Arzt läuft durch Krankenhausflur

1.3.2012 | Von:
Thomas Gerlinger

Vom Hersteller zu den Verbraucherinnen und Verbrauchern: Zulassung, Herstellung und Vertrieb von Arzneimitteln

Niedergelassene Apotheken unterliegen nach dem Apothekengesetz (ApoG) einem Fremdbesitzverbot (§ 2 ApoG). Dies bedeutet, dass es nur einer Apothekerin oder einem Apotheker gestattet ist, eine Apotheke zu besitzen und zu betreiben. Bis Ende 2003 galt für Apothekerinnen und Apotheker auch noch ein Mehrbesitzverbot: Jeder Apothekerin und jedem Apotheker war also das Eigentum an nur einer Apotheke gestattet. Die Gründung von Filialen oder gar die Bildung von Apothekenketten war damit verboten. Dieses Mehrbesitzverbot wurde durch das GKV-Modernisierungsgesetz mit Wirkung zum 1. Januar 2004 vorsichtig gelockert (§ 2 ApoG). Nunmehr ist es der Besitzerin oder dem Besitzer einer Hauptapotheke gestattet, bis zu drei Filialen zu gründen (§ 1 und 2 ApoG). Eine Apothekerin/Ein Apotheker muss dafür eine Erlaubnis beantragen, die an restriktive Voraussetzungen gebunden ist. Dazu zählt unter anderem, dass
  • die Filialen in demselben Landkreis oder in derselben kreisfreien Stadt beziehungsweise in benachbarten Landkreisen oder kreisfreien Städten liegen,
  • die Betreiberin oder der Betreiber der Filiale persönlich eine Hauptapotheke führt und
  • für jede Filiale eine verantwortliche Apothekerin beziehungsweise ein verantwortlicher Apotheker benannt wird, die/der denselben Verpflichtungen unterliegt wie die Leiterin oder der Leiter einer Apotheke (§ 2 Abs. 4 und 5 ApoG).
Die Apothekendichte in Deutschland ist im internationalen Vergleich sehr hoch (Bundesvereinigung deutscher Apothekerverbände 2010). 2009 kam im Bundesdurchschnitt auf 3.796 Einwohner eine Apotheke (siehe Abbildung Einwohner je Apotheke nach Bundesländern). Allerdings existiert auch ein erhebliches regionales Gefälle: Im Saarland versorgte eine Apotheke 3.021 Einwohnerinnen und Einwohner, in Brandenburg 4.409 Einwohnerinnen und Einwohner. Generell ist die Apothekendichte in den neuen Bundesländern deutlich niedriger als im Westen, ohne dass es deshalb zu Versorgungsengpässen kommen würde.

Von den 21.441 öffentlichen Apotheken waren im Jahr 2010 lediglich 3.478 Filialapotheken (16,2 Prozent).

Versandhandel mit Arzneimitteln
Seit 2004 ist in Deutschland auch der Versandhandel mit Arzneimitteln grundsätzlich gestattet (§ 11a ApoG). Allerdings ist die Aufnahme des Versandhandels an strenge Voraussetzungen geknüpft. Zu diesen zählen unter anderem folgende Bestimmungen:
  • Der Versandhandel kann nur einer Apothekerin oder einem Apotheker gestattet werden.
  • Der Versandhandel kann nur zusätzlich zum normalen Betrieb aus einer öffentlichen Apotheke erfolgen.
  • Der Versandhandel hat den für den sonstigen Apothekenbetrieb üblichen Vorschriften zu folgen.
Die prinzipielle Zulassung des Versandhandels steht im Zusammenhang mit den Kostendämpfungsbemühungen im Gesundheitswesen: Ihr war eine längere Diskussion vorausgegangen. Der Versandhandel könnte – so eine verbreitete Sicht – finanzielle Vorteile bringen, wenn Verbraucherinnen, Verbraucher und Kassen Preisvorteile der Versender aus anderen Ländern nutzen oder die deutschen (Versand-)Apotheken durch entsprechende gesetzliche Änderungen der GKV oder auch einzelnen Kassen Preisnachlässe gewähren könnten. Die Einbeziehung des niederländischen Internet-Handelsunternehmens "DocMorris" hätte auf der Grundlage des Arzneimittelumsatzes allein im Jahr 2001 Einsparungen in Höhe von 1,2 Milliarden Euro in der GKV ermöglicht (Nink/Schröder 2003, S. 888). Allerdings ist bei derartigen Berechnungen zu berücksichtigen, dass Apotheken auch Funktionen wahrnehmen (zum Beispiel den Notdienst), die über die Arzneimittelpreise in einer Mischkalkulation mitfinanziert werden. Bei einer Liberalisierung des Arzneimittelvertriebs wäre also zu klären, von wem derartige Aufgaben wahrzunehmen und wie diese zu honorieren wären.

Der Versandhandel mit Arzneimitteln wird zurzeit nur unzureichend erfasst. Insgesamt aber lässt sich die Feststellung treffen, dass er gegenwärtig nur eine untergeordnete Rolle spielt. Im Jahr 2004 verursachte er für die GKV Ausgaben in Höhe von rund 140 Millionen Euro (Nink/Schröder 2006, S. 217). Im Jahr 2008 belief sich ihr Anteil am Umsatz mit rezeptfreien Arzneimitteln auf sieben Prozent (Voigt/Weiche 2009, S. 22). Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken berechnete einen Gesamtumsatz der Versandapotheken von 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2013.

Der damalige Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen, das wichtigste wissenschaftliche Beratergremium des Bundesministeriums für Gesundheit, wies in seinem Gutachten 2000/2001 darauf hin, dass bei den Apotheken zunftähnliche Vertriebsstrukturen die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit der Versorgung behindern (Sachverständigenrat für die Konzertierte Aktion im Gesundheitswesen 2002). Wirtschaftlichkeitsreserven könnten sich dann ergeben, wenn Apothekerinnen und Apotheker oder Apothekenketten untereinander künftig in einen Preiswettbewerb gegenüber allen oder einzelnen Kassen treten könnten

Arzneimittelgroßhandel
Die Apotheken beziehen den Großteil der Arzneimittel nicht direkt vom Hersteller, sondern über den Großhandel. Im Unterschied zur pharmazeutischen Industrie ist der Großhandel außerordentlich stark konzentriert: Die fünf größten Unternehmen verfügen über einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent.

Wissenscheck
Zulassung, Herstellung und Vertrieb von Arzneimitteln

Frage 1 / 5
 
Wo liegen die Schwachstellen der heutigen Zulassungspraxis von Arzneimitteln?








Alle Grafiken zum Download

Hier sind alle Grafiken dieses Abschnitts als PDF-Dokument zusammengefasst. Zum Download klicken Sie bitte auf den Link.

PDF-Icon Downloaden


Links ins Internet

Gesundheitspolitik - Links