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1.6.2010 | Von:
Frank Oschmiansky

Der Virtuelle Arbeitsmarkt

Seit 2003 werden bei der Bundesagentur für Arbeit neue Softwaresysteme als Teil der allgemeinen Organisationsreform eingeführt. Zu den für das Kerngeschäft der BA wichtigsten unter ihnen gehört der Virtuelle Arbeitmarkt (VAM). Was sich hierunter verbirgt wird im Folgenden erklärt.

Mitarbeiter der Bundesanstalt für Arbeit präsentieren den “Virtuellen Arbeitsmarkt” auf der Fachmesse “Moderner Staat” in Berlin.Mitarbeiter der Bundesanstalt für Arbeit präsentieren den “Virtuellen Arbeitsmarkt” auf der Fachmesse “Moderner Staat” in Berlin. (© AP)


Was ist der Virtuelle Arbeitsmarkt?

Das neue informationstechnologische Konzept der Bundesagentur für Arbeit setzt auf einer vielfältigen, äußerst komplexen IT-Struktur an. In der alten IT-Welt der BA wurde mit einer Vielzahl unterschiedlicher Fachanwendungen gearbeitet, die überwiegend nicht integriert waren. Das machte häufig Doppeleingaben von Daten und Mehrfacharbeiten notwendig.

Als Konzept gewann der Virtuelle Arbeitsmarkt zwar im Jahre 2002 den e-government-Preis der Cebit und wurde damit zum IT-Prestige-Projekt der BA. Mit der Umsetzung sank allerdings die Reputation des Projektes, da die geplanten Kosten von 65,5 Mio. Euro um einen dreistelligen Millionenbetrag überschritten wurden.

Der Virtuelle Arbeitsmarkt besteht aus vier Funktionseinheiten, wovon zwei für die externe Nutzung und zwei für die interne Nutzung zuständig sind. Die Bezeichnung Virtueller Arbeitsmarkt bezieht sich dabei auf eine gemeinsame Plattform unterschiedlicher Softwaresysteme:
  • das "Vermittlungs-, Beratungs- und Informationssystem" VerBIS, das als Standardsoftware für den Vermittlungsberatungsprozess zum Einsatz kommt.
  • die internetbasierte "Job-Börse" als Nachfolger des elektronischen Stellen-Informations-Services (SIS), die auch externen Nutzern zugänglich ist.
  • die Metasuchmaschine "Job-Roboter", die den Vermittlungsfachkräften zur Verfügung steht und mit deren Hilfe sie auf Internetseiten von Unternehmen und Verwaltungen zusätzliche Stellen finden können.
  • Für die Kunden steht darüber hinaus das Online-Portal zur Verfügung, das neben dem Zugang zur Job-Börse den weiterreichenden BA-Informationsservice anbietet.
"Herzstück" des VAM ist das neue Vermittlungs-, Beratungs- und Informationssystem VerBIS, dass die beiden bisherigen Fachanwendungen der Arbeitsvermittlung (coArb; genutzt seit 1977) und der Berufsberatung (COMPAS; genutzt seit 1985) ablöst. Etwa 75 % der gesamten finanziellen Aufwendungen für den VAM entfallen auf VerBIS.

Die Entwicklung des neuen Programms war von Turbulenzen begleitet. So sollte VerBIS ursprünglich nur für den Rechtskreis des SGB III ausgelegt werden. Dann wurde entschieden, dass auch die Vermittlungsfachkräfte der ARGEn damit arbeiten sollen.

Die Struktur von VerBIS unterscheidet sich in nahezu jeder Hinsicht deutlich von derjenigen der vorher genutzten Programme. Der wohl wesentliche Unterschied ist darin zu sehen, dass das neue System auf die Verwendung durch vernetzte Nutzer ausgelegt und dementsprechend aufgebaut ist. CoArb und COMPAS waren nach dem "Karteikartenprinzip" eingerichtet. Die Fachkräfte hatten wenige, klar definierte Seiten ("Bilder") auf ihrem Monitor, die sie aufrufen konnten. VerBIS arbeitet demgegenüber mit Hyperlinks: Die Fachkräfte "blättern" nicht durch hintereinander angeordnete Bildschirmansichten, sondern bewegen sich per Mausklick im "virtuellen Raum". Insofern ist VerBIS auf den ersten Blick erkennbar das modernere Programm.

Grundsätzlich bietet VerBIS zusammen mit der Job-Börse drei Suchverfahren, bei denen ein Matching-Prozess zum Einsatz kommt:
  • Die Schnellsuche; dabei werden Umfang und Art des Abgleichens durch die jeweiligen Eingaben in den vorgesehenen Feldern bestimmt. Je mehr und je genauer Felder ausgefüllt werden, desto feiner abgestuft sind bei diesem Verfahren die Ergebnisse.
  • Die Volltextsuche; dabei werden die Datensätze nach bestimmten Stichworten – etwa Berufsbezeichnungen – durchsucht.
  • Der Profilabgleich als anspruchsvollste Variante nämlich; dabei wird anhand der Angaben im Stellenangebot bzw. Bewerberprofil nach Bewerbern bzw. Stellenangeboten gesucht, wobei die Angaben unterschiedlich stark gewichtet werden.
Das System vergleicht fallbezogen Angebot und Nachfrage und zeigt die passenden Bewerber- beziehungsweise Stellenangebote, sortiert nach dem Grad der Übereinstimmung, auf dem Bildschirm der Vermittlungsfachkraft an. Auf der Grundlage dieser Auswahl trifft sie die nach den verschiedenen Matchingstrategien vorgesehenen Klärungen (z.B. Sichtung des Bewerberdatensatzes, Kontaktierung des Bewerbers) und unterbreitet Vermittlungsvorschläge.

Mit VerBIS arbeiten über 60.000 interne Nutzer. Es bietet im Zusammenspiel mit der Job-Börse aber auch Kunden die Möglichkeit, auf ihre Bewerber- und Stellenprofile, die in der Agentur für Arbeit bzw. der ARGE gespeichert sind, zuzugreifen und diese von zu Hause aus im Internet zu bearbeiten und eigenständig nach passenden Angeboten zu suchen. Des Weiteren besteht die Möglichkeit, direkt Online-Bewerbungen zu erstellen und zu versenden. Arbeitgeber können Stellenangebote online an die Agentur für Arbeit/ARGE übermitteln. Seit Dezember 2006 haben Arbeitsuchende zudem die Möglichkeit, ihre in der Job-Börse selbst angelegten Profile in die Betreuung der Agenturen für Arbeit zu übergeben. Die Bewerberdaten können aus der Job-Börse nach VerBIS übernommen werden, ohne dass bei der Vorsprache in der Agentur für Arbeit eine komplette Neuanlage des Bewerberprofils notwendig ist.

Zum Weiterlesen

iso/Ochs (2006): Evaluation der Maßnahmen zur Umsetzung der Vorschläge der Hartz-Kommission. Arbeitspaket 2: Umbau der BA. Bericht 2006. Saarbrücken.
http://www.iso-institut.de/download/2007_01_16_iso-ochs-
Bericht_BAEval_%20AP2.pdf

Creative Commons License

Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 2.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 2.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Frank Oschmiansky für bpb.de

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