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Arzt läuft durch Krankenhausflur

11.8.2014 | Von:
Thomas Gerlinger
Wolfram Burkhardt

Die gegliederte Krankenversicherung

Zusammenfassung

Die Zahl der Krankenkassen lag Mitte 2014 bei 131. Noch wenige Jahre zuvor waren es über 1.200 und in der Frühzeit der GKV fast 20.000. Die Vielfalt der Krankenkassen ist aus ihrer Entstehungsgeschichte als berufsständische und regionale Hilfskassen zu erklären.

Die GKV-Kassen gliedern sich heute in acht Kassenarten, von denen zwei (Bundesknappschaft und See-Krankenkasse) nur eine einzige Kasse umfassen. Die Systematik der Kassenarten ist vor allem für die verbandliche Gliederung der GKV maßgeblich. Die Landes- und Bundesverbände der Krankenkassen – letztere werden als "Spitzenverbände" bezeichnet – übernehmen wichtige Funktionen für ihre Mitgliedskassen. Mittlerweile sind die Spitzenverbände im GKV-Spitzenverband zusammengefasst.

Die Verbände sind vor allem in den Beziehungen zu den Leistungserbringern (Vertragsabschlüsse, Vergütungsverhandlungen) sowie in allen Fragen, die von Kassen und Leistungserbringern gemeinsam zu regeln sind (zum Beispiel Weiterentwicklung des GKV-Leistungskatalogs) die entscheidende Ebene.

Wichtige Fragen werden entweder auf Verbandsebene für alle Mitgliedskassen entschieden oder müssen sogar von allen GKV-Kassen und -Verbänden "gemeinsam und einheitlich" geregelt werden. Durch den Zwang zum gemeinsamen und einheitlichen Handeln möchte der Gesetzgeber sicherstellen, dass die Versicherten bei wichtigen Aspekten überall in der GKV identische Bedingungen vorfinden. Kritierinnen und Kritiker sehen in diesem Zusammenhang vielfach eine Einschränkung von sinnvollem Wettbewerb.

Die Krankenkassen sind selbstverwaltete Körperschaften des öffentlichen Rechts. In den Selbstverwaltungen sitzen in den meisten Kassenarten Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitnehmerschaft und der Arbeitgeber. Den Selbstverwaltungsgremien der Ersatzkassen gehören nur Arbeitnehmer- beziehungsweise Versichertenvertreterinnen und -vertreter an. Die Mitglieder der Selbstverwaltungen werden alle sechs Jahre durch die Sozialwahlen bestimmt.

Seit Einführung der Wahlfreiheit der Versicherten im Jahr 1996 stehen die Kassen im Wettbewerb um Mitglieder. Wichtigstes Element zur Regulierung des Kassenwettbewerbs ist der Risikostrukturausgleich.

Bisweilen wird vonseiten der Ärzteschaft kritisiert, dass die Zahl der Krankenkassen zu hoch sei und überflüssige Verwaltungsausgaben verursache. Es ist damit zu rechnen, dass die Zahl der Kassen in Zukunft weiter abnehmen wird, vor allem wenn es zu einer Ausweitung der wettbewerblichen Orientierung in der GKV kommt.