Arzt läuft durch Krankenhausflur

1.3.2012 | Von:
Thomas Gerlinger
Wolfram Burkhardt

Die wichtigsten Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Teil 3: Institutionen und Interessenvertretungen

Ärztliche Interessenvertretungen und Berufsverbände sowie wissenschaftliche Fachgesellschaften

Armin Ehl, links, Geschaeftsfuehrer, und Frank Ulrich Montgomery, Vorsitzender des Marburger Bundes, unterrichten die Medien bei einer Pressekonferenz in Berlin am Dienstag, 13. Dezember 2005.Pressekonferenz des Marburger Bundes 2005. (© picture-alliance/AP)
Darüber hinaus existiert eine Vielzahl von ärztlichen Verbänden und Interessenvertretungen, denen keine gesetzlich definierten Funktionen im Sinne der korporatistischen Steuerung des Gesundheitswesens zukommen. Diese Verbände und Vereinigungen dienen der Interessenvertretung der Ärztinnen und Ärzte beziehungsweise spezifischer Unter- und Fachgruppen der Ärzteschaft. Man unterscheidet zumeist zwischen den "freien ärztlichen Verbänden" und den Berufsverbänden.

Die drei größten freien Verbände sind:
  • Hartmannbund – Verband der Ärzte Deutschlands e. V.
  • NAV-Virchow-Bund – Verband der niedergelassenen Ärzte Deutschlands e. V.
  • Marburger Bund – Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e. V.

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Tipp

Eine Vielzahl von Berufsverbänden

Die Zahl der Berufsverbände ist ausgesprochen groß. Einzelheiten sind über die Gemeinschaft Hausärztlicher Berufsverbände beziehungsweise die Gemeinschaft Fachärztlicher Berufsverbände (GFB) zu erfahren. In der rechten Randspalte unter "Akteure und Interessenverbände" finden Sie Linkverweise zu den Homepages dieser Verbände.
Von den Berufsverbänden und Interessenvertretungen der Ärztinnen und Ärzte streng zu unterscheiden sind die wissenschaftlichen Fachgesellschaften, die in der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e. V. (AWMF) zusammengeschlossen sind. Die Fachgesellschaften beziehungsweise die AWMF spielen für die gesundheitliche Versorgung eine wachsende Rolle, weil sie am Prozess der Erarbeitung von Behandlungsleitlinien teilnehmen.

Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)

Zur Unterstützung Krankenkassen hat der Gesetzgeber den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) geschaffen (§§ 275 bis 283 SGB V), der in jedem Bundesland in Trägerschaft der Landesverbände der Krankenkassen beziehungsweise der Verbände der Ersatzkassen besteht. Der MDK ist kassenartenübergreifend konzipiert.

Der MDK erfüllt zahlreiche Begutachtungsaufgaben und erarbeitet Stellungnahmen zu Leistungsansprüchen einzelner Versicherter an die Kassen. Anlässe für Einzelfallbegutachtungen durch den MDK sind beispielweise langdauernde Arbeitsunfähigkeiten von Kassenmitgliedern, die Begutachtung der Notwendigkeit von Rehabilitationsmaßnahmen oder häuslicher Krankenpflege. Das Gesetz verpflichtet die Kassen in bestimmten Fällen, eine Stellungnahme des MDK einzuholen.

Darüber hinaus unterstützt der MDK die Kassen bei übergreifenden Fragen, die medizinischen Sachverstand erfordern (zum Beispiel Qualitätssicherung, Krankenhausplanung, Wirksamkeit neuer Behandlungsverfahren).

Auf Bundesebene ist der Medizinische Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen (MDS) tätig. Seine Aufgaben liegen vor allem im Bereich der Beratung der Spitzenverbände bei übergreifenden Aufgaben. Beispiele sind etwa die Weiterentwicklung des Vergütungssystems im Krankenhaus (vgl. das Lernobjekt "Stationäre Versorgung. Teil 2"), die Beurteilung von Medizinprodukten sowie die Mitwirkung an der Beurteilung neuer Behandlungsmethoden.

Die Medizinischen Dienste haben ferner wichtige Aufgaben im Bereich der gesetzlichen Pflegeversicherung. Ärztinnen und Ärzte des MDK begutachten alle Versicherten, die einen Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung stellen. Ferner prüft der MDK die Qualität der Pflegeeinrichtungen. Der MDS ist für grundsätzliche Fragen der Qualitätssicherung in der Pflege zuständig und führt die Daten zur Pflegequalität zusammen. Im November 2004 hat der MDS erstmals einen Bericht zur "Qualität in der ambulanten und stationären Pflege" in Deutschland vorgelegt.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)

Ein "Kind" der Gesundheitsreform von 2003 ist das 2004 vom Gemeinsamen Bundesausschuss in Form einer Stiftung gegründete Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Das Institut soll ein fachlich unabhängiges, wissenschaftliches Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen sein.

Zitat

Aufgaben des IQWiG

"1. Recherche, Darstellung und Bewertung des aktuellen medizinischen Wissensstandes zu diagnostischen und therapeutischen Verfahren bei ausgewählten Krankheiten

2. Erstellung von wissenschaftlichen Ausarbeitungen, Gutachten und Stellungnahmen zu Fragen der Qualität und Wirtschaftlichkeit der im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung erbrachten Leistungen

3. Bewertung evidenzbasierter Leitlinien für die epidemiologisch wichtigsten Krankheiten

4. Abgabe von Empfehlungen zu Disease-Management-Programmen

5. Bewertung des Nutzens von Arzneimitteln

6. Bereitstellung von für alle Bürgerinnen und Bürger verständlichen allgemeinen Informationen zur Qualität und Effizienz in der Gesundheitsversorgung"

Sozialgesetzbuch V § 139a Abs. 3
Um die Gründung dieses Instituts hat es im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens teilweise heftige politische Auseinandersetzungen gegeben. Besonders die Arzneimittelhersteller haben sich gegen die Kompetenzen des Instituts im Bereich der Nutzenbewertung von Arzneimitteln gewehrt. Vorbild für das IQWiG ist das britische "National Institute of Clinical Excellence" (NICE), welches vergleichbare – beziehungsweise noch weiter reichende – Funktionen im staatlichen Gesundheitswesen Großbritanniens ausübt.

Da das IQWiG erst im Laufe des Jahres 2004 gegründet wurde, liegen bisher nur wenige Informationen über Arbeit und Ergebnisse des Instituts vor. Am gesetzlichen Aufgabenkatalog ist jedoch abzulesen, dass das IQWiG eine sehr wichtige Rolle für die Zukunft der Gesundheitsversorgung spielen kann.