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Rentenpolitik

16.11.2016 | Von:
Gerhard Bäcker
Ernst Kistler

Einkommensstruktur von Rentner- und Pensionärshaushalten

Eine differenzierte Betrachtungsweise der Haushaltseinkommen der älteren Generation erlaubt die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS), eine in mehrjährigem Abstand, zuletzt 2013 durchgeführte Großstichprobe des Statistischen Bundesamtes.

Ältere Frau am ComputerÄltere Frau am Computer: Die Unterscheidung von Rentner- und Pensionärshaushalten ist wichtig, da hinter Durchschnitten sowohl ehemalige Arbeiter/Angestellte als auch Beamte stehen. Letztere Gruppe ist kleiner, hat aber deutlich höhere Einkommen, sodass die Durchschnittseinkommen nach oben verzerrt werden. (© fotolia.de/jörn buchheim)


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Datenquelle: Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS)

Die EVS ist eine Befragung von rund 60.000 Haushalten, die alle fünf Jahre durchgeführt wird. Die letzte veröffentlichte Erhebung stammt aus dem Jahr 2013 Sie enthält Angaben zur Gebrauchsgüterausstattung, zur Wohnsituation, zum Vermögen und den Schulden sowie zum Einkommen der Befragten.

Die Befunde aus der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe lassen sich nicht direkt mit denen der ASID-Studie vergleichen. So gelten in der EVS auch Haushalte mit einer Rentnerin/einem Rentner als Bezugsperson unter 65 Jahre als Rentnerhaushalte. Auch enthalten die Einkommensangaben in der EVS den Mietwert selbstgenutzter Immobilien (= unterstellte Eigentümermiete).

Die Tabelle zeigt die Beträge der Haushaltsbrutto- und -nettoeinkommen sowie die wichtigsten Einkommensbestandteile für Rentner- und Pensionärshaushalte. Diese Unterscheidung ist wichtig, da hinter altersbezogenen Durchschnitten, wie sie oft für "Seniorenhaushalte" ausgewiesen werden, sowohl ehemalige Arbeiter/Angestellte, als auch ehemalige Beamte stehen. Letztgenannte Gruppe ist erheblich kleiner, hat aber deutlich höhere Einkommen, so dass die Durchschnittseinkommen für beide Nichterwerbstätigengruppen zusammen nach oben verzerrt werden:

Einkommen von Rentner- und Pensionärshaushalten im Vergleich zu allen Haushalten 2013

Angaben in €/Monat

Haushalte insgesamt Rentner-
haushalte
Pensionärs-
haushalte
Bruttoeinkommen aus unselbstständiger Tätigkeit2.316 82 187
darunter:
− HaupteinkommensbezieherIn 1.783 33 31
− Ehe-/Lebenspartner 450 30 96
+ Bruttoeinkommen aus selbstständiger Tätigkeit 264 37 50
+ Einnahmen aus Vermögen 415 412 812
darunter:
− aus Vermietung und Verpachtung 72 76 178
− unterstellte Eigentümermiete 302 272 518
+ Einkommen aus öffentlichen Transferzahlungen 893 1.670 3.806
darunter:
− Brutto GRV-Renten 455 1.470 392
− Brutto Pensionen 132 34 3.011
+ Einkommen aus nichtöffentlichen Transferzahlungen 196 236 316
+ Einnahmen aus Untervermietung 2 (1) /
= Haushaltsbruttoeinkommen 4.086 2.438 5.173
darunter:
− direkte Steuern und Sozialabgaben − 984 − 241 − 790
= Haushaltsnettoeinkommen 3.132 2.206 4.404

Quelle: Statistisches Bundesamt (2015a), S. 26 ff. (EVS).

Diese Einkommensunterschiede zwischen Rentner- und Pensionärshaushalten werden in der Tabelle sehr deutlich. Sowohl die Altersbezüge aus den Pensionen sind mit 3.011 Euro versus 1.470 Euro bei ehemaligen Beamten erheblich höher als die Renten (jeweils inklusive abgeleiteter Ansprüche für Witwen bzw. Witwer) als auch die Bezüge aus den jeweiligen betrieblichen Altersvorsorgesystemen und die sonstigen Einkünfte. Bei den Beamten (mit im Durchschnitt höheren Einkommen auch schon in der Erwerbsphase) war die Möglichkeit zur Vermögensbildung im Durchschnitt offensichtlich höher, woraus, wie die Tabelle zeigt, dann im Alter höhere Mietwerte der selbstgenutzten Immobilie, höhere Einkommen aus Vermietung und Verpachtung usw. resultieren. Im Ergebnis liegen die Haushaltsbruttoeinkommen von Pensionärshaushalten mit 5.173 Euro mehr als doppelt so hoch wie bei Rentnerhaushalten.

Trotz der höheren Haushaltsbruttoeinkommen von Pensionärshaushalten gegenüber auch der Gesamtheit aller Haushalte inklusive der Erwerbstätigenhaushalte (4.086 €), ist die relative Belastung mit Steuern und Sozialabgaben geringer. Dies obwohl Pensionen (noch im Gegensatz zu Renten, bei denen die nachgelagerte Besteuerung erst schrittweise eingeführt wird (vgl. Rentenberechnung) bereits heute der vollen Besteuerung unterliegen. Grund hierfür ist einerseits die geringe Besteuerung von Vermögenseinkünften in Deutschland und andererseits das Beihilfesystem im Krankheitsfall für Pensionäre.

In anderer Aufgliederung der Alterseinkommensarten und auf aktuellerer Basis (Mikrozensus 2014) zeigt sich, dass Renten, Pensionen sowie Zahlungen aus der privaten und betrieblichen Altersversorgung zusammen genommen bei den Männern zu deutlich über 90 Prozent den Lebensunterhalt finanzieren. Einkommen aus einer eigenen Alterserwerbstätigkeit spielen bei den Männern nur eine geringe und bei Frauen fast gar keine Rolle. Gleiches gilt bei den sonstigen Quellen (darunter die Vermögenseinkünfte).

Quellen des überwiegenden Lebensunterhalts von Männern und Frauen ab 65 Jahren nach Lebensform 2014

Angaben in Prozent

Männer Frauen
allein- lebendals Paar zusam- men le- bendin sonstiger Lebens- form allein- lebendals Paar zusam- men le- bend in sonstiger Lebens- form
Rente/ Pension 93,7 93,9 90,8 95,7 71,1 92,5
Eigene Erwerbs-
tätigkeit
2,7 3,2 4,0 0,8 1,5 1,0
Einkünfte von An-
gehörigen
/ 0,5 / 0,5 25,4 3,2
Sonstige Quellen1 3,5 2,4 3,8 2,9 2,1 3,3
1Zum Beispiel Arbeitslosengeld I, "Hartz IV", Sozialhilfe (einschließlich Grundsicherung im Alter), eigenes Vermögen
Quelle: Statistisches Bundesamt (2015b), S. 14 (Mikrozensus).

Dabei ist zu beachten, dass die persönlichen Einkommen von älteren Frauen deutlich niedriger ausfallen als diejenigen der Männer: 14,7 Prozent der alleinlebenden Männer haben im Alter ein persönliches Einkommen von unter 900 Euro; bei den alleinlebenden Frauen sind das 20,8 Prozent. Betrachtet man die Häufigkeit von persönlichen Alterseinkommen über 2.000 Euro, so wird dieser Geschlechterunterschied noch deutlicher (vgl. Tabelle "Persönliches monatliches Nettoeinkommen von Männern und Frauen ab 65 Jahre nach Lebensform 2014).

Persönliches monatliches Nettoeinkommen von Männern und Frauen ab 65 Jahre nach Lebensform 2014

Angaben in Prozent

Persönliches monatliches Nettoeinkommen von … bis unter… EuroMännerFrauen
allein- lebendals Paar zusam- men- lebendIn sonstiger Lebens- Form1allein- lebendals Paar zusam- men- lebendIn sonstiger Lebens- Form1
unter 900 2 14,7 13,0 24,0 20,8 73,5 38,6
900 − 1300 28,9 28,0 31,4 37,1 15,1 33,5
1300 − 2000 36,7 34,4 28,9 31,5 7,5 21,7
2000 und mehr 19,7 24,7 15,8 10,7 3,9 6,2

1Zum Beispiel Alleinstehende in einem Mehrpersonenhaushalt.
2Inklusive kein Einkommen.
Quelle: Statistisches Bundesamt (2015b), S. 16 (Mikrozensus).


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Autoren: Gerhard Bäcker, Ernst Kistler für bpb.de
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