Arbeitslosigkeit, zunächst durch das Arbeitslosengeld und dann durch die Arbeitslosenhilfe, auf einem Niveau, das sich am vorherigen Erwerbseinkommen orientierte, wurden damit aufgeben.

Zitat

Bundeskanzler Gerhard Schröder

"Wir müssen und wir haben unseren Arbeitsmarkt liberalisiert. Wir haben einen der besten Niedriglohnsektoren aufgebaut, den es in Europa gibt."

Bundeskanzler Gerhard Schröder vor dem Weltwirtschaftsforum in Davos am 28. Januar 2005.
Während das Beschäftigungsförderungsgesetz erste Schritte in Richtung einer Erosion des Normalarbeitsverhältnisses ebnete, wird die Hartz Gesetzgebung zwischen 2003 und 2005 maßgeblich für die abnehmende Relevanz des Normalarbeitsverhältnisses und die Prekarisierung von Erwerbsarbeit verantwortlich gemacht. Doch wie stellt sich diese Entwicklung in Zahlen dar. Hat das Normalarbeitsverhältnis noch eine empirische Relevanz oder ist ein Auslaufmodell? Welche Rolle spielen atypische Beschäftigungsverhältnisse auf dem deutschen Arbeitsmarkt?

Daten und Fakten zu Arbeitsverhältnissen in Deutschland

Seit den 1980er Jahren wird der Wandel der Erwerbsformen in der Bundesrepublik Deutschland immer stärker sichtbar. Bei insgesamt steigender Erwerbstätigkeit hat sich vor allem die Art der Beschäftigungsverhältnisse gewandelt. Unbefristete "normale" Vollzeitarbeitsstellen verlieren Anteile zugunsten sogenannter atypischer Beschäftigungsformen wie Teilzeitarbeit, Minijobs, befristeter Beschäftigung oder Leiharbeit. Einige Beobachter zählen neuerdings auch Gruppen von "Solo-Selbständigen" dazu, die keine Mitarbeiter haben, jedoch der Not der Arbeitslosigkeit durch eine meist geförderte Selbständigkeit entkommen wollen. Diese Heterogenität der Beschäftigungsverhältnisse ist zur neuen Normalität am Arbeitsmarkt geworden.

Die Tabelle gibt einen Gesamtüberblick über die Entwicklung der Erwerbstätigkeit nach Beschäftigungsformen in Deutschland. Die atypischen Beschäftigungsformen werden jeweils in den entsprechenden Texten ausführlich betrachtet. Die Daten beruhen auf Auswertungen des Mikrozensus durch das Statistische Bundesamt. Die Definitionen des Statistischen Bundesamtes sind weiter oben erklärt worden. Erhebungen zum Wandel der Erwerbsformen basieren auf unterschiedlichen Methoden, Datensätzen und definitorischen Abgrenzungen. Daher können die Ergebnisse manchmal unterschiedlich ausfallen, wenngleich der Trend überall gleich ist.

Kernerwerbstätige nach einzelnen ErwerbsformenKernerwerbstätige nach einzelnen Erwerbsformen (Klick auf Grafik öffnet PDF) Lizenz: cc by-nc-nd/3.0/de/ (bpb)
Im Jahr 2012 gab es in Deutschland 36,3 Millionen Erwerbstätige zwischen 15 und 64 Jahren, die sich nicht in Bildung oder Ausbildung befanden. Gegenüber 1991 entspricht das einem Anstieg um 4,6 Prozent oder 1,6 Millionen Erwerbstätigen. 24,3 Millionen aller Erwerbstätigen (67 Prozent, ohne Teilzeitbeschäftigte über 20 Wochenstunden) waren in einem Normalarbeitsverhältnis, nach der Definition des Statistischen Bundesamtes, beschäftigt. Im Gegensatz zur Erwerbstätigkeit insgesamt, ist der Anteil der Normalarbeitnehmer von 1991 bis 2005 um 17,8 Prozent gesunken. Seitdem steigt er wieder leicht an und im Jahr 2012 waren 24,2 Millionen Arbeitnehmer in einem Normalarbeitsverhältnis beschäftigt, aber immer noch 2,7 Millionen weniger als im Jahr 1991. Empirisch hat das Normalarbeitsverhältnis also an Bedeutung verloren, obwohl in den letzten Jahren wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen ist. Stark zugenommen haben seit 1991 die atypischen Beschäftigungsformen. Während 1991 nur 4,4 Millionen Menschen befristet, in Teilzeit, geringfügig oder als Leiharbeiter beschäftigt waren, erreichte die atypische Beschäftigung 2011 mit über acht Millionen ihren Hochpunkt. 2011 gab es damit 81 Prozent mehr atypisch Beschäftigte als im Jahr 1991. Zuletzt ist die Zahl der atypisch Beschäftigten wieder leicht zurückgegangen. Auch wenn die Mehrheit der Beschäftigten weiterhin in einem Normalarbeitsverhältnis beschäftigt ist, ist die Zahl derer, die in atypischen Arbeitsverhältnissen arbeiten, stark gewachsen. Atypische Beschäftigungsformen prägen heutzutage das Arbeitsleben für einen großen Teil der Bevölkerung. Eine genaue Betrachtung der atypischen Beschäftigungsverhältnisse zeigt, dass der Anstieg der Teilzeitbeschäftigung den größten Anteil des Wachstums atypischer Beschäftigung ausmacht. Im Beobachtungszeitraum hat sich die Zahl der Teilzeitbeschäftigten auf über fünf Millionen fast verdoppelt. Seit der arbeitsmarktpolitischen Förderung der Minijobs ist auch der Anstieg der geringfügigen Beschäftigung stark gestiegen. Vor allem zwischen 2004 und 2005 gab es einen Anstieg um 500.000. Der Zuwachs der Teilzeitarbeit und der geringfügigen Beschäftigung ist vor allem bei Frauen zu beobachten.

Die Gründe für den Wandel der Erwerbsformen sind vielfältig. Neben der konjunkturellen Entwicklung, dem Produktivitätsfortschritt und dem gesamtwirtschaftlichen Strukturwandel haben auch die steigende Erwerbsbeteiligung der Frauen und veränderte Arbeitnehmer- und Arbeitgeberpräferenzen den Wandel der Erwerbsformen befördert. Die steigende Erwerbsneigung der Frauen manifestierte sich beispielweise im Zuwachs der Teilzeitbeschäftigung und bei den Minijobs. Diese atypischen Beschäftigungsverhältnisse werden von Frauen häufig freiwillig gewählt. Da Beruf und Familie in Deutschland noch immer schlecht miteinander vereinbar sind, wählen sie häufig diese Beschäftigungsformen, um Vereinbarkeitsprobleme zu lösen. Gleichzeitig sind mit Teilzeitbeschäftigung und Minijobs jedoch vielfältige Problemlagen verbunden, die die freiwillige Wahl in Frage stellen können. Daneben sind institutionelle und beschäftigungspolitische Einflüsse, wie Geld-, Fiskal- und Lohnpolitik, aber auch spezifische arbeitsmarktpolitische Regelungen und der Einsatz arbeitsmarktpolitischer Instrumente mit Blick auf den Wandel der Erwerbsformen von Bedeutung. Die politisch gewollte Deregulierung der Leiharbeit hat überhaupt erst dazu geführt, dass diese atypische Beschäftigungsform ein so großes Gewicht erhalten konnte. Auch der Zuwachs der geringfügigen Beschäftigung beruht zu einem großen Teil auf der politischen Förderung der Minijobs. Ein weiterer Grund für die zunehmende Beobachtung vom Normalarbeitsverhältnis abweichenden Beschäftigungsformen kann der strukturelle Wandel sein. Während sich das Normalarbeitsverhältnis am männlichen Industriefacharbeiter orientierte, werden im wachsenden Dienstleistungssektor andere Zugriffe auf die Arbeitskraft, in Form atypischer Beschäftigungsformen, genutzt. Eine weitere Rolle spielen die veränderten Zumutbarkeitskriterien seit den Hartz-Reformen, wonach Arbeitslose fast jede Beschäftigung aufnehmen müssen.

Auch wenn das Normalarbeitsverhältnis empirisch an Bedeutung verliert, behält es auf normativer Ebene weiterhin hohe Relevanz und das Ideal einer dauerhaften Vollzeittätigkeit ist vor allem bei Männern tief verankert. Die Sozialversicherung orientiert sich weiterhin an diesem Normalfall der abhängigen Beschäftigung. Der Zuwachs der atypischen Beschäftigten kann auch zur Sicherung der Normalarbeitnehmer beitragen, da häufig zunächst die atypischen Beschäftigten an den Rändern der Unternehmen von Entlassungen betroffen sind.

Das Normalarbeitsverhältnis gilt weiterhin für die Mehrheit der Beschäftigten, doch einige Wissenschaftler weisen darauf hin, dass die Verknüpfung von Normalarbeitsverhältnis und guter Arbeit brüchig geworden ist. Vor allem im Dienstleistungssektor sind Arbeitsverhältnisse, die auf den ersten Blick sehr viele Merkmale eines Normalarbeitsverhältnisses erfüllen, durch prekäre Beschäftigung, in Form von niedriger Entlohnung, überlanger Arbeitszeiten und fehlender Tarifbindung, bestimmt. Ausgehend von einer Niedriglohngrenze, die bei Dritteln des Medians vom Bruttostundenverdienst (10,36 Euro) liegt, bezogen im Gastgewerbe 57 Prozent aller Normarbeitnehmer 2010 einen Niedriglohn. Betroffen von einem Niedriglohn sind vor allem Normalarbeitnehmer ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Der politisch forcierte Ausbau der atypischen Beschäftigung hat zu einer Flexibilisierung und Öffnung des Arbeitsmarktes geführt. Es stellt sich die Frage, ob die zunehmende Verbreitung von atypischen Beschäftigungsverhältnissen zu einer Dualisierung des Arbeitsmarktes geführt hat oder ob es Bewegungen zwischen den Segmenten gibt. Sind also atypische Beschäftigungsverhältnisse nur ein vorübergehender Status oder verbleiben Menschen dauerhaft darin, ohne dass ihnen ein Übergang in ein Normalarbeitsverhältnis gelingt? Untersuchungen kommen zu dem Ergebnis, dass atypische Beschäftigungsformen, insbesondere Befristung und Leiharbeit, für Arbeitslose zunächst einmal eine wichtige Rolle beim Zugang zum regulären Arbeitsmarkt spielen. Ob damit auch ein Übergang in ein Normalarbeitsverhältnis gelingt wird für jede Form atypischer Beschäftigung in den jeweiligen Texten geprüft.

Die generelle Tendenz der Verschiebung von Normalarbeitsverhältnissen zu atypischen Beschäftigungsverhältnissen wird von Arbeitgebern, Gewerkschaften und Politik unterschiedlich bewertet. Die Beurteilung schwankt weiterhin zwischen den verschiedenen atypischen Erwerbsformen, weswegen die Positionen in dem jeweiligen Kapitel vorgestellt werden. Grundsätzlich befürworten Arbeitgeber die Öffnung des Arbeitsmarktes und sehen die atypischen Beschäftigungsverhältnisse als notweniges Instrument zur Anpassung der Unternehmen an die wirtschaftliche Lage, das gleichzeitig die Zugangschancen für Arbeitslose zum Arbeitsmarkt verbessert. Gewerkschaften beurteilen die atypische Beschäftigung kritischer und sehen eine tiefe Spaltung des Arbeitsmarktes. Aus Sicht der Gewerkschaften sind vor allem Leiharbeit, Minijobs und befristete Arbeitsverhältnisse Synonyme für schlecht bezahlte Arbeit und eine Sackgasse.

Zum Weiterlesen

IAB Infoplattform Prekäre Beschäftigung

IAB (laufend aktualisiert): Daten zur aktuellen Konjunktur- und Arbeitsmarktentwicklung

Der Spiegel, 08.06.2011: Mythen der Arbeit: Das Normalarbeitsverhältnis verschwindet - stimmt's?

Literatur

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http://www.boeckler.de/wsimit_2006_05_dietz.pdf

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