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Arzt läuft durch Krankenhausflur

17.9.2014 | Von:
Thomas Gerlinger
Wolfram Burkhardt

Strukturen und Versorgungsformen

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind die erste und zumeist wichtigste Anlaufstelle für die Patientinnen und Patienten. Die gegenwärtigen Strukturen, aber auch die wichtigsten Zukunftsperspektiven dieses zentralen Bereichs der gesundheitlichen Versorgung erläutert dieses Lernobjekt. In weiteren Lernobjekten werden Fragen der Inanspruchnahme sowie der Finanzierung und Vergütung in der ambulanten ärztlichen Versorgung erörtert.
Patienten warten am 15.12.2003 in einer Arztpraxis für Allgemeinmedizin in Frankfurt (Oder) auf ihre Untersuchung.Patienten in einer Arztpraxis für Allgemeinmedizin in Frankfurt (Oder): Niedergelassene Ärzte sind fast immer die erste und wichtigste Anlaufstelle für Patienten. (© picture-alliance/dpa)

Ambulante Versorgung

Als "ambulante Versorgung" bezeichnet man alle Behandlungsleistungen, die außerhalb von Kliniken (Akutkrankenhäuser, Fachkrankenhäuser, Rehabilitationskliniken) erbracht werden. Der größte Bereich ist die ambulante ärztliche und zahnärztliche Versorgung. Weitere Bereiche sind beispielsweise die psychotherapeutische und die Heilmittelversorgung (Krankengymnastik, Ergotherapie usw.).

Die ambulante ärztliche Versorgung nimmt eine Schlüsselstellung im gesamten Gesundheitswesen ein: Abgesehen von Notfällen, die direkt in ein Krankenhaus aufgenommen werden, ist die niedergelassene Ärztin/der niedergelassene Arzt fast immer die erste und wichtigste Anlaufstelle für die Patientinnen und Patienten. Die niedergelassene Ärztin/Der niedergelassene Arzt ist für viele Gesundheitsprobleme selbst die hauptsächliche Therapeutin/der hauptsächliche Therapeut. Darüber hinaus ist sie/er der mit Abstand wichtigste "Entscheider" und "Veranlasser" im Hinblick auf Maßnahmen, die sie/er nicht selbst durchführt: Die Verordnung von Medikamenten, Krankengymnastik oder häuslicher Krankenpflege und die Bescheinigung einer Arbeitsunfähigkeit liegen ebenso in ihren/seinen Händen, wie die Einweisung in ein Krankenhaus.

Die Ausführungen dieses Lernobjekts beziehen sich auf die ambulante ärztliche Versorgung, insbesondere auf den für fast 90 Prozent der Bevölkerung maßgeblichen Teil der vertragsärztlichen Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Viele der hier beschriebenen Strukturen gelten jedoch in analoger Weise auch für die vertragszahnärztliche und die vertragspsychotherapeutische Versorgung.

Struktur der ambulanten ärztlichen Versorgung

Eine charakteristische Besonderheit des deutschen Gesundheitswesens besteht darin, dass die ambulante ärztliche Versorgung ganz überwiegend durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte erbracht wird. In den meisten anderen Industrieländern wird ein erheblicher Teil der ambulanten Medizin – insbesondere die spezialfachärztliche Versorgung – durch Ärztinnen und Ärzte geleistet, die an Krankenhäusern angestellt sind. Lediglich die hausärztliche Versorgung ist auch in anderen Ländern zumeist in Form von eigenständigen ambulanten Versorgungseinrichtungen organisiert.

In Deutschland haben die in Kassenärztlichen Vereinigungen (KVs) zusammengeschlossenen Vertragsärztinnen und -ärzte ein Monopol auf die ambulante medizinische Versorgung im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Krankenhausärztinnen und -ärzte dürfen ambulante Behandlungen zulasten der GKV nur erbringen, wenn sie von der zuständigen KV eigens dafür ermächtigt werden.

Umgekehrt arbeiten niedergelassene Vertragsärztinnen und -ärzte nur relativ selten gleichzeitig in Krankenhäusern. In kleinen Krankenhäusern werden mengenmäßig weniger bedeutende operative Fächer oftmals durch Niedergelassene vertreten, die an ein bis zwei Tagen in der Woche als Belegärztinnen und -ärzte die Patientinnen und Patienten operieren. Zuletzt waren etwa 6.000 Ärztinnen und Ärzte als Belegärztinnen und -ärzte tätig (Bundesverband Belegärzte).

Die Patientinnen und Patienten haben grundsätzlich die freie Wahl unter allen zur vertragsärztlichen Versorgung zugelassenen Ärztinnen, Ärzten und Einrichtungen (§76 SGB V).

Nähere Informationen zu den historischen Hintergründen der ambulanten Versorgungsstrukturen beziehungsweise der geschilderten Trennung zwischen ambulantem und stationärem Sektor in Deutschland finden Sie im Lernobjekt "Deutsche Besonderheiten" .

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Aufgaben und Struktur der Kassenärztlichen Vereinigungen werden im Lernobjekt "Verbände und Körperschaften" erläutert.

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Bedarfsplanung und Zulassung zur vertragsärztlichen Versorgung

Um Vertragsärztin oder Vertragsarzt zu werden, muss sich eine Ärztin/ein Arzt in das Arztregister der Kassenärztlichen Vereinigung eintragen lassen und einen Antrag beim Zulassungsausschuss stellen. Der Zulassungsausschuss ist paritätisch mit Vertreterinnen und Vertretern der KV und der Krankenkassen besetzt. Die rechtlichen Einzelheiten sind in den Paragrafen 95 bis 98 SGB V sowie in der Zulassungsverordnung für Vertragsärzte (Ärzte-ZV) geregelt.

Voraussetzung für die Zulassung als Vertragsärztin/Vertragsarzt ist neben der persönlichen ärztlichen Qualifikation auch die Bedarfssituation in der betreffenden Region. KVs und Verbände der Krankenkassen führen eine Bedarfsplanung durch, bei der sie unter Berücksichtigung von Vorgaben des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) (Bedarfsplanungs-Richtlinien-Ärzte) prüfen, ob in einem Planungsbezirk eine Überversorgung mit Vertragsärztinnen und -ärzten besteht. Wenn Übersorgung festgestellt wird, werden Zulassungsbeschränkungen erlassen.

Das Zulassungsverfahren gilt auch für die seit 2004 möglichen Medizinischen Versorgungszentren (MVZ, vgl. den folgenden Abschnitt).

Informationen zur Rolle des "Gemeinsamen Bundesausschusses" finden Sie im Lernobjekt "Verbände und Körperschaften".

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