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16.12.2013

Der morbiditätsorientierte Risikostrukturausgleich

Der Risikostrukturausgleich (RSA) in der gesetzlichen Krankenversicherung bezeichnet ein finanzielles Umverteilungsverfahren zwischen den Krankenkassen. Dieses Umverteilungsverfahren soll die Finanzierungsrisiken, die sich aus der unterschiedlichen Zusammensetzung der jeweiligen Versichertengemeinschaft der Kassen ergeben, ausgleichen.

Vor mehreren Zuschauern spielen zwei ältere Menschen am 8.6.2003 in einer Parkanlage in Travemünde gegeneinander Schach.Die Höhe des Risikozuschlags, den die Kassen erhalten, richtet sich nach dem Alter, dem Geschlecht und bestimmten Krankheitsmerkmalen der Versicherten. (© picture-alliance/dpa)

Die Einführung des Gesundheitsfonds im Jahr 2009 war auch verbunden mit einer Reform des RSA. Der RSA war 1994 im Zusammenhang mit der bevorstehenden Einführung der freien Kassenwahl für die Versicherten ins Leben gerufen worden. Es war voraussehbar, dass die neuen Wahlmöglichkeiten bei den Kassen das Interesse wecken würden, vorzugsweise junge und gesunde Versicherte ("gute Risiken") zu umwerben. Diese verursachen unterdurchschnittliche Behandlungskosten und würden ihnen daher einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen.

Mit dem 1994 eingeführten RSA wurde eine Reihe ausgabenrelevanter und von der jeweiligen Krankenkasse nicht zu verantwortender Merkmale ihrer Versichertengemeinschaft für eine finanzielle Umverteilung zwischen den Krankenkassen herangezogen. Dazu zählten die Indikatoren Alter, Einkommen, Geschlecht, Anzahl der beitragsfrei mitversicherten Familienangehörigen und Bezug einer Erwerbsminderungsrente. Da aber das Merkmal Krankheit (Morbidität) nicht berücksichtigt wurde, hatten die Krankenkassen weiterhin ein starkes Interesse daran, den Anteil behandlungsaufwendiger Versicherter möglichst gering zu halten. Somit erfüllte der RSA die ihm zugedachte Funktion, den Wettbewerb um «gute Risiken» zu verhindern oder doch zumindest einzuschränken, nur höchst unzureichend. Daher war der RSA seit seiner Einrichtung Gegenstand beständiger Kritik und daher ist das Ausgleichsverfahren zwischen 1994 und 2007 mehrmals korrigiert worden.

Aber erst das GKV-Wettbewerbsstärkungsgesetz sah mit Wirkung vom 1.1.2009 an verbindlich vor, ausdrücklich auch die Morbidität direkt bei der Finanzmittelzuweisung an die Krankenkassen zu berücksichtigen ("morbiditätsorientierter Risikostrukturausgleich" – "Morbi-RSA"). Dem Gesetz zufolge erhalten die Krankenkassen aus dem Fonds einen festen Betrag je Versichertem sowie einen Risikozuschlag, dessen Höhe sich nach dem Alter, dem Geschlecht und – nun eben auch – bestimmten Krankheitsmerkmalen der Versicherten richtet. Das GKV-WSG sieht vor, dass dafür 50 bis 80 Krankheiten ausgewählt werden, bei denen die durchschnittlichen Leistungsausgaben je GKV-Versichertm um mindestens 50 Prozent höher sind als die durchschnittlichen Pro-Kopf-Leistungsausgaben für alle Versicherten. Diese Krankheiten sollen besonders schwerwiegend sein, chronisch verlaufen und besonders hohe Aufwendungen erfordern. Krankenkassen, die einen höheren Anteil chronisch kranker und damit teurer Versicherter aufweisen, erhalten also einen entsprechend höheren Betrag aus dem Fonds. Das Bundesversicherungsamt legte nach längeren Diskussionen schließlich einen Katalog von 80 Krankheiten fest, die im RSA zu berücksichtigen sind.
Weitere Informationen zum Risikostrukturausgleich in diesem Dossier
Wissenscheck
Versichertenmerkmal

Frage 1 / 1
 
Welches Versichertenmerkmal wird mit der Einführung des morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleichs erstmals bei der Finanzmittelzuweisung berücksichtigt?