Arzt läuft durch Krankenhausflur

1.3.2012 | Von:
Thomas Gerlinger
Wolfram Burkhardt

Die wichtigsten Akteure im deutschen Gesundheitswesen. Teil 3: Institutionen und Interessenvertretungen

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA)

Die Apthekerinnen und Apotheker sind als freier Beruf zur Mitgliedschaft in einer der 17 Landesapothekerkammern verpflichtet. Vergleichbar den Ärztekammern sind sie Körperschaften des öffentlichen Rechts mit bestimmten Regelungskompetenzen, die durch Landesgesetze näher umschrieben sind.

Neben den Kammern gibt es in der Regel nach Bundesländern organisierte Apothekerverbände und -vereine, die als berufsständische Interessenvertretungen agieren.

Die jeweils 17 Landesapothekerkammern und -verbände sind in der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) zusammengeschlossen. Die ABDA ist der Spitzenverband der Apothekerinnen und Apotheker auf Bundesebene.

ABDA ist eine gesundheitspolitische Interessenvertretung sowie eine Serviceeinrichtung für die Apothekerschaft. Gesetzliche Aufgaben sind ihr nicht übertragen.

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband)

Der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband) ist die gemeinsame Interessenvertretung der Unternehmen der privaten Krankenversicherung (PKV). 2004 gehörten dem Verband 49 Unternehmen an, auf die nach Verbandsangaben mehr als 99 Prozent des Marktanteils der PKV entfielen. Neben den im PKV-Verband organisierten Unternehmen gibt es noch eine Reihe meist sehr kleiner und nur regional beziehungsweise in bestimmten Berufsgruppen tätigen Versicherungsvereinen.

Etwa acht Millionen Bundesbürgerinnen und -bürger haben eine private Krankenvollversicherung, das heißt, sie sind nicht Mitglied der GKV, sondern haben ihr Krankheitsrisiko mehr oder weniger vollständig bei einem privaten Versicherungsunternehmen abgesichert. Neben den Vollversicherungen bieten die PKV-Unternehmen noch verschiedene Zusatzversicherungen an, die von vielen GKV-Versicherten abgeschlossen werden. Mitte 2004 hatten etwa 15 Millionen Bürgerinnen und Bürger eine Zusatzversicherung (Verband der Privaten Krankenversicherung 2004).

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Informationen zu den Besonderheiten der privaten Krankenversicherung in Deutschland sowie zu den Unterschieden zur GKV finden Sie in den Lernobjekten "PKV im Gesundheitssystem" und "Systemwettbewerb GKV – PKV" in der Lerntour "Vorschläge zur Reform der GKV-Finanzierung". Zur Lerntour

Der PKV-Verband engagiert sich vor allem in der Gesundheitspolitik für die Interessen der Versicherungsunternehmen. Da es sich bei der PKV um ein zur GKV paralleles Versicherungssystem handelt, gehören Fragen der Abgrenzung der Geschäftsbereiche von GKV und PKV – die Insider sprechen hier von der sogenannten "Friedensgrenze" – immer wieder zu den Hauptthemen des Verbandes.

Ein Beispiel ist die Diskussion über die Einführung einer sogenannten "Bürgerversicherung", die unter anderem eine Versicherungspflicht für alle Bundesbürgerinnen und -bürger vorsieht. Dadurch würde die PKV-Vollversicherung in ihrer bisherigen Form abgeschafft.

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Der PKV-Verband stellt darüber hinaus Zahlen und Statistiken über die private Krankenversicherung zur Verfügung.

Die Verbände der Arzneimittelhersteller

Die Arzneimittelhersteller sind ein Industriezweig mit heterogenen Interessen im Gesundheitswesen. Sie lassen sich daher durch mehrere Verbände vertreten, denen unterschiedliche Firmen angehören:
  • Die großen, meist international operierenden Unternehmen sind im Verband Forschender Arzneimittelhersteller e. V. (vfa) organisiert. Dem vfa gehörten im Juni 2005 39 Unternehmen an; aktuell gehören ihm 35 Unternehmen an (Stand Januar 2012).
  • Im Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) sind vorwiegend mittelständische Hersteller organisiert. Dem BPI gehören etwa 300 Unternehmen an.
  • Dem Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller e. V. (BAH) gehören 457 Unternehmen (Stand März 2011) an, wobei es sich hier eher um kleinere bis mittelgroße Unternehmen handelt. Der BAH vertritt nach eigenem Bekunden die Interessen seiner Mitglieder im Hinblick auf die Marktsegmente Selbstmedikation und nicht patentgeschützte rezeptpflichtige Arzneimittel.
Der BPI war lange Zeit der gemeinsame Verband der Arzneimittelhersteller in Deutschland. Wegen zunehmender Interessengegensätze innerhalb des Verbandes verließen die sich selbst als "forschende Arzneimittelhersteller" bezeichnenden Unternehmen den BPI und gründeten den vfa.





Zusammenfassung

Die Angehörigen der freien Berufe im Gesundheitswesen (Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker) sind Pflichtmitglieder ihrer jeweiligen Kammern. Ärzte-, Zahnärzte- und Apothekerkammern sind Körperschaften des öffentlichen Rechts, die zum Teil durch Landesgesetze geregelte Aufgaben wahrnehmen. Eine zentrale Funktion haben sie im Hinblick auf die Erstellung von Berufs- und Weiterbildungsordnungen. Die Bundesärztekammer ist die berufsständische Vertretung der Ärzteschaft auf Bundesebene.

Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) ist eine nach Bundesländern gegliederte Institution, die die Krankenkassen und deren Verbände mit medizinischem Sachverstand unterstützt. Zu einem großen Teil handelt es sich dabei um Begutachtungsaufträge im Zusammenhang mit Leistungsfällen der Krankenkassen. Der MDK ist kassenartenübergreifend organisiert. Die Aufgaben des MDK sind gesetzlich geregelt. Die Spitzenverbände der Krankenkassen werden durch den Medizinischen Dienst der Spitzenverbände (MDS) beraten.

Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist eine erst 2004 durch das GKV-Modernisierungsgesetz neu eingerichtete wissenschaftliche Institution. Es soll mit seinen Analysen zu Wirksamkeit, Nutzen und Wirtschaftlichkeit von Behandlungs- und Untersuchungsverfahren die Öffentlichkeit informieren.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) ist der Spitzenverband der nach Bundesländern gegliederten Apothekerkammern und -verbände.

Die gesundheitspolitische Interessenvertretung der privaten Krankenversicherungsunternehmen leistet der Verband der Privaten Krankenversicherung (PKV-Verband).

Die Arzneimittelhersteller sind in drei unterschiedlichen Verbänden organisiert: Im Verband Forschender Arzneimittelhersteller sind die großen, international tätigen Unternehmen organisiert, die einen nennenswerten Teil ihres Umsatzes mit patentgeschützten Produkten aus eigener Forschung erzielen. Die kleineren Unternehmen, die überwiegend nicht patentgeschützte Produkte (Generika) oder nicht rezeptpflichtige Arzneimittel herstellen, lassen sich durch den Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie (BPI) beziehungsweise durch den Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH) vertreten.